über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 28. Mai 2017

Der Himmel über Berlin

An Himmelfahrt teilte sich die Bevölkerung in drei Gruppen. Die, die schon am Vormittag besoffen Bushäuschen vollkotzen, die, die in praktischer Funktionskleidung in Gruppen mit Elektrofahrrädern durchs Wendland eierten, und uns, die wir auf einer weitläufigen Route Richtung Berlin unterwegs waren. Es ging durchs besagte Wendland, die Elbauen entlang, bis man denkt, gleich ist Schluss. Am Ende kommt dann aber eine winzige Fähre über die Elbe, und danach kommt noch Land. Unter Wolken war es manchmal noch frisch, dazwischen schien die Sonne auf Wald und Wiese, die die Bonnie und die Honda elegant und flüssig durchstreiften. Havelberg, ein Seitenblick auf den Dom, dann wieder Weite, durch die ein respektabler Rückenwind uns trieb. Rathenow kam, ostig und trist, dann Brandenburg, wo man Berlin schon spürte. An dessen Rand liegt Kleinmachnow: Stasivillen in düsteren Alleen. Das Beste war aber, dass uns dort Annie und Holgi erwarteten, mit rauchendem Grill und Geschichten aus dem Speckgürtel.

Freitag. Auf uns allein gestellt tasteten wir uns zögerlich durch interessante Situationen wie zum Beispiel Teltow. Im Süden wussten wir liegt der Spreewald, dort seien 'schöne Alleen'. Zudem lockte auf der Karte das Baruther Urstromtal. Das hörte sich toll an, war aber kaum zu sehen. Viele Kilometer gerade durch den Wald gezogene, recht enge Schneisen. Wir freuten uns immer, wenn mal irgendwas auftauchte, und an Tankstellen war man einigermaßen sicher vor den Weißhaarigen und den Klugschnackenden, und Kaffee gibt es da heutzutage genauso. Vom Bismarckturm in Lübben sahen wir uns den Wald von oben an, er bestand aus unzähligen Bäumen. Endlich passierte was: Anja hatte lange genug mit angeschalteter Zündung und brennendem Licht SMS geschrieben, bis die Batterie leer war. Die Honda ließ sich anschieben, aber an ruhige Pausen war nicht mehr zu denken. Hundert Waldkilometer später trafen wir Thomas mit der grünen Vanvan. Er lotste uns in die Hauptstadt, die fühlte sich herrlich an. Mit erhabener Geste parkten wir in der Libauer Straße und tranken alkoholfreies Bier vom Späti.

Samstag, diesmal wirklich. Am Übereck trafen wir Rembert beim Rührei. Auf dem Gehweg stand seine Slim, beladen für 3 Wochen on the Road. Wir ließen ihn ziehen und fuhren kleinmütig nach Adlershof. Anja fuhr auf dem Rücksitz, denn sie hatte die Honda Thomas gegeben, praktisch als Gastbeitrag. Das klappte ganz gut, und an der HEM Tanke draußen am Rand trafen wir Michael, der uns mit einer Miet-Thruxton überraschte, die alle Beteilgten am liebsten sofort mit nach Hause genommen hätte. Michael kennt die richtig guten Strecken, in Gegenden, wo niemand sich hin verirrt, wo man endlos über weite Felder und Hügel gleitet, unter brennender Sonne, und die einzige Sorge ist, wo man das nächste Eis herbekommt. Ganz am Ende von Deutschland liegt Eisenhüttenstadt. Es gibt monströse Hochöfen und eine Tanke mit Frikadellenverkauf. Der Rückweg war fast noch schöner. Müllrose hat z.B. einen bekloppten Namen, aber trotzdem einen schönen See und ein Eiscafé. Zum Schluss kamen wir über den Ostteil der B5 in die Stadt zurück. Der Asphalt kochte, und die Stadt war eingehüllt in den Rauch von 3,5 Millionen Holzkohlegrills, als wir bei unser nächsten Station anrollten: Garagenparty bei Christian und Imke. Besser geht's nicht.

Dann war Sonntag, und vor uns lag die B5 nach Hamburg. Die BMW und die Vanvan eskortieren uns aus der Stadt heraus, noch ein Eis in Friesack, dann waren wir allein mit der langen Allee und der Hitze. Dreihundert Kilometer rauschten vorbei, unvergleichlich, bedeutend und groß. Fünf Stunden später war noch Nachmittag. Wir rollten in die Tiefgarage, stellten die Motoren ab und waren sehr zufriedene Menschen.

