Ich hatte keine Zigaretten mehr. Mir fiel kein anderer Laden ein, als die Tanke in der Stader Straße in Harburg. Zum Glück war erst der Abend des 31. Oktobers, so dass ich die Iron schnell nochmal benutzen durfte. In unerreicht lauer Herbstnacht rauschte ich einsam durch gespenstische Industriegebiete, dann im Höhenflug auf der Köhlbrandbrücke über glühenden Nebel hinweg. In Harburg traf ich sogar einen Gleichgesinnten. Ich kaufte eine Schachtel West und genoss in einem schier nicht endenen Gleiten auf der Schnellstraße, allein mit dem Lichtschein auf fahlem Asphalt, den gleichmäßigen Strom des Fahrtwinds bis zum letzten Meter des Jahres.
über 20 Jahre !!!
Montag, 31. Oktober 2011
Sonntag, 30. Oktober 2011
Ockertöne
Von Südwesten war eine Portion feuchtwamer Luft gekommen, so dass der Sonntag noch milder war. Jedenfalls ein guter Tag, für die Vanvans. Interessanterweise fuhren wir anfangs genau meine Strecke von gestern. Sogar der Kaffee in Mölln war wieder dabei. Das Fernziel Ostsee war zu fern. Aber kleinteilig durchs Lauenburgische zu fahren, konnte nicht verkehrt sein. Der Herbst in den Wäldern war spektakulär. Die Vanvans suchten sich praktisch von selbst ein verwegenes, unentdecktes Landsträßchen durch die Feldmark, zu Orten, die still waren und von denen der Blick ruhte auf ölgemäldeartiger Landschaft aller Ockertöne unter dramatischem Himmel. Hinter Zarrentin, auf dem Weg nach Gudow, besuchten wir mitten im Nichts eine Kunstgalerie, was Anja kaum glauben konnte. Weiter ging es, aber nicht nach Büchen, sondern über einen völlig vergessenen, durch die Weite des Zonenrandes führenden Weg über Langenlehsten und Leisterförde, bis nach Schwanheide. Wir genossen die Langsamkeit und sogen die einmaligen Bilder des einsamen, allmählich absterbenden Herbstnachmittags in uns auf. Die Fahrt war unheimlich atmosphärisch, mit ersten Anzeichen spätherbstlich-düsterer Rauhheit.
Letzte Runde
Der Motor brummte, Gedanken flossen, Blätter fielen. Ich trieb allein durchs Lauenburgische. Auf dem Land hing klammer Herbstnebel. In Mölln saß ich beim Kaffee inmitten samstaglicher Hausfrauen und konsultierte das Internet, welches keine belastbaren Daten hervorbrachte. Instinktiv lies ich mich Richtung Süden abfallen. Durch gelbe Blättertunnel ging es über Seedorf, Zarrentin nach Boizenburg, wo ich kurzerhand auf die B 195 abbog. Tatsächlich strahlte die Sonne fotogen durch die Nebelfelder. Schleierhaft zogen die Elbauen vorbei, Wälder in allen Farbtönen leuchtend, und Dörfer, die sich zurückzogen und auf den Winter warteten. In Dömitz tankte ich die Maschine voll, aß eine Frikadelle mit Kartoffelsalat und machte mir Gedanken über den weiteren Verlauf. Von Dannenberg aus verläuft die B 248 als erstklassiger Highway nach Lüneburg. Ich ließ die Iron mit 90 Sachen genüsslich durch den Herbstnachmittag gleiten, ohne auch nur einmal runterzuschalten. Man wünschte sich, es wäre ein langer warmer Juniabend. Träum weiter. Durchgefroren trank ich noch einen Cappuccino am Zollenspieker, aber dann kam die Dämmerung, die Heimfahrt, und dann die Tiefgarage, die die Iron nun für sechs Monate nicht verlassen wird.
Samstag, 22. Oktober 2011
Einfach Neukoppel und zurück.
Es kam wieder ein Oktoberwochenende, gleißend und eiskalt. Anja wollte 'mal wieder die BMW fahren', dabei war uns beiden klar, dass es ihr nur um die Heizgriffe ging. Immerhin, solidarisch genug, trug sie einen Jethelm. Ich fuhr die Iron, und unsere Route war schnörkellos. Einmal Neukoppel und zurück. Abgesehen von einem Halt beim coolen Stadtcafé in Reinfeld, wo wir mit roten Nasen einen Koffer mit Kuchen beluden, den wir den Neukopplern zum Kaffee auftischten, fuhren wir einfach. Einfach nur, um ab und zu gaszugeben, herrlich, manchmal aber auch einen trödelnden Benz als Alibi billigend, den eisigen Fahrtwind ein Stück runtertzregeln. Denn die Sonne, so grell sie blendete, war unerreichbar fern.
Sonntag, 9. Oktober 2011
Wald und Wiese 2.0
War das wirklich erst letzte Woche, als wir ohne Handschuhe fuhren und auf Sonnenwiesen lagen? Heute war fein raus, wer Boxer, Griffheizung und Fleeceunterhosen hatte. So wie Marcus z.B., mit dem wir unterwegs waren. Anja verhielt sich loyal, nahm nicht die BMW sondern gesellte sich mit ihrer Vanvan zu mir. Bereits in Höhe des Zollenspiekers verlangte ich eine Pause und Kaffee. Für viele hundert Biker endete dort die Tour, wir gaben nicht auf und steuerten auf Boizenburg zu, bogen vorher links ab und turnten über die Dörfer im Grenzstreifen, die ich kürzlich entdeckt hatte. Diesmal nahmen wir die Sandwege an den Feldrändern nicht nur wahr, sondern fuhren bis an die Grenze der legalen Welt. Es ging durch Dick und Dünn an einer Kiesgrube vorbei, in der wir uns nicht zu wühlen trauten, weil dort ca. 1,5 Mio. Enten waren und ihre Reise abstimmten. Als wir wieder in der Zivilisation rauskamen, war es zu spät für die erträumte Wurst am Schaalsee. Stattdesen ging es abermals auf Betonplatten durchs Gebüsch über Basedow, am Kanal entlang bis Lauenburg. Die Kälte war unnachgiebig und das Licht war fahl wie ein Wintertag. Entsprechend dankbar waren wir über einen gemütlichen Teller grüne Heringe mit Elbblick und Heizung. Marcus trödelte geduldig hinter den Vanvans her. Auch, als am Stadtrand zur Dämmerung noch ein eiskalter Niesel hinzukam. Wir trennten uns Ecke Altonaer Str., wie früher, als sich noch niemand über kalte Finger beschwert hat.
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Harz 11
Freitag, 30.09.2011
Die Wettervorhersage war so, dass man sich fragte, wo der Haken
ist. Von Bergedorf aus, wo Anja mich aufsammelte, waren die wir auf
dem Weg nach Süden. Lüneburg war schnell erreicht, aber was war
bloß aus der B 4 geworden? Quälend kämpfte sich eine endlose
LKW-Kolonne durch den heißesten Oktoberstart aller Zeiten. Wir
genossen die wenigen freien Abschnitte, auf denen die Vanvans mit 80
Kilometern schnurgerade durch den ansetzenden Herbstwald brummten.
Die Pullover waren längst auf den Gepäckträger gewandert, die
Handschuhe ausgezogen, als wir im brütenden Stau der Bürgerkäfige
auf Braunschweigs Stadtautobahnen den Schleichweg nach Salzgitter-Bad
suchten. Am Horizont bauten sich endlich gestochen scharf im schrägen
Licht die Harzberge auf. Mit jedem Salzgitter, von denen wir viele
durchfuhren, kamen sie näher. Wir tankten zwischen biertrinkenden
alten Männern in karierten Hemden, kauften letzten Proviant im
trashigen Netto-Markt und schwangen uns hinein in die tiefen Täler,
in denen es kühl und feucht war. Anja wollte genüsslich in einer
geschmeidigen Kurve Gas anlegen, musste aber feststellen, dass sie
bereits Vollgas fuhr. An den Steigungen schalteten wir runter.
Einmal, zweimal. Die Vanvans, so konstatierten wir, geben den Bergen
die Würde zurück. Gegen 18 Uhr, die Dämmerung setzte ein,
erreichten wir Bad Grund (im Folgenden Bad Ground genannt). Ein
pittoreskes Fachwerkstädtchen im tiefen Tal, mit lediglich dem Hotel
am Marktplatz als architektonischen Klogriff. Wir zogen im zweiten
Stock dort ein. Der Abend war warm wir ein Sommer. Die Gastronomie
war von dem Feiertagswochenende aber vollkommen überrumpelt worden,
so dass uns im ersten Laden anderthalb bis zwei Stunden Wartezeit
angedroht wurden, im zweiten der Koch mehrere Anläufe brauchte und
das Beste letztlich der Absacker auf unserem Balkon wurde.
Samstag, 01.10.2011
Um den in den dunklen Tälern im Gegenlicht leuchtenden Frühnebel
eindrucksvoll dokumentieren zu können, mussten wir auf Anjas
ausdrücklichen Wunsch unbedingt schon vor dem Frühstück ausrücken.
