über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 19. September 2026

Der King am Köterberg

Nach und nach kam die Normalität zurück. Ab Samstagnachmittag war ich allein in Northeim, und mit 20°C musste ich mich arrangieren, im späten September. Es war ein windiger, bewölkter Tag, genau richtig für eine Honda-Tour in Goretex. Aber die Himalayan war zu verführerisch, und ich war noch nicht bereit für die Herbstausrüstung. Also kurvte ich im Gegenwind auf Nebenstrecken durch die Hügel bis an die Weser, und von dort hinter den Bergen bis zum Köterberg. Mir war kalt und die Bratwurst lauwarm, aber ich war der King und hatte die goldensten Felgen am Platz. Zurück ging es schmissig über den Solling, alles war leicht, alles war wild, die Heizgriffe funktionierten. Zuhause gab es einen Parkplatz für die Enfield und eine warme Wanne für den König.





Donnerstag, 17. September 2026

Was zusammen gehört

Gestern Provence, heute Eichsfeld. Wir waren wieder da und hatten einen Tag Zeit, meine Himalayan von Service in Lüderode zu holen. Wir fuhren zu zweit auf Anjas Himalayan, die sich wirklich nach Kräften bemühte und in mancher Kurve aufsetzte. In der Werkstatt gab es eine kleine Wartezeit, und den Rest des Tages waren die beiden Enfields nun erstmalig gemeinsam unterwegs. Ein schönes Paar, das bestimmt auch irgendjemand im schönen Sachsen-Anhalt fand, welches wir auf gut gewählten Nebenstrecken Richtung Göttingen durchfuhren. Dort stiegen wir um auf die Honda, sie kam uns vor wie ein Auto.



Mittwoch, 16. September 2026

Götter in Frankreich

Der motorradaffine Ast der Familie hatte ein Meeting in Südfrankreich organisiert, und wir waren voll dabei, passenderweise mit einer in Avignon gemieteten, schwarz-gelben Himalayan 450 in. Mit Wulf auf seiner 1200er Truimph und Albrecht auf der Interceptor verbrachten wir eine Knappe Woche exzessiver Vormittage auf extremen Bergstraßen im Einzugsbereich der Ardeche. Diese Straßen haben zwischen den Kringelkurven keine Geraden, dadurch waren wir mit dem Einsetzen der Nachmittagshitze bereits ausreichend befriedigt und konnten des Rest des Tages am privaten Pool verbringen bzw. am gedeckten Tisch. So ist das, wenn man Gott ist in Frankreich.

Für Anja und mich begann anschließend noch ein Bonusteil: Über über die Provence mit Zwischenstation in Sisteron setzten wir uns in die Alpen ab. Von Barcelonnette aus erkundeten wir mehrere Pässe, darunter als Highlight der Col de la Bonette. In unserer Phantasie ein Wallfahrtsort, den wir genießen wollten. In Wahrheit ist es am Sonntagmachmittag eine Rennstrecke für den BMW GS Cup. Den Rückweg, mit verschlissener Kette und sinkendem Reifendruck, gestalteten wir unterkomplex. Wir stellten das Bike in Avignon ab, setzten uns in den TGV und donnerten mit 320 Sachen zurück in die Realität.


Die ganze Wahrheit ab sofort nachzulesen in der Kategorie Reiseberichte

Sonntag, 30. August 2026

Himalayan Stunde Null

Um 10 Uhr rollte ich pünktlich in Lüderode beim Laden vor. Die Honda blieb dort erstmal stehen, ich steig um auf eine jungfräuliche Himalayan mit goldenen Felgen. Hinten war mein Nummernschild dran, sie gehörte tatsächlich mir. Zunächst leicht überfordert von der indischen Software irrte ich durch die Gegend und fand mich oben auf dem Harz wieder. Die Maschine mochte das, aber mir waren hier viel zu viele Autos, und ehrlicherweise auch Motorräder. Das RE-Navi reichte, um wieder herunter und auf vertrauten Wegen durchs Eichsfeld zu kreuzen, und dann hinüber Richtung Weser. Die Kurven passten, sie lag gut und es entstand ein schöner Flow, bis der Bordcomputer "niedrigen Kraftstoffstand" meldete. Konnte ich der Restlaufzeit trauen? Endlich tanken in Beverungen, und noch endlicher einen großen Crepes mit Vanilleeis. Ja. Ich hatte noch Zeit, und jeder Kilometer war gut, schließlich musste ich 500 schaffen an diesem Wochen ende. Die B80 war vollkommen leer, und die Himalayan segelte sehr entspannt durchs Wesertal nach Süden bis kurz vor Kassel. Ich kurvte hoch zum Stauffenberg, und dann auf aberwitzigen Kringeln nach Witzenhausen. Über Jühnde nach Göttingen und auf der B3 in die Bahnhofstraße. Das fühlte sich schon richtig normal an, und nach 350 Km richtig gut.


