Der Sonntag war am Nachmittag gar nicht so übel. Wir hatten beide das Bedürfnis, mal wieder durch die Nordheide zu cruisen, ohne großes Konzept, einfach nur so, cruisen halt. Das ging gut los, die bekannte Strecke von Holtorfsloh nach Bispingen ist immer wieder unschlagbar, wenn man sie für sich allein hat. Beim Kaffee tauchten 2 Gewitterzellen auf dem Radarschirm auf. Mit einer harmlosen Planänderung würden wir aber ganz elegant zwischen ihnen durchflutschen und ins nördliche Land aus Milch und Honig gelangen. Das klappte nur so halb. Die Zellen hatten sich verbunden, aber zumindest gab es bei Winsen eine Stelle, wenn man da zu einem genau berechneten Zeitpunkt entschlossen durchstach, dann wäre es nichts als ein kurzer leichter Schauer. Irrerweise funktionierte diese Strategie. Fröstelnd, aber weitgehend trocken und total von uns selbst überzeugt erreichten wir sicheres Terrain.
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Sonntag, 6. August 2023
Samstag, 5. August 2023
Wellness
Am Freitagnachmittag allein nach Hörden aufbrechen, das geht, mit der richtigen Einstellung und wenn man weiß wie. Die Autobahn überließ ich auf dem ersten Stück den Vierrädrigen, die sich dort im Stau genügsam aufreihten. Meine 500X rauschte auf der B3 nach Süden, Die Schauerzelle über Soltau würde rechnerisch rechtzeitig abziehen, und tat dies auch. Auf Nass juckelte ich das letzte Ende bis Fallingbostel, ab dort war die BAB frei, und ich auch. Mit jedem Kilometer lichtete sich der Himmel und der Verkehr, und die Mühsal transformierte zu einer Art Wellness bei 130 Km/h und Rückenwind. Gut gelaunt bog ich irgendwo bei Bockenem ab und schmiss mich in die ersten Kurven. Durchs Innerstetal kam ich in die Herzberge. Es war früher Abend, die Sonne schien und beim Edeka gab es Frikadellen. Dazu einfach Kartoffelsalat und eine Dose Bier, ich war allein.
Morgens zwitscherten die Vögel und ich studierte den Wetterverlauf. Es war besser, heute schon zurück zu fahren, aber bitte mit maximalem Umweg. Ich war allein, alles war möglich. In der Vormittagsfrische ging es durchs Eichsfeld bis in Sichtweite des Thüringer Waldes. Niemand außer mir war auf den Straßen, und das ging praktisch den ganzen Tag so weiter. In der Nähe von Witzenhausen kam ich über die Grenze, kurvte weiter durchs Werratal bis ins Wesergebirge. Im Tomtom hatte ich eine Strecke abseits der Hauptrouten programmiert. Orientierungslos und glücklich gab ich mich den saften Schwüngen, Wäldern und Wiesen hin, durchfuhr Orte, die freundlich und unbedeutend kamen und gingen. Im Rückspiegel sah ich manchmal Regenschauer, doch ich schaute nach vorn. Dort, in der Nähe vom Steinhuder Meer, war etwas Verkehr und die Ödnis der Tiefebene schon spürbar. Schneverdingen, das war schon fast Heimat. Sehr entspannt kam in in Hamburg an, wo ich von 3 Künstlerinnen empfangen wurde, die mich als Held feierten.
Sonntag, 30. Juli 2023
Rechnen
Am Sonntag war das Zeitfenster noch schmaler, und ich würde es nicht vorbeiziehen lassen. Gleich nach dem Frühstück kickte ich die SR an und ließ sie durch die verschlafene Stadt schnurren. Rechnerisch konnte ich am Elbdeich entlang und über den Sachsenwald zurück fahren, bevor die Regenfront eintraf. Tatsächlich fuhr ich weiter bis Geesthacht, weil es so schön alleine auf der Straße war und Rückenwind hatte. Auf der anderen Seite ging es mit Gegenwind zurück, frisch, und irgendwie kernig. Ab und zu hielt ich an um das Radar zu kontrollieren. Die Front hatte Verspätung, so dass ich immer neue Umwege durchs undurchdringliche Straßenwirrwar südlich von Harburg dazuprogrammierte, und schließlich in Heimfeld auf die Hafenroute kam. Es war noch früh, der Tag konnte kommen und die Front von mir aus auch.
