Die Sonne kämpfte sich durch diffuse Wolken, und ich mich durch den Verkehr im Speckgürtel südlich Harburg. Wie ich da hin gekommen bin, weiß ich nicht mehr, ist auch egal, denn ich wusste, alles wird gut. Das wurde es auch, kaum waren die Gartencenter und Familenkutschen dieses letzten warmen Nachmittags des Jahres aus dem Rückspiegel entschwunden. Die Sonne kam raus, und vor mir lagen lange Geraden, auf denen ich durch kitschigste Herbstfarben dahinbrummte, hinter mir eine Saison und 12000 Kilometer, die ich hier, allein, irgendwo zwischen Hörpel und Lüneburg, bei 90 Km/h retrospektierte. Direkt zurück konnte und wollte ich nicht, wenigstens noch schnell um Lüneburg herum und 'rübermachen nach Geestacht. Dann war es Zeit, und ich nahm die Autobahn in den immer später werden Herbst, während der Abspann schon lief.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 26. Oktober 2013
Mittwoch, 23. Oktober 2013
Nacht
Längst ist meist Nacht. Klar hätte ich direkt in die Garage fahren können. Doch die Luft war seidig und die Straßen frei, einer späten Unternehmung ganz offen. Im großen Gang bollerte ich durch Neonlicht. Warme Böen schoben letztes Laub durch Häuserschluchten, am Rand die Fußgänger der Nacht, wie Gespenster. An letzen Tischen wurde Bier bestellt, und geguckt, wie eh und je. Doch außer einem durch die Nacht huschenden, orange-metallicfarbenen Glitzern gab es nicht mehr viel. Mein verzücktes Grinsen konnte ja keiner sehen.
Dienstag, 22. Oktober 2013
Powersuper Bonbon
Am Dienstag kam zwei Sachen zusammen, nämlich dass ich frei hatte, um Anja post-OP zu betreuen, andererseits der Spätsommer mir quasi ein Bonbon tief in den Herbst hinein nachgeschmissen hatte. Nachdem ich Anja in eine stabile Balkon-Sessel-Lage verfrachtet hatte, holte ich die mit 100-Oktan Powersuper betankte Vulcan aus der Garage und gab Gas, irgendwo hin, Sonne war überall. Erfreulicherweise lag ich mit der B4-North goldrichtig, da war nix los. Wie in alten Zeiten ließ ich den Chopper mit straighten 90 Sachen über den Highway laufen. In leuchtenden Herbstfarben zog das Land vorbei, und Erinnerungen an einen Sommer voller Kilometer. In Bad Bramstedt bog ich spontan Richtung Westen ab, die genaue Route war wie gesagt ganz egal. Mals schnurstracks, mal um Kurven schwingend segelte ich durch den sonnengoldenen Tag und fand das Candy Orange der VN dazu unschlagbar dekorativ.. Ab und zu rief ich bei Anja an und erkundigte mich nach dem Rechten. Alles war recht. Itzehoe kam und verschwand, Glückstadt, dann wieder Kolmar. Am Bikertreff war es voll wie am Wochenende. Es war aber Dienstagnachmittag. Sollen das alles Rentner sein? Der Cappuccino und ein Schwarzwälderkirscheis ließen die Frage offen. Ich fuhr über Elmshorn heim und kaufte ein, wobei sich erstmalig Grillwürstchen und ein Weihnachtsmann zusammen im Einkaufkorb befanden.
Sonntag, 13. Oktober 2013
Sonntagsfahrer
Eiskalt aber auch ein sonniger Sonntag im Oktober, strahlend und gelb. Wir holten die Wintersachen raus, und die Vanvans, fast vergessen. In einem trägen Strom trieben wir die Elbchaussee entlang, bis Wedel, ohne Halt. Zufrieden mit 70 Sachen, und dann einfach mal rechts ab zu dem Flughafen Uetersen/Heist (EDHE). Dort brummte allerlei Kleinzeug durch die Luft, und wenn einem beim Filterkaffee die Sonne auf die Jacke schien, wurde einem kurz warm ums Herz. Ich überredete Anja, sie kam mit, nicht nach Haus, sondern über Elmshorn, durch die Marsch, Vollgas bis Kolmar. Die ganzen Biker waren da, dicht gedrängt in Goretex, Wir aßen Eis, mit Abstand. Auch zurück, alles langsam und träge, wie Sonntagsfahrer.
Sonntag, 29. September 2013
Kristall
Die Sonne am Sonntag lockte sogar Anja in die Garage. Anspruchslos waren wir wieder in südlicher Richtung unterwegs, vielleicht mal in die Heide oder so, Hauptsache rollen. Das Licht stand kristallin, stechend, halogenweiß über Stoppelfeldern, der Himmel leergefegt vom Ostwind, der kroch auch unter die Jacke. Wer heute keine Wollsocken an hatte, der war verloren. Oder besser gleich die Wintergarnitur. Aber einmal noch wollten wir es spüren, das Cruisen durch einen warmen Sonntagnachmittag, auch wenn es längst keiner mehr war. Undeloh quoll über von Menschen in atmungsaktiven Wanderjacken. Wir saßen im Garten, mit Sonne im Rücken und Cappuccino, der trotzdem kalt wurde. Es ging zurück, die gleiche Route, dann kam die Stadt, mitten am Nachmittag die Garage, die Badewanne. Es blieb ein flaues Gefühl, das kann doch nicht alles gewesen sein.
Samstag, 28. September 2013
Macht man nicht.
Meine Nase war noch dicht, aber ich war nicht mehr krankgeschrieben und somit fahrfähig. Die Straßen waren auch dicht, und es war ein sonniger Samstag Ende September. Mir fehlt inzwischen die Fantasie für alles andere, also wurschltelte ich mich mit frappierender Gelassenheit durch das klumpige Gewühl der Bürgerkäfige und kam nach mehreren Anläufen irgendwie irgendwo in Harburg heraus. Auch dort nahm der Autokoller kein Ende, aber ich bog blindlings ab und fand mich auf den Landstraßen im südlichen Speckgürtel wieder, denen man, gutem Willens, kurze, gleitende Momente abgewinnen kann, unter gegebenen Umständen. Ich sah erstmalig Jesteburg und staunte über Brackel. Gab am Ortsausgang ordentlich Gas, rollte im nächsten Dorf an der Bäckerei vorbei und war cool. Ich schaffte es bis zur Bundestraße nach Lüneburg, fuhr aber Richtung Geesthacht und dann die Deichstraße zurück zur Stadt. Am Zollenspieker war noch genau ein Platz frei. Am Tisch erklärte ein älterer Mann seinem Kumpel die Prioritäten. Dinge erledigen kann man immer, aber ein Sonnentag lässt man nicht vorbeiziehen, das macht man einfach nicht.
Sonntag, 22. September 2013
Blumen, Bratkartoffeln etc.