Die Täler waren schneidend kalt, die Kuppen angenehm warm. Vom Nebel
fehlte jede Spur, aber das Licht war extrem. Den ganzen Tag
verbrachten wir im Sattel, quälten die 125er scheinbar endlose
Steigungen der Hauptstrecken hinauf, posierten stolz am Torfhaus,
genossen die kleinen verwinkelten Verbindungssträßchen und
schüttelten schier fassungslos den Kopf über die Massen
weißhaariger Wandergruppen, die in bunter Funktionskleidung durch
die Wälder irrten. Weiter im Osten, jede Einmündung im Augenwinkel
scannend fanden wir hier und da einen Feldweg ohne das böse
Verbotsschild. Auf einer entlegenen Wiese lagen wir im Schatten eines
gelben Baumes, zwischen uns die Thermoskanne und am Horizont,
gestochen scharf, das Brockenmassiv. Abgesehen davon gab es nur einen
makellos blauen Himmel, manchmal ein laues Lüftchen und Zeit, die
traumhaft langsam verging. Dann kurvten wir weiter, bergauf und
bergab, durch das Bodetal, tief unten die Lichtspiele des späten
Nachmittages im bunten Blätterdach bewundernd. Über Rübeland und
Elbingerode, schließlich die Hauptstraße über Braunlage und
Clausthal, Richtung Bad Ground rauschend, kam der Abend. Fast wären
wir vorbeigerauscht an der Magdeburger Hütte. Der Ausblick im
Abendlicht war so überwältigend, dass wir ihn mitnahmen. Er half
uns später darüber hinweg, dass es wieder nichts zu essen gab,
außer beim Griechen und das auch nur widerwillig.
Sonntag, 02.10.2011
Das Schönste war, dass es noch ein ganzer Sonntag vorlag. So
konnten wir auch mal die unbekannteren Gebiete durchkreuzen, den
Südrand zum Beispiel. Über Andreasberg glitten wir hinab und kamen
an der Odertalsperre zum Stehen. Das Wasser lag regungslos vor uns,
herbstbunt spiegelte sich der Harz darin. In Bad Lauterberg ist
besonders das Hotelhochhaus sehenswert, dass das Städtchen überragt
und, das Thema der Staumauer architektonisch aufgreifend, das Tal
absperrt. In Bad Sachsa gibt es gut versteckt einen Abzweig, kurvig
und steil durch den Wald hinauf auf einen Berg, auf dem ein Funkturm
steht und ein piefiges Wandererlokal. Unten im Ort, im Venezia, war
es dagegen vergleichsweise cool, vorzufahren und Cappuccino zu
bestellen. Über unsere bevorzugten Routen, vergessen und möglichst
winkelig, arbeiteten wir uns abseits der inzwischen voll belegten
Rennpisten vor. Wieder lockte uns ein Feldweg (diesmal mit Schild)
auf eine Wiese wie ein Paradies. Ein gelber Baum, darunter wir,
darüber die Sonne, ein laues Lüftchen. Gegenüber dampfte die
Selketalbahn vorbei. Erst als der Kaffee alle war, starten wir die
Motoren. Schön wäre eine Soljanka gewesen, im Cafégarten in
Alexisbad z.B.. Das freundliche "Soljanka erst ab Sechs!"
überraschte uns nicht mehr. Unser heutiges Ziel war Wenigerode, und
die gastronomischen Erwartungen lasteten nunmehr schwer auf der
Großstadt. Im Sturzflug schossen wir die B 244 hinab und rollten in
die Fachwerkmetropole ein. Das Hotel war ostig, aber man durfte
rauchen. Der Abend war warm, die Mittelalterkulisse perfekt, alle
Restaurants hatten die Tische draußen. Schade eigentlich, dass
wiederum 'keine Bestellungen mehr' angenommen werden durften. Unser
Abend klang aus in einem Hinterhoflokal, die hatten noch Schnitzel
da. Und wenn wir nicht unnötigerweise noch durch den Ort
geschlendert wären, hätten wir sogar noch irgendwo einen Absacker
bekommen. Nun war es jedoch 22 Uhr und jeder Zug abgefahren.
Montag, 03.10.2011
Wieder mussten wir ganz früh raus,
denn auf einem Schild hatten wir gelesen, dass ein sogen.
Traditionszug um 8 Uhr 59 in Richtung Brocken starten würde. Nicht,
dass wir mitfahren wollten, stattdessen hatte Anja sich in den Kopf
gesetzt, ihn effektvoll im Morgendunst der Berge zu fotografieren.
Oben, bei einer attraktiven Kurve bei Drei Annen, warten wir auf
Baumstümpfen sitzend in einer Waldlichtung. Durch die morgendliche
Stille hallte schließlich das ächzende Stampfen der Dampflok.
Leider war es nur der normale Regelzug mit der normalen 1'E'1.
Zweifellos imposant, aber der echte Sonderzug mit der uralten Mallet
kam planmäßig 2 Stunden später. Zumindest konnten wir dessen
Abfahrt in Wernigerode noch bewundern. Es war Mittag, und die Sonne
brannte wie eh und je, als wir uns auf sorgfältig ausgesuchten
Landstraßen all dem den Rücken kehrten. Von den auf den Vanvans
erstmalig spürbaren vorgelagerten kleineren Höhenzügen blickten
wir ein letztes Mal zurück auf das nach wie vor kristallklare
Brockenmassiv. Durch weitläufig im Land verteilte unbekannte Dörfer, zwischen denen wir Schöne aus Boskoop vom Straßenrand
pflückten, versuchten wir unseren Weg möglichst elegant hindurch zwischen dem
Moloch Braunschweig und der Tristesse Wolfsburgs zu bahnen. Trotzdem
standen wir irgendwann ratlos an irgendeiner Kreuzung, um uns herum
gab es nur noch traurige Neubausiedlungen und Umgehungsstraßen für
die Ingenieursfamilien der Deutschen Mittelklasse. Wer war wohl schon
Mal in Königslutter? Wir waren da, ohne zu wissen,dass es überhaupt
existiert. Es gibt einendem reinrassig klotzromanischem Kaiserdom,
vor dem man den Hut ziehen muss. Stück für Stück, Dorf um Dorf
krochen wir auf den gelben Straßen voran. Letztlich wurde es eine
museale Kopfsteinpiste durch einen endlosen Märchenwald. Wir waren
erleichtert, als endlich Lüneburg ausgeschildert war, zogen das
Konzept aber durch und verirrten uns auf dem Weg nach Winsen abermals
im Wald. Bis in den Hamburger Hafen hinein, inzwischen mit summenden
Köpfen, nahmen wir immer die kleinste, langsamste oder
unwegsamste Verbindung. In der Retrospektive kam wieder die Frage
nach dem Haken auf. Er war nicht aufzufinden.
Mittwoch, 28. September 2011
Im Grenzbereich
Ein Seminar in Bergedorf, naja. Aber es hat auch Vorteile. Z.B.wenn es um 16 Uhr abgehakt ist und draußen ein sonniger Endseptembernachmitag sowie eine Vanvan wartet. Ich war nullkommanix auf der Elbdeichstraße, kurz darauf in Geesthacht und dann Lauenburg. Im Grenzstreifen vor Boizenburg bog ich einfach mal ab in die vergessene Ecke um Horst, Schwanheide, Zweedorf usw. Beim berüchtigten Bahnhof Schwanheide ist viel Geschichte versteinert. Ich fuhr ich einen einsamen Feldweg entlang, stand zwischen Kuhwiese und Bahntrecke und musste feststellen, dass es nichts großartigeres gibt als am Rand der Zivilisation auf der abgestellten Maschine zu sitzen, die bedeutungslose Umgebung zu genießen, der Stille zu lauschen und eine zu rauchen. Ein ICE donnerte vorbei und erinnerte mich daran, dass es bald dunkel wurde. Mit zunehmend kalten Füßen schnurrte die Vanvan die B 5 nach Hause. Über der Stadt ging in spektakulärem Rosa die Sonne unter, als wäre es Hollywood.
Sonntag, 25. September 2011
Wald und Wiese 1.0
Während des Frühstücks entwickelte sich ein sensationeller Frühherbstsonnentag, ein paar Minuten später waren wir schon unterwegs auf den Vanvans. Sozusagen prototypisch, Anja und ich, auf der Orangen und der Blauen, auf der Suche nach Unbekanntem zwischen dem Üblichen. In der Nordheide z.B., das wussten wir, gibt es hier und da sandige Verbindungswege. Bei genauerem Hinsehen hatten dann doch viele das Verbotsschild, bei einigen war es jedoch so vergammelt, dass wir es beim besten Willen nicht entziffern konnten. Die Vanvans liefen mit Leichtigkeit durch die Furchen und den Tiefsand. Wir endeten mitten im Unterholz. Wenn wir die Motoren abstellten, summte und knackste es, die Sonne schien durch das bleichende Laub und es roch nach Weihnachtsbaum. Einmal verirrten wir uns im Truppenübungsgebiet. Die riesigen Lichtungen waren verführerisch, aber ich hatte Angst, ein Panzer würde durchs Gebüsch brechen und wild um sich ballern. Die Route im Detail zu beschreiben ist unmöglich, denn wir ließen uns treiben, über die Dörfer, warme Landstraßen, auf denen es immer wieder anders roch und immer wieder suchend nach einem guten Feldweg. Staunend sahen wir bei der Kartoffelernte zu bis der Kaffeedurst kam und uns ins Zentrum von Salzhausen zog. Der Nachmittag fühlte sich an wie einer der ersten richtig warmen Maitage. Die Menschen stauten sich in kurzen Hosen vor der Eisdiele. Wir verließen die Region wie wir gekommen waren: Durch das traurige Winsen, dann über Over die Deichstraße entlang bis ins teilgentrifizierte Hafenviertel Harburgs, durch den Freihafen und die Hafencity, St. Pauli, Schanze, Dönerbude komplettierten respektable 250 Kilometer Vanvan.
