über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 21. Juni 2026

Klassiker

Alles war unsicher, bis plötzlich das Gewitter von der Prognose verschwunden war. Da war es schon Abend, aber das war egal, denn diese Tage sind endlos. Kurzerhand schickten wir eine Message nach Westerrade und machten uns auf den Weg zur Gartenparty im Mittsommer.

Am Sonntag starteten wir von Strukdorf aus in Richtung McPom. Die grobe Angabe musste reichen, denn das Beeline war defekt. Und früher ging es ja auch nach Orientierung. Zu dem klassischen Ansatz passte auch meine SR, meine Jacke, und irgendwie das ganze Mindset an diesem Tag. Mit 80 Sachen, ohne Handschuhe, bullerten wir auf gut Glück über einsame Landstraßen zwischen grün und gelb, das hatte nach gewisser Zeit etwas extrem Entspanntes. Anja folgte genügsam auf der Rebel im Rückspiegel. Klocksdorf, Dechow, Mustin, Goldensee, das sind Strecken aus der guten alten Zeit, die hätten wir beinahe vergessen. Es ging in dem Stil weiter bis zu einem Eiskaffee in Zarrentin, dann folgte die lange Waldstraße nach Gudow - ebenfalls ein Klassiker. Die langsame Fahrt war lang und schön, machte aber sehr müde. Die Heimfahrt überlebten wir nur durch einen Power-Nap auf einer Bank an der Deichstraße. Die Elbe floss in den heißen Sonntagabend, träge wie wir.



Donnerstag, 18. Juni 2026

Fußballfan

In Hamburg gibt es nur noch die SR, egal für welche Strecke. In letzter Zeit erwies sich diese als genau richtig. Ich fuhr in Jeans und ohne Polster durch die Stadt, wenn die anderen Fußball glotzten. Die Luft strich warm über die Haut, die endlose Junisonne brannte bis spät auf dem Asphalt, die Yamaha rollte niedrigtourig und stolz glänzend durch leergefegte Straßen. Zusammen verursachte all das ein unschlagbares Lässigkeitsgefühl und eine nie dagewesene Liebe zum Fußball.





Donnerstag, 11. Juni 2026

Unter der Woche

Ich hatte Anjas Enfield geholt und eine Steckdose rangebastelt. Da sie nun vorm Haus stand, machte ich damit freizügig Feierabendfahrten. Einerseits um die Navigation zu testen (funktioniert), anderseits, weil ich mich heimlich total in das einzylindrische Dahingleiten verliebt hatte. Eine kleine Runde durchs nordwestliche Eichsfeld, ein Stück Harz, oder einfach nur zum Sundowner die Pässe über den Wieter einmal hin und her. Immer war ich hinterher auf mobile.de und suchte nach langsamen Glücklichmachern. Dabei war ich doch schon so glücklich.



Sonntag, 7. Juni 2026

Schwärmen

Horst und Sabine sind aus dem Norden gekommen - im Auto, aber okay,  das sind ehrwürdige Gäste. Um die Gegend zu erkunden, verabredeten wir einen Treffpunkt im Wesertal und begaben uns auf getrennten Wegen dorthin. Diese begrüßenswerte Initiative ging von den Autofahrern aus. Ihr Navi lotste die sie nichtsdestotrotz auf kurvigsten Bergstraßen über den Solling, so dass sie den Rest des Tages von der schönen Landschaft schwärmten, die zugegebenermaßen gerade aussieht wie eine Eisenbahnanlage im Fallerkatalog. Wir setzen als Kirsche noch die Besichtigung der Klosterkirche von Bursfelde drauf. Anja und ich drehten noch eine Runde über die Berge, die Autofahrer auch. Abends schwärmten alle erneut.

Sonntag war der Ehrenbesuch weg. Anja und ich nutzen den Tag zu Aufräumarbeiten sowie eine zwanglosen Abendrunde. Eigentlich war es die Überführungsfahrt der Hímalayan nach Göttingen. Anja testete dabei die neue Navigation per Handy auf einer ausschweifenden Route über die Hügel rund um Adelebsen. Die dortige Burg dämmerte in einen schläfrigen Sonntagabend, wir genossen noch einmal den warmen Wind und den Blick ins späte Leinetal. Manchmal schwärmen wir auch noch davon.




