über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 19. April 2026

Hotspots

Ich war allein in Northeim, alles war geregelt, ein Regal gebeizt und der Biomüll unten. Auf dem Sofa liegend gab ich Tomtom ein paar Punkte, um daraus eine 'spannende Route' zu entwickeln. Diese fuhr ich dann ab, wortlos, mit Halsschmerzen, auf Nebenstraßen unter weißen Blüten und durch Dörfer wie im Museum. Die Punkte, die ich unwissend, anhand des Straßenverlaufs, eingegeben hatte, waren echte Hotspots. Zwischen Golmbach und Rühle gab es einen Pass mit alpinen Kehren, der nächste lag bei Bessinghausen und noch einer mit schnellen Kurven ging über ein Gebirgszug namens Ith. Dort waren viele Bikes unterwegs und gaben Gas, während ich unentschlossen zwischen Kurvenrausch und Landschaftsbewunderung pendelte. An die sommerliche Temperatur gewöhnte man sich ganz schnell. Wie immer war es frappierend, wie nah das alles von zu Hause war. Hinter den letzten Bergrücken, den Hills lag schon Einbeck in der Sonne. Dahinter drohte der Himmel dunkel und schwer. Eine Viertelstunde später war ich in Northeim. Es war noch Nachmittag und ich machte es mir gemütlich.




Mittwoch, 15. April 2026

Gefallen

Ich hatte die Aufgabe, Anjas Himalayan nach Weißenbörn-Lüderode zu fahren, zur Wartung. Als ich mit ihr die Landstraßen entlangdampfte, wollte ich sofort auch wieder so einen Traktor haben. Die Fahrt war extrem entspannt. Allerdings, gegen den eisigen Ostwind konnte das kleine Windschild nur wenig ausrichten. Vor Ort bestand ich daher auf ein Werkstattersatzfahrzeug mit Windschutz, und wenn's geht mit Heizgriffen. Ich bekam eine CF-Moto 450, die fuhr sehr akkurat und schnell, und irgendwie technisch.

Ein paar Tage später holte ich dann die Himalayan zurück. Um Anja einen Gefallen zu tun, fuhr ich an einem halbwegs milden Feierabend ihre neuen Reifen ein. Dafür waren die Kurven im südlichen Solling genau richtig und die Reifen waren top. Die Enfield lag stabil in der Kurve wie ein ICE Güterzug (und bremste auch so). Trotzdem, das Fahrerlebnis war intensiv und unschlagbar relaxed, man will eigentlich nur noch das. Es wurde spät, ich stellte sie in die Garage in Göttingen, warf ihr noch einen Blick zu und fuhr mit der Regionalbahn ins Northeim.



Sonntag, 12. April 2026

Kleine Räume

Es waren vielleicht 12 oder 13 Grad, da plant man keine Europatour. Ist manchmal auch gar nicht nötig, denn man kann hier sehr gut kleinräumig agieren. Eine Höhle besichtigen in Scharzfeld zum Beispiel. Nach Göttingen zum Flohmarkt fahren (der ausfiel), oder ins Kunstmuseum. Oder, mal wieder auf die Plesse-Burg, oder die Hardenberg-Burg, die Katlenburg, oder irgendeine andere, es gibt auf jedem Hügel eine. Dazwischen liegen garantiert ein paar schmackhafte Kurvenstrecken und am Ende war es immer ein Guter Tag.



Sonntag, 5. April 2026

Normal

Inzwischen ist vieles normal, z.B. dass man bei schlechtem Wetter mit der Regionalbahn fährt oder bei Sonne die Honda aus Göttingen holt, für alle Fälle, wie z.B. eine Runde nach dem Einkauf, die man gar nicht mehr dokumentiert. Zu Ostern war Anja da. Wir holten routiniert die Enfield aus der Garage und machten 'einen kleinen Schlenker' um nach Northeim zu gelangen. Ich tippte ein paar Punkte an der Weser ein und die Fahrt ging los. Nach kurzer Zeit waren wir auf einsamen Höhenzügen unterwegs im Kampf gegen fetzig-ungemütlichen Nordwestwind. Wir entdeckten das idyllische Niemetal, kurvten hinunter zum Kloster Bursfelde, verspürten aber trotz Ostern keinen Drang zu beten. Stattdessen ging es in flüssigen Tempo am Fluss entlang, wieder hinauf in den Wald, bis zu einer signalroten Schranke mit Videokamera. Kleinlaut drehten wir um und besuchten in Fürstenberg lieber einen Porzellanshop. In kriechender Kühle ging es über die schwungvolle B241 über Uslar nach Hause. Früher ist man allein für so eine Straße in den Urlaub gefahren. Hier ist das normal.