Alte Weiber
Mit offiziellem Herbst setzte ein unschlagbares Altweiberwochenende ein. Inzwischen könnte jedes das letzte Mal sein, deshalb ließ ich nichts anbrennen und buchte die große Elbuferrunde. Anja ging arbeiten, nur die Iron und ich waren unterwegs. Auf der Autobahn bis Geesthacht, aber im Grunde auch den Landstraßen den Fluss entlang bis Bleckede, döste ich gedankenverloren dahin. Endlich war in dem Café am Platz mal die Espressomaschine in Ordnung. Unter gleißender Mittagssonne glitt ich weiter durch leuchtende Mischwälder, über Berge am Elbtal, backsteinniedliche Aussteigerdörfer, rauchte im schnuckeligen Schnackenburg, studierte die Karte, nahm nicht die Fähre, sondern die Straße Richtung Altmark. Erstmalig bereitete mir die im Tacho dezent leuchtende kleine gelbe Tanksäule Sorgen. In Orten wie Wanzer, Wahrenberg oder Geestgottberg kann man keine Tankstelle erwarten, so dass ich extrem sparsam über die endlosen Weiten rollte. Ich atmete auf, als ich die Elbebrücke überquerte und Wittenberge sich am anderen Ufer aus den Auen erhob. Wittenberge hat nicht nur ein monströses Einkaufszentrum mit Tanke, sondern auch eine herrlich ostig-tothosige Altstadt, durch die ich eine kleine Runde drehte, bevor ich mich auf die B 195 begab, dessen Ursprung, also das Stück bis Dömitz, ich zum allerersten Mal befuhr. Es ist genau so wie der Rest. Kurven durch Kiefern auf Sand, links meist die inzwischen nachmittaglichen Elbauen. Bislang war ich allein auf der Welt, nun flogen mir die Racer um die Ohren. Sie fahren immer zwischen Dömitz und Neuhaus hin und her. Autos hatten heute scheinbar Fahrverbot, was gut war. Meine Kilometer zogen ungestört mit malerischen 90 Sachen vorbei. Ich sah schwer bepackte Birnbäume, Gärten wie als Kind bei Oma und Opa, eine enorme Binnendüne, meterdicke Kreuzspinnen, deren im Gegenlicht glänztende Netze ganze Straßen überspannten. Das hätte für immer so weiter gehen können und es war richtig schade, als Boizenburg ins Bild kam, welches die den Rückweg markierte, den ich zunehmend schwerfällig abbummelte. Lauenburg, das mehr und mehr zur Geisterstadt mutiert, Geesthacht, und die zäh-schläfrige Deichstraße, auf der man irgendwann einfach nicht mehr grüßt, und hofft, bloß nicht für einen der Kirchturmfahrer gehalten zu werden.
Montag, 19. September 2011
Vanvan am Sonntag
Die Vanvans sind gut geeignet, sich mit einem ungemütlichen Sonntagnachmittag im September anzufreunden. Die Stadt lag noch in Sauer, als wir durch die Häuserschluchten schnurrten, in das menschenleere Hafengebiet. Am Schuppen 50 trafen alte Lieferwagen. Weil wir gerade in Stimmung waren, besuchten wir auch gleich noch das dortige Museum, bevor wir den langen Weg durchs Alte Land antraten. Endlose Plantagen prall leuchtender, duftender Äpfel zogen vorbei. Am Lüheanleger stellten wir die Vanvans effektvoll ab und bestellten Tütencappuccino. Lange hielt es uns dort nicht, wir nahmen den selben Weg zurück in die Stadt, die introvertiert einen weiteren gemütlich-trägen Sonntagnachmittag auf das Ende des Sommers hin abhakte.
Sonntag, 11. September 2011
Zeitfahren
Der Sommer brachte nur noch lustlos ein paar heitere Tage zwischen den Regenfronten hervor. In einem diesigem Wolkenloch starte ich allein mit der Iron ins ungewisse. Wie immer rollte ich durch das Hafengebiet, schaute mal hier und mal da und bog mangels besserer Ideen ins Alte Land ab. Dort rollte ich einigermaßen flüssig durch die erntereifen Plantagen, und weil sie es so schön unbeteiligt an mir vorbeizogen, war das Weiterfahren eine bessere Option als ein weiteres Mal bei den Dorfprolls am Lüheanleger zu stehen und Tütencappuccino zu trinken. Die grauen, leergefegten Dörfer lagen bald hinter mir und ich fuhr auf die Elbefähre in Wischhafen. Der Blick schweifte zurück über den unter weiß-diesigem Licht glänzenden Fluss. Im Hintergrund wurde die täglich neu aus Südwest nahende graue Suppe sichtbar. Der Rest der Fahrt ging gegen die Zeit. Ich wagte noch einen Abstecher nach Kollmar, welches über die Jahre praktisch unbemerkt zu einem zotigem Bikertreff Marke Zollenspieker mutiert ist. Kaum hatte ich den Motor abgestellt, hatte die Regenfront schon das andere Ufer erreicht. In Panik stürzte ich mich auf die Autobahn und raste heim. Die ersten Schwertropfen platschten auf den dreckigen Asphalt, als ich in die rettende Tiefgarage rollte.
Sonntag, 4. September 2011
Mittelgebirgsschwelle
Freitag war frei, und wir hatten viel vor. Wie damals waren wir um 7 Uhr 30 auf der Straße, nbogen gleich nach dem Elbtunnel auf die B3 ab und froren. Die Sonne leuchtete wie schon lange nicht mehr und irgendwann würde sie die eiskalte Luft wärmen. Einsame Kilometer verstrichen endlos zwischen weiten Stoppelfeldern und Waldstücken, die einem schier die Finger einfroren. Das Highwayfeeling war perfekt, als eine Ort namens Heber-City auftauchte. Wir durchfuhren ihn in der morgendlichen Rushour. Im Dunst bauten sich die ersten Berge am Horizont auf und weckten Erinnerungen und Fernweh. In Göttingen war es bereits Mittagszeit und endlich kam ein Stückchen Wärme sowie unsere Liebslingsstraße B 27. Wir aßen Eis mit direktem Anschluss an die lokalen Befindlichkeiten, rafften uns weiter, um in langen 80-Sachen-Kolonnen die 300 Km zu knacken. Bergfest. Fulda zog am Nachmittag ohne Halt vorbei. Wir nahmen den gut versteckten Abzweig Richtung Flieden, Steinau, immer an den Hängen des Kinzigtals entlang, hin und her unter der Autobahn durch, dort gibt es beschauliche Dörfer an denen alles vorbeizieht. In brütender Nachmittagshitze, kurz vor Hanau bekamen wir Hunger, deshalb zog uns ein Ort namens Linsengericht magisch an. Es gab keine Linsen, aber kleine Landstraßen, auf denen wir etwas orientierungslos durch eine Ecke vom Spessart kreuzten und in Aschaffenburg wieder rauskamen. Das letzte und zermürbendste Stück ging in den Abend hinein über die B 28 durch die traurig-zersiedelte Ödnis, an deren Ende tröstend Pfungstadt liegt. In den Knochen spürten wir 600 Km Landstraße, aber vor uns stand ein großer Braten den Frau Gill für uns liebenswerterweise zubereitet hatte.
Samstag, 2.9.2011
In einem Konvoi aus GS, Iron und einem VW Beetle waren wir im Odenwald unterwegs. Albrecht fuhr vorweg, denn er kennt alle Wege durch die dichtbesiedelten Berge. Die Dörfer gehören Städtern und sind bunt und blankgeputzt. Wir überquerten den Main, fuhren noch ein Stück kreiselkurven im Spessart und trennten uns auf einer Verkehrsinsel in Rohrbrunn. Anja und ich nutzten die gewonnene Freiheit um die schwingenden Kurven über mächtige Kuppen, die verschnarchten Holperstrecken durch die einsame, dunkle Täler dieses unterschätzten Mittelgebirges zu genießen. Wir fuhren an der Lohr und der Joss entlang und waren baff über die immer neuen Weitblicke auf Deutschlands perfekteste Modellbahnlandschaft im goldenen Nachmittagslicht. Nahtlos geht der Spessart in die Röhn über. Im "Staatsbad Bad Brückenau" kreutzten wir die B 27 und arbeiteten uns hoch über Gersten, dann immer spektakulärer bis zum Gipfel der Wasserkuppe. Den Rummel dort konnten wir nur durchfahrend ertragen. Eine Handvoll warme Romantikkilometer im Streiflicht weiter, hinter Tann gibt es eine kaum zu findene winzige Straße über den Grenzberg. Über Eiterfeld kommt man zurück zur B 27. Der Spätsommerabend lag leuchtend vor uns. In vollendeten Flow glitten wir ungestört das Werratal entlang, bis sich erlösend die Burgen von Witzenhausen ins Bild schoben. Wir checkten ein und waren froh, noch einen Krustenbraten zu ergattern.
