über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Freitag, 24. September 2010

Das Letzte Mal

Der letzte schöne Tag des Jahres war prophezeit worden. Dummerweise an einem Mittwoch, an dem noch nicht einmal der September um war. Ich nahm kurzerhand die Iron mit ins Büro und ließ um Punkt Fünf den Bleistift fallen. Dann setzte ich zum wahrscheinlich letzten Mal den Jethelm auf und fuhr mit Genuss ein letztes Mal in die Abendsonne über den Landstraßen bei Großensee, Trittau und Grande. Auf der langen Geraden im Sachsenwald leuchtete das Laub der Bäume in einem absurden Frühlingsgrün im Streiflicht. Dabei ist der Mai so fern und der November so unendlich nah. Alle Motorradfahrer wissen das und trafen sich mit mir am Zollenspieker zur finalen Schinkenwurst mit Pommes. Genau eine Parklücke war noch frei. Ich aß, trank, rauchte und sah, wie die Dämmerung langsam einsetzte, ließ den Motor an, setzte den Jethelm auf, mit den Fliegen am Visier, holte tief Luft und rollte den Deich entlang in Richtung Winter.

Sonntag, 5. September 2010

Elbufer

An einem leuchtend frischen Sonntagmorgen starteten wir mit ungewissem Ziel. Diesmal zog ich einfach doch die Goretexjacke an, von  der Anja sage, dass sie auf der Iron eigentlich okay sei. Wir ließen uns durch das Hafengebiet treiben, verirrten uns zwischen Getreidespeichern und Rangiergleisen, hatten alle Ruhe der Welt und endeten auf dem Elbdeich bei Over. Wir widerstanden der Versuchung des erstbesten Kaffees irgendwo, womöglich gegenüber, am Zollenspieker. Bleckede erschien stattdessen ein angemesseneres Ziel. Der Spätsommer zog in letztem satten Grün vorbei.
Wir parkten wie gewohnt am Schloss und bestellten eine Riesenportion Eis mit Sahne. Der Tag hatte schier endlos Sonne übrig. Nachdem wir mit der mit Motorrädern überladenen Fähre übergesetzt hatten, konnten und wollten wir die B 195 nicht schnöde bis Boizenburg zurückfahren, sondern drehten noch eine genüssliche Runde durch die kurvigen Auen bis zurück nach Neuhaus, bogen nördlich nach Vellahn ab und kamen im Gegenlicht auf der B 5 in Lauenburg an. Mit einer gewissen Mattheit rollten wir endlose Kilometer später am Zollenspieker an. Während wir hastig Bratwürste inhalierten, parkten nicht nur Marc und Hardy ihre zurechtgemachtes GS bzw. eine alte Kawasaki in Museumsqualität zwischen den Showbikes, sondern stand auch die Sonne schon beklemmend schräg über der Stadt. Wir kamen mit summenden Köpfen, kalten Füßen und der wohligen Erschöpfung von 250 Kilometern in der Garage am Doormannsweg an.
September 2010, wiedergefunden 2013.

Samstag, 4. September 2010

Früher

Wie war das eigentlich, früher? Wahrscheinlich fuhr man, sagen wir mal so vor ungefähr 18 Jahren,  an einem frischen ersten Septembersamstag auf kleinteiligen Deichstraßen durch die Haseldorfer Marsch. Sicher war es für die Jahreszeit zu kalt, dennoch trug man Jethelm, schwarze Lederjacke und -Hose. Das ganze Goretextzeug war undenkbar, denn man fuhr einen schlank zurechtgemachten Chopper. Mit Einzelsitz und Faltenbälgen, zufrieden mit 80 Sachen. Und heute? Eigentlich alles an der samstäglichen Fahrt war wie damals. Ich hatte wie ein Mädchen die Klamotten hin und her probiert, um dann festzustellen, dass das ganze Goretexzeug einfach undenkbar ist, auf diesem nagelneuen Sportster mit Einzelsitz und Faltenbälgen. Die Kälte kroch in die Lederjacke, als ich mit zufriedenen 80 Sachen Richtung Glückstadt bollerte. Auf der Elbefähre behielt ich den Jethelm auf, schaute  den glitzernden Strom hinab, und rauchte. Die Fahrt durchs Alte Land ist so alt wie die Erinnerungen. Nur eine BMW, die ich eine Zeit lang zufällig vor mir hatte, war noch älter. Ich war froh, als endlich der Lüheanleger und damit Babsy's Imbiss mit den Bratkartoffeln in Sicht kam. Der Wind kam aus Osten. Ich kämpfte mit inzwischen ungemütlichen 80 Sachen gegen ihn an, versuchte mich im Elbtunnel kurz aufzuwärmen, was natürlich nicht gelang. Es blieb nur die Vorfreude auf die warme Badewanne. Wie früher.
September 2010, wiedergefunden 2013.