Samstag, 29.07.2011, Bayern
Reichlich übermüdet hatte ich Regensburg erreicht, war mit einem tiefergelegten Escort aus den Achtzigern abgeholt worden und saß am Nachmittag schließlich auf der Vanvan, den Gasgriff am Anschlag. Noch hatte ich Mühe, den richtigen Rhythmus zu finden, der bei knapp Neunzig endete. Bei knackigem Gegenwind kämpfte ich mich durchs Altmühltal und auf gelben Straßen über Berg und Tal. Regen setzte ein und hörte nicht wieder auf. In Hilpoltstein saß ich im Bistro mit einer gut gemachten Gulaschsuppe. Draußen stand orange die Vanvan. Spätnachmittags durchquerte ich in grauem Nass ohne Halt Nürnberg, musste aber einsehen, dass es so nicht weitergehen konnte. Triefend und frierend kehrte ich in Forchheim im Einfachsthotel "Easy" ein. Ich fuhr zum Supermarkt, holte Vinho Tinto und Käse und verbrachte den Abend vorm Fernseher, nachdem ich meine Schuhe trockengefönt hatte.
30.07.2011, Sonntag
Der nächste Tag war trocken und arschkalt. Ich war in Bamberg verloren umhergeirrt, bevor ich die B 279 fand. Eine Straße, die man sich unbedingt merken muss. Ganz allein brummte ich durch Landschaft wie in dem Reiseführer "Germany", in dem ich vor zwei Tagen in London Heathrow gelangweilt geblättert hatte. Nur dass dort auf den Bildern die Sonne schien. Hier war es grau, und der Wind blies eisig gegen verzweifelnde 12 PS an. Die Fahrt über das sich am Horizont mächtig abzeichnende Rhönmassiv schminkte ich mir schnellstens ab, nachdem ich auf einem kleinen Pass im Vorfeld fast erfroren war. Westlich hinter den Bergen erreichte ich bei Fulda aufgelockerten Himmel und die B 27. Ich fühlte mich beinahe heimisch. Gutgelaunt schwang ich die Werra hinunter, hielt gelegentlich um ein, zwei Bifi zu inhalieren mit Anja zu konferieren, die mich am Bildschirm verfolgte. Witzenhausen kam romantisch in Sicht, als es Zeit wurde. Ich quartierte mich ein, bestellte Schnitzel "Holstein" am Markt und freute mich auf einen schönen Absacker irgendwo in einer der zahlreichen Bars in den lebendigen Mittelaltergassen. Pustekuchen, die Bürgersteige wurden hochgeklappt ehe es dunkel war.
31.07.2011 - Montag
Ein freier Montag war zu schade, um schnurstracks auf der B4 (es ginge auch auch die B3) verschwendet zu werden. Lag doch die schöne Weserstrecke so nah. Die Vanvan und ich hatten uns inzwischen eingegrooved. Ich verzichtete auf die letzten 10 Km/h und sie schnurrte im Overdrive durch die weiten Kurven den Fluss entlang. Ich wollte unbedingt alles aus dem Wesergebirge rausholen und da kam nur ein Weg in Frage, es zu verlassen: Durch die Porta Westfalica. Eine gute Stunde irrte ich durch die entsetzlich zersiedelte Gegend bei Rinteln, am Südrücken des Wiehengebirges, und quälte mich zusammen mit abertausenden Lastzügen durch den Weserdurchbruch. Sie begleiteten mich auf der schließlich folgenden, langen Fahrt durch die Ebene über Nienburg, Verden, Rothenburg usw. Mit 70 Sachen saß ich mit zunehmender Erschöpfung die endlose Zielgerade ab. Die letzte Stunde verbrachte ich im Stau auf Hamburg zu.
14.08.2011 Strukdorf
Das war vor zwei Wochen. Jetzt, an diesem Augustwochenende hörte es für einen Tag auf zu regnen. Ich entpackte die Vanvan und fuhr los Richtung Strukdorf. Noch vor Oldesloe hielt mich nichts mehr auf der Bundesstraße. Ich probierte die Dorfstraßen um Grabau und Tralau aus, und fand mich auf Betongplattenwegen in verwunschenen Märchenwäldern wieder. Es waren die letzten Kilometer und ich wollte sie auskosten, näherte mich Strukdorf nur zögerlich mit mehreren Platzrunden. Vor versammelter Sippe fand die Übergabe statt, genau in dem Moment als die Sonne durchkam und das Orange leuchten ließ. Ein ausschweifendes Fest folgte. Der Regen am folgenden Sonntag dauerte bis zum Abend. Ich musste Anjas GS nach Hause fahren. Die Landschaft lag aufgeweicht und heiß dampfend vor uns. Das ging eine Weile gut, bis über Bargteheide die nächste Starkregenwelle auf uns zurollte. Im Rückspiegel sah ich Anja, abwesend grinsend auf der Vanvan in ein neues Zeitalter hineinrauschen.



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