Sonntag, 21. Mai 2017

Bedürfnis nach Freiheit

Anja hatte Bedürfnisse angemeldet: Mal nicht arbeiten, sondern Mopedfahren, und zwar so, dass man sich frei fühlt, und mit Kurven. Der Tag war dafür gut. Erst hielten wir in Reinfeld und trafen kurz Birte, dann ließen wir uns von Gefühlen leiten, über die beliebte Dorfstrecke Zarpen, Ahrensbök bis nach Eutin. Dort war zwar ein Bluesfestival, aber wir brauchten Kaffee und mussten das eine Zeit lang aushalten. Intuitiv ging es weiter, so als führe man nach Fehmarn. Ich bog beim Bungsberg aber scharf links ab und wir kurvten durch selten befahrenes Gebiet bei Hansühn, Kaköls und Lütjenburg. Hier oben ist nichts los, man hat alles für sich und die Straßen liegen kurvig in sanften, knallgelben Hügeln. Es ging so oder so ähnlich die ganze Zeit weiter, durch dunkle Wälder bis ins touristisch aufgepimpte Malente, von da nach Plön zum Bikertreff am See. Da war es wie immer recht traurig, doch die Landstraße über Blunk nach Klein Rönnau, inzwischen im Spätnachmittagslicht, lockte mit weiteren eleganten Schwüngen. Bis zum Schluss blieben wir auf dieser Art Straßen, was nie müde machte, und irgendwie tatsächlich ein Gefühl der Freiheit hinterließ.

Samstag, 20. Mai 2017

Highlights

Gar nicht übel, der Samstag, wenn auch allein. Nachdem ich die Notwendigkeiten abgefrühstückt hatte, begann ich eine unkomplizierte Nachmittagsrunde. Dachte ich. Denn es ging damit los, das im Volksparkstadion irgend so ein beklopptes Fußballspiel war und eine undurchdringliche Blechlawine verursachte. Über die B4 fand ich einen Ausweg, und dann entdeckte ich die schwungvolle kleine Kurvenstraße wieder, die über Hemdingen rüber nach Elmshorn führt. Leider liegt dort auch Barmstedt, ein Angstort, den ich noch nie passiert habe, ohne mich in hinterweltlerischen 30er Zonen zu verirren. Doch nicht nur das: wenig erreichte ich Elmshorn auf einer komischen Umleitungsstrecke, und ich musste in einem Wohngebiet anhalten und mich mit dem Handy wieder rausnavigieren. Ansonsten besteht Elmshorn, das kann ich beurteilen, zu 85% aus Einkaufszentren von der Größe des Saarlands. Zur Beruhigung fuhr ich durch die Marsch in Richtung der dicken Wolke, die über Kollmar hing. Am Bikertreff saß ich introvertiert in der letzten Ecke und aß ein Cornetto Nuss, als lautstark ein Trupp Stiernacken vorfuhr. Sie vollführten mehrere Burnouts und verschwanden ohne Tschüß zu sagen. Trotzdem das Highlight des Tages. Zurück wollte ich die tausendfach gefahrene Strecke von Appen nach Schenefeld nehmen. Dass in Pinneberg der Abbieger nicht da war wie sonst, passte ins Bild. Ich nahm dann die Autobahn nach Hause, das war tiefenentspannt und gar nicht mal so übel.

Sonntag, 14. Mai 2017

So viel Tag

Wir standen staunend vor einem Frühsommertag wie aus dem Märchenbuch. Was soll man nur machen? Vielleicht erstmal aus der Stadt raus, das ging ganz easy, es war früh und alle hatten verschlafen. Geesthacht, Lauenburg, Boizenburg, dann endlich mal die B195. Hier war niemand außer uns. Wir glitten durch die Kurven und die Alleen, und das Land, die Dörfer und der Himmel sahen aus, als hätte man schon auf "Bild verbessern" geklickt. Im Osten holten wir langsam aber sicher das Wolkengebiet ein, und das war doof. Wir guckten in den Himmel und legten die Route fest. Eine halbe Stunde später tranken wir Kaffee vorm Backshop in Dannenberg, wo die Zeit mühsam mit dem Nachmittag rang. Wir aber wollten es wissen, fuhren ein langweiliges Stück Kolonne auf der B216 und bogen bei Göhrde auf eine flirrende Märchenwaldstraße ab, die oben auf der Ebene mit den Birkenalleen rauskommt. In der Nähe war Bad Bevensen, von hier aus war es nur ein kleiner Sprung in die Heide. Irgendwo im Wald machten wir Pause, unendlich müde. So viele Kilometer und immer noch soviel Tag übrig. Wir fuhren beim Straßencafé in Soltau vor und bestellten was zu Essen. Auf der Rückfahrt war endlich der Abend da, und alles sah noch künstlicher aus als den ganzen Tag schon. Nur das summende Gefühl wohliger Erschöpfung nach 350 Kilometern, das war echt.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Die leeren Dosen der Anständigen