Ein dumpfes, bleiernes Asphaltgrau lag über allem. Darunter rollten wir die A 1 entlang, emotionslos, mit dicken Socken und gedanklich abschweifend. In Ahrensburg wechelten wir auf altbekannte Landstraßen, wo in dem Ozean der Eintönigkeit einzelne Kuppen, und eine Handvoll elegante Kurvenkombinationen kleine Glanzpunkte bildeten. Die Laune war gut, es kann nicht immer Sommer sein. Unsere Mission war, in Lübeck am Bahnhof Blumen zu kaufen und diese nach Pronsdorf zu bringen. Kurz vor der Stadt wurde aus dem Dunst zunächst subtil, dann spürbar Sprühniesel, der in Schwaden aus Westen kam und alles einsaute. Wir fuhren danach noch nach Strukdorf, um etwas abzugeben. Das Anwesen lag verlassen im Wechsellicht. Da der Schlüssel sich nicht im Geheimversteck befand, konnten wir dort weder einen Kaffee kochen noch aufs Klo gehen. Erstmalig hielten wir am Glacehaus in Oldesloe an. Die Tropenwärme im Inneren kam sehr gelegen, genauso der Oktoberfestleberkäse mit Bratkartoffeln. Der Rückweg wurde zunehmend heiter und die B 75 sah in den immer wilderen Lichteffekten äußerst fotogen aus. Mit einem Strom Familenkutschen trieben wir gelassen zurück in die Großstadt, deren Menschen herumliefen wie aufgeschreckte Hühner.
Samstag, 21. September 2013
Die Leute
Die Leute sprechen schon immer von 'der nächsten Saison' der 'wenn dann Sommer ist'. Ich will davon nichts wissen, holte den Chopper raus und fuhr los, normal. Zuerst versuchte ich nach Norden heraus zu kommen, was unmöglich war, da unsere lieben vierrädrigen Freunde alles, aber auch alles restlos verstopften. Aber im Elbtunnel war noch ein Röhrchen frei, und ich kam irgendwie durchs Alte Land, das ich nicht mehr sehen kann, hinter Buxtehude raus und dann am absoluten Anfang der B 3, bis zur Ecke mit der B 75, dann Richtung Harburg und total durchgefroren schnell wieder nach Hause, in die Badewanne. Also da musste ich schon an die Leute denken, die vom Sommer sprechen wie von einem entfernten Bekannten aus früheren Zeiten.
Sonntag, 15. September 2013
Vollgas
Es war ein herber Septembertag, ungemütlich und windig. Endlich mal wieder genau richtig für eine zünftige Vanvan Fahrt. Mit sattem Rückenwind fuhren wir zunächst beim Zollenspieker vor, saßen dort eine ganze Weile mit einem Cappuccino und waren peinlich berührt wenn manch ergrauter Biker seine Maschine krachend ablegte. Mit dem Nachmittag kam etwas kalte Sonne, sie trieb uns über Geesthacht auf das andere Ufer, wo wir planlos und kleinteilig mal hier und mal da abbogen und vergnügt mit Vollgas übers platte Land brausten, schließlich im Beachclub in Harburg strandeten, wo es noch mehr Cappuccino gab, und Waffeln, und das Ambiente aus dem Tatort. Dann die Fahrt über die Köhlbrandbrücke zurück in die Hafencity. Immer klein, leicht und locker von der Hand. Mehr braucht man manchmal gar nicht.
Sonntag, 8. September 2013
Einmal Harz mit alles.
Freitag 15 Uhr
Wenn Marcus anfragt und gleich konkret ein Harzwochenende vorschlägt, überlegt man nicht lange, sondern setzt alles in Bewegung. Zum Beispiel einen verfrühten Feierabend am Freitag, um mit einer üblen Schwemme von Heimfahrern und Lastern auf der B4 Richtung Süden zu kriechen. Es war heiß wie im Hochsommer, und die westliche Umrundung Braunschweigs war eine Scheißidee. Aber als die Berge in Sicht kamen, war alles egal. Das letzte Ende führte uns nach Hörden und war schieres Gleiten auf einer leergefegten Schnellstraße. Wir zogen ein in ein fünfhundert Jahre altes Haus, das uns freundlicherweise Heike zur Verfügung gestellt hatte und in dem auch der zukünftige Bürgermeister wohnt. Der nächstgelegene Ort war Herzberg. Dort boxt zwar nicht der Papst, aber der örtliche Grieche hatte exakt das, was wir brauchten.
Samstag
Einmal Harz mit alles, sagte das Dreamteam. Das ganze Hinundher mit der Karte konnte man sich schenken, denn man fährt einfach drauf los und kommt sowieso an den Highlights vorbei. Wir tranken einen verspäteten Cappuccino in Braunlage, sahen die Bahn in Drei Annen, kurvten am Nordhang auf einer spitzfindigen Route auf und ab und waren froh, tief unten an der Bode unter flirrendem Baum ein kühles Plätzchen an diesem heißem Septembersonnabend zu finden, wo wir unmittelbar einnickten. Den Rest des Tages schwangen wir über unbeschwerte Hügel, kratzten Kurven und genossen es, auch mal herrlich langgezogene Steigungen hochzuballern. Die Straße von Stolberg über Bad Sachsa zurück nach Hörden war unbekannt und führte in den milden Sonnenuntergang zwischen den Bergen am Horzont. Während wir unter der alten Esche am fünfhundert Jahre alten Haus saßen, einen Absacker tranken und über den Ölfleck unter Marcus' G/S philosophierten, war im Westen schon die Front zu sehen, von der sie im Wetterbericht immer redeten.
Sonntag
Aus Angst vor der Front waren wir schon um 9 Uhr auf den Rädern. Die B 27 schlängelte sich durch den müden Harz, sie war prächtig. Über der weiten Ebene war Licht, aber im Rückspiegel sah es düster aus. Wir hielten uns östlich in den unendlichen Weiten zwischen Halberstadt und Gardelegen. Vom Licht blieb nicht viel übrig, als die Kilometer vergangen, und der Pullover war überlebenswichtig. Der sogen. Herbstschock war nicht weit hergeholt, besonders, wenn einige übereifrige Bäume schon Laub am Straßenrand verteilten. Ein Schauer kam, als wir in Salzwedel unter einem Schirm saßen und Hamburger Schnitzel bestellten. Um uns herum sahen wir Fachwerk und mehr Leben als man denkt, an einem trüben Sonntagnachmittag in der entlegensten Stadt Schlands. Dann kam schlagartig das Wendland und wir überquerten die Elbe bei Dömitz. Die B 195 war leer wie nie zuvor, der Wind kam nun von vorn, wo die grauen Wolkentürme drohten. Zuletzt hetzten wir über die Geesthachter Autobahn, dann standen wir mit kalten Füßen vor der Garage in Eimsbüttel. Der Regen kam irgendwann später, da waren wir längst in Sicherheit.