Sonntag
Wir waren schockiert. Irgendwoher war über Nacht Regen gekommen. Um 9 Uhr rollten wir unter trüben Himmel durch das noch schlafende Land, monoton, in sich ruhend glitt der nasse Asphalt unter uns hinweg. Beim Mc Donalds irgendwo an der Strecke standen wir im Nieselregen und füllten Kaffee in unsere Thermoskanne. Später, nachdem die Goretexschuhe entgültig undicht geworden waren, lichtete sich der Himmel und es wurde trocken. Die Berge hatten wir hinter uns gelassen und rauschten nun wieder einsam über die Highways durch die Prärie der Tiefebene. In Soltau vergaßen wir einen Abzweig und fuhren schnurstraks kreuz und quer durch die Lüneburger Heide, was okay war, denn der Tag war jung und immer wieder findet sich noch eine schöne Straße. Nach einem letzten RIesenumweg auf Hamburg zu fanden wir uns zwischen knipsenden Touristen wieder vorm Fleetschlösschen in der Hafencity, teuren Cappuccino schlürfend. Welcome, Germany is beautiful, what für eine Tour.
Montag, 29. August 2011
Travemünde traditionell
Frühherbstlich kühl und klar war die Luft. Die Harley bollerte die Landstraße über Lasbek nach Bad Oldesloe, Benstaben. Ein oder zwei Kilometer westlich von mir bewegte sich eine graue Wolkenfront parallel, drohend, jedoch ohne näher zu kommen. Ich durchfuhr Lübeck und nahm traditionsbewusst die alte B 75 durch den Herrentunnel. Travemünde lag nass und frierend da. Ich verbrachte den Nachmittag mit dem Alten Herren, das Regenradar aus dem Augenwinkel beobachtend und passte eine vielversprechende Lücke ab. Über Oldesloe war aus der Ferne schon die nächste Wolkenwurst zu sehen. Ich stand an der Ampel in einer langen Schlange hinter einem alten roten Porschetrecker als ein kurzer, heftiger Starkregen einsetzte. Die klammen Klamotten, eisiger Gegenwind und frierende Finger kennzeichneten die eintönige Rückfahrt über die graue B 75 und riefen ein völlig in Vergessenheit geratenes, intensives Körpergefühl in Erinnerung.
Sonntag, 28. August 2011
Marsch
Gestern
war mit großem Getöse und reichlich Medienrummel der Sommer beendet
worden. Heute Nachmittag hörte der Regen auf und eine neue Witterung
begann. Ich fuhr auf Anjas Vanvan und wusste gar nicht wohin. Zuerst die
übliche Strecke durch den Hafen, dann ganz unsäglich auf der
Vierspurigen durchs prollige Neugraben, unmotiviert hinter
Familienkutschen her bis Buxtehude. Damit waren vollendete Tatsachen
geschaffen und ich bog ab ins immer älter werdende Alte Land. Am
Lüheanleger stand ich allein mit meinem Cappuccino und Apfelkuchen. Die
Sonne war herausgekommen und fragte: was nun? Kurzentschlossen bezog ich
den Vorabend mit ein und begab mich auf den Weg nach Wischhafen. Die
Gartenzwergige Piefigkeit hinter mir lassend, kämpfte sich die Vanvan
voran durch die herb im bissigen Südwind harrenden grauen Dörfer. Noch
während die Fähre über die glitzernde Fläche setzte zum Horizont, der
endlos und starr da lag, kroch die neue Luftmasse in die Goretexjacke,
so dass ich erstmal den Reißverschluss zumachen musste. Drüben, auf dem
kargen Highway zwischen Glückstadt und Elmshorn rollte die Vanvan im
langen Sechsten mit gleichgültigen 80 Sachen durch die Landschaft.
Ütersen, Heist, Wedel, Strecken aus der Vorzeit. Die Elbchaussee führte
vorbei an spätsommerlich leuchtenden Schiffen. Zu Hause hätte ich eine
heiße Dusche gebrauchen können, so durchgefroren war ich.
Montag, 22. August 2011
Call Of the West (in Dithmarschen)
Wochenend
und Sonnenschein, das kennt man gar nicht mehr. Wir befanden uns auf
der morgendlichen B 75 RIchtung Lübeck, wie so oft. Aus allen Dörfern
krochen Harleys hevor, hinter uns hatte sich bereits ein grollender
Tross entwickelt. In Lübeck waren nämlich Harley Days. Obwohl es cool
war, die einzige Vanvan zwischen tausenden Custombikes zu parken,
überließen wir den Mob nach kurzem Kontrollgang sich selbst und begaben
uns auf den langen Weg gen Westen. In Strukdorf hielten wir kurz und
Horst lotste uns auf dem T-Max den Weg durch das unübersichtliche,
zersiedelte Gebiet bei Wahlstedt. Ab Heidmühlen waren wir auf uns allein
gestellt. Weder die Harley noch die Vanvan ließ einen Tankrucksack zu,
folglich musste man sich auch die verwegensten Strecken durch Wald und
Wiese im Kopf merken. Neumünster empfing uns metropolenhaft. Am
örtlichen Galao-Strip parkten wir zwischen allerlei Tiefergelegtem.
Unsere Route brachte uns immer weiter in unbekanntes Gebiet. Der
Westwind blies und es war gut, einen Pullover anzuhaben. Über Aukrug
führten verlassene, einspurige Landsträßchen durch das
Schleswig-Holsteinische Kernland. Bei Breiholz setzten wir über den
Kanal und kamen in noch fremdere Welten. Wäldchen und kurvige
Geestrücken wechselten sich ab mit Topfebenen. Flussarme glänzten im
Spätsommer hinter Büschen, Getreide staubte. Mit Bleifuß wuchteten
Trecker Doppelanhänger irgendwo hin. Hinter Friedrichstadt, der letzte
Bastion der Zivilisation, fängt das Land bereits an, sich aufzulösen.
Wir kämpften gegen den spürbar an Kraft gewinnenden Westwind an, bis auf
die Halbinsel Eiderstedt. Nach ein paar schleichenden Kilometern durch
Buschtunnel standen wir vor dem Ende. Hinter dem Deich kam nur noch ein
Windrad, dann ein Betonplattenweg und schließlich ein Haus, wo uns ein
Gutteil der Sippe empfing. Das Essen war schon fertig.
Am
Sonntag war alles sommerlich. Hinter dem Ort steht der bekannte
Leuchtturm aus der Jeverwerbung, obwohl hier gar nicht Friesland ist. Um
einen Kreis zu bilden, fuhren wir statt durchs Landesinnere an der
Küste entlang zurück, durch endlose Weiten, mit einem Deich, der allzeit
den Blick auf die Nordsee versperrt. Meist ist sie ohnehin nicht
vorhanden. Dabei kommt man durch viele Orte, die heute, für ein paar
Stunden, ihr Grau farbenfroh leuchten ließen. Der Wind hatte inzwischen
auf Süd gedreht, so dass er wieder von vorne kam. Wir saßen im
Straßencafé und hatten längst aufgehört, die Trecker zu zählen, die die B
5 füllten. Unten an der Ecke der Elbmündung quoll es verdächtig. Wir
bogen im prächtigen Marne Richtung St. Michaelisdonn ab und genossen den
Moment, wieder Geest unter die Räder zu bekommen. Die Strecke
Itzehoe-Elmshorn behält, nüchtern über windige Kuppen und kahle Ebenen
führend, sogar an Sommertagen ihren ungemütlichen, derben Charme. Auf
dem letzten Stück nach Hamburg kam die graue Masse von Süd immer näher,
während es dampfend heiß wurde. In allerletzter Sekunde konnten wir die
Boliden in die Sicherheit der Tiefgarage bringen.
Montag, 15. August 2011
Vanvan Now!
Samstag, 29.07.2011, Bayern
Reichlich übermüdet hatte ich Regensburg erreicht, war mit einem tiefergelegten Escort aus den Achtzigern abgeholt worden und saß am Nachmittag schließlich auf der Vanvan, den Gasgriff am Anschlag. Noch hatte ich Mühe, den richtigen Rhythmus zu finden, der bei knapp Neunzig endete. Bei knackigem Gegenwind kämpfte ich mich durchs Altmühltal und auf gelben Straßen über Berg und Tal. Regen setzte ein und hörte nicht wieder auf. In Hilpoltstein saß ich im Bistro mit einer gut gemachten Gulaschsuppe. Draußen stand orange die Vanvan. Spätnachmittags durchquerte ich in grauem Nass ohne Halt Nürnberg, musste aber einsehen, dass es so nicht weitergehen konnte. Triefend und frierend kehrte ich in Forchheim im Einfachsthotel "Easy" ein. Ich fuhr zum Supermarkt, holte Vinho Tinto und Käse und verbrachte den Abend vorm Fernseher, nachdem ich meine Schuhe trockengefönt hatte.
30.07.2011, Sonntag
Der nächste Tag war trocken und arschkalt. Ich war in Bamberg verloren umhergeirrt, bevor ich die B 279 fand. Eine Straße, die man sich unbedingt merken muss. Ganz allein brummte ich durch Landschaft wie in dem Reiseführer "Germany", in dem ich vor zwei Tagen in London Heathrow gelangweilt geblättert hatte. Nur dass dort auf den Bildern die Sonne schien. Hier war es grau, und der Wind blies eisig gegen verzweifelnde 12 PS an. Die Fahrt über das sich am Horizont mächtig abzeichnende Rhönmassiv schminkte ich mir schnellstens ab, nachdem ich auf einem kleinen Pass im Vorfeld fast erfroren war. Westlich hinter den Bergen erreichte ich bei Fulda aufgelockerten Himmel und die B 27. Ich fühlte mich beinahe heimisch. Gutgelaunt schwang ich die Werra hinunter, hielt gelegentlich um ein, zwei Bifi zu inhalieren mit Anja zu konferieren, die mich am Bildschirm verfolgte. Witzenhausen kam romantisch in Sicht, als es Zeit wurde. Ich quartierte mich ein, bestellte Schnitzel "Holstein" am Markt und freute mich auf einen schönen Absacker irgendwo in einer der zahlreichen Bars in den lebendigen Mittelaltergassen. Pustekuchen, die Bürgersteige wurden hochgeklappt ehe es dunkel war.
