über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 28. Mai 2026

Jeden Abend feiern

Ich war allein in Northeim, in einer Maisommerwoche ohne Beispiel. Die Tage waren gut strukturiert: Morgens mit dem Rad um den See, dann Homeoffice im Dachgeschoss, und zum Feierabend Ausfahrt mit der Honda. Kurze Runden von 50, vielleicht 70 Kilometern, die so erfüllend sind und die Landschaft im Abendlicht so schön inszeniert, dass ich über mein eigens Glück erschrecke. Dienstag ging es ein Stück Nördlich von Einbeck durch die Hügel, Mittwoch die unfassbar gut zu fahrende Runde über den Pass bei Sudheim, nach Wachenhausen und zurück auf der Slalomstrecke über Spanbeck. Donnerstag ging es auf einer viele Kilometer vollgesperrten Straße ohne Asphaltdecke durch den Solling. Ich feierte das.



Montag, 25. Mai 2026

Pfngscht mit Gäste beeindrucken

Plötzlich kam am Pfingstfreitag mit einem Knall der Sommer. Parallel dazu waren aus Darmstadt Albrecht und aus Murr Wulf auf dem Weg hierher. Am frühen Abend standen sie mit ihren Royal Enfield und die Triumph vor der Tür. Ich gab erstmal eine Runde Einbecker aus und zeigte den Gästebereich. Für mich gabs Alkoholfrei, denn Anja steckte im ICE fest und ich fuhr um Mitternacht nach Göttingen um sie abzuholen.

Am Samstag führte ich auf der Z die durchaus ansehnliche Truppe aus Interceptor, Scrambler und Himalayan über Nebenstrecken in Richtung Wesertal. Mir war es wichtig, mit den Geheimtipps zu glänzen, was recht gut gelang. Alle schwangen zufrieden durch die kurvigen Nebenstraßen und lobten die schöne Gegend. Wir besichtigten Hann. Münden in der Mittagshitze und waren dankbar über die anschließenden, fließenden Kilometer am Fluss entlang. Als es richtig schön wurde, leuchtete bei der Interceptor eine Warnlampe. Es war die einzig pragmatische Entscheidung, zum Louis nach Göttingen zu fahren und erstmal ein Ladegerät zu organisieren. Später gab es wieder Einbecker, diesmal mit Alkohol, die Probleme erschienen dann handhabbar. 

Sonntag sprang die Interceptor gut an und die Gruppe machte sich auf eine weitere geführte Tour durch die neue Heimat. Irgendwer hatte Riesenwindbeutel in Goslar ins Spiel gebracht, das ergab eine Fahrt durch den Harz, zumindest am Rand. Die wirklichen Highlights kamen gleich hinterm Stadtrand von Northeim, die schmalen Bergstraßen von Echte über Westerhof sind was für Genießer. Das kann man von den trägen Autokolonnen am Pfingstwochenende im Harz nicht gerade sagen. Die Windbeutel in Goslar waren per Beeline zwar nicht auf Anhieb zu finden, letztlich aber noch gewaltiger als jede Vorstellungskraft. Danach ging es erst unfreiwillig durch ein Wohngebiet, dann peinlich mit Vollgas über den Pass nach Seesen, und dann, am späteren Nachmittag endlich in aller Ruhe über die sanften Hügel nach Westen, im Gegenlicht und immer auf der Suche nach einem würdigen Fotospot. Über Deligsen kamen wir ins Hills, die letzte Etappe vor dem Endziel, der Heldenburg. Passender konnte der Name nicht sein.


Sonntag eskortierten Anja und ich die beiden Gäste noch ein langes, heißes Stück auf der B27. Abschied bei Eschwege, und Hoffnung für die Interceptor (sie hielt durch). Wir blieben noch eine Weile in der Region und erforschten das vollkommen unentdeckte, romantische Werratal zwischen Wanfried, Treffurt und Creuzburg. Wenn wir nächstes Mal Gäste beeindrucken wollen, geht es hier hin.

Sonntag, 17. Mai 2026

Kreativität

Das war das lange Himmelfahrtwochenende, Urlaub bei Anja in Hamburg, bei Herbstwetter. Darauf waren wir eingestellt, z.B. indem wir zu Hause blieben und dort kreativ waren oder tranken. Am Sonntag lichtete es sich und wir holten die Stadtmotorräder aus der Garage: Die Rebel und die SR, beide blankgeputzt. Das sah gut aus und wir konnten uns gepflegt von Ampel zu Ampel bis zum ersten Stau an den Elbbrücken vorarbeiten. Die Route war damit gestorben, wir improvisierten kurzerhand eine Alternative auf der Deichstraße. Das war lächerlich und wir nahmen es mit Humor. Eine Weile dahinrollen, das war schon toll. In Geesthacht philosophierten wir lange, wie es weiter gehen könnte. Alle Wege nach Süden waren mit Autos verstopft. Es blieb die Flucht durch den Sachsenwald und über eine tatsächlich nie gesehene Landstraße, auf der ich einmal über 80 Km/h fuhr, bis zurück an den Stadtrand nach Rahlstedt. Das war alles, aber es war nicht nichts.



