20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 5. April 2026

Normal

Inzwischen ist vieles normal, z.B. dass man bei schlechtem Wetter mit der Regionalbahn fährt oder bei Sonne die Honda aus Göttingen holt, für alle Fälle, wie z.B. eine Runde nach dem Einkauf, die man gar nicht mehr dokumentiert. Zu Ostern war Anja da. Wir holten routiniert die Enfield aus der Garage und machten 'einen kleinen Schlenker' um nach Northeim zu gelangen. Ich tippte ein paar Punkte an der Weser ein und die Fahrt ging los. Nach kurzer Zeit waren wir auf einsamen Höhenzügen unterwegs im Kampf gegen fetzig-ungemütlichen Nordwestwind. Wir entdeckten das idyllische Niemetal, kurvten hinunter zum Kloster Bursfelde, verspürten aber trotz Ostern keinen Drang zu beten. Stattdessen ging es in flüssigen Tempo am Fluss entlang, wieder hinauf in den Wald, bis zu einer signalroten Schranke mit Videokamera. Kleinlaut drehten wir um und besuchten in Fürstenberg lieber einen Porzellanshop. In kriechender Kühle ging es über die schwungvolle B241 über Uslar nach Hause. Früher ist man allein für so eine Straße in den Urlaub gefahren. Hier ist das normal.



Samstag, 28. Februar 2026

Neuzeit

Am Anfang war Dreck und Frost, und es war der längste Januar aller Zeiten. Dann kamen Möbel per Post, und Struktur und Licht und eine neue Zeit. An einem Mittwoch kam der Frühling. Aus einer Tiefgarage in Göttingen holte ich die Honda hervor. Am Windschild klebten Insekten vergangener Zeiten. Die Luft war halb raus, ich pumpte an der Tanke. Einer mit 'ner Sechszylinder BMW kam und fragte auf welcher Reise ich sei. Wegen des Kennzeichens. Ich sagte, ich gurk hier nur rum, ich wohne in Northeim. Ein paar Tage später kam Anja mit dem ICE. Die Himalayan sprang stotternd an, und nach 5 Minuten waren wir auf den kurvigen Straßen in sanfter, laubloser Mittelgebirgslandschaft, mit zaghaften 80 Sachen, breit grinsend. Die Puzzleteile fügten sich zu einem neuen Bild, in dem alles Sinn machte und richtig war. Ich hatte Geburtstag und als Geschenk hatte ich 19° Celsius bekommen. Nicht auf Fuerteventura, sondern im Solling. Als es kühl wurde fuhren wir nach Hause und heimwerkten. Es folgten noch mehrere Tage dieser Art, und manchmal, wenn wir gerade nicht bei OBI irgendwas kauften, gurkten wir einfach eine Stunde rum und konnten das Glück kaum fassen.



Donnerstag, 13. November 2025

Mittagspause Deluxe

Donnerstag im November, Northeim. Draußen formierten sich die letzten 15° des Jahres. Ich zog warme Sachen an und war 5 Minuten später aus der Stadt raus. Die kleine Sollingrunde passte in eine verlängerte Mittagspause, sagte Tomtom. Sie führte durch unentdeckte Wald- und Wiesenwege und sagenhafte Holperstrecken im tiefen Strahl letzter Herbstsonne. Das Hier-und-Jetzt-Gefühl war sofort wieder da: Genüssliches Schwingen auf einsamen Kurvenstrecken, den Blick auf die wohlproportionierte Landschaft im kitschigen Herbstfarben genießen. Danach werde ich das Bike in Göttingen abstellen und zum Fußgänger werden. Ich werde meine Sachen in Kartons packen und den Wohnungsschlüssel abgeben. Frost wird kommen, Weihnachten und eine vollkommen neue Zeit.