Es ist schon Mai, und wenn die Dosenfahrer nach ihrem täglichen Höllenritt endlich vorm Fernseher sitzen, geht die Sonne noch lang nicht unter. Durch dieses Zeitfenster rollte ich im Gegenlicht bei Schenefeld aus der Stadt heraus und ließ mich treiben. Appen, Pinneberg, dann rüber Richtung Quickborn. Nix Großes, nur gedankenlos die im schrägen Licht schimmernde Landschaft einsaugen, im Fünften durch die leeren Dörfer der Anständigen brummend das Leben genießen. Ich hatte Hunger und gegen Ende wurden dann doch die Finger kalt. Damit ließ sich rechtfertigen, beim Lieblingssupermarkt in Hasloh am Highway 4 vorzufahren und eine Dose Gulaschtopf rauszuholen. Den Rest der Fahrt freute ich mich darauf, und auf alles andere auch.

Sonntag, 7. Mai 2017

Sieht gut aus für uns.

Der erste Sonntag im Mai fiel voll aus dem Raster. Weder war es eiskalt noch gab es irgendwas zu tun, außer die Mopeds zu starten und loszufahren. Wir hatten aus Gewohnheit Funktionsunterwäsche an, aber das war albern. Unbeschwert rollten wir nach Norden aus der Stadt heraus, in grün leuchtendes Land und realisierten, das sah alles sehr gut aus für uns. Gleiten auf der B4, zwangloses Abbiegen nach Segeberg. Die Strecke von Klein Rönnau über Blunk nach Tensfeld kam wie ein Glücksgefühl aus dem Gedächtnis hervor, dann die verträumte Waldstraße nach Bosau. Endlich ein Eis am See, und Kaffee. Wir wussten, aus Strukdorf bestand eine Einladung zu Berichten aus weiter Welt, und noch mehr Kaffee. Der Weg dorthin führte über Berlin und war auch sonst traumhaft kleinteilig, einsam und leuchtete immer noch in sämtlichen Farben. Die Sonne lief unter Volllast, und wir taten so, als müssten wir demnächst nach Hause. In Wahrheit zog es uns immer weiter die kleinen Landstraßen entlang, die nie zäh wurden und die Finger nicht kalt. Reinfeld, durchs die transparent leuchtende Topographie des Travetals, die Kurven Richtung Ratzeburg, von Kastorf aus allein auf weiter Flur bis zum Sachsenwald, und so weiter uns so fort, bis nach Bergedorf. Das war schon ein klasse Stück und wir redeten den ganzen Abend davon.

Montag, 1. Mai 2017

Immerhin.

Dieses Wochenende hatte ja zwei Sonntage. Am zweiten war es zwar minimal wärmer, aber meist bedeckt. Daher rückte sich die ganz große Fantasie im Laufe der Fahrt auf etwas Realistisches zurecht, etwa eine Runde über Winsen, Richtung Lüneburg. Und selbst das wurde entschärft, indem wir über Luhdorf weiter nach Süden fuhren, um den üblen Wind nicht ganztägig frontal in der Fresse zu haben. Die Strecken dort, in diesem verlassenen Heidewinkel, waren auch in tristem Licht herrlich zu fahren. Stille Wälder, weite Blicke über Frühlingsgrün, manchmal genau im richtigen Moment ein Sonnenstrahl auf einer sanften Kuppe. An einen Kaffee in Undeloh war nicht zu denken, denn die Inszenierung weißhaariger Heide-Heimeligkeit übertraf alles je Dagewesene. Die Freie-Welle Tankstelle in Welle war cooler, man trank Kaffee aus Pappbechern zwischen den Bikes sitzend, während auf der B3 Gleichgesinnte vorüberzogen und grüßten. Wir waren schon am Nachmittag wieder zurück in der Garage uns sagten synchron, immerhin haben wir was draus gemacht.