über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 18. Juni 2022

Gut gemacht.

Alles Stand im Zeichen der Großen Hitze. Sie war aus Spanien unterwegs zu uns und würde alles einschmelzen. Nur der Bereich im Norden versprach Sicherheit, was gut passte, denn in McPom waren wir schon lange nicht. Wir waren nicht in der Stimmung, mit der Navigationssoftware zu diskutieren und folgten einfach deren Vorschlag. So sahen wir zunächst Wandsbek, Jenfeld und Oststeinbek. Das ging recht flüssig, war aber gruselig. Auch die Fahrt übers Land hinterließ zunächst einen zwiespältigen Eindruck. Weitgehend orientierungslos ging es auf auf eintönigen Hohlwegen über Kuddewöhrde, Koberg kreuz und Quer bis Ratzeburg. Die lange Gerade nach Schönberg war heute ganz besonders lang, und erst nach einem müden Picknick am dortigen Teich kam wieder Fahrfreude auf. Janny's Eis in Grevesmühlen hat inzwischen Weltstadtniveau und brauchbaren Kaffee, so dass wir einen satten Umweg für die Rückfahrt planten. Beeline's Route war diesmal weltklasse: Mühlen-Eichsen, Lützow, Wittenburg - herrliches, einsames Gleiten in leichter Klamotte durch dicke Alleen, die Landschaft schimmerte dazu im Sommerlicht wie in besten Zeiten. Auf der B5 ging es mit aller Zeit der Welt zurück bis Geesthacht, dann auf die Deichstraße. Dabei führte Anja und ich schaute es mir an wie einen gut gemachten, langen Film.



Sonntag, 12. Juni 2022

Freundschaft

Thomas kam aus der Hauptstadt zu uns, als Fußgänger. Er wurde gut versorgt mit Kost, Logis und der 500 X als Leihgabe. Das war eine gastfreundschaftliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig, denn so konnten wir den herrlichen Samstag zu dritt auf den Landstraßen der Nordheide verbringen und mussten nicht mit den anderen Fußgängern in der überfüllten Stadt herumkrebsen. Wir fuhren die üblichen Routen durch die leere Weite, und Thomas freundete sich eng mit der Honda an. Weder die Cruiserbegleitung störte ihn, noch das Schreckliche Topcase, in das wir alles reinschmissen was nervte. In Bispingen gibt es eine Eisdiele mit Blick auf die beeindruckende örtliche Poserszene. Wir bestellten wieder unfassbare Eisbecher (das letzte Mal!) und ich analysierte zahlreiche mögliche Rückrouten. Der ganz große Bogen um die Militärgebiete war zu groß, der kleine auch. Wir folgten dem Beeline auf einer unbekannten, schicken Route nach Geesthacht, und kamen über die schläfrige Deichstraße zurück in den Sommer der Stadt, der eine einzige Party war. Am Sonntag gab ich Thomas einfach den Hondaschlüssel. Anja und ich fuhren Fahrrad.



Montag, 6. Juni 2022

Gute Zeit

Pfingsten 2: Treffen mit Thomas in Wittenberge, halsüberkopf vereinbart. Als Gast dabei: Ben auf 250er Honda Enduro. Um aus der Stadt heraus zu kommen, mussten man einen quälenden Bogen über Barmbek, Wandsbek und Horn fahren, denn die gesamte Innenstadt war gesperrt. Wir bleiben noch bis kurz vor Geesthacht in der 50er Zone, und auch die weitere Fahrt verlief zäh, so dass wir in Lauenburg einen Cappuccino brauchten. Die B195 kannte Ben noch gar nicht, sie gefiel ihm gut. Ich kannte sie gut, aber normalerweise mit weniger Dosenverkehr als heute. Je weiter wir in die Elbauen kamen, um so wärmer wurde es. Die alte Allee hinter Dömitz durchfuhren wir in prächtiger Sommerhitze. Am Treffpunkt war kurze Zeit später das Stampfen Tomas' Himalayan zu hören. Wir beantragten einen Tisch am am "Fährmann" Restaurant, wo es auch Pfingsten nichts zu Essen gibt, und auch keinen Kuchen. Ein paar Kannen Kaffee reichten, um alles Nötige zu besprechen. Wegen der auf dem Radar nachweisbar anrückenden Westfront konnte ich verargumentieren, über Perleberg auf der B5 zurück zu fahren. Formal sollte es nur eine halbe Stunde Zeit sparen, aber mit Rückenwind den Cruiser über den vollkommen freien, großen Highway gleiten zu lassen, das war ein heimliches Highlight der Tour. Überraschenderweise war das sogar voll okay für den Endurofahrer. Alles klappte gut, wir erreichten die rettende Stadt in guter Zeit. Die Regenfront kam gar nicht.



Samstag, 4. Juni 2022

Hierbleiben

Pfingsten I: Hierbleiben war die Devise, und das machte Sinn. Mann konnte z.B. nach fröhlichem Abend ohne überhöhte Ansprüche in die Heide aufbrechen, und z.B. den Eisbecher nachholen, der letzte Woche hinten runtergefallen war. Nach Amelinghausen braucht kein Mensch ein Navigationsgerät, aber ich hatte das Beeline programmiert, einfach weil es da ist. Die Route war im Detail auch anders als sonst, aber nicht besser. Wir sahen das eine oder andere Wohn- oder Gewerbegebiet unbedeutender Kleinstädte. Die meiste Zeit fuhren ließen wir die Cruiser locker mit dem Strom der Ausflügler schwimmen. Die Gedanken hatten dabei Raum, im Kopf umher zu fließen. Bei der Eisdiele war alles mit E-Bikes zugeparkt, aber die Eisbecher waren pervers groß. Für die Rückfahrt programmierte ich einen Bogen über Vögelsen nach Bardowick. Dort gab es einen Aldi, wo wie sicherheitshalber Grillgut kauften. Auf der Deichstraße ging es langsam und reizarm zurück in die Stadt. Die war angenehm leer und strahlte in harter Sonne.