Samstag, 29. Juli 2023
Fahrplan
Die Arbeit mit Zeitfenstern wurde im Juli überlebenswichtig. Am Samstagmorgen bastelten wir mit Blick aufs Radar, die Uhr, und die Straßenkarte einen sinnvoll dastehenden Plan zusammen. Persönliche Befindlichkeiten hatten sich unterzuordnen. Da das Schönwetterloch aus Westen kam, fuhren wir ihm entgegen, und zwar auf der Autobahn bis Elmshorn. Die ungewöhnliche Richtung brachte uns in Regionen, die wir nur selten zu sehen bekommen. Itzehoe zum Beispiel ist und bleibt eine fremde Welt. Das Land drumrum ist anders, der Wind weht rau, die Wolken silbrig und schwer. Das hatte was, und wir änderten mehrfach die Routenprogrammierung. Zu dem idyllische Sträßchen am Stördeich entlang konnte besonders Anja nicht nein sagen. Als wir bei Glückstadt an auf die Hauptstraße trafen, kamen vom Atlantik schon immer dickere Wolkenberge. Wir nahmen ein Picknick im Stehen, spürten aber schon den Sog in die sichere Stadt. Uetersen, Appen, Schenefeld, mit schönem Schwung und perfektem Timing. Mit dem Garagentor schloss sich das Zeitfenster. Gute Planung ist alles.
Samstag, 22. Juli 2023
Die Rettung
Immer dann, wenn die Zeitfenster für die großen Taten zu schmal sind, oder die Pläne zu klein, oder es einfach ein heißer Juliabend ist, kicke ich die SR an und lasse sie lautlos durch die Stadt schnurren, oder deren engsten Kreis. Manchmal im T-Shirt, mit Sonnenbrille, auf jeden Fall immer mit Stil. In der Ferienzeit ist die Stadt traumhaft leer wie im schönsten Lockdown. Zumal Abends, wenn die Hiergebliebenen vor der Glotze hängen oder sich besaufen. An manchen Tagen ziehen Schauer durch, und es bleibt nur eine Stunde. Selbst wenn ich es nicht mal bis zum Zollenspieker schaffe, diese Yamaha rettet den Tag.
Große Pläne
Große Pläne, ein freier Freitag, unterwegs nach Hörden. Leider etwas verkatert, und vor allem ohne den Schlüssel, was wir erst in Hittfeld beim Durchgehen der Checkliste über Funk feststellten. Autobahn zurück, alles auf Anfang. Zweiter Versuch, diesmal kurz vor Buchholz, kein guter Himmel voraus. Die graue Wand war eine massive Schauerzelle über Soltau. Je länger wir das Radar studierten, umso mehr Zellen formierten sich zu einem undurchdringlichen Labyrinth auf dem Weg nach Süden. Pragmatisch planten wir den Abbruch. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem letzten Sommerloch, das sich über der Nordheide bis zum frühen Abend hielt. Ich fuhr meist teilnahmslos dem TomTom hinterher, was dazu führte, dass mir viele der bekannten Speckgürtelstrecken unbekannt erschienen, sich anfühlten wir eine Entdeckungsreise. In Stelle fuhren wir beim Edeka vor und beluden das Schreckliche Topcase mit Doraden, das erzeugte authentisches Urlaubsfeeling im Nahbereich. Die Sonne drückte, am Horizont drohten die nächsten Zellen. Mit fast leeren Tank kurvten wir nach Hause uns heizten den Grill an.
Sonntag, 16. Juli 2023
Umwege
Anja hatte es verdient, ein Kontrastprogramm: Als Honda-Duo ging es im Kürzeste-Route-Modus in den Südwesten von McPom. Der Weg dorthin war eher blöd, durch Barmbek und Bergedorf, aber mit Rückenwind und unbeschwert. Im Zielgebiet war es genau so, wie man es sich wünscht für eine wendige 500er: Plattenwege durchs Gebüsch, dunkle Alleen und staubige Felder im Hinterhof von McPom, dazu befreiende Menschenleere. Man wundert sich über die ergiebigen, langen Strecken im Nirgendwo zwischen der B195 und B5. Lübtheen tauchte auf wie eine Großstadt. Dann wieder Wildnis. In der Nähe von Kaarßen kamen wir in die Elbauen. Hitze brütete, wir ruhten uns im Wind auf dem Deich aus. Zusammen mit einem Harleypäärchen machten wir uns auf einen willkommenen Umweg nach Darchau, zu einer alternativen Fähre, die angeblich nicht auf einer Sandbank fest saß. Auf der Elbuferstraße ging es entspannt in den langen, lauen Abend. Es folgte Geesthacht, die Deichstraße, halb 9 die Stadt. Bis in die Nacht schwärmten wir von dem Tag.