Sonntag gleiches Spiel: Frühstück, Wetter App, Navi, Los. Nach Südosten, da war die Sonne, und sonst niemand. Hinter den Bergen entlang, bis man in Thüringen ist. Ich durchfuhr Bad Heiligenstadt und steuerte die Enfield in das verwinkelte Grenzgebirge, wo die Straßen anderthalbspurig jede Relieffurche abfeiern. Inzwischen hatte die Maschine knapp 500 Kilometer drauf, so dass ich den Einzylinder auch mal auskosten konnte, wenn es sich anbot. Der Nachmittag verflog wechselnd bewölkt in 1000 Kurven, ich stand im Werratal bei Eschwege und programmierte das letzte Stück in die Royal Enfield App. Einmal noch Serpentinen hoch zur Hanstein Burg, dann geradewegs nach Göttingen, Northeim. Es war noch Nachmittag, die Kilometer waren satt voll, mein Kopf leer, dass ich erstmal chillen musste. Die Himalayan wäre am liebsten noch weitergefahren.

Sonntag, 16. August 2026

Regional

Man kann im Regionalexpress nach Northeim flüchten, das dauert, ist oft okay aber oft auch nicht. Der interessante Effekt kam südlich von Hannover, als die ersten Hänge des Leinetals durchs Bild zogen. Alles wurde leicht und die vielen Menschen dominierten nicht mehr, sondern Freude auf den Freiraum, den wir ein paar Stationen später haben würden. Und die Lässigkeit, erst noch ein Eis essen zu gehen, dann mit aller Zeit der Welt die Mopeds fertig zu machen, um nur noch schnell eine kleine Weserrunde zu drehen. Wir brummten über einsame Hügel nach Dransfeld, und durch das Niemetal nach Bursfelde. Dort bestellten wir was zu essen, das schmeckte gut, die Aussicht auf den Fluss war wie im Urlaub, genau wie die Entspannung, die uns durchdrang. Danach ging es noch ein introvertiertes Stück die Weser entlang, dann die gleitende Bundestraße durch einen sanften, braunen Augustabend über Uslar nach Hause. Wir atmeten tief durch.



 

Kunst im Norden

Hamburg, Norden, eine Fahrt planen: Rendsburg. Immerhin, ein Ort außerhalb der Hitzewelle. Andererseits, das Beeline konnte sich auf den Kopf stellen, viel mehr als eine gerade Linie war rauszuholen. Aber darum ging es auch gar nicht, wir wollten früh dort hin und auf der NordArt Kunst bestaunen. Mit der SR tut es nicht weh, längere Zeit mit 80 in einer Autokolonne zu trotten. Als mal freie Bahn war, gab ich Vollgas und auch Anja meldete über Funk Bewunderung, dass die Yamaha am Anschlag 130 Km/h schafft, was den extrem trostlosen Bundestraßen einen gewissen Unterhaltungswert verlieh. Vor dem Hintergrund glänzte auch die gezeigte Kunst wie ein Leuchtturm in der Ödnis. Auf der Rückfahrt fuhren wir mit der Schwebefähre und versuchten einige Nebenstraßen, das gelang zum Teil, zum Teil auch nicht. Am Ende landeten wir wieder auf der B4, einem langen Highway im Norden im Abendlicht.



Donnerstag, 6. August 2026

Das Leben der Anderen

Mein ICE Ticket ließ ich verfallen, ich hatte eine bessere Idee, und gute Gründe: Die Z sollte nach Hamburg, jene 250 Kilometer, die wir vor nicht allzu langer Zeit an jedem langen Wochenende runtergebügelt sind, für ein bisschen Freiheit. Nun war ich auf der B3, und blieb dort, rollte genügsam mit 70 Sachen hinter irgendwelchen Lastern durch die Gegend, in der ich sonst meine Feierabende verbrachte. Nach Norden weitete sich das Leinetal und ging in eine Ebene über. Spätestens als Hannover ausgeschildert war, trat ich in die fremde, längst vergesse Welt der anderen über, in der es nichts gab als Gewerbegebiete und Autos, die auf Vierspurigen in alle Richtungen hetzten. Der Bogen über Lehrte sah auf der Karte sinnvoll aus, in Wahrheit war es eine Quälerei von Ampel zu Ampel. Es folgte eine Schnellstraße bei Gegenwind bis Celle, dann war alles weg. Die B3 zog als anderthalbstündige, introvertierte Gerade durch den Nachmittag bis in die Stadt, die mich überraschend freundlich empfing, als hätte sie ein schlechtes Gewissen. Die Z kam in die Garage und blieb dort. Ich hatte ein Einbecker mitgebracht, das tat gut.