31.07.2011 - Montag
Ein freier Montag war zu schade, um schnurstracks auf der B4 (es ginge auch auch die B3) verschwendet zu werden. Lag doch die schöne Weserstrecke so nah. Die Vanvan und ich hatten uns inzwischen eingegrooved. Ich verzichtete auf die letzten 10 Km/h und sie schnurrte im Overdrive durch die weiten Kurven den Fluss entlang. Ich wollte unbedingt alles aus dem Wesergebirge rausholen und da kam nur ein Weg in Frage, es zu verlassen: Durch die Porta Westfalica. Eine gute Stunde irrte ich durch die entsetzlich zersiedelte Gegend bei Rinteln, am Südrücken des Wiehengebirges, und quälte mich zusammen mit abertausenden Lastzügen durch den Weserdurchbruch. Sie begleiteten mich auf der schließlich folgenden, langen Fahrt durch die Ebene über Nienburg, Verden, Rothenburg usw. Mit 70 Sachen saß ich mit zunehmender Erschöpfung die endlose Zielgerade ab. Die letzte Stunde verbrachte ich im Stau auf Hamburg zu.
14.08.2011 Strukdorf
Das war vor zwei Wochen. Jetzt, an diesem Augustwochenende hörte es für einen Tag auf zu regnen. Ich entpackte die Vanvan und fuhr los Richtung Strukdorf. Noch vor Oldesloe hielt mich nichts mehr auf der Bundesstraße. Ich probierte die Dorfstraßen um Grabau und Tralau aus, und fand mich auf Betongplattenwegen in verwunschenen Märchenwäldern wieder. Es waren die letzten Kilometer und ich wollte sie auskosten, näherte mich Strukdorf nur zögerlich mit mehreren Platzrunden. Vor versammelter Sippe fand die Übergabe statt, genau in dem Moment als die Sonne durchkam und das Orange leuchten ließ. Ein ausschweifendes Fest folgte. Der Regen am folgenden Sonntag dauerte bis zum Abend. Ich musste Anjas GS nach Hause fahren. Die Landschaft lag aufgeweicht und heiß dampfend vor uns. Das ging eine Weile gut, bis über Bargteheide die nächste Starkregenwelle auf uns zurollte. Im Rückspiegel sah ich Anja, abwesend grinsend auf der Vanvan in ein neues Zeitalter hineinrauschen.
Montag, 8. August 2011
Art-Café
Ungläubig hatten wir am Sonntagmorgen auf das Regenradar gestarrt. Meilenweit war kein Dauerregen in Sicht. Wir begaben uns gegen Mittag auf die Landstraße nach Lübeck. Es war ein windiger, frischer Tag im August wie im Herbst. Über Lasbek und Pölitz erreichten wir Oldesloe. Da wir in Strukdorf noch etwas nachzuschauen hatten, machten wir einen Umweg über die immer wieder kurvige Straße nach Segeberg. Von dort brauchten wir einige Anläufe, um die Strecke über Magarethenhof, Rohlstorf hinten um der Warder See herum wiederfanden. In Lübeck mussten wir ein Stück durch neu gemachte, boulevardartige Fußgängerzone fahren, um das Café zu erreichen, wor wir mit Tom verabredet waren. Zurück fuhren wir über Kronsforde, dann aber nicht über Kastorf (gesperrt), sondern brummten durch bis Berkenthin. Eine seltene, unterschätzte Strecke. Immer wenn es ein Stück westlich ging, sahen wir eine drohend schwarze, wenngleich fotogene Wolkenwand zu uns. An Anhalten war nicht zu denken. Nur eine außerordentlich scharfsinnig gewählte Route über z.T. unbekannte Buschtunnel durch die Feldmark brachte uns in letzter Sekunde ins rettende Parkdeck.
Sonntag, 7. August 2011
Rally Of The Year
Weit waren wir nicht gekommen. Aus der langhändig geplanten Rally war ein Versuch geworden, es vielleicht bis Grünendeich zu schaffen. Der Harte Kern, Marcus und ich, kämpfte sich durch den Freihafen bis weit nach Finkenwerder hinein. Am Airbus-Aussichtspunkt diskutierten wir die unheilvollen Radarbilder der Smartphones durch. Gerade hatten wir sie sicher verstaut, setzte Starkregen ein, dem man auch durch den Elbtunnel nicht entkommen konnte. Marcus war irgendwie noch bis Wilhelmsburg durchgekommen, ich kam gezeichnet zu Hause an, als gerade die Sonne wieder rauskam. Ich wollte ruinierte Harley noch waschen, aber der Dampfstahler der Shelltanke war defekt.
Donnerstag, 21. Juli 2011
Harley Nights
An die Spätfahrten kann man sich gewöhnen. Noch sind die Abende hell, warm und kostbar. Es sind andere Aspekte als bei den wochenendlichen Tagestouren, wo immer das Ziel oder die Eleganz der Route wichtig ist. Abends, nach der Tagesschau zählt die Atmosphäre. Da können unmögliche Gegenden Reize entwickeln. Zum Beispiel am Dienstag, nachdem ich von der inzwischen klassischen Hafenrundfahrt zurück war und selbst nach dem Abendgrillen noch nicht genug hatte, statt in die Tiefgarage einfach abbog und eine einsame Fahrt durch dämmernde Gewerbegebiete Stellingens antrat. Das war so cool, dass ich am Mittwochabend wieder losfuhr. Normalerweise würde niemand jemals nach Bad Bramstedt fahren. Aber die B4 im Abendlicht wurde, mit ihrem schnurgerade in endlosen Langwellen ausgelegten Asphaltband, den in die Breite gehenden Feldern und Waldstückchen, und nicht zuletzt der stoisch mit Achtzig einsam dahinbrummenden Sportster zu einem respektablen Highway. Nach Kaltenkirchen führt eine kurvige Rennstrecke zwischen verschiedenfarbigen Kuhweiden hindurch. Ich tangierte noch Nord-Norderstedt, bog wieder die sechs Kilometer nach Quickborn ab, gondelte dort langsam durch, weil schon Bettgehzeit war. Mit der letzten Dämmerung, so gegen 22:30, rollte ich ins Lichtermeer der Stadt.
Montag, 18. Juli 2011
Easy Samstagnachmittag
Es war bereits ein freundlicher Samstagnachmittag, als wir und auf den Weg zu Planungsgesprächen nach Strukdorf machten. Anjas GS fühlte sich mit neuen Reifen wie neu, und überhaupt ging alles unheimlich easy. Die Maschinen brummten, die Felder reiften, der Regenschauer war irgendwo hinter den Bergen im Ansatz verdampft. Wir fuhren die alte Strecke über Lütjensee, Schönberg Richtung Kastorf, wurden aber umgeleitet über Berkenthin und kamen über Krummesse nach Lübeck rein. Dort drehten wir gutgelaunt eine kleine Stadtrunde, denn es ist immer wieder nett, einfach mal zu gucken ob noch alles da ist. Alles war da und sonnte sich. Von Strukdorf aus hatte ich die Pflicht einer Testfahrt auf Horsts T-Max. Ich glitt, fasziniert von der perfekten Weltraumtechnik und etwas entrückt, über idyllische Alleen hinterm Warder See. Grüne Auen und prächtige Herrenhäuser zogen teilnahmslos vorbei. Nachdem alles in trocknen Tüchern war, machten wir uns auf den Heimweg. Am südlichen Horizont verdichtete es sich, so dass wir ganz unprätentiös die B 75 nahmen. Der Regenschauer kam nur als leichter Hauch, und auch erst, nachdem wir spätabends längst mit dem Grillen durch waren und uns des Lebens freuten.
Montag, 11. Juli 2011
Männer und Maschinen
Mal ganz ungewohnt ging ich mit Marcus und Christoph auf Herrentour. Etwas müde führte ich auf der Sporster den Konvoi aus uralter GS und hypermoderner Versys durchs Lauenburgische. Unsicher, zu langsam zu sein, versuchte ich die beiden durch atemberaubende Streckenführung abzulenken. Die spektakulären Sträßchen hinter Mölln, über Kittlitz und Goldensee verfehlten ihre Wirkung nicht. Wie Männer so sind, kam keine Pause vor der Eisdiele in Schönberg, die wir mit letzter Kraft erreichten. Bis Brook war es zum Glück nicht weit. Wir saßem am bleiernden Strand und erklärten die Welt. Moderne Mobilkommunikationstechnologie führte uns zum Matjes mit Bratkartoffeln in Rosenhagen. Auf dem Rückweg übernahm ab Ratzeburg Marcus die Führung. Er kennt die elegant-geradlinige Strecke über Nusse nach Trittau, durch weites Feld und tiefen Wald. Ohne Halt und mit kalten Füßen rauschten wir bis an die Alster. Zum Abschied reichte ein Winken aus der Kurve heraus.