Montag, 26. August 2013
Berlin 2.0
Immer noch ein Wochenende kam mit Sommersonne. Am Vorabend
spielten wir verschiedene Ziele durch, dann entschieden wir uns halsüberkopf
für Berlin, die Sonnenstadt und gingen früh zu Bett. Entsprechend waren wir um
10 Uhr auf der Straße. Der Tranceeffekt der B5 war diesmal so stark, dass wir
manches Mal nebeneinander an einer Ampel standen, in irgendeinem Ort an der
Strecke, und beide nicht wussten, wie wir hier hingekommen waren. In
Ludwigslust fanden wir aber auf Anhieb das Café mit den Windbeuteln wieder. Danach
kam erst das eigentliche Stück Endlosigkeit, vor allem zwischen Perleberg und
Kyritz zogen die Kilometer so surreal vorbei wie schon lange nicht mehr. Das
Tempo war gering, in einigem Anstand fuhr meist ein Kleinwagen vor uns. Aber
Der Wind kam eh von vorn, deshalb machten wir keinen Terz. Berlin war heiß wie
immer, und wir mittendrin im Touristenviertel zwischen Checkpoint Charlie und Best
Bratwurst in Town. Das Gropiusmuseum war nur mit GPS zu finden, aber die Kunst
war erstklassig. Den Abend bespaßten uns Tom, Tine und Thomas, Berlin war
cooler als alles je Dagewesene. Was will man mehr.
Man kann sich dran gewöhnen, zuerst große Rühreiportionen in
der Sonne zu verspachteln, um dann von Rembert umständlich an allen Highlights
und noch mehr Baustellensperrungen vorbei ins Freie eskortiert zu werden.
Thomas war so angetörnt, dass er auf Anjas S ein gutes Stück mit uns fuhr.
Draußen entdeckten wir mitten in Friesack das Eiscafé Neumann. Dort wird das
Eis noch selbstgemacht und es gibt echten Filterkaffee. Alle Biker aus Berlin
versammelten sich da. Wir trennten uns, vor uns lagen gute 200 Kilometer Allee,
Stoppelfelder, Nachmittagssonne und ein aufkommendes komisches Gefühl, jemals
etwas anderes mach zu sollen, als immer wieder immer weiter zu cruisen.
(Geschrieben über Neufundland)Samstag, 17. August 2013
Nicht umsonst.
Ich hatte Berlin abgesagt, was ärgerlich genug war und vielleicht falsch. Mir entging nicht nur die Party des Jahres, sondern auch 2 mal 300 Kilometer Highway 5. Der Samstag lag nun planlos vor mir, zusammen mit einer aufgeschlagenen Landkarte, auf der ich nach Alternativen suchte. Im weiten südlichen Wüstengürtel zogen sich Landstraßen durch die Wildnis. Schnurgerade, lang und losgelöst lagen sie da. Sie würden bestimmt ein genau richtiger Trost sein. Zuerst flog ich mit eingezogenem Kopf und 160 Sachen über die BAB nach Geesthacht. Dann in Kolonne die zermürbende Bundesstraße nach Lüneburg. Aber dann: Immer wieder ein stiller Genuss, die B 216 Richtung Danneberg. Vor allem, wenn im hinteren Teil der Familienverkehr dünner wird, und die Straße sich nach und nach in entfernten Schwüngen im Märchenland verliert. In Danneberg brauchte ich dringend einen Cappuccino. Er war gewaltig und wirkte lang genug für den weiteren Verlauf. Ich kurvte durch unbekannte Wälder nach Uelzen, fuhr ein Stück auf der gestressten B4, tauchte wieder ab in das endlose, gleichförmige Rauschen durch pfeilgerade Schneisen, unter dekorativen Schwerwolken hinaus in glühendes Licht, den Schauer am Horizont auf Abstand haltend. Ich kreuzte über Celle, Soltau und Bispingen und kam auf die majestätische B3, die mich mit einer langen Dünung nach Norden trieb. Am Ende leuchtete die Reservelampe. Das passiert nach 350 Kilometern und gab mir das Gefühl, nicht umsonst diesen Samstag gelebt zu haben.
Sonntag, 4. August 2013
B4-Weekender
Freitag, Gluthitze wie immer. Die ganz große Tour hatten wir schnell nochmal abgesagt. Nun fuhren wir am Freitagabend bei nur noch 30° C über die B4 bis Segeberg, dann, auf der B206 genossen wir kühle Lüftchen in Waldschneisen. Das letzte Stück rauschten wir über die A20, denn wir hatten Hunger und aus Strukdorf war der Grillduft schon meilenweit riechbar. Wir wurden aufs angenehmste empfangen, und vom Nachbarhof hallte bis in die Nacht Schglagertechno.
Den Samstagvormittäglichen Schauer nutzten wir, um mit Rainer B.'s Modelleisenbahn zu spielen bzw. einfach noch ein wenig auszunüchtern. Dann brachen wir auf und versuchten Rendsburg zu erreichen, und zwar ohne Landkarte. Ahrenbök, Eutin, alles klar so weit. Aber dann? Die böse aussehende Wolke links oben hatten wir bald abgehängt und eine neue, klare und frische Luft lag über der altbekannten Landschaft, durch die nüchtern die längst vergessene B76 führt. Leider hatten wir auf die Weise unbemerkt den Rand Kiels erreicht. Beim Tanken beschrieb man uns, wie man die alte Landstraße nach Rendsburg findet. Sie war in der Tat sehr interessant, mit Ausblicken in eine verborgene Mittelgebirgslandschaft, die wir uns unbedingt merken mussten, für später. Rendsburg war zum Greifen nah, als eine harmlose Gewitterzelle am rechten Bildrand auftauchte und sich zu einer mörderischen Westfront formierte. Vollbremsung, U-Turn, Flucht durchs Winkelwerk bis - Kiel. Wir retteten uns unter eine Markise in der Betonwüste am Hauptbahnhof, bestellten Pasta und ließen das Unwetter wie Kino vorbeiziehen. Um noch etwas Zeit zu verbrauchen, kauften wir bei H&M eine Tüte Pullover. Für die Rückfahrt nahmen wir die B4 und sahen die Rückseite der Front im Osten, von Westen goldene Abendsonne, vor uns schnurgerade den Highway wie im Prospekt. Bei 15 Grad weniger. Gut, dass wir die Pullover hatten.
Am Sonntag wollten wir es wissen. Noch in gleißender Vormittagssonne verließen wir die B4 in Neumünster, kamen nach einem quälend langweiligen Stück wieder an dem Mittelgebirge raus, fanden den Weg zu der Schwebefähre und setzten schließlich erfolgreich nach Rendsburg über. Einen langen Nachmittag guckten wir uns moderne Kunst in Industrieruinen an, bis zur körperlichen Erschöpfung. Später, im Mittelgebirge, fuhren wir hin und her, auf der Suche nach einem Picknickplatz am See o.ä.. Das war natürlich unmöglich, und mittlerweile waren wir auch wieder wach. Der Versuch, eine Parallelstrecke nach Hause zu nehmen, für etwas Abwechselung, war eine Illusion. Die Straße von Nortorf über Gnutz war einfach unerträglich öde. Wir fanden die B4 wieder und glitten in den Abend. Am Ende des Highways tauchte ein Burgerrestaurant auf, wir fuhren vor und fühlten uns unschlagbar on the Road.
