über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 31. August 2025

Geduld

Ich freue mich jedes Mal auf Hamburg, auf die Z und die große Stadt, echt. Dort zu fahren ist anders. Zumal man meist gar nicht fährt, sondern steht, dabei aber gut aussieht. Anjas Rebel war fisch gewaschen und wir ließen uns geduldig vom Verkehr bis Hittfeld schwemmen. Dort gibt es ein verstecktes Tal, das aussieht wie das Eichsfeld. Im Wald Ben sich hat eine Pfalz gebaut, welche wir tief bewunderten. In der Garage befanden sich mindestes drei bis vier Bikes, unsere standen davor und glänzten im Licht, das durch die Baumkronen flirrte.

Sonntag wollten wir rollen. In der Heide ging das immer noch am besten, zumindest war das früher so. Die Sonne schien aus einem septemberblauen Himmel auf lila Heide, und die Strecken waren eigentlich gut. Uneigentlich es gab leider kaum einen Kilometer ohne dass wir eine Familienkutsche vor de Nase hatten. Die wirklichen Kutschen (mit Pferden) waren nicht störend. Trotzdem, dazwischen gab es kurze Momente der Freiheit, des Durchatmens, des Angasens. Zurück in der großen Stadt ließen wir uns mit dem trägen Strom heim schwemmen, gutaussehend und geduldig.



Sonntag, 24. August 2025

Entspannung

Ungeahnt pünktlich entstieg Anja dem ICE 775 am Göttinger Hauptbahnhof. Als Fußgänger verbrachten wir einen chilligen Samstagabend in der Großstadt und fuhren mit dem Nahverkehrstriebwagen ins Northeim. Der Sonntag war dann so, wie wir es kennen und wollen: Entspannte Beschäftigung mit einem entspannten Ziel für einen Nachmittag. Warum nicht mal nach Kassel! Tomtom musste sich auch nicht anstrengen, die B3 führt auf spektakuläre Weise von der Haustür dorthin. Ungewohnt war das Tragen warmer Sachen bei knappen 20°, aber das war irgendwie auch mal angenehm, frisch und unanstrengend. Highlight war das Fuldatal, der Fluss lag ruhig und breit in weiten Kurven, und die Straße folgte elegant. In Kassel gibt es einen interessanten Schlosspark, aber worauf wir durch einfaches Nachdenken auch selbst hätten kommen können: Alle Einwohner Kassels befanden sich dort. Wir beließen es bei einem schläfrigen Cappuccino unter Spaziergängern und freuten uns auf den Rückweg. Der war genau nach unserem Geschmack: Berg, Tal, Wald und Wiese reihten sich wiederholend aneinander bis an den Rand von Hessisch Lichtenau und bis zu den Ausläufers des Meisnermassivs und das Werratal. Über Funk überredete ich Anja, die Burg Hanstein ausführlich zu besichtigen. Eins von inzwischen vielen Highlights eines Sonntagnachmittages. Danach kam die Garage und am nächsten Morgen um 9:17 Uhr ganz locker der Regionalexpress.



Freitag, 22. August 2025

Konsum

Laptop zu, Tomtom an, eine spannende Route bis 21 Uhr bitte, dann wird's dunkel. Es ging gleich gut los, die Kurven von Nörten nach Spanbeck gehören zu meinem Portfolio, das ich hüte wie einen Schatz. Bis Ebergötzen ging es direkt im Anschluss äußerst schnittig und ohne jede Störung durch etwaige Autos. Ich genoss die mir unbekannte Strecke wie einen guten Film, konsumierte die Landschaft und die immer neuen Hügel, um die sich die Straßen elegant schmiegten. Tiefenentspannt aber total aufmerksam, der perfekte Flow. Es folgten Nebenstraßen nach Landolfshausen, dann noch kleinteiliger über einen Pass von Obernfeld nach Breitenberg. Ich stand auf weiter Flur und inhalierte den Sommerabend, pflückte mir einen Apfel und begab mich zurück in Kurvenrausch und Nebenstreckenglück. Im Halbdunkel parkte ich die Honda in der Sudentenstraße, zu Hause. Alles war geradegerückt.



Donnerstag, 21. August 2025

Super

Routinemäßig drückte ich auf "spannende Route berechnen". Grobe Richtung: Eichsfeld, nix Großes. Ein bisschen kenne ich mich inzwischen ja aus, aber ich staune jedes Mal. Die Strecke war enorm vielfältig, meist auf keinen Holperstraßen durch stille Dörfer, durch die man schleicht. Ich entdeckte zufällig eine einen Berg namens Höherberg, mit Wallfahrtsheiligkeit und Aussicht auf gelbe Hügel. Ich kurvte weiter die einsamen Landstraßen und sammelte Superlative: Hier waren die elegantesten Kurven, die Honda war das fluffigste Motorrad, die Landschaft hatte das idealste Relief, dazu schien die sonnigste aller Sonnen. Ich durchfuhr immer neue Landschaftsbilder, dunkle Täler und strenge Alleen, Dörfer voller Tiere. Als Sundowner gab es die Rennbahn Ebergötzen - Spanbeck -Nörten. Danach wollte ich gar nichts mehr, alles war super.