Samstag, 2. Juli 2011
Portugal 2011 (b)
Portugal ist schön, sonnig und genau da, wo man sein will. Man braucht zwei Wochen, 2000 Kilometer und zwei 250er Hondas, um das beurteilen zu können. Wir können, und werden es beweisen in einem zeitnah erscheinenden, ausführlichem Reisebericht.
Montag, 13. Juni 2011
Landflucht
Ein großes Familenfest auf dem Anwesen im Frühsommer ist eine feine Sache. Vor allem fand sich ein Zeitfenster, und von Strukdorf aus ist es überall hin nicht mehr weit. Allein und den Smalltalk ein Stück hinter mir lassend kurvte ich gedankenverloren über Berlin, Wöbs, Bosau, alte und neuentdeckte Landstraßen immer weiter durchs Ostholsteinische. Dabei nahm ich spontan und ohne jeden Plan hier und da mal Parallelstrecken und Abzweige, die mich an nie gesehe Orte brachten, z.B. das seltsames Schloss, das ich in der Nachbetrachtung partout nicht wiederfinden konnte. Querfeldein bis hoch zum Schönberger Strand arbeitete ich mich vor, rauchte eine und machte mich ebenso planfrei auf den Rückweg, wobei ich für wenige Sekunden einen Regenschauer durchfuhr. Zum Kaffee erschien ich auf dem Anwesen.
Am Sonntag, als alle in alle Winde verstreut waren, kam Anja mit. Ich war so begeistert, dass ich die gestrige Tour mit geringen Änderungen kopierte. Über grünen weiten Felden lugte der Turm Hessenstein aus dem Waldrand. In seinem Schatten tranken wir Kaffee wie in alten Zeiten. Später, im Bermudadreieck zwischen Kasseedorf, Sagau und Kirchnüchel fanden wir klitzekleine Romantikstraßen, für allein die es sich lohnen würde, speziell abgestimmte Fahrzeuge anzuschaffen. Unzählige Tankfüllungen später erreichten wir in wohliger Erschöpfung die wie immer ahnungslose Großstadt.
Am Sonntag, als alle in alle Winde verstreut waren, kam Anja mit. Ich war so begeistert, dass ich die gestrige Tour mit geringen Änderungen kopierte. Über grünen weiten Felden lugte der Turm Hessenstein aus dem Waldrand. In seinem Schatten tranken wir Kaffee wie in alten Zeiten. Später, im Bermudadreieck zwischen Kasseedorf, Sagau und Kirchnüchel fanden wir klitzekleine Romantikstraßen, für allein die es sich lohnen würde, speziell abgestimmte Fahrzeuge anzuschaffen. Unzählige Tankfüllungen später erreichten wir in wohliger Erschöpfung die wie immer ahnungslose Großstadt.
Montag, 6. Juni 2011
Südseeexperiment
02.06.2011
Geplant wie eine kontinentale Reise, war es auch ein Experiment, aber zunächst war es Vatertag, als wir uns am Donnerstagmorgen vollbepackt auf die B4 nordwärts begaben. Die Tempovorgabe der125er Honda billigend brummten wir unter leuchtender Sonne über die weithin unbekannte Straße, die doch zu den Müttern der großen Chausseen gehört. Wir durchquerten Städte wie Neumünster und Rendsburg, rauschten endlose Kilometer durch monotone Knicks, machten große Bögen um bollerwagenziehende Gruppen besoffener Halbstarker, und erreichten mit dem letzten Tropfen Flensburg. Wir staunten nicht schlecht über die Stadt am Rand der bekannten Welt, und diskutierten zwischen Wurstbuden die siffende Stelle an Anjas Kardanöleinfüllschraube mit dem Ergebnis durch, bis Ærø durchzuhalten. Dänemark begann ein paar Meter weiter. Es sieht aus wie im Prospekt. Die Landschaft ist malerisch soft, die Dörfchen schnuckelig hübsch und die Blondinen uniform blond. Ein Stück gemütliche Bundesstraße weiter liegt Sønderborg dann kommt Mommark . Die Fähre ging aber neuerdings ab Fynshav, wo wir zusammen mit einem ausgewachsenen Harley- sowie einem Piaggo Tuc-Tuc -Chapter anderthalb Stunden warteten. Auf Ærø ist alles noch niedlicher. Mit üppigen 80 Sachen schwangen wir durch die sanftgrün-wellige, mit farbig hervorleuchtenden Dörfern verzierte Insel, den Blick mal links mal rechts über die mit Segelschiffen übersähte Dänische Südsee schweifend. In Marstal bauten wir unser Zelt auf, lugten vorsichtig in die hutzelige alte Innenstadt und waren froh, beim Inder noch eine Pizza "Adios" abzugreifen.
03.06.2011Das Frühstück mussten wir in Marstal-Centrum in Form von Waffeln mit Softeis nachholen. Dann gingen wir zu Fuß zum Einkaufen und ins Museum. Die Honda konnte man mit allen Sachen und steckendem Schlüssel einfach irgendwo abstellen. Überhaupt war sie einfach das angemessene Fahrzeug, um sogar zu zweit über sich in hohes Gras kuschelnden winzigen Nebenstraßen im Hinterland zu kurven, jederzeit bereit spontan zu einem Picknick anzuhalten oder dem erstbesten Wegweiser zum nächsten Strandzugang, irgendwo an einer menschenleeren Bucht unter der Steilküste, zu folgen. Die Junitage sind endlos, so dass man bedenkenlos ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern verschlafen konnte, ehe uns die aufreibende Suche nach einem wiederum neuen Picknickplatz für das Abendbrot auf entlegene Landzungen und in unbekanntes Inselinneres führte.
04.06.2011
Nach einer gemütlichen Siteseeingrunde bretterten wir in einem Zuge nach Søby, wo uns nichts blieb als angesichts der herrenlos im Hafen dümpelnden Fähre erstmal Kaffee und Eis zu bestellen. Die Reservierung konnte man auch telefonisch durchgeben, davon abgeshen kann man für Motorräder überhaupt nicht reservieren. Mit der Gewissheit lag nichts näher, abermals über die grünkuscheligen Nebenstraßen zu der Stelle am Steilufer zu fahren und ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern zu verschlafen. Im museumsartig herausgeputzten Ærøskøbing gibt es am Hafen eine Fischräucherei, ein Must-Eat. Wir bestellten gleich mehrere Portionen. Zurück in Marstal mussten wir noch das siffende Kardanöleinfüllschraubenproblem lösen. Ich recherchierte erfolglos im Camping-WLAN, bis sich endlich das passende Spezialwekzeug unter der Sitzbank anfand: Eine Tube Pattex. Selbstbewusst packten wir unsere Picknickausrüstung, gingen zu unserer Bank am Yachthafen und sahen der endlosen Dämmerung zu.
05.06.2011
Verzweifelt stopfte der Einweiser die Fahrzeugmassen, darunter wieder die Tuc-Tucs, in das spielzeughafte Schiffchen. Die Honda kam in die letzte verbleibende Ritze. Eine Stund später rollten wir In trübsinniger Kolonne bis Rusa, wo wir die letzten 35 Kronen in Einfachhotdogs umsetzten. Weitere 10 Minuten später waren wir wieder in Deutschland. Am Rand Flensburgs hatten wir Mühe, die gutausehende Strecke über Tastrup, Hürup, Satrup, Sterup, Brarup und (beliebige weitere Ups) zu finden. Im direkten Vergleich fehlte eine gewisse Buntheit, was durch die nüchtern im Zenit stehende Sonne unvorteilhaft verstärkt wurde. Kaffeedurstig erreichten wir Eckernförde, hielten den Menschenmassen am Hafen jedoch nicht stand. Über eine sensationelle Nebenstrecke durch den Wald kamen wir über Holtsee in die Nähe Rendsburgs. Bei Eis und Kaffee bewunderten wir den rauhen Charme Büdelsdorfs. Mit der albernen Schwebefähre setzten wir über den Kanal und arbeiteten und Landstraße für Landstraße, Dorf für Dorf durch die sengende Nachmittagshitze vor und werteten nebenbei die Ergebnisse des Experiments aus. Zum Beispiel, wie frappierend frei die Bahn ist, wenn man langsam ist. Und dass man sich mit dem Campinggestühl irgendwas einfallen lassen muss. Auf einer enormen Allee erreichten wir Emkendorf und dann schräg von Nordosten aus Neumünster. Jeder Kilometer wurde heißer, als würde gleich hinter einem Hügel das Mitelmeer auftauchen. Der Asphalt war flüssig, als wir schließlich in Hamburg anrollten. Die Elbe war verkocht und bildete diffuse Quellwolken über der Stadt. Wir fanden uns betäubt im Paralleluniversum des Sonntags-geöffneten Lidl Marktes wieder, erkämpften eine Packung Grillfleisch und wären gern noch ein Stück weiter gefahren, endeten aber auf dem Balkon in der Weidenallee.