Am Sonntag wollten wir es wissen. Noch in gleißender Vormittagssonne verließen wir die B4 in Neumünster, kamen nach einem quälend langweiligen Stück wieder an dem Mittelgebirge raus, fanden den Weg zu der Schwebefähre und setzten schließlich erfolgreich nach Rendsburg über. Einen langen Nachmittag guckten wir uns moderne Kunst in Industrieruinen an, bis zur körperlichen Erschöpfung. Später, im Mittelgebirge, fuhren wir hin und her, auf der Suche nach einem Picknickplatz am See o.ä.. Das war natürlich unmöglich, und mittlerweile waren wir auch wieder wach. Der Versuch, eine Parallelstrecke nach Hause zu nehmen, für etwas Abwechselung, war eine Illusion. Die Straße von Nortorf über Gnutz war einfach unerträglich öde. Wir fanden die B4 wieder und glitten in den Abend. Am Ende des Highways tauchte ein Burgerrestaurant auf, wir fuhren vor und fühlten uns unschlagbar on the Road.
Sonntag, 28. Juli 2013
Naherholung
Es ist okay, auch mal kleine Brötchen zu backen. Wir wuselten in der Vormittagssonne die Elbchaussee entlang, gleich im T-Shirt, dann über Wedel, Holm an den Elbstrand bei Hetlingen. Zwischen schweren Wolken kam die Sonne mit solcher Wucht, dass die Löcher in die Haut brutzelte. Genau wie geplant, schob sich um 16 Uhr 35 langsam die Regenfront über den Fluss. Da waren wir schon wieder zurück und fuhren in die kühle Garage. Danach holten wir Kuchen und genossen einen Restsonntag wie Fußgänger es tun.
Samstag, 27. Juli 2013
Bildzeitung
Das Wetter ist inzwischen in der Bildzeitung. Weil wir dort sicher sind vor sowohl der Stampede der Bildleser als auch den 35 Grad, rollten wir gegen Mittag schleunigst wieder Richtung Atlantis. Ohne Handschuhe und mit halboffener Jacke glitten wir über das heiße Land. Störend war allenfalls die leider erforderliche Kaffeepause am Hüx in Lübeck (wer hätte das vor 25 Jahren gedacht) und die schweißtreibende Suche nach Badeschuhen in Burg. Größe 43 war ausverkauft, Schwarz-Orange schon mal gar nicht. Aber die 44er passten einigermaßen und blieben auch nach 2 erfrischenden Einsätzen im Fehmarnbelt am Fuß. Gegen Spätnachmittag fing es im Westen an zu quellen. Wir hatten natürlich keine Regensachen dabei, längst vergessen, was das überhaupt sein soll. Da fiel mir die B 501 wieder ein, die so nah es geht an der Küste entlang führt, und eben auch an der Gewitterfront vorbei, die auf dem Regenradar inzwischen furchteinflößend aussah. Außer einem Schauer bei Neustadt kamen wir unbehelligt durch. Zur Belohnung bestellten wir beim Hähnchen-Eck in der Schwartauer Allee einmal zwei halbe Hahn. Das ist auch locker eine Dekade her, bemerkten wir. Die B 75 zog uns zwischen zwei kleineren Gewitterzellen hindurch in die Dämmerung.
Dienstag, 23. Juli 2013
Carpe that fucking Diem
Der Sommer ist ein Märchen, die Abende sind noch lang, warm und nur zum Cruisen da. Wir finden immer wieder ein Ziel. Und sei es nur zum Zollenspieker, kurz bevor der Imbiss zu macht. Genauso eine Wurst in Grünendeich, zum Feierabend. Oder eine Tour in die Dämmerung über Henstedt Ulzburg, unsäglich, doch eines endlosen Sommerabends vom Sattel aus gesehen fast lässig. Einen astreinen Burger an der B4, allerlei Tiefergelegtes bestaunend. 25° Celsius, schnell noch eine späte Runde durch das einsame Natruimdampfgelb des Hafens, mit 80 Sachen durch die leeren Straßen rauschen. Oder 20 Kilometer auf der Elbchaussee entlanggleiten, am Ende eine Pizza im Wedeler Beachclub, Schiffe gucken. Manchmal kommen einem andere Biker entgegen. Sie grüßen herzlich, und in ihren Gesichtern sehe ich wahres Glück.
Sonntag, 21. Juli 2013
Drogen
Ein neuer Tag kam, mit neuer Sonne, sie brannte sofort. Den Vormittag verbrachten wir mit Diskussionen über bestmögliche Ziele, die nicht voll sind mit Touristen aus dem Süden, die so sehr die Seeluft lieben und diesen wahnsinnig weiten Himmel. Uns fiel die Strecke durchs Hinterland ein, die auf Atlantis endet. Sie war tatsächlich wieder fantastisch. Absolut ungestört rollten wir über die Hügel zwischen Ahrenbök, Eutin, Lensahn. Dass ich seit 2 Tagen mit eierndem neuen (!) Reifen und zitternden Lenker fahre, spätestens jetzt war alles egal. Nach Jahren parkten wir erstmalig wieder am Deich von Wenkendorf. Wir breiteten unser Handtuch aus und ließen die Sonne sengen. Der Abend war heiß, und die Waldstücke auf der Rückfahrt angenehm und kühl. In Neukoppel bogen wir ab zu Telse, vorher noch schnell ein Alkoholfreies von der Tanke holend. Der Abend war so nett, dass es nichts aus machte, die B 75 in der Dämmerung und die Stadt bei Dunkelheit zu erreichen. Das Pflaster war warm, der Sommer endlos und das Benzin eine Droge.
Samstag, 20. Juli 2013
Märchen
Samstagmorgens war ich auf dem Weg nach Lübeck, genauer gesagt in die Siegfriedstraße, wo Heike wohnt und Anja abzuholen war. Seit Wochen ist Wetter wie in Arizona. Man fährt in Turnschuhen und kann sich nichts vorstellen außer heißem Asphalt, höchstens eine milde Brise am Strand. Ich traf die beiden leicht durchgerockt am Frühstückstisch an. Kurz darauf suchten Anja und ich Wege vorbei an der entsetzlichen Blechlawine, die sich an Tagen wie diesem in Richtung Ostsee quält. Bitte bleibt doch im Stau auf der Autobahn, da gehört Ihr hin, Arschlöcher! Wir kreuzten eine Weile durch McPom, lange nicht gesehen. Einige Orte kaum wieder zu erkennen. Den Touristen wird geboten, was sie erwarten. Dem Land dazwischen ist es egal. Es glüht in der brennenden Sonne und wartet auf den Mähdrescher (der wartet hinter unübersichtlichen Kurven). in Brook war noch genau ein Plätzchen frei zwischen echten Ossis. Man erkennt sie an ihrer Nacktheit und fokussiert schnell Punkte am Horizont, an der gegenüberliegenden Küste Schleswig Holsteins zum Beispiel, die sensationell klar und nah war. Mit der Zeit kam eine große Trägheit und die Rückfahrt gerade recht. Durch die Knicks im warmen Abendlicht, das über die Kornfelder streift, und das das SparklingCandyOrange der Kawasaki liebt, zu kurven, war unvergleichlich. Wir kamen auf einer aufwendigen Route über Mölln, Nusse, Trittau der Stadt näher, die ganz betrunken war von diesem Märchensommer. Wir fielen nach einem Absacker auf dem Balkon sofort ins Bett.