Samstag, 28. Mai 2022

Himmelfahren

Langes Wochenende:  Väterinnendonnerstag AKA Himmelfahrt. Ich guckte aufs Radar und nahm gleich die Honda mit den Heizgriffen. Anja montierte eine coole Sissibar an die Rebel, zog warme Socken an und gab Gas. Es ging auf gerader Linie nach Süden durch die Heide. Bispingen, Bergen Celle zogen ruhig und mit Rückenwind vorbei. Dann kam der immer wieder unbekannte Schleichweg zwischen Hildesheim, Peine und Salzgitter hindurch bis Holle. Auf Geschwindigkeit kam es nicht an, wir mussten  nur rechtzeitig in Hörden sein, um dort Rembert zu empfangen. Es dauerte nicht lange bis die Slim zu hören war. Ein Alkfreies in Leder, dann fuhren wir zur dorthin zur Pizzeria, wo Osterode noch richtig tiefergelegt war.

Freitag verabschiedeten wir Rembert auf seinem Weg ins Münsterland. Den Rest des Tages verbrachten wir in örtlichem Bau- und Supermärkten. Die Leute wirkten allesamt doof und das Kabel war zu kurz. Uns konnte das nicht stören, denn wir hatten noch einen langen Abend auf den einsamen Landstraßen des Eichsfelds. In perfekter Beleuchtung schwangen wir über die Hügel, bis es kühl wurde.

Samstag war klar, das wir den Sonntag absagen würden, wegen der Regenfront. In Vormittagsfrische kurvten wir über den Harz, auf der anderen Seite hatten wir einen Termin in Halberstadt. Das sah alles gut aus, aber auf der Wetterkarte kamen die Einschläge näher. Auf der B79 ging es in Sichtweite an einer Schauerzelle vorbei, dann schnurstracks gegen den Sturm an nach Braunschweig, das wir auf der Stadtautobahn durchfuhren. Die Fahrt ging schnörkellos weiter bis Celle, von da auf der B3 nach Hause. Ich hatte die Griffe an und igelte mich hinter der Windschutzscheibe ein. Anja war auf der Rebel schutzlos dem unerbittlichem Nordweststurm ausgesetzt. Mehrfach fragte ich über Funk nach, aber sie behauptete stets, alles sein kein Problem, und ich solle mich nicht so anstellen. Nach und nach realisierte ich, dass das an der Sissibar lag. Auf der letzten Meile, Höhe Wilhelmsburg, erwischte uns ein fieser Starkschauer. Ich schaute in den Rückspiegel, Anja blieb am Gas.





Montag, 23. Mai 2022

Das reelle Ding

Feierabend, schnell ein Käsebrot, wartend bis der Verkehr der Bekloppten sich lichtet. Dann die Lederjacke anziehen und die Bolt anlassen. Um den Abend musste ich mir keine Sorgen machen, er war lang und warm. Ich fuhr über Schnelsen aus der Stadt raus, auf die B4. Bei 85 Sachen richtete ich mir ein flauschiges Fahrtwindkissen ein, sog das warme Streiflicht in mich auf, dass den Asphalt glänzen ließ, der mir allein gehörte. Die Route im Navi war kacke, der Bauch wusste es besser. Einfach links von Hoffnung einen improvisierten Kreis über die einsam in einer grünsamtigen, parkartigen Landschaft liegenden Straßen cruisen. Das war das einzig reelle Ding, das es je gab.



Sonntag, 15. Mai 2022

Pusteblumen

Der Sonntag kam wie aus einer heilen Welt. Frisch, hell, und kristallklar begann schon der Tag, und bis zum Schluss trübte kein Wölkchen oder Gedanke das Bild. In lässigem Style rollten unsere Cruiser durch Geesthacht und Lauenburg. Auf der B5 gefiel mir die Idee, einfach immer weiter zu fahren, auf der herrlichen, endlosen Allee. Kurz darauf meldete sich Anja per Funk. Sie wollte zwar nicht bis ans Ende der Welt, aber warum nicht z.B. mal nach Ludwigslust? Die B195 sparten wir und kurzerhand für den Rückweg auf. In Lulu gab es die bekannten Ziegelbauten, ein Schloss mit großen Fest und, wer hätte das gedacht, Menschen im Überfluss. Dazu echte Sommerwärme, durch die wir in viel zu warmer Funktionswäsche stapfend die Stadt erkundeten. Das Stück nach Süden bis Dömitz war eine enge Allee mit dicken Bäumen, unbekannt und doch vertraut. Dann die Rückroute über die einsame B195, ein unschlagbarer Klassiker im warmen Nachmittagsflirrlicht.  Mit kaum mal schneller als 80 Sachen schwangen wir frei von Sorgen durch den Sonntag. Später, am Elbdeich, gab es noch ein Alkoholfreies unter Pusteblumen. Einen Moment lang war alles klar.