über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 26. Juli 2021

Kino

Nochmal nach Hörden, spontan am Freitag - zurechtargumentiert als Generalprobe. Zum Beispiel, um mal mit Gepäck zu fahren, mit Navi und Strom. Zum Beispiel, um die neuen Reifen der Bolt im Gebirge auszuprobieren. Aber eigentlich, um mal wieder einen Miniurlaub aus Landstraßenkilometern und Vogelgezwitscher zusammenzubauen. Auf der Hinfahrt kamen wir vom Weg ab und rollten bei akuter Schauergefahr südwärts durch die Heide von Brackel über Bispingen, Wietzendorf bis nach Bergen. Der Rest verlief wie gewohnt, auf dem bestmöglichen Korridor durch die Hildesheim-Brauschweig Barriere. Wir kamen entspannt aber müde am Edelhof an. Der Abend war perfekt für eine kleine Runde um Duderstadt herum, durch unsere unheimliche Lieblingslandschaft voller sanfter, goldener Hügel, samtigen Schwingstraßen und flirrenden Wäldern. Niemand war unterwegs außer uns, das war herrlich. Blöd war, dass die alle beim Italiener in Duderstadt saßen, wo wir eigentlich hin wollten. Zum Rewe in Herzberg waren es nur 20 Kilometer. Eine Tiefkühlpizza konnte man pimpen.

Ja, man hätte noch einen Tag dranhängen können, aber es gab Argumente. Wir machten aus der Rückfahrt eine Reise, im Sinne der Generalprobe: Die B27 durch den Harz fuhr sich wie am Gardasee. Ein paar Serpentinen durch die Berge, auch gut. Die neuen Reifen veränderten alles, (obwohl einer irgendwie eierte), sind nun saubere Bögen möglich. Das Vio hatte mit dem letzten Batteriesaft eine fantastische östliche Route durch die Magdeburger Börde, die Altmark und das Wendland kalkuliert. Es ging durch vollkommen leere Landstriche, vergessene Pisten, knorrige Alleen, dann wieder über Bundesstraßenabschnitte zum Durchatmen. Am Anfang brannte die Sonne schwer, aber der Nachmittag ließ alles aussehen wie prächtiges Celluloid. Wichtige Erkenntnis: Reisen mit den Cruisern funktioniert, und zwar mehr als das. Die lässige Komponente bleibt voll erhalten, würzt Standardsituationen, wertet sie auf. Als wir in die Stadt der Bekloppten einrollten, sahen wir sie wie Zuschauer im Kino. Wir konnten jederzeit wieder den Roadmovie einlegen.



Sonntag, 18. Juli 2021

+400 Meeting

Die Überkilometer ließen sich mühelos wegdiskutieren. Anja wollte cruisen. Damit war sie nicht allein. Holterdiepolter beraumten wir ein Wittenberge-Meeting an, heute! Immerhin planten wir eine kilometerfreundliche Route: Geestacht, Lüneburg, dann die B216, die einfach unabstreitbar gut zu fahren ist an einem Sommertag wie diesem. Besonders das verlorene Stück über Gartow durch die sandigen, kieferduftenden Elbberge sogen wir ein wie eine Droge. Am Beachclub in Wittenberge standen Paulis Street Bob, die Rebel, die Bolt und als Stargast Thomas' neue, grasshoppergrüne Himalayan lässig in der Sonne. Inspirierte Gespräche am Tisch, alles dreht sich um das göttliche Benzin. Wir trennten uns, ließen uns Zeit für die Rückfahrt. Sie war gleichmäßig und lang, durch einen warmen, müden Sommerabend. Aus Westen schob sich am Ende eine kühle Wolkendecke über uns. Die Rebel war 400 Kilometer drüber, und das war gut so.



Samstag, 17. Juli 2021

Mein Ding.

Idealbedingungen: Sommersamstag, allein, 25 Grad. Inneren Kräften folgend fand ich mich auf den großen Highways des Südens wieder. Erst auf der B3, dann der Diagonale von Wintermoor nach , Bispingen und der B244. Der warme Luftstrom, der durch den Hoodie blies, die Maschine, die satt und zufrieden dahinglitt, die Straße, die sich der Endlosigkeit verlor, das war perfekt, mehr wollte ich nie mehr, nur noch das. Dabei fand ich, dass ich für die Umgebung auch optisch eine Bereicherung darstellte, was aus meiner Sicht für die rücksichtsvolle und damit umweltschonende Art Anerkennung verdient. Die meiste Zeit war aber eh niemand da, der stören könnte. Ich fuhr über Unterlüß, Sprakensehl bis Wittingen durch, von da nach Uelzen, auf der Suche nach einem Eisbecher. Ich fand es passend, auf der B4 nach Norden zu ziehen, mit dem Trek, bis Lauenburg, das war genug. Ich redete nicht viel darüber, aber man merkte mir an, das war mein Ding.