Sonntag, 14. Juli 2013
Blaustich
Ausnahmsweise empfing uns die Heimat mit richtigem Sonnenschein, wenn auch leicht blaustichtig. Wir fuhren glich wieder los, die Motoren noch warm. Die Tour nach Brook ist lange her, romantisch und hat am Ende einen Strand. Das erste Stück war aber ernüchternd. Eine endlose Autoschlange verstopfte die Bundesstraßen. Zu viele Menschen in diesem engen Land. Gut, dass wir die Waldwege kennen. Das Gefühl freien Gleitens kam erst auf der Landstraße nach Schönberg auf. Aus reiner Gewohnheit fuhren wir beim örtlichen Café vor und bestellten Eis mit Sahne. Den Rest des Tages verbrachten wir Ostseestrand als wäre es das Mittelmeer. Wir tranken noch ein Alkoholfreies in Lübeck, dann entschwand auf der abendlichen B75 allmählich das Urlaubsgefühl und wir entdeckten ein vergessenes Gefühl neu: Frieren.
Freitag, 12. Juli 2013
Croisière de France
Frankreich hat praktisch alles was man braucht. Sonne, die einzig wahren Päin-o-Scholola, an jeder Kreuzung einen Carrefour und immer einen netten Zeltplatz in der Nähe. Vor allem aber: Weite, durch die ungestörte Landstraßen führen, auf denen man ganztägig gleitet, durch Flusstäler schwingt, über Mittelgebirge kurvt und durch die Jahrtausende staunt. Zweieinhalb Wochen kreuzten wir ab Narbonne von Kreisel zu Kreisel durch die Große Nation. Zuerst in einem irren Schlag bis an die Bretagne, dann Eingebungen, Flüssen oder grünen Straßen folgend peu a peu in bis den Süden, wo die Zikaden sirren und man ohne Jacke fährt.
Alle Details in Kürze aus der Abt. f. Reiseberichte.Sonntag, 16. Juni 2013
Das Universum
Der Sonntag drohte zu enden, aber die Erwartungen an ihn waren höchstens teilweise erfüllt. Zuerst war es wolkig, mit einem scharfen Wind aus Südwest. Einen Latte in Wedel, mehr wollten wir nicht. Leider war überall Stadtfest, und ansonsten verkaufsoffener Sonntag - dumpfe Autokolonnen überall. Vielleicht hörte das in den Elbmarschen auf. Hinter Uetersen türmten sich aber schwarze Wolken und so weiter und so fort, irgendwas war immer. Wir fanden uns ganz woanders wieder: Entenwerder. Dort sieht es aus wir in Opas Gartenbude, es gibt nur eine Sorte Kuchen und Filterkaffee. Später waren wir auf dem Balkon und bruten Burger. Jetzt wäre normalerweise der Tatort gekommen. Ich täuschte jedoch vor, nach Hause zu fahren, bog heimlich ab und atmete tief die frische Abendluft auf der B4 ein. Über den Knicks versank die Sonne, dazwischen zog mich schnurgerade die Straße in die Dämmerung. Von Quickborn die Querverbindung nach Norderstedt. Die endlose Ulzbuger Straße mit gleichmäßigem Tempo zurück, die banalste Neonreklame wurde cool, im Rückspiegel verglühte das Universum.
Sonntag, 9. Juni 2013
Altmärkischer großer Bogen
In einem groß angelegten Bogen durch die Sonne cruisen, bis zum Harz. Das wäre was, um die in Schieflage geratene Work-Bike-Balance zu richten. Samstag, gleich nach dem Frühstück lag die Welt offen vor uns. Die B3, endlos, und auf angenehme Weise reizarm, ging durch den Vormittag. Hinter den Wäldern war Heide, oben helles Blau. Auf der Straße außer uns: niemand. In Soltau bogen wir ab, Richtung Osten. Da kamen militärische Spielplätze und mittendrin ein Ort namens Munster. Eine Themenstadt für Olivgrün und Kanonen. Das war gleich vergessen, als wir uns wieder auf dem Highway und ganz in uns selbst befanden. Gleichmäßig, ohne jeden Störeinfluss glitten wir mit der einmal eingestellten Lieblingsgeschwindigkeit dahin. Als Anja sich nach der Altmark erkundigte, wuchs auch gleich die erste der wuchtigen Klotzkirchen aus dem Horizont. Wittingen, Brome, lichte Dörfer zogen vorbei, menschenleer, staubfrei und trotz Sonnenschein frappierend farblos. Überraschend: Die Hügel der Altmärkischen Schweiz, wer hätte das gedacht. Doch meistens, viele Kilometer am Stück, nichts, einfach nur das entspannt in der Landschaft liegende Asphaltband und der Fahrtwind, als wäre man sonstwo. Haldensleben tauchte matt am Horizont auf und verschwand. Wir verließen die Hauptstraße und suchten uns Wege durch Dickicht, über Berg und Tal, Hohlwege und Sackgassen. Dann die Türme von Halberstadt, flirrend im heißen Gegenlicht. Am Markt, 2 Kugeln Schoko, dazu Cappuccino. Da waren es bis Wernigerode nur noch ein paar Meilen. Wir parkten einfach auf dem Gehweg vor dem Hotel Altora. Gegenüber schwitzten und rauchten Damplokomotiven. Das taten wir auch, aber wir hatten ein Bier dazu.
Sonntag: Der Morgendunst hatte sich noch nicht zersetzt, da waren wir schon unterwegs auf den Harzmountains National Park. Es war sehr angenehm, Vieles schon zu kennen und ganz lässig links liegen lassen zu können. Am Spackentunnel hielt es uns nur ein Nogger lang, aber die B242 über die Hochebene war traumhaft. Es ging noch eine ganze Zeit so weiter, dann ließen wir die Berge hinter uns, vor allem aber die Anja zunehmend belastende, kleinteilige typisch Harzer Hutzeligkeit. Quedlinburg dagegen: Weltoffen, international, cool. Als mir die Zigaretten ausgingen, gab mir der Kellner eine aus, obwohl er nicht mal rauchte. Es folgten wieder viele Stunden durch grüne Schneisen, die wundersam dufteten, auf einen Punkt am Horizont zu, der, je erreicht, ins nächste Bild springt, diesmal vielleicht am Ende eine weiten Prärie. Wir fuhren so unentwegt nach Norden, bis wir fassungslos im Katastrophengebiet an der überlaufenden Elbe standen. Angesichts kilometerlanger Kolonnen der Rettungs- und Bergungsfahrzeuge wurde uns Angst und Bange und all unsere Glückseligkeit wirkte abstrus. Mit einer Pizza in Lüneburger Backsteingemütlichkeit versuchten wir uns abzulenken. Dann bretterten wir heim, auf der Autobahn, der Sonne direkt entgegen. Sie ging erst unter, als wir erschöpft in die Garage rollten.
