über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 26. August 2013

Berlin 2.0


Immer noch ein Wochenende kam mit Sommersonne. Am Vorabend spielten wir verschiedene Ziele durch, dann entschieden wir uns halsüberkopf für Berlin, die Sonnenstadt und gingen früh zu Bett. Entsprechend waren wir um 10 Uhr auf der Straße. Der Tranceeffekt der B5 war diesmal so stark, dass wir manches Mal nebeneinander an einer Ampel standen, in irgendeinem Ort an der Strecke, und beide nicht wussten, wie wir hier hingekommen waren. In Ludwigslust fanden wir aber auf Anhieb das Café mit den Windbeuteln wieder. Danach kam erst das eigentliche Stück Endlosigkeit, vor allem zwischen Perleberg und Kyritz zogen die Kilometer so surreal vorbei wie schon lange nicht mehr. Das Tempo war gering, in einigem Anstand fuhr meist ein Kleinwagen vor uns. Aber Der Wind kam eh von vorn, deshalb machten wir keinen Terz. Berlin war heiß wie immer, und wir mittendrin im Touristenviertel zwischen Checkpoint Charlie und Best Bratwurst in Town. Das Gropiusmuseum war nur mit GPS zu finden, aber die Kunst war erstklassig. Den Abend bespaßten uns Tom, Tine und Thomas, Berlin war cooler als alles je Dagewesene. Was will man mehr.
Man kann sich dran gewöhnen, zuerst große Rühreiportionen in der Sonne zu verspachteln, um dann von Rembert umständlich an allen Highlights und noch mehr Baustellensperrungen vorbei ins Freie eskortiert zu werden. Thomas war so angetörnt, dass er auf Anjas S ein gutes Stück mit uns fuhr. Draußen entdeckten wir mitten in Friesack das Eiscafé Neumann. Dort wird das Eis noch selbstgemacht und es gibt echten Filterkaffee. Alle Biker aus Berlin versammelten sich da. Wir trennten uns, vor uns lagen gute 200 Kilometer Allee, Stoppelfelder, Nachmittagssonne und ein aufkommendes komisches Gefühl, jemals etwas anderes mach zu sollen, als immer wieder immer weiter zu cruisen.
(Geschrieben über Neufundland)

Samstag, 17. August 2013

Nicht umsonst.

Ich hatte Berlin abgesagt, was ärgerlich genug war und vielleicht falsch. Mir entging nicht nur die Party des Jahres, sondern auch 2 mal 300 Kilometer Highway 5. Der Samstag lag nun planlos vor mir, zusammen mit einer aufgeschlagenen Landkarte, auf der ich nach Alternativen suchte. Im weiten südlichen Wüstengürtel zