über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 12. Juli 2026

L.A. People

Anja hatte Freunde aus der großen Welt nach NOM eingeladen: Thomas aus der Hauptstadt, und Alia aus L.A. Das ist was, da blamiert man sich besser nicht und stellt ungefragt ein Gästemotorrad bereit. Die Honda stand frisch gewaschen da, als sie kamen. Erwartungsgemäß wollten sie den Harz sehen. In einem lässigen 3er Korso glitten wir über die Panoramastraße 242, es war heißer Tag aber hier oben war es kühl und die Fernsicht prächtig. Thomas hatte sich mit der Honda schnell angefreundet, man konnte ihm auch mal eine Serpentine zumuten. Ich hing noch einen ausladenden Umweg durchs Eichsfeld ran. Es ging auf einsamen Kurvenrouten hoch zum Sonnenstein, dann über Duderstadt zurück Richtung Nörten. Ein Malheur in Spanbek überstanden alle Beteiligten und die Honda mit einem kleinen Schrecken. Der Abend war warm und wir planten gleich die nächste Tour.

Den Sonntag ließen wir erstmal träge auf uns zukommen, erst am Nachmittag starteten die Himalayan, 500X und Z in Richtung Weserbergland, auf einer Beeline-Route, die erst nach und nach an Dynamik gewann. Die Gäste waren overwhelmed von der abwechslungsreichen Fahrt und den immer wieder neuen Ausblicken in die heiße, goldgelbe Sommerlandschaft. Sie fuhren die Honda dabei kurzärmlich, das sah aus wie im Urlaub. Es ging ein fließendes Stück am Fluss entlang, dann extrakurvig durchs Hinterland zum Café im Wasserschloss, das dreimal so alt war wie LA. Den Abschluss bildete ein Alkoholfreies auf der Plesseburg. Der Blick schweifte über das weite Tal im Sunset, das war alles meins, behauptete ich. Die Städter glaubten mir.



Sonntag, 5. Juli 2026

Darmstadt im Sommer

Als Albrecht zum Sommerfest in Darmstadt einlud, sagten wir sofort zu. Jedes Navi schlug einen eigenen Weg dorthin vor, gut waren alle. Der vom Tomtom ging bis Bad Hersfeld auf der B27, dann auf erstaunlich schönen, leeren Straßen über Schlitz und Lauterberg, am Vogelsberg entlang. Es waren 300 lange, sehr entspannte Kilometer zum Genießen. Am Anfang war es allerdings so frisch, dass ich unterwegs einen Pullover kaufte und ein Stück Kuchen. Später, in der staubig-tristen Mainebene, schwitzten wir bei 30°. Albrecht hatte das Ideal einer Gartenparty organisiert. Wir tranken heimlich alkoholfrei, und smalltalkten bis in die laue Nacht. Die Rückfahrt am Sonntag ging auf dem gleichen Weg zwischen mittleren Bergen und Schauerzellen hindurch. Diese waren am Himmel harmloser als in der App, meist fuhren wir unbeschadet durch. Nur die eine, fast am Schluss, kurz hinter Eschwege, erwischte uns hinterhältig. Danach waren wir wach und die Luft war wie frisch geduscht und die Fahrt war trotzdem perfekt.



Sonntag, 28. Juni 2026

Siesta

Der neue heiße Scheiß war eine Hitzewelle. Auf allen Kanälen wurde gewarnt und alarmiert. Dabei war die Lösung so einfach, für jemanden wie mich, in Northeim: Nach Feierabend die Honda anlassen und in leichter Klamotte hoch auf den Harz fahren. Oben waren es die entscheidenden Grad weniger, die leergefegten Panoramastraßen gab es als Bonus. Das wiederholte ich jeden Abend, es funktionierte im Solling genausogut. Dort entdeckte ich (bzw. Tomtom) nebenbei eine endlos lange Gravel Road durchs Gebüsch. Kaum zu glauben, aber legal.
Am Wochenende kam Anja, und noch mehr Hitze. Es war jetzt das heiße Urlaubsgefühl aus dem Süden, wo man Pausen an unterkühlten Supermärkten einplant und alle kurzhosig fahren, nur man selbst nicht. Tagsüber war die Luft nur noch ein Heißluftgebläse, auch ohne Jacke. Ich stieg auf die Z um, die war nackt, aber das änderte wenig. Wir machten es wie im Süden: Eine Ausfahrt in der Morgenfrische, den Tag lang Siesta im Haus, sinnvolle Dinge erledigend (oder schlafend), Abends eine erlösende Tour auf der Höhenstraße und danach ein Bier. Einmal fragte sich Anja, ob es theoretisch langweilig werden könnte, immer wieder die B242 zu fahren. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Sicherheitshalber fuhren wie die Alternativroute über den Sieberpass, noch ein Bonus.