Donnerstag, 28. Mai 2026

Jeden Abend feiern

Ich war allein in Northeim, in einer Maisommerwoche ohne Beispiel. Die Tage waren gut strukturiert: Morgens mit dem Rad um den See, dann Homeoffice im Dachgeschoss, und zum Feierabend Ausfahrt mit der Honda. Kurze Runden von 50, vielleicht 70 Kilometern, die so erfüllend sind und die Landschaft im Abendlicht so schön inszeniert, dass ich über mein eigens Glück erschrecke. Dienstag ging es ein Stück Nördlich von Einbeck durch die Hügel, Mittwoch die unfassbar gut zu fahrende Runde über den Pass bei Sudheim, nach Wachenhausen und zurück auf der Slalomstrecke über Spanbeck. Donnerstag ging es auf einer viele Kilometer vollgesperrten Straße ohne Asphaltdecke durch den Solling. Ich feierte das.



Montag, 25. Mai 2026

Pfngscht mit Gäste beeindrucken

Plötzlich kam am Pfingstfreitag mit einem Knall der Sommer. Parallel dazu waren aus Darmstadt Albrecht und aus Murr Wulf auf dem Weg hierher. Am frühen Abend standen sie mit ihren Royal Enfield und die Triumph vor der Tür. Ich gab erstmal eine Runde Einbecker aus und zeigte den Gästebereich. Für mich gabs Alkoholfrei, denn Anja steckte im ICE fest und ich fuhr um Mitternacht nach Göttingen um sie abzuholen.

Am Samstag führte ich auf der Z die durchaus ansehnliche Truppe aus Interceptor, Scrambler und Himalayan über Nebenstrecken in Richtung Wesertal. Mir war es wichtig, mit den Geheimtipps zu glänzen, was recht gut gelang. Alle schwangen zufrieden durch die kurvigen Nebenstraßen und lobten die schöne Gegend. Wir besichtigten Hann. Münden in der Mittagshitze und waren dankbar über die anschließenden, fließenden Kilometer am Fluss entlang. Als es richtig schön wurde, leuchtete bei der Interceptor eine Warnlampe. Es war die einzig pragmatische Entscheidung, zum Louis nach Göttingen zu fahren und erstmal ein Ladegerät zu organisieren. Später gab es wieder Einbecker, diesmal mit Alkohol, die Probleme erschienen dann handhabbar. 

Sonntag sprang die Interceptor gut an und die Gruppe machte sich auf eine weitere geführte Tour durch die neue Heimat. Irgendwer hatte Riesenwindbeutel in Goslar ins Spiel gebracht, das ergab eine Fahrt durch den Harz, zumindest am Rand. Die wirklichen Highlights kamen gleich hinterm Stadtrand von Northeim, die schmalen Bergstraßen von Echte über Westerhof sind was für Genießer. Das kann man von den trägen Autokolonnen am Pfingstwochenende im Harz nicht gerade sagen. Die Windbeutel in Goslar waren per Beeline zwar nicht auf Anhieb zu finden, letztlich aber noch gewaltiger als jede Vorstellungskraft. Danach ging es erst unfreiwillig durch ein Wohngebiet, dann peinlich mit Vollgas über den Pass nach Seesen, und dann, am späteren Nachmittag endlich in aller Ruhe über die sanften Hügel nach Westen, im Gegenlicht und immer auf der Suche nach einem würdigen Fotospot. Über Deligsen kamen wir ins Hills, die letzte Etappe vor dem Endziel, der Heldenburg. Passender konnte der Name nicht sein.


Sonntag eskortierten Anja und ich die beiden Gäste noch ein langes, heißes Stück auf der B27. Abschied bei Eschwege, und Hoffnung für die Interceptor (sie hielt durch). Wir blieben noch eine Weile in der Region und erforschten das vollkommen unentdeckte, romantische Werratal zwischen Wanfried, Treffurt und Creuzburg. Wenn wir nächstes Mal Gäste beeindrucken wollen, geht es hier hin.

Sonntag, 17. Mai 2026

Kreativität

Das war das lange Himmelfahrtwochenende, Urlaub bei Anja in Hamburg, bei Herbstwetter. Darauf waren wir eingestellt, z.B. indem wir zu Hause blieben und dort kreativ waren oder tranken. Am Sonntag lichtete es sich und wir holten die Stadtmotorräder aus der Garage: Die Rebel und die SR, beide blankgeputzt. Das sah gut aus und wir konnten uns gepflegt von Ampel zu Ampel bis zum ersten Stau an den Elbbrücken vorarbeiten. Die Route war damit gestorben, wir improvisierten kurzerhand eine Alternative auf der Deichstraße. Das war lächerlich und wir nahmen es mit Humor. Eine Weile dahinrollen, das war schon toll. In Geesthacht philosophierten wir lange, wie es weiter gehen könnte. Alle Wege nach Süden waren mit Autos verstopft. Es blieb die Flucht durch den Sachsenwald und über eine tatsächlich nie gesehene Landstraße, auf der ich einmal über 80 Km/h fuhr, bis zurück an den Stadtrand nach Rahlstedt. Das war alles, aber es war nicht nichts.