Sonntag, 2. Juni 2013
Das Meer
In Reinfeld trennten uns unsere Wege. Anja fuhr pflichtbewusst zum Familientreff aufs Anwesen, ich hatte andere Prioritäten und ließ die Orange weiter rollen. Schleswig Holstein hatte ich fast vergessen über die Zeit. Die Strecke über Ahrensbök, Eutin, Lensahn ist erste Sahne, zumal in der wuchernden Üppigkeit dieses späten Frühlings. Die Straße lag lasziv auf der kuppigen Topografie, Sonne flirrte durch die Kronen, darunter ich genoss die Kurven.
Links am Horizont schob sich eine winzige Gewitterzelle über Strukdorf und vermasselte das dortigen Kaffeegedeck. Ich erreichte währenddessen das Meer bei Weißenhaus. Es roch nach Meer, vertraut und weit. Da konnte auch die doch recht kleingeistige Stimmung am Strandcafé nichts ändern. Als ich in Strukdorf dazu stieß, war es spät geworden, doch da nichts als Verständnis, eine Spur Neid hier und da, vielleicht.
Sonntag fuhren wir wieder zusammen. In Ratzeburg saßen wir am Markt, wo es nicht mal ordentlichen Cappuccino gibt. Dann ging es kreuz und quer durchs Lauenburgische, wie damals, im Sommer. Der Sachsenwald duftete wie Badewasser, dann kam der Elbdeich mit frischem Westwind. Auf ihrer Landzunge in der Wildnis empfingen uns die Sveisis. Die Stelle haben wir im GPS markiert und werden sie wieder finden, wenn's drauf ankommt.
Montag, 20. Mai 2013
We are simple.
Ich saß in der Bude, draußen war ein grauer Pfingstmontag ohne jede Besserung. Anstatt mich mich wie Anja Nützlichem zu widmen, zog ich einen warmen Pullover über und fuhr wieder los. Es hätte nur eine kleine Stadtrundfahrt werden können, aber im Westen sah ich ein Wolkenloch. Es befand sich zwar über Grünendeich, aber egal, ich trank dort Cappuccino und studierte ergraute Fulldresser mit Familiencolor. Wäre die Klappbrücke nicht oben gewesen, hätte ich den Rückweg angetreten. Stattdessen fuhr ich nach rechts, durch die elenden grauen Dörfer hinter Stade unter diesiger, milchiger Kälte. Das war alles egal, denn sobald ich das Ortsschild passiert hatte, vor mir sich ein Stück Landstraße öffnete, und seien es auch nur eine paar Kilometer, ich genüsslich den Fünften einlegte und einfach dahinbrummte, dann konnte ich ein debiles Grinsen oft nur mit Mühe unterdrücken. Ich nahm die Fähre und kam über Glückstadt und Elmshorn zurück, wie hunderte Male zuvor. Das Grinsen blieb. Am Ende bretterte ich, inzwischen frierend, auf der Autobahn nach Hause und fand selbst das noch cool. So leicht, glücklich zu sein, das kann einem richtig Angst machen.
Sonntag, 19. Mai 2013
Berlin
Der Freitag begann traumhaft, und frei, bis über Pfingsten. Schadenfroh rollten wir durch das Gewerbegebiet, in der Hoffnung, einem arbeitenden Kollegen auf der Straße zu sehen und zu ärgern. Kurze Zeit später lag vor uns die B5. Das Maigrün zog über uns hinweg, und wir waren gelassen genug, uns vom werktäglichen Langsamfahrern nicht erregen zu lassen. Das Stück von Boizenburg bis Ludwigslust ist immer wieder länger als gedacht. Der Windbeutel im örtlichen Café war grandios, kam aber in letzter Sekunde. Dann kam wieder introvertiertes, zeitloses Gleiten durch gelbe Weiten, oft abrupt endend, wenn eine der zahlreichen neuen Baustellen urplötzlich aus der Trance aufschreckte. Wie immer wurde es heiß, je näher wir der Hauptstadt kamen. Unsere gewohnte Route durch Kreuzberg war vollgesperrt, so dass wir nicht nur nach Orientierung irgendwie oben rum nach Friedrichshain einen Weg finden mussten, sondern in quälenden Autostaus von der Sonne und den Motoren gegart wurden. Wir parkten in der Liebaustraße und gaben uns erschöpft dem warmen und peinlich kurzen Abend mit den üblichen Verdächtigen hin.
Den ganzen Samstag lang blieben die Maschinen stehen und wurden vom Dauerregen und den Lindenstaub nachhaltig eingesaut, während wir abwechselnd in coolen Szene-Klamottenläden Geld ausgaben bzw. Latte tranken, ganz wie es Berlin verlangt. Mehr ist zu dem Tag nicht zu vermelden.
Am Sonntag war all das vergessen. Bei Rührei im Straßencafé stieß Rembert mit nagelneuer Slim dazu und eskortierte uns auf sorgsam ausgetüftelter Route durch die Touristenareale, die inzwischen übrigens Disneylandartige Züge annehmen. Bei blendendem Spätvormittag glitten wir auf der Heerstraße stadtauswärts, nahmen mit bequemen 90 Km/h auf der Bundesstraße platz und hielten erst in Kyritz wieder an. Dort gab es einen bis dato unentdeckten Marktplatz nebst Eiskugel und dringend nötigem Cappucino. Nachdem R. wieder Wege eingeschlagen hatte, begann für uns wieder das endlose, losgelöste Highwaycruisen, in unerreichter Intensität. Aus der dichter werdenden Bewölkung war mit den Kilometern eine weiße Kühle geworden, die zunehmend kroch. Zwischen den häufiger nötigen Kaffee-, Solianka- und Zigarettenpausen rollte sich immer wieder atemberaubend das Asphaltband wie in Zeitlupe vor uns aus in die sattgrüne Buschigkeit. Nichtsdestotrotz waren wir durchgefroren und froh, dass das Finale zwischen Lulu und einer warmen Wanne nicht eine Minute länger gedauert hat.