Geplant wie eine kontinentale Reise, war es auch ein Experiment, aber zunächst war es Vatertag, als wir uns am Donnerstagmorgen vollbepackt auf die B4 nordwärts begaben. Die Tempovorgabe der125er Honda billigend brummten wir unter leuchtender Sonne über die weithin unbekannte Straße, die doch zu den Müttern der großen Chausseen gehört. Wir durchquerten Städte wie Neumünster und Rendsburg, rauschten endlose Kilometer durch monotone Knicks, machten große Bögen um bollerwagenziehende Gruppen besoffener Halbstarker, und erreichten mit dem letzten Tropfen Flensburg. Wir staunten nicht schlecht über die Stadt am Rand der bekannten Welt, und diskutierten zwischen Wurstbuden die siffende Stelle an Anjas Kardanöleinfüllschraube mit dem Ergebnis durch, bis Ærø durchzuhalten. Dänemark begann ein paar Meter weiter. Es sieht aus wie im Prospekt. Die Landschaft ist malerisch soft, die Dörfchen schnuckelig hübsch und die Blondinen uniform blond. Ein Stück gemütliche Bundesstraße weiter liegt Sønderborg dann kommt Mommark . Die Fähre ging aber neuerdings ab Fynshav, wo wir zusammen mit einem ausgewachsenen Harley- sowie einem Piaggo Tuc-Tuc -Chapter anderthalb Stunden warteten. Auf Ærø ist alles noch niedlicher. Mit üppigen 80 Sachen schwangen wir durch die sanftgrün-wellige, mit farbig hervorleuchtenden Dörfern verzierte Insel, den Blick mal links mal rechts über die mit Segelschiffen übersähte Dänische Südsee schweifend. In Marstal bauten wir unser Zelt auf, lugten vorsichtig in die hutzelige alte Innenstadt und waren froh, beim Inder noch eine Pizza "Adios" abzugreifen.
03.06.2011Das Frühstück mussten wir in Marstal-Centrum in Form von Waffeln mit Softeis nachholen. Dann gingen wir zu Fuß zum Einkaufen und ins Museum. Die Honda konnte man mit allen Sachen und steckendem Schlüssel einfach irgendwo abstellen. Überhaupt war sie einfach das angemessene Fahrzeug, um sogar zu zweit über sich in hohes Gras kuschelnden winzigen Nebenstraßen im Hinterland zu kurven, jederzeit bereit spontan zu einem Picknick anzuhalten oder dem erstbesten Wegweiser zum nächsten Strandzugang, irgendwo an einer menschenleeren Bucht unter der Steilküste, zu folgen. Die Junitage sind endlos, so dass man bedenkenlos ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern verschlafen konnte, ehe uns die aufreibende Suche nach einem wiederum neuen Picknickplatz für das Abendbrot auf entlegene Landzungen und in unbekanntes Inselinneres führte.
04.06.2011
Nach einer gemütlichen Siteseeingrunde bretterten wir in einem Zuge nach Søby, wo uns nichts blieb als angesichts der herrenlos im Hafen dümpelnden Fähre erstmal Kaffee und Eis zu bestellen. Die Reservierung konnte man auch telefonisch durchgeben, davon abgeshen kann man für Motorräder überhaupt nicht reservieren. Mit der Gewissheit lag nichts näher, abermals über die grünkuscheligen Nebenstraßen zu der Stelle am Steilufer zu fahren und ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern zu verschlafen. Im museumsartig herausgeputzten Ærøskøbing gibt es am Hafen eine Fischräucherei, ein Must-Eat. Wir bestellten gleich mehrere Portionen. Zurück in Marstal mussten wir noch das siffende Kardanöleinfüllschraubenproblem lösen. Ich recherchierte erfolglos im Camping-WLAN, bis sich endlich das passende Spezialwekzeug unter der Sitzbank anfand: Eine Tube Pattex. Selbstbewusst packten wir unsere Picknickausrüstung, gingen zu unserer Bank am Yachthafen und sahen der endlosen Dämmerung zu.
05.06.2011
Verzweifelt stopfte der Einweiser die Fahrzeugmassen, darunter wieder die Tuc-Tucs, in das spielzeughafte Schiffchen. Die Honda kam in die letzte verbleibende Ritze. Eine Stund später rollten wir In trübsinniger Kolonne bis Rusa, wo wir die letzten 35 Kronen in Einfachhotdogs umsetzten. Weitere 10 Minuten später waren wir wieder in Deutschland. Am Rand Flensburgs hatten wir Mühe, die gutausehende Strecke über Tastrup, Hürup, Satrup, Sterup, Brarup und (beliebige weitere Ups) zu finden. Im direkten Vergleich fehlte eine gewisse Buntheit, was durch die nüchtern im Zenit stehende Sonne unvorteilhaft verstärkt wurde. Kaffeedurstig erreichten wir Eckernförde, hielten den Menschenmassen am Hafen jedoch nicht stand. Über eine sensationelle Nebenstrecke durch den Wald kamen wir über Holtsee in die Nähe Rendsburgs. Bei Eis und Kaffee bewunderten wir den rauhen Charme Büdelsdorfs. Mit der albernen Schwebefähre setzten wir über den Kanal und arbeiteten und Landstraße für Landstraße, Dorf für Dorf durch die sengende Nachmittagshitze vor und werteten nebenbei die Ergebnisse des Experiments aus. Zum Beispiel, wie frappierend frei die Bahn ist, wenn man langsam ist. Und dass man sich mit dem Campinggestühl irgendwas einfallen lassen muss. Auf einer enormen Allee erreichten wir Emkendorf und dann schräg von Nordosten aus Neumünster. Jeder Kilometer wurde heißer, als würde gleich hinter einem Hügel das Mitelmeer auftauchen. Der Asphalt war flüssig, als wir schließlich in Hamburg anrollten. Die Elbe war verkocht und bildete diffuse Quellwolken über der Stadt. Wir fanden uns betäubt im Paralleluniversum des Sonntags-geöffneten Lidl Marktes wieder, erkämpften eine Packung Grillfleisch und wären gern noch ein Stück weiter gefahren, endeten aber auf dem Balkon in der Weidenallee.
Sonntag, 15. Mai 2011
No Burnout Weekend
Wenn man auf der B 435 aus der Stadt herausfährt, kann man bis vor die Tore Bargteheides gelangen, ohne geschlossene Ortschaften zu verlassen. Die Grünstreifen zwischen den diversens Ammersbeks mal ausgenommen. Es war Samstagabend und wir waren abermals auf dem Weg nach Strukdorf, diesmal auf Einladung. Der eher funktionalen Prägung der Fahrt entsprechend saßen wir zu zweit auf der 850. Seit letzter Woche hatte es endlich den Wetterumschwung gegeben. Über klar und kühl im Streiflicth liegenden Land fetzte ein wilder Westwind, der den Himmel klinisch saubergefegt hatte. In Oldesloe bog ich spontan auf die kurvige, aber irgendwie nie auf dem Weg liegende Straße Richtung Segeberg ab. Über nie gesehene seltsam leuchtende Dörfer kämpften wir vor. Die Dämmerung lag noch in weiter Ferne, als wir mit kalten Fingern das Anwesen erreichten.
Sonntag, spätvormittags fuhren wir über Neukoppel, wo wir niemanden antrafen, die bekannte und unschlagbare Strecke bis Ahrensbök. Der Asphalte glänzte tiefschwarz dampfend vor einer dramatischen Kulisse strahlender Knicks vor dunkelgrau drohenden Schwerwolken. Ahrensbök verbindet eine Ausnahmestrecke mit Pansdorf. Ich kenne Sie aus der Vorzeit und wir ignorierten die Regenschauer, fuhren weiter durch bis ins verschnarcht auf den Sommer wartende Timmendorf. Immerhin: Der Aldi Markt hatte geöffnet, so dass das Abendessen schon mal gerettet war. Von Timmendorf ist es ein Steinwurf bis Brodten, wo wir in erdrückender Piefigkeit auf der Herrmannshöhe vergeblich auf das Ausrücken der Windjammer warteten. Die Rückfahrt über die zielgerichtete B 75, behindert durch apathische Sonntagsfahrer verstrich in Wechsellicht. Ein wohltuender Kontrast war der Anblick üppigen Chroms, der Sound röhrender Achtzylinder und der Geruch genussvoll verbrannten Gummis beim US-Car Event auf dem Heiligengeistfelds, wo wir dreckig wie nach einer Rally endeten.
Sonntag, spätvormittags fuhren wir über Neukoppel, wo wir niemanden antrafen, die bekannte und unschlagbare Strecke bis Ahrensbök. Der Asphalte glänzte tiefschwarz dampfend vor einer dramatischen Kulisse strahlender Knicks vor dunkelgrau drohenden Schwerwolken. Ahrensbök verbindet eine Ausnahmestrecke mit Pansdorf. Ich kenne Sie aus der Vorzeit und wir ignorierten die Regenschauer, fuhren weiter durch bis ins verschnarcht auf den Sommer wartende Timmendorf. Immerhin: Der Aldi Markt hatte geöffnet, so dass das Abendessen schon mal gerettet war. Von Timmendorf ist es ein Steinwurf bis Brodten, wo wir in erdrückender Piefigkeit auf der Herrmannshöhe vergeblich auf das Ausrücken der Windjammer warteten. Die Rückfahrt über die zielgerichtete B 75, behindert durch apathische Sonntagsfahrer verstrich in Wechsellicht. Ein wohltuender Kontrast war der Anblick üppigen Chroms, der Sound röhrender Achtzylinder und der Geruch genussvoll verbrannten Gummis beim US-Car Event auf dem Heiligengeistfelds, wo wir dreckig wie nach einer Rally endeten.