Mittwoch, 5. November 2025

Grundrauschen

Alles Komplizierte (und der Regen) blieb aber unter der Wolkendecke zurück, die der A319 durchbrach. Kurze Zeit später waren da warme Gassen in Faro, Polvo und Bacalau. 10 Tage hatten wir Zeit und eine Honda Transalp mit reichlich Stauraum. Die ersten Tage waren wir gefangen in der südlichen Hälfte Portugals, wo wir einsame Bergstraßen im Hinterland, unendliche Strände, und leere Fischrestaurants erkundeten. Die Nächte waren erfüllt vom Hintergrundrauschen der Brandung und Knoblauchüberdosis. Später war der Weg frei nach Setubal, wo wir eine Suite bezogen und die perfekte Inszenierung einer Portugiesischen Hafenstadt genossen. Ganz weit im Osten entdeckten wir die Einsamkeit des Alentejo, kauften Souvenirs bei Esporao und kamen auf der N2 zurück nach Faro. Hätte dort nicht schon der Airbus gewartet, wir wären einfach da geblieben.



Sonntag, 19. Oktober 2025

Ohne Gesang

Goldener Herbst, gleißendes Licht und gute 13 Grad. Alles, was mir dazu einfiel war, die SR anzukicken und runzugurken auf Stadtstrecken, wo es reicht, mit vielleicht 60 Sachen zufrieden zu sein und sich mal nicht an den Familienkutschen zu stören. Über die Elbvororte kam ich zurück, hatte überhaupt keine Lust, das in irgendeiner Form zu inszenieren. Ich parkte die SR vorm Haus, ließ Wasser in die Wanne und ließ die grelle Sonne sang und klanglos untergehen.



Donnerstag, 2. Oktober 2025

Spätsommer am Solling

Feierabend in Northeim ist immer noch ein Genuss, aber ein warmflirrender Sommerabend ist es nicht mehr. Ich fuhr einfach am Nachmittag den Rechner runter, kaufte mir eine Thermounterhose bei Kik und gab Gas in Richtung Solling. Das war sofort wieder so wir man es braucht: Erst schwingende, leere Landstraßen durch schwer tragende Apfelalleen, dann die sensationellen, langen Bergstraßen mit introvertierten, schnittigen Kurven im Flow. Ich kam über Beverungen bis an die Weser, wo ich die B80 für mich allein hatte. Die Kik-Unterhose war super, aber im Schatten des Wesertales kroch die Kälte von überall. Ich ignorierte sie und blieb auf den schönsten Landstraßen bis Dransfeld, freute mich über flache Sonnenstrahlen auf den Kuppen. In Göttingen parkte ich die 500X in der Garage und bibberte als Fußgänger zwischen Leuten im T-Shirt, die einen letzten Spätsommertag genossen.



Sonntag, 28. September 2025

Freundlichkeiten

Hamburg - Strukdorf, ein Klassiker, und etwas zu feiern gibt es dort oft. Allzu schnell wollten wir nicht werden, denn an Temperaturen unter 20° mussten wir uns erst noch gewöhnen, Nach einer geduldigen Fahrt über Norderstedt klarte im Norden der Himmel auf und sah gut aus, so wie wir. Das Beeline gab eine kleinteilige Fun-Route quer durchs Land vor, die wir vielleicht kannten, aber erst bei Nütschau waren wir uns sicher. Wir kamen zeitig auf dem Anwesen an, machten uns fein und feierten Horst.

Für die Rücktour hatten wir den ganzen Tag, der besser war als gedacht. Einmal das Meer sehen, das wäre schön. Es ging über Pansdorf Richtung Timmendorf, von dort nach Travemünde und zurück nach Schwartau. Der Wind blies stramm und kalt, ich hatte Lederjacke, keine Heizgriffe und auch keinen Windschutz. Anja machte das alles nichts aus, mir auch nicht. Was zählte, war das lange, unaufgeregte Gleiten durch den freundlichen Nachmittag in bewährter Umgebung. Als wir zu Hause ankamen, war es noch hell und immer noch freundlich, die Maschinen parkten in der Garage, wir legten die Füße hoch und wärmten uns auf.