Sonntag, 5. Mai 2013
Cross Country
Passenderweise rief zum Frühstück Marcus an und wollte fahren. Anja war nämlich schon auf dem Weg woanders hin. Wir fuhren erst sehr geschmeidig durch denn leerstehenden Hafen, verfransten und ziemlich peinlich in Harburg, und schnurrten dann viele genussvoll-eintönige Meilen die freie Route 3 southbound. Das vertrug sich erst mal gut mit dem nicht wegzudiskutierenden Matschigkeit, mit der wir beide anfangs noch zu kämpfen hatten. Irgendwo bogen wir östlich in die Heide ab, die Straße war noch leerer und noch romantischer. Bei einer Tasse Kaffee gestand Marcus trotz allem eine gewisse Faszination des Highway-Cruisen ein, bestand aber darauf, von nun an vorzufahren und kleine, kurvige Straßen zu finden. Ich konnte seiner historischen GS, inzwischen eine respektable Ölspur nachziehend, mit dem Chopper immer gut folgen. Wir kamen über Bienenbüttel auf traumhaften Landstraßen bis an die Elbe, wo wir uns trennten, denn ich musste und wollte nicht ins Büro, sondern unterwegs Anja auf dem Rückweg abfangen. Ich querte den Fluss bei Lauenburg und cruiste nunmehr vollautomatisch durch den warmen Nachmittag die Nebenstrecke über Büchen, Breitenfelde, dann von Dorf zu Dorf bis Berkenthin, wo es alles gab was ich so dringend brauchte: Benzin, Kaffee, Softeis. Anja traf ich an der Araltanke in Oldesloe. Wir fuhren auf der B 75 in den Abend hinein. Am Ende hatte ich 350 Km im Kopf. Es hätten beliebig mehr sein können.
Samstag, 4. Mai 2013
Klassik
Nun wollten wir sozusagen offiziell die Saison eröffnen. Schon Samstagmittag waren wir mit Rückenwind Richtung Geesthacht unterwegs, durchquerten die Geisterstadt Lauenburg und befanden uns kurz danach auf der Elbuferstraße Richtung Bleckede. Eine klassische Route. Es war viel wärmer als im Internet, das Licht blendete und wir aßen ein Eis im Schlosshof, wie immer. Warum nicht mal anders weiterfahren als immer, dachten wir. Erstmalig bogen wir mal Richtung Dahlenburg ab, fuhren über Tosterglope auf sensationellen, endlosen einsamen Highways und durch nie endende lichte Wälder wie im Märchen. Das ganze Land war absolut leer, die herrliche milde Luft, das überall sprießende Grün, alles unser. Bei Dömitz querten wir, wie immer, die Elbe. An der Tankstelle trafen wir den deutschstämmigen Hölländer Konstantin auf einer Sommer Diesel. Nicht ohne Neid wünschten wir ihm eine gute Reise. Wir nahmen die B195 im Nachmittagslicht für die Rückfahrt erreichten mit summenden Köpfen die wie immer dösende Stadt.
Mittwoch, 1. Mai 2013
Stade sehen und staunen
Heute waren es 2° mehr, außerdem der erste Mai und Anja dabei. Wir mussten durch den Elbtunnel, denn die Stadt war dicht. Es folgten zäh frierende Kilometer wieder auf der B 75, dann plattes Land über das der Nordwind eisig fegte. Voller Hoffnung erreichten wir Zeven. Es lag beklemmend in Sonntagsstarre. Vor dem Eiscafé in tristem Ziegel hielten wir nicht mal an, alles war zu depressiv. Stattdessen wagten wir einen weiteren Schlag durch klirrende Kälte und waren baff, als wir Stade betraten. Hier gab es nicht nur Cappuccino und Mandelkuchen, sondern warmen Backstein, Menschen, Sonne und alles wie im Bilderbuch. Ganz aufgepeppelt war die Strecke nach Wischhafen, die dümpelnde Fährüberfahrt, die Kolonne durch Glückstadt, Elmshorn und der ganze letzte Rest über Wedel und die Elbchaussee, obwohl die Wärme nicht mehr wieder kam, ein Klacks.
Dienstag, 30. April 2013
Out Of Office
Trotz vieler Brückentage blieb allenfalls der Dienstag, um sich heraus zu wagen. Ich driftete hinter den Harburger Bergen herum und landete auf der B 75. Gottseidank hatte in Tostedt eine Bäckerei ein Tischchen im Windschatten. Ich mampfte ein Quarkzuckerzöpfchen und genoss einen Hauch von Sonnenwärme, während eine endlose Kolonne Lastwagen vorbeilärmte. Ansonsten gurkte ich über plattes, kahles Land, sah Heidenau, Hollenstedt, schließlich Buxtehude, alles in gleißendem Licht ohne Kraft. Gedanklich war ich bereits in der warmen Badewanne, die ich zügig ansteuerte.
Sonntag, 21. April 2013
Memories in braunem Gestrüpp
Ohne nennenswerte Erwartungen und fuhren wir nach einem halben Jahr Eis und Schnee aus der Stadt heraus. Was man aus den 14 Grad machen könnte, war völlig unklar. Ein Marathonlauf zwang uns durch den Elbtunnel, ein paar Kilometer schwappten wir dann auf der Vierspurigen durch Peripherie amerikanischer Machart, was irgendwie passte. Auch die B3, auf die wir bei Buxtehude abbogen, legte sich highwayartig einsam durch braunstuppiges Wintergesträuch. Die Boliden rollten zufrieden und hochglänzend durch gerade beinahe milde Aprilluft, kreuz und quer durch die auf erste Touristen lauernde Lüneburger Heide. Wir wärmten uns ein wenig in der sonntagsgeöffneten Zweiradschau in Schneverdingen auf, genau wie alle anderen Biker auch. In Bispingen gibt es außer trashiger Autbahnbespaßung auch das unvermeidliche Eiscafé in gewohnt norddeutscher Klinkertristesse. Die Kugeln waren riesig. Ohne Landkarte ließen wir uns treiben, bis nach Scharnebek, wo wir staunend das Schiffshebewerk besichtigten. Auf der Rückfahrt trafen wir auf Lauenburg. Mit ihm kamen Erinnerungen hoch, an flirrend heiße Sonntagspätnachmittage, irgendwann, aus einer anderen Zeit. Zeitgleich entdeckte Anja einen Grünschimmer am Waldrand. Wie damals nahmen wir dir Deichstraße für das letzte endlose Stück. Es war 2 Km/h zu langsam, 2° zu kalt und dadurch etwas zu lang. Aber echt, sich über die ersten 230 Kilometer des Jahres zu beschweren, wäre wohl verrückt.
Freitag, 15. Februar 2013
Bom Dia.
Madeira.
Man
akklimatisiert sich überraschend schnell. Wir bummelten erst einmal
durch die Gassen Funchals, die hübsch sind wie ein Reiseführer, und
erreichten schwitzend das herrlich Portugiesisch-hässliche
Einkaufszentrum, in dem sich die Motorradvermietung befand. Kurz darauf
saßen wir im Sattel einer gut durchgeholten Honda CBF 500, das ist
praktisch der Toyota Corolla unter den Motorrädern. Es ging an diesem
Tag nur kreuz und quer durch die Stadt, bis wir deren Anatomie
verstanden und den Supermarkt gefunden hatten. Den Rest erledigten wir
zu Fuß, bis wir bei Rotwein für 1 Euro bei der Snackbar an der Ecke
strandeten.