Montag, 9. Mai 2011
Le sacre du printemps
Woche um Woche brennt endlose Frühlingssonne auf uns hinab. Das Frühstück noch verdauend hatten wir die BAB 1 unter den Reifen. In Ahrensburg fuhren wir ab und nahmen die gute alte B 75, so wie wir es schon immer taten. Aufgrund äußerer Zwänge mussten wir am Spätnachmittag in Strukdorf eintreffen, bis dahin blieb ein vielversprechendes Zeitfenster. Da wir schon in der Gegend waren, lag eine Holsteinrunde nahe. Wir staunten nicht schlecht, als wir das erste Mal wieder durch über sanften Kuppen segelten, die hinter Ahrensbök beginnen. Vorteilhafterweise hatten sich die Einwohner brav zum Hafengeburtstag nach Hamburg begeben, so dass wir das zurückgelassene Land für uns hatten. Eutin ist so unübersichtlich, dass wir nach einem Cappucino im Stadtzentrum erneut etliche Anläufe brauchten, den Weg in Richtung Lensahn zu finden. Die GS und die Sportster brummten mit Lieblingsgeschwindigkeit zweisam durch Bilder wie Ansichskarten. Rapsfelder, üppig-frische lichtflirrende Laubwälder und immer wieder Ausblicke über das wie in Wogen liegende Land. Auf dem ganzen Weg über Kirchnücheln, Nücheln, Malente, Bosau, Berlin bis hin nach Goldenbek und schließlich Strukdorf trübte nichts unser genussvolles Dahingleiten. Später, nachdem ich Anja im Seehotel-Sanatorium abgeliefert hatte, fuhr ich noch über kleine Dörfer, auf denen mild der Abend lag, nach Lübeck rein.
Am Sonntag musste alles noch gewaltiger werden. Das ging nur in McPom. Auf der A 20, über die wir noch am Vormittag erstmal Strecke machen wollten, kamen wir kaum gegen den reißenden Ostwind an. Auch auf den Landstraßen, vor allem denen, wo es am mecklenburgischten ist, zwischen knorrigen Alleebäumen aus anderen Zeiten, war das Fahren z.T. nicht gerade unanstrengend. Für manche Pisten hätte ich mir regelricht ein normales Motorrad herbeigewünscht. Erst in den Pausen wurde das Ausmaß der Romantik deutlich, z.B. im Tessin, irgendwo vor Wittenburg, inmitten eines Vogelkonzertes in wucherndem Grün, diskutierend, ob und wenn ja wo es vielleicht einen Kaffee geben könnte. Den gab es erst, nachdem wir das Land bis in den äußersten Süden durchquert hatten. Mit jedem Kilometer war der Sibirische Eiswind zu einem warmen Pusten geworden. Die parkähnlichen Weiden wichen Sandwüsten, versteckt unter harzschwitzenden Kiefernwäldern. In aufgeblühten Dömitz fanden wir uns ausgelaugt und verscwitzt im Halbschatten eines insidermäßigen Gartencafés wieder (das wir schön für uns behalten). Nun lag noch die ganze B 195 vor uns, auf der wir mit Rückenwind und den durch und durch hochsommerlichen Charakter der Fahrt auskostend inhalierten. Mit aller Ruhe liefen wir über die Elbdeichstreke in die kurzhosig durch den Maisommer taumelnde Stadt ein.
8.5.11 23:52
Am Sonntag musste alles noch gewaltiger werden. Das ging nur in McPom. Auf der A 20, über die wir noch am Vormittag erstmal Strecke machen wollten, kamen wir kaum gegen den reißenden Ostwind an. Auch auf den Landstraßen, vor allem denen, wo es am mecklenburgischten ist, zwischen knorrigen Alleebäumen aus anderen Zeiten, war das Fahren z.T. nicht gerade unanstrengend. Für manche Pisten hätte ich mir regelricht ein normales Motorrad herbeigewünscht. Erst in den Pausen wurde das Ausmaß der Romantik deutlich, z.B. im Tessin, irgendwo vor Wittenburg, inmitten eines Vogelkonzertes in wucherndem Grün, diskutierend, ob und wenn ja wo es vielleicht einen Kaffee geben könnte. Den gab es erst, nachdem wir das Land bis in den äußersten Süden durchquert hatten. Mit jedem Kilometer war der Sibirische Eiswind zu einem warmen Pusten geworden. Die parkähnlichen Weiden wichen Sandwüsten, versteckt unter harzschwitzenden Kiefernwäldern. In aufgeblühten Dömitz fanden wir uns ausgelaugt und verscwitzt im Halbschatten eines insidermäßigen Gartencafés wieder (das wir schön für uns behalten). Nun lag noch die ganze B 195 vor uns, auf der wir mit Rückenwind und den durch und durch hochsommerlichen Charakter der Fahrt auskostend inhalierten. Mit aller Ruhe liefen wir über die Elbdeichstreke in die kurzhosig durch den Maisommer taumelnde Stadt ein.
8.5.11 23:52
Freitag, 6. Mai 2011
Geschenkt.
Ein geschenkter Freitag sollte zu mehr gut sein als Wände streichen und Fußleisten verlegen. Dachte ich und holte in der Mainachmittagshitze die Iron aus der Garage. Eine Kaffeefahrt zum Lüheanleger, warum nicht. Es war wie gesagt sommerlich warm, an der ersten Ampel mussten die Handschuhe aus. Ich verbrachte eine gute halbe Stunde auf der Ost-West-Straße. Quälend quoll die Autoschlange stinkend Richtung Wochenende. Im Hafengebiet übernahmen unsere lieben Brummis den Stau. Im Stop-and-Go schob mich die Kolonne über die Kölbrandbrücke. Eine Stunde war vergangen als ich Finkenwerder erreichte. Der Stau ging fing schon am Ortseingang an. Das war alles vollkommen inakzeptabel. Ich drehte um und fuhr teilnahmslos durch den Freihafen zurück Richtung Stadt. Die Kilometer auf der Wilhelmsburger Reichsstraße, auf der man mit 80 Sachen durchatmen konnte, kann man getrost als Höhepunkt dieser Ausfahrt ansehen. Absurderweise war es im inneren der Stadt richtig locker, so dass ich bis Eppendorf durch kam, wo es Cappucino im Hinterhof gab. Trozdem kann keiner von mir verlangen, auf dem Ring 2 im Kreis zu fahren. Ich verstaute die Iron und genoss den Restatg auf dem Hollandrad.
Samstag, 30. April 2011
Randale
An einem Samstagvormittag wie ein
Kristall brachen wir auf zur Elbuferstraße. Nicht ganz ohne Diskussion, denn
wie oft wollen wir die Strecke denn noch fahren! Bis Geesthacht auf der
Autobahn (wie immer), dann setzten wir über und zuckelten durch die samstäglichen
Dörfer am Südufer (wie immer). Manch
Aufsitzmäher musste schwer arbeiten in den Gärten, an den Supermärkten wurde
tonnenweise Grillkohle verladen. In Bleckede war gefühlt bereits bereits
Sonntag. Wir saßen im Straßencafé, aber die Espressomaschine war kaputt (wie
immer!). Immer weiter entfernten wir uns von der Zivilisation. Wir kreuzten mit
entspanntem Tempo durch frühlingsgrelle Wälder, weißblendende Alleen, leuchtende Rapsfelder und kitschige
Löwenzahnwiesen. Die ganze Landschaft wirkte wie der Faller-Katalog unter dem
lupenrein strahlenden Polfilterblau des Himmels. Über freies Feld fegte brutal
der eisige Nordostwind. Das Stück hinter Hitzacker, wo die Idylle keine Grenzen kennt, tauschten wir die Fahrzeuge,
so dass Anja die Iron fuhr und ich auf ihrem Lufkissenboot, welches sich
vollkommen lautlos und ganz von selbst bewegt. Die ganzen kurven der B195
zurück bis Boizenburg, durch die dösenden Dörfer fuhren wir in dieser Combo,
praktisch ohne dass wir jemandem begegneten. Den Abschluss bildete eine Pause
bei den "5 Aposteln", dann wie gewohnt Lauenburg, Geesthacht,
Autobahn, so dass wir gerade noch rechtzeitig vor der Randale-Vollsperrung in
die Stadt einliefen.
geschrieben April 2011, Text auf USB-Stick gefunden im Dez. 2013.
Dienstag, 26. April 2011
Heimat am Dienstag
Nach einer arabischen Woche, die heiß war, neu und staubig, erwartete mich der deutsche Frühling wie eine grüne Bombe. Am noch freien Dienstag blieb eine Restzeit, die ich mit der Iron mangels besserer Ideen westlich von Hamburg verbrachte. Ich donnerte mit hundertzwanzig die Autobahn bis Tornesch, rollte mit teils unbeschwerter, meist jedoch uninspirierter Ziellosigkeit durch die Marsch. Elmshorn durchstriff ich abwesend, fand unbekannte Strecken durch sumpfiges Tiefland und war froh, bei Horst einen rettenden Geestrücken zu erreichen. Auch wenn die Straßen leer waren, die Gereiztheit eines Dienstagnachmittages war stets spürbar. Die Ortschaften gehörten voll und ganz den Hausfrauem in ihren Kleinwagen - das muss man auch respektieren. Ich fand mich beim Portugiesen in Pinneberg wieder, schlürfte Galao im Lärm der Vierzigtonner und sann. Ein zäher, pestender Stau auf der A7 zurück in die Stadt gab einen würdigen Abschluss.
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