Freitag, 16. Juli 2021

Frieden

Schnell zum Arzt, aber mit Vorfreude und gleich Sonntagsmorgens um 9. Schnurgerade zog die B4 unter uns hinweg, sonnig, frisch und frei, wie im Urlaub. Das gefiel sogar Anja, unterwegs auf der Mash. Nicht aus Nostalgie, sondern weil die Rebel die 1000 Km zum Service schon nach 3 Tagen voll hatte. Neumünster kam ins Bild, trist, leer und hart. Dann Nortorf, auch nicht viel besser. Direkt dahinter: liebliche Mittelgebirgslandschaft, durch die kurvige Hohlwege und Alleen zum Sehnsuchtsort des Jahres führen. Eine Viertelstunde später war der Drops gelutscht und wir auf dem Rückweg. Ohne Navi, von Dorf zu Dorf fand ich tatsächlich die verträumte Route vom Mai wieder, die alle größeren Orte vermied und kleinteilig durch Wald und Wiese nach Süden ging. In Bockhorn philosophierten wir Cappuccino schlürfend über mögliche Routen, da die Schauerzellen ja wohl ganz offensichtlich nicht kämen. Ein peinlicher Irrtum, denn vor uns hatte sich inzwischen eine bedrohliche Wolkenwand aufgetürmt. Das kurvige Stück Hartenholm - Kaltenkirchen - Alveslohe - Quickborn nahmen wir sportlich-gehetzt, bange den Himmel beobachtend. Er blieb friedlich bis zum Schluss, wir auch.



Sonntag, 4. Juli 2021

Zu allem bereit

Bergedorf, morgens um zehn in Deutschland. Anjas nagelneue Rebel 500 nahm schwarz in der Sonne glänzend die ersten Kilometer unter die Ballonreifen. Noch etwas dies und das, dann folgte sie  der Bolt auf dem Highway 3 nach Süden. Die Strecke nach Hörden können wir inzwischen auswendig fahren. Sie wird nicht langweilig, sondern irgendwie immer besser. Routiniert fuhren wir in Herzberg beim Rewe vor und luden Rotwein, Nudeln und vieles andere mehr in die Rucksäcke. Dann freuten wir uns auf den nächsten Tag.

Der begann damit, dass Anja erneut das sagenumwobene Unstruttal auf den Frühstückstisch brachte. Die 150 dorthin Kilometer relativierten sich, als wir das erste Stück auf der Schnellstraße am südlichen Harzrand nahmen. Das fühlte sich in der klaren Vormittagssonne sofort an wie ein Urlaubstag. Dann baute sich vor uns das gewaltige Kyffhäusermassiv auf. Es hat eine Passstraße wie der Gotthard. Die wird von Rennahrern genutzt und von der Polizei strengstens bewacht. Es folgten viele Kilometer durch leeren Osten, bis das Zielgebiet mit fotogenen Tälern und weiten Hügeln sich öffnete. Die Unstrut selbst ist dabei ein mickriges Flüsschen, das man fast übersieht. Weltklasse war mal wieder die Rückfahrt in die Abendwärme, in die wir einen ausgiebigen, südlichen Bogen durchs Eichsfeld einbauten. Ich guckte immer mal wie es Anja auf der Rebel geht. Sie sah aus als würde sie die Tour am liebsten gleich nochmal fahren.

Alles war so schön, aber Sonntag war die anrückende Regenfront nicht mehr weg zu diskutieren. Vor dem Nachmittag mussten wir weg. Die Harzüberquerung am Morgen nach Goslar war nochmal reiner Genuss. Die Berge sahen aus wie die Rocky Mountains, die Rebel und die Bolt glitten elegant um die Kurven, alles floss. Die Hauptstrecke über Peine (endlich mal reingefahren!), Celle, Soltau war geradlinig und frei, dazu Sommerhitze und die Regenfront in sicherem Abstand hinter uns (immer wieder überprüft). Wir rauschten durch die unendlichen Waldschneisen und brauchten uns nicht beeilen. Blick in den Rückspiegel: Anja, souverän und zu allem bereit.