Sonntag, 10. Mai 2026

Der Wind

Am Sonntag fuhr ich drei verschiedene Bikes, aus Gründen: Honda nach Göttingen bringen, Anjas Himalayan holen, Nemo anbauen, probefahren und zurückbringen. Das war schon mal gut. Dann auf die Z umsteigen, das war eine größerer Schritt. Und zunächst nach hinten, denn sie war unbequem und nach wenigen Kilometern in freier Wildbahn zog der Fahrtwind in die Jacke. Ich groovte mich ein auf einer südwestlichen Route Richtung Meißner. Der Fahrtwind war nach einer Weile entweder warm genug, oder er gehörte einfach dazu, wenn ich beispielsweise nach einer schmissigen Kurve Gas gab und über eine Kuppe ins nächste Panoramabild rauschte oder auf Waldstraßen durch dichtes Maigrün. Es zählte irgendwann nur noch der nächste Abzweig auf den nächsten Streckenabschnitt, immer weiter, ganz allein auf den besten Straßen für diese funkelnde Maschine. Die Route kreuzte die Werra bei Bad Sooden, dann ging es in absurden Kringeln durch das Grenzgebirge. Bei Meinhardt kam ich wieder in die Zivilisation, so voll mit Fahrerlebnis, dass ich den letzten Teil wegließ. Auf der B27 rollte nach Hause, stellte die Kawa ab, betrachtete sie noch eine Weile und machte ein Bier auf. Ich hatte es verdient.


 

Sonntag, 3. Mai 2026

Was wir suchten

Am Sonntag war es milchig bedeckt und windig. Anja und ich waren unterwegs zum Großflohmarkt in Göttingen. Dort gab es alles, nur nicht was wir suchten. Alternativ fuhren wir aus der Stadt heraus, und zwar nochmals ins Eichsfeld, weil es so schön war gestern. Ich war diesmal auf der Honda unterwegs, weshalb mir der ruppige Südwestwind nicht anhaben konnte. Wir brausten ganz allein auf schmalen Landstraßen über die weiten Kuppen und waren bei jedem Panorama über die Landschaft immer wieder baff. Die Orte lagen erstarrt in den Tälern Thüringens und waren vollkommen menschenleer. Das war sicher auch gut so, so konnten wir den Tag genießen. Gedankenverloren kreuzten wir durch die Region bis zum späten Nachmittag. Anjas Himalayan kam in die Garage, wir Tranken noch einen Kaffee in Hardenberg, und begaben uns auf die letzten müden und zufriedenen 10 Kilometer auf der B3 nach Hause. Wir hatten doch alles, was wir suchten.



Samstag, 2. Mai 2026

Eskorte

Rembert war mit der Slim nach Northeim gekommen und wir versuchten, ihn wie einen König zu empfangen. Am Samstag reiste er wieder ab, bei vollwertigem Sommerwetter und Anja und mir als dekorative Eskorte. Rembert hatte einen Plan und führte die Truppe südlich am Harz entlang über freie Landstraßen und leere Dörfer. Da sein Navi die Sperrungen nicht kannte, gab es immer wieder amüsante Umleitungen durch Wald und Wiese. Ganz im Osten ging es ein Stück den Harz hinauf, zu einem Imbiss, eingefroren in der Nachwendezeit. Wir trennten uns bei Filterkaffee. Rembert hatte noch eine satte Strecke vor sich, Anja und ich trieben die Z und die Himalayan zum Wald von Keula und ernteten dort kiloweise Bärlauch. Dann ging es einen langen, warmen Tag lang durch die Eichsfelder Weite zurück in den Westen.



Freitag, 1. Mai 2026

Problemlösung

Am freien Maifeiertagsfreitag überführte ich die Z von Hamburg nach Northeim. Damit wurde ein letztes Problem gelöst. Alles was ich mithatte, war im Rucksack, sicherheitshalber trug ich eine lange Unterhose. Morgend um 10:30 war die Fahrt frei für sonnige 250 Kilometer ohne Wiederkehr. Der lange, gerade Highway B3, der sich endlos durch die Heide nach Süden zieht, den hatte ich schon mal angebetet, das erinnere ich. Heute war es eher langweilig, man könnte sagen zäh. Ich hatte Hunger, der Hintern tat weh, der Rucksack wurde schwer, der Gegenwind nervte. Kurz hinter Hannover tankte ich, ab da wurde es gut. Ich fand es spannend, nicht die "Fun"-Route des Beeline zu nehmen, sondern stur auf der B3 zu bleiben, bis ich an der Bahnhofstraße in Northeim vorbeikam. Eine Pause machte ich nicht mehr, fuhr einfach immer weiter, kam in vertrautes Gebiet, das heute irgendwie ganz unvertraut wirkte. Ich parkte vorm Haus, schloss auf und das Problem war gelöst.