über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 29. April 2018

Rechtfertigung

Ein neues Wochenende kam und strahlte, dass wir uns fragten, wie hoch der April die Messlatte wohl noch hängen würde. Immer noch waren im Norden 10° weniger, daher trauten wir uns auch dieses Mal nicht dort hin. Satter Rückenwind schob uns auf der Autobahn nach Süden. Abfahrt Garlstorf, kurz danach fanden wir uns auf den einsamen Strecken der letzten Fahrten wieder, in einer anderen Richtung in inzwischen umwerfendem Grün. Wir fanden eine verträumte Eisdiele in Amelinghausen, tauchten ein in das große leere Land kamen wieder bei Unterlüß raus. Etwas südlich von Uelzen trafen wir auf die B4, die wir aus alten Zeiten kannten. Von da ging es Querfeldein bis an die Elbe, wieder durch Bavendorf und Thomasburg, genau wie neulich. Das On-Board Thermometer der Sixty-Two zeigte stellenweise 27°C. Das rechtfertigte einen Bogen über Lauenburg und die Deichstraße mit anschließendem Cornetto am Zollenspieker. Überhaupt rechtfertigte dieser Tag mal wieder alles.

Samstag, 28. April 2018

Einmal normal

Einmal ganz normal, schnell eine kleine Nachmittagsausfahrt. Das hatten wir noch gar nicht. Sie Sonne hatte sich kurz vor Elmshorn verzogen, das Rauschen des Windes war schön im Helm. Kollmar, einen Pulvercappuccino, eine Zigarette, Schiffe gucken im Schauer. Voll okay. Rückfahrt auf schwarzglänzendem Asphalt, Autobahn, das reichte schon für diesen Samstagnachmittag.

Sonntag, 22. April 2018

Paradies in Süden

Das ganze Wochenende war ein Paradies. Man musste nur beachten, nicht zu nah ans Meer zu kommen, denn das war noch gefroren und dort wehten eisige Polarwinde. Im Süden hingegen, da brutzelte satte Sommerwärme vom Himmel. Wir ließen uns die B3 nach Soltau tragen, parkten auffällig und bestellten Eis. Es ging dann noch weiter und ich suchte bei Bergen einen östlichen entspannten Bogen. Wir hatten das Vio dabei, und als wir irgendwo zwischen 2 Dörfern standen stellte ich fest, dass ich vergessen hatte, die Karte herunterzuladen. In der Folge drangen wir immer weiter in unbekanntes Gebiet vor, offenbar südöstlich von Lüneburg, genau wussten wir es nicht. Die Sonne schien auf ein Landschaftsgemälde, die sanft schwingenden Landstraßen hatten wir ganz allein für uns. Vor allem im Bereich zwischen Unterlüß und Eimke Richtung Nordosten hat man lange Strecken ohne Dörfer, durch weite Wälder und sanfte Hügel. Das hätte immer so weiter gehen können und nachdem wir über Lauenburg und die Deichstraße viel später Hamburg erreicht hatten, sprachen wir den ganzen Abend davon.

Am Sonntag war die Wetterlage noch genau gleich. Daher landeten wir wieder in der Region. Ein Stück Elbuferstraße Richtung Bleckede, vorher nach Laune in den unbekannten Süden abzweigen. Es kam gleich wieder eine Traumstrecke zum Vorschein: Karze, Neetze, Thomasburg. Nichts los außer Sonne, Frühlingsgrün und sauberem Asphalt. Weiter Bis Bad Bevensen, auf dem Weg durch verlassene Museumsdörfer und romantische Alleen. Das Vio war heute zwar einsatzbereit, wurde aber angeschaltet, als es uns in winzigen Hinterweltdörfern auf 30er Zonen abbiegen lassen wollte, mitten durch die Wohnzimmer der Ureinwohner. Es war die eigene Nase, der wir nachgefahren waren und auf einem sandigen Waldweg landeten, der entweder zur nächsten Bundesstraße führte, oder fünftausend Kilometer durch Sibirien. Das helle Licht, der makellose Himmel, die ergrünende Landschaft, das alles sah aus wir von einem Werbedesigner nachbearbeitet, etwas 'drüber' vielleicht. Abends war noch Aktion geplant, daher beschlossen wir in der Nähe von Soltau bei 27 Grad den Heimweg über den langen, ruhigen Highway 3. Später musste ich noch die Kawa in die Garage überführen, es endete damit, dass ich kreuz und quer durch die ganze Stadt fuhr, nur um noch ein letztes Quantum dieses Aprilparadieses herauszuquetschen.