Samstag, 28. Februar 2026

Neuzeit

Am Anfang war Dreck und Frost, und es war der längste Januar aller Zeiten. Dann kamen Möbel per Post, und Struktur und Licht und eine neue Zeit. An einem Mittwoch kam der Frühling. Aus einer Tiefgarage in Göttingen holte ich die Honda hervor. Am Windschild klebten Insekten vergangener Zeiten. Die Luft war halb raus, ich pumpte an der Tanke. Einer mit 'ner Sechszylinder BMW kam und fragte auf welcher Reise ich sei. Wegen des Kennzeichens. Ich sagte, ich gurk hier nur rum, ich wohne in Northeim. Ein paar Tage später kam Anja mit dem ICE. Die Himalayan sprang stotternd an, und nach 5 Minuten waren wir auf den kurvigen Straßen in sanfter, laubloser Mittelgebirgslandschaft, mit zaghaften 80 Sachen, breit grinsend. Die Puzzleteile fügten sich zu einem neuen Bild, in dem alles Sinn machte und richtig war. Ich hatte Geburtstag und als Geschenk hatte ich 19° Celsius bekommen. Nicht auf Fuerteventura, sondern im Solling. Als es kühl wurde fuhren wir nach Hause und heimwerkten. Es folgten noch mehrere Tage dieser Art, und manchmal, wenn wir gerade nicht bei OBI irgendwas kauften, gurkten wir einfach eine Stunde rum und konnten das Glück kaum fassen.



Donnerstag, 13. November 2025

Mittagspause Deluxe

Donnerstag im November, Northeim. Draußen formierten sich die letzten 15° des Jahres. Ich zog warme Sachen an und war 5 Minuten später aus der Stadt raus. Die kleine Sollingrunde passte in eine verlängerte Mittagspause, sagte Tomtom. Sie führte durch unentdeckte Wald- und Wiesenwege und sagenhafte Holperstrecken im tiefen Strahl letzter Herbstsonne. Das Hier-und-Jetzt-Gefühl war sofort wieder da: Genüssliches Schwingen auf einsamen Kurvenstrecken, den Blick auf die wohlproportionierte Landschaft im kitschigen Herbstfarben genießen. Danach werde ich das Bike in Göttingen abstellen und zum Fußgänger werden. Ich werde meine Sachen in Kartons packen und den Wohnungsschlüssel abgeben. Frost wird kommen, Weihnachten und eine vollkommen neue Zeit.



Mittwoch, 5. November 2025

Grundrauschen

Alles Komplizierte (und der Regen) blieb aber unter der Wolkendecke zurück, die der A319 durchbrach. Kurze Zeit später waren da warme Gassen in Faro, Polvo und Bacalau. 10 Tage hatten wir Zeit und eine Honda Transalp mit reichlich Stauraum. Die ersten Tage waren wir gefangen in der südlichen Hälfte Portugals, wo wir einsame Bergstraßen im Hinterland, unendliche Strände, und leere Fischrestaurants erkundeten. Die Nächte waren erfüllt vom Hintergrundrauschen der Brandung und Knoblauchüberdosis. Später war der Weg frei nach Setubal, wo wir eine Suite bezogen und die perfekte Inszenierung einer Portugiesischen Hafenstadt genossen. Ganz weit im Osten entdeckten wir die Einsamkeit des Alentejo, kauften Souvenirs bei Esporao und kamen auf der N2 zurück nach Faro. Hätte dort nicht schon der Airbus gewartet, wir wären einfach da geblieben.