Sonntag, 21. Juni 2026

Klassiker

Alles war unsicher, bis plötzlich das Gewitter von der Prognose verschwunden war. Da war es schon Abend, aber das war egal, denn diese Tage sind endlos. Kurzerhand schickten wir eine Message nach Westerrade und machten uns auf den Weg zur Gartenparty im Mittsommer.

Am Sonntag starteten wir von Strukdorf aus in Richtung McPom. Die grobe Angabe musste reichen, denn das Beeline war defekt. Und früher ging es ja auch nach Orientierung. Zu dem klassischen Ansatz passte auch meine SR, meine Jacke, und irgendwie das ganze Mindset an diesem Tag. Mit 80 Sachen, ohne Handschuhe, bullerten wir auf gut Glück über einsame Landstraßen zwischen grün und gelb, das hatte nach gewisser Zeit etwas extrem Entspanntes. Anja folgte genügsam auf der Rebel im Rückspiegel. Klocksdorf, Dechow, Mustin, Goldensee, das sind Strecken aus der guten alten Zeit, die hätten wir beinahe vergessen. Es ging in dem Stil weiter bis zu einem Eiskaffee in Zarrentin, dann folgte die lange Waldstraße nach Gudow - ebenfalls ein Klassiker. Die langsame Fahrt war lang und schön, machte aber sehr müde. Die Heimfahrt überlebten wir nur durch einen Power-Nap auf einer Bank an der Deichstraße. Die Elbe floss in den heißen Sonntagabend, träge wie wir.



Donnerstag, 18. Juni 2026

Fußballfan

In Hamburg gibt es nur noch die SR, egal für welche Strecke. In letzter Zeit erwies sich diese als genau richtig. Ich fuhr in Jeans und ohne Polster durch die Stadt, wenn die anderen Fußball glotzten. Die Luft strich warm über die Haut, die endlose Junisonne brannte bis spät auf dem Asphalt, die Yamaha rollte niedrigtourig und stolz glänzend durch leergefegte Straßen. Zusammen verursachte all das ein unschlagbares Lässigkeitsgefühl und eine nie dagewesene Liebe zum Fußball.





Donnerstag, 11. Juni 2026

Unter der Woche

Ich hatte Anjas Enfield geholt und eine Steckdose rangebastelt. Da sie nun vorm Haus stand, machte ich damit freizügig Feierabendfahrten. Einerseits um die Navigation zu testen (funktioniert), anderseits, weil ich mich heimlich total in das einzylindrische Dahingleiten verliebt hatte. Eine kleine Runde durchs nordwestliche Eichsfeld, ein Stück Harz, oder einfach nur zum Sundowner die Pässe über den Wieter einmal hin und her. Immer war ich hinterher auf mobile.de und suchte nach langsamen Glücklichmachern. Dabei war ich doch schon so glücklich.



Sonntag, 7. Juni 2026

Schwärmen

Horst und Sabine sind aus dem Norden gekommen - im Auto, aber okay,  das sind ehrwürdige Gäste. Um die Gegend zu erkunden, verabredeten wir einen Treffpunkt im Wesertal und begaben uns auf getrennten Wegen dorthin. Diese begrüßenswerte Initiative ging von den Autofahrern aus. Ihr Navi lotste die sie nichtsdestotrotz auf kurvigsten Bergstraßen über den Solling, so dass sie den Rest des Tages von der schönen Landschaft schwärmten, die zugegebenermaßen gerade aussieht wie eine Eisenbahnanlage im Fallerkatalog. Wir setzen als Kirsche noch die Besichtigung der Klosterkirche von Bursfelde drauf. Anja und ich drehten noch eine Runde über die Berge, die Autofahrer auch. Abends schwärmten alle erneut.

Sonntag war der Ehrenbesuch weg. Anja und ich nutzen den Tag zu Aufräumarbeiten sowie eine zwanglosen Abendrunde. Eigentlich war es die Überführungsfahrt der Hímalayan nach Göttingen. Anja testete dabei die neue Navigation per Handy auf einer ausschweifenden Route über die Hügel rund um Adelebsen. Die dortige Burg dämmerte in einen schläfrigen Sonntagabend, wir genossen noch einmal den warmen Wind und den Blick ins späte Leinetal. Manchmal schwärmen wir auch noch davon.