Freitag
Die
Stadt zieht sich bis oben den Berg hinauf, dann kamen Kurven im Wald
und es wurde kühl. Kaum über die Kante, pfoff uns der eisige Nordwind ins
Gesicht. Die Wolken fühlten sich von
innen an wie amorpher Nieselregen. Mit kalten Fingern kurvte ich
tausend nasse Serpentinen hinunter auf die Luvseite der Insel. Im
Reiseführer standen allerlei Spezialitäten. Aber wir saßen noch leicht fröstelnd unter Einheimischen, während unter grauen Wolken ein
Kinderkarnevalszug durch die Dorfstraßen lärmte. Auf dem Ostzipfel der
Insel gibt es eine spektakuläre Straße, die mir schon beim Landeanflug
aufgefallen war. Windgepeitscht liegen erst Dünen, dann senkrechte
Felsen im tosenden Atlantik. Wir knipsten ein paar Speicherkarten voll
und flüchteten, als ein Reisebus kam. Santa Cruz lag schon wieder auf
der Sonnenseite und auf dem halben Heimweg. Das Meer brandete im
Wechsellicht, dazu gab es Espada sowie traditional bread from Madeira
und eine Riesenportion Vorfreude auf den Abend und die restliche Woche.
Samstag
An
der Sonnenseite scheint immer die Sonne, sagten wir uns und suchten die
alte Küstenstraße, was gar nicht so einfach war, denn sie wollen einen
mit aller Gewalt immer wieder auf die Vierspurige zwingen, die wie eine
U-Bahn durch die Felsen sticht. Die Alte jedoch kurvt unaufhörlich auf und ab
durch alle Ortschaften, die aneinandergereiht die ganze Südflanke
zersiedeln. An manchen Stellen windet sie sich in Talkessel hinab, wo es
Fischrestaurants und z.B. Prego Normal gibt. Bei Ribeira Brava konnten wir
nicht anders, als die Passtraße ins Gebirge hochzufahren. Durch feuchte
Wälder in engem Tal waberten Wolkenfetzen. Oben ist eine karge Hochebene
über die der Wind fegte, als gäbe es kein morgen. Wolken wälzten sich über uns hinweg, die
Sichtweite lag bei etwa einem Meter. Dazu fror das Gesicht ein. Nach endloser Kurverei empfing uns die Küste wieder warm und
sonnig wie das Paradies. Abends waren wir groggy wie nach einem langen,
erfüllten Motorradtag. Als ob das nicht reichte, war aber auch noch
Karneval in Rio in Funchal, mit allem drum und dran.
Sonntag
Der
Sonntag zog sich faul und heiß bis in Nachmittag hinein. Dann entdeckte
Anja auf der Karte einerseits ein Tal der Nonnen mit einer Straße für
"schwindelfreie Autofahrer" und vielen Miradouros. Ich hetzte die Honda
die Steilhänge Funchals hinauf, dann ging es auf bröseligen Serpentinen
zuerst durch Eukalyptuswälder und später alpin um die Felsen herum.
Unten war immer winziger die Stadt zu erkennen, oben Sonne. Wir picknickten Früchte, die nie ein Mensch zuvor
gesehen hatte. Die Reste verfütterten wir an die Eidechsen. Die
Querverbindung zum Pico do Ariero ist so neu, dass sie noch nicht mal
auf der Karte war. Und so steil, dass ich im Ersten fuhr. Oben ist ein
riesiger Souvenirshop, ein militärisches Radargerät, dicke alte
Deutsche, die sich beklagen, und ein Ausblick auf schroffes Felsenmeer,
der einfach sensationell war. Die Honda musste ganz schön was
einstecken. Anja aber auch, vor allem auf den extremen Abfahrten bis
hinunter an den Hafen, wo schon wieder eine neue Aida lag und ihre
meckernde Fracht in die Gassen ausspuckte.
Around the World
Madeira
ist ein richtiger Kontinent. Auf der Südseite war zunächst noch das
übliche Doce Vita. Wir zogen von einem Ort zum nächsten, bunte Häuser,
Kurve an Kurve, links das Meer, da schon der nächste Galao. Dann wurden
die Dörfer blasser, die Wälder dichter der Blick weit. Am westlichen
Zipfel stehen einsam Kühe auf Wiesen am Steilhang. Unten schäumt wie wild
der Ozean, winzig wie bei Google. Ab Porto Moniz ging es an der
senkrechten Nordflanke entlang. Sie ist rauh und derb, die Brandung
meterhoch, türkis und weiß. Leider ist die heftige, alte Straße
inzwischen gesperrt und man wird wie alle anderen durch die Tunnel
geschossen. Grau lag der Himmel über dampfendem Dschungel wie in
Südamerika. Die Honda jaulte in kleinem Gang über die Steigungen,
polterte über narbigen Asphalt, rubbelte um eintausend Kehren. Als wir
dachten, wir seien verloren, müssten im Urwald übernachten oder bei
Nacht und Nebel über den eisigen Pass, da tauchte vor uns der Schlund
des Via Expresso auf und katapultierte uns in einer halben Stunde in das süße Leben der Stadt zurück.
Nochmal
Das
Nordostende, die kälteste und nasseste Ecke, wollten wir unbedingt noch
mal aus der Nähe sehen. Oben waren allenfalls Leichtwolken, also fuhren
wir über den Pass hinter Monte, dem gruseligen Disnelyland mit
Zwangsbespaßung. Der Nordhang war kalt wie immer, aber aufgelockert mit
Sonnenstrahlen, die den feinen Sprühnebel äußerst fotogen in dem tiefen
Grün der Täler wie Gardinen im Sommerlicht stehen ließ. Nach und nach
wurden wieder die Finger kalt und die Goretexstiefel klamm. Erst der üppig-grüne
Taleinschnitt bei Boaventura erlöste mit komplett anderem Klima und wärmender Sonne. Bauern hielten inne, Fenster öffneten sich, Gespräche verstummten,
als wir am Ende der befahrbaren Welt standen, auf einem
Picknickplatz einkehrten und in der Sonne einnickten. Auf dem Rückweg,
wieder durch die Tunnel pfeilend, stoppten wir nochmals in Santa Cruz.
Prego Normal, Coral sem Alcool, Flugzeuge und ein Regenbogen wie aus dem
Kinderbuch. Abends saßen wir wie immer zum Sundowner auf unserem winzigen
Balkon. An das Glitzern der Stadt und das Hafenbecken hatten wir uns
schon gewöhnt, so dass wir es nicht so recht realisieren wollten, morgen
nur noch eine Kaffeefahrt nach Camara do Lobos zu machen, dann die Honda im Einkaufszentrum abzugeben, und schon mal den
Koffer zu packen, um in ein farbloses, eisiges Land zu reisen, das die
Menschen hier nur aus dem Fernsehen kennen.
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