Mittwoch, 20. August 2025

Schon wieder Feierabend

Feierabend in Northeim. Gleich hinter Einbeck geht es erst unscheinbar, dann ambitioniert auf einen Berg, über den eine unendliche, einsame Waldstraße führt. Auf der anderen Seite kam ich zwischen Grünenplan und Delingsen raus, total baff. Die Route hatte größtenteils wieder TomTom gestaltet, es ging dann weiter über kleine und kleinste Nebenstraßen, die sonst keiner kennt. Ich tangierte Freden, entdeckte den Viadukt von Greene, konnte von der Kurverei in der Abendwärme einfach nicht genug bekommen und hing kurzerhand noch den Umweg über Elvershausen ran. Zu Hause holte ich ein Einbecker Brauherren (alkoholfrei) aus dem Kühlschrank und nannte das: einen Tag.



Sonntag, 17. August 2025

Unsere Zeit

Ein klarer, frischer Sonntag für uns zwei begann auf dem Ring 2. Die Z und die Rebel krochen geduldig von Ampel zu Ampel. In Wandsbek war schon eine Stunde unserer Zeit vergangen. Bis zu dem erlösenden Gefühl einer freien Landstraße waren es weitere 50 Kilometer, das war hinter Lauenburg. In den Elbauen war das alles vergessen. Dort war noch Sommer, und wir suchten uns eine nur zu Fuß erreichbare Buhne bei Konau, und legten uns für ein langes Stündchen in die auf die still und schwer strahlende Sonne. Für den Rückweg pflückten wir Äpfel bis der Rucksack voll war, dann ging es über einen Umweg auf die B5. Wir rauschten auf ihr in das harte Abendlicht, machten keine Umschweife und holten Döner am Schlump. 


Samstag, 16. August 2025

Guter Schnitt

Ich war aus einer goldgelben 35-Grad Welt nach Norden gekommen und musste alles neu lernen. Das Konzept "Pullover", eine Yamaha mit Kickstarter, eine endlose Stadt im Flachland. Diese machte es allerdings leicht, sie war angenehm leer und alles passte ganz gut zusammen. An den Ampeln stand ich zufrieden mit dem Einzylinder und fand mich cool. Dann gab ich Gas fuhr raus in die Nordheide. Das Navi hatte ich unterwegs ausgeschaltet, rollte mal träumend, mal energisch die immergleichen Straßen entlang, auf der Suche nach dem Flow und dem Sweetspot der SR. Die Heide blühte lila unter babyblauem Himmel, aus Norden kam ein nordischer Wind in die Jacke. Der SR war die Strecke schon zu lang, als wir in Welle auf die B3 bogen. Noch einmal ging es durch den Hafen, dann in die Wanne. Ich sinnierte 150 Kilometern nach, die Hälfte davon waren eigentlich gut. Das ist hier ein guter Schnitt. Daumen hoch.

Sonntag, 10. August 2025

Burgfrollein

Anja war da und hatte morgen Geburtstag, das war bekannt. Unbekannt war, wohin die Reise ging. Sicherheitshalber hatten wir eine Zahnbürste dabei, Anja folgte mir auf ihrer Himalayan erst nach Einbeck, dann über den Hils auf einem seltsamen nordwestlichen Bogen in Richtung Weser. Der erste Pausenplatz war hoch über dem Tal weit zu sehen. Es war der Turm vom Köterberg. Das sollte eigentlich nostalgische Gefühle auslösen, eigentlich. Der Seitenständer war noch nicht unten, da wurden wir schon von örtlichen Klugschnackern attackiert. Wir kurvten den Bogen noch weiter in flirrender Sommerhitze über die unbekannten Hochebenen auf der anderen Seite, dann baute sich die Trendelburg über dem Tal auf. Ich tat so, als wollte ich sie besichtigen, aber in Wirklichkeit checkte ich ein und wir verbrachten einen Königinnenabend auf der Panoramaterrasse, herzlichen Glückwunsch.

Das alles liegt ja Luftlinie nur 50 Kilometer entfernt. Wir hatten also den ganzen nächsten Tag für einen beliebig großen Umweg. So sahen wir erstmalig Hann. Münden von innen, das ist wie Heidelberg. Praktischerweise steht auf fast jedem Hügel eine Burg (oder Entsprechendes), verbunden durch Bergsträßchen der Extraklasse, die wir gut gelaunt abfuhren. Schloss Berlepsch steht über dem Tal wie im Bilderbuch, auf einem Berg bei Freden steht ein brutalistisches Mahnmal vom Feinsten, und auf der Plesseburg war es schon Spätnachmittag, als wir mit vielen jungen Göttingern ins Leinetal blickten. Den ultimativen Sundowner gab es dann direkt zu Hause: auf dem Wieterberg. Die Sonne verglühte über den Kuppen der neuen Heimat. Wir fühlten uns gut, holten 2 Alkoholfreie aus dem Rucksack uns stießen an. Cheers.