über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 16. April 2016

Auf der Flucht

Das Wetter war viel besser als in der Vorhersage. Nach Osten kamen wir nicht aus der Stadt raus, zu viele Sperrungen, zu viele Bürgerkäfige. Aber es gibt ja noch den Norden. Auf der B4 cruisten wir zufrieden dahin, wollten einen großen Bogen machen und irgendwie über Stormarn zurück an die Elbe kommen. Wir nahmen ungewöhnliche Strecken, die z.T. gar nicht übel waren, wie z.B. von Wakendorf nach Nahe, dann weiter nach Grabau, wo es beeindruckende Hügelgräber gibt. Im Rückspiegel verfolgte uns eine unschöne, dicke graue Wolke. Irgendwann standen wir auf dem Parkplatz eines Supermarktes, und die Wetter-App brachte grausige Gewissheit: Eine kompakte Schauerzelle war hinter uns her. Wir diskutierten fieberhaft alle möglichen Strategien, mussten aber handeln. Kreuz und quer jagten wir über das Dreieck zwischen Oldesloe, Reinfeld und Segeberg, befuhren dabei Dörfer, die nie ein Fremder sah, und Wege, die mitten durchs Wohnzimmer der Bauern führte. Der Hauptfluchtweg nach Ratzeburg war, warum auch immer,  durch ein Polizeigroßaufgebot gesperrt. Verzweifelt standen wir in Reinfeld, nichts ging mehr. Das Café hatte zu. Der Schauer entlud sich. Eine Minute lang. Doch außer vereinzelten Tröpfchen passierte nichts. Mit der Sonne tauchte Birte auf und lockte uns in eine andere Welt. Abseits der toten Stadt war unbemerkt ein riesiges Einkaufszentrum Amerikanischen Stils errichtet worden, mit Bäckerei-Drive-IN. Wir verbrachten dort staunend den Nachmittag. Unser Rückweg war ein spannender Balanceakt über ungewohnte Strecken um die Zellen auf dem Radarschirm herum. Trocken, und am Leben.
 

Sonntag, 10. April 2016

Our Heidelbergness

Es ergab sich, dass wir wieder in Darmstadt waren. Inzwischen war der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Anja stieg direkt vom Intercity auf den Rücksitz der Bonnie. Dann trieben wir die B3 entlang, bogen nach Gefühl in den Odenwald ab und suchten uns eine Strecke für den Nachmittag. Nach Süden konnte nicht falsch sein. Mal waren es flüssige Bundesstraßen, meist aber kleine kurvige Nebenstraßen auf Kämmen entlang, oder durch Wälder und Wiesen. In Fürth waren wir die einzigen Gäste in einem seltsamen Café, und auf der Karte rückte Heidelberg in greifbare Nähe. Kurz darauf erreichten wir das Neckartal und besichtigten schnell noch eine Burgruine, in die wir am liebsten sofort eingezogen wären. In Heidelberg standen wir ungläubig in einer hysterischen Touristenmasse, die sich über die Brücke und durch die zurechtgemachten Gassen goss. Germany made in China, Romantik, Selfie-Sticks. Mittendrin saßen wir und aßen Burger, Die Bergstraße sieht zwar auf der Karte gut aus, ist in Wahrheit aber eine quälende Kette von Ampeln und nie endenden Neubauwohngebieten. Ab Weinheim nahmen wir die Autobahn zurück, es ging nicht anders.

Am Sonntag blieb wieder noch eine Tour mit Zeitlimit, was immer etwas unentspannt ist. Wir bretterten auf der Autobahn nach Nordwesten, Richtung Rheintal. Ans Autobahnfahren hat man sich in der Gegend inzwischen gewöhnt. Es ist normal und funktioniert mit der Bonnie erschreckend problemlos. Die Burgen am Rhein leuchteten in der Aprilsonne. Bei Kaub setzen wir mit der Fähre über, und die Uhr zog uns auf der anderen Seite schon spürbar Richtung Wiesbaden. Ein Strom von Bikern mit blankgeputzten Maschinen kam uns entgegen. In der Nähe der Touristenhotspots waren es vermehrt versnobte Showbikes. Autobahn bis Darmstadt. Dort stieg Anja wieder in den IC, ich parkte die Bonnie in der Tiefgarege und ließ sie zurück zusammen mit der ungeahnten Wärme dieses verschnarchten Sonntagnachmittags.
 

Sonntag, 3. April 2016

Wichtiges

Travemünde ist in letzter Zeit aus gegebenen Anlass wieder in den Fokus gerückt. Ich musste am Samstag um 10 Uhr da sein, aber das war auch auf der Autobahn nicht zu schaffen. Die Vulcan parkte draußen in der Sonne, während ich drinnen Gegenstände vergangener Zeiten sortierte. Danach  genoss ich die bummelige, einsame Rückfahrt über die bekannten Strecken. Die Sonne blieb lange oben, und kalt wurde es heute nicht mehr.
Sonntag begann wie ein Sommer. Thomas war da, und fuhr auf der blauen VanVan mit uns die Elbuferstraße entlang. Die linke Hand war schon müde vom Grüßen, da fielen mir 2 wichtige Dinge ein, die irgendwo noch in Travemünde liegen müssen. Ganz wichtige Dinge. Kurzerhand trennten wir uns an der Cappuccinotanke in Lauenburg. Anja und ich cruisten gelassen über Büchen, Mölln Richtung Lübeck. In zwei magischen Momenten tauchten die Gegenstände auf. Als Belohnung fuhren wir die Dorfstraßen meiner Mofazeit über Warnsdorf, Kreuzkamp, Ratekau und gönnten uns ein dickes halbes Hähnchen in Bad Schwartau. Der Abend war warm wie im August. Die B 75 schimmerte im Gegenlicht, und wir glitten cool in die Stadt, abgekoppelt von der Hysterie um uns herum, umarmten gedanklich das, was wirklich wichtig ist.