Sonntag, 8. April 2018

Die große Leere

Alles war so hell und klar, als wäre die Atmosphäre gar nicht vorhanden. Die Autobahn nach Geesthacht raste unter uns vorbei, von Osten blies uns ein strammer Wind ins Gesicht, und es gab nichts Schöneres. Nicht nur war das Wetter nun perfekt, außerdem waren wir mit den immer noch neuen Mopeds unterwegs, und zwar auf großer Tour. Das Ziel war Lenzen (Elbe) und der Weg führte erstmalig die absolut menschenleere B195 entlang. Die ganze Landschaft gehörte uns allein und wir ließen die Maschinen geschmeidig durch die transparenten Alleen gleiten. Ein Stück hinter Lenzen liegt Wittenberge, die bewährte Mitte zwischen Berlin und Hamburg. Dort trafen wir Rembert, dem es schätzungsweise genau so ging wie uns, nämlich das alles plötzlich wieder Sinn ergab. Wir tranken ein paar Kannen Kaffee bei einem Nachwendecafé mit lupenreinem Ostservice, dann trennten wir uns. Im Burghotel Lenzen lösten wir unseren Gutschein ein, dann rollten wir noch eine warme Stunde durch das Abendlicht in die Unendlichkeit der Elbauen. Es wurde dunkel und wir verloren uns in den ungefilterten Tiefen des Weltalls.

Der Sonntag begann grell leuchtend. Wir hatten ihn, um McPom in einem maximal genussvollen Bogen zu queren. Erstmalig nutzen wir das Vio. Wenn man den Apparat auf 'kürzeste Strecke' stellt, kommen abenteuerliche Routen heraus. In riesigen Gegenden, wo ohnehin absolut nichts ist, führte es uns querfeldein über Plattenwege oder durch Wälder und weite Prärie. Wir verendeten in privaten Dörfern ohne Ausweg und atmeten auf, wenn wir wieder eine reelle Straße unter die Räder bekamen. Das bedeutet aber noch nicht automatisch Zivilisation. In Crivitz z.B., einer respektablen Backsteinkleinstadt, gibt es kein einziges Café, nicht mal einen Backshop. Zig Kilometer weiter rettete uns eine Tanke mit Cappuccinoautomat und Donuts. Ich genoss besonders die Rückkehr des cruisenden Fahrgefühls, Anja die Gelenkigkeit der Sixty2. Gierig fraßen die Kilometer, meist vollkommen einsam dahinrauschend auf den hellen Highways des Ostens. In Ratzeburg kamen vertraute Bilder und hektischer Verkehr. Das relativierte sich auf den wunderschönen Schwüngen der B208 nach Oldesloe in weichem Gegenlicht. Es war früh genug, um über Kayhude bis Norderstedt durchzustechen und beim Arizona vorzufahren, als wäre Hochsommer. Der Hamburger lag schwer und ließ uns mit großer Gelassenheit in die leere Stadt einrollen.

Montag, 2. April 2018

Kaltstart

Anja war wieder da, in ihren Augen war aber alles unakzeptabel kalt und man hatte ich bitte bei eingeschalteter Heizung drinnen aufzuhalten. Im Vergleich zu Oman stimmte das, aber ich argumentierte erstens sei noch Ostern und b) die Sonne sei schließlich dieselbe. Am Nachmittag hatte ich sie soweit, erstmalig rollten die Sixty2 und die Vulcan S gemeinsam durch die kalten Straßen der Großstadt. Warm eingepackt trauten wir uns ein Stück ins Freihafengebiet, das ging eigentlich richtig gut. Kurz zum schnöseligen Oldtimertreff am Brandshof, von da eine lange Tour zum Entenwerder. Im Windschatten tranken wir Filterkaffee. Im Grunde reichte das, aber ich wollte noch cruisen, als Anja längst die Finger abgefroren waren. Ich schaffte es hinten herum durchs Alte Land bis zum Lüheanleger und parkte zwischen Harleychoppern und Streetfightern. In der Sonne stehend rauchte ich eine, lief herum, guckte hier und da. Es half nichts, keine Wärme ließ sich einfangen für den harten Ritt mit 50 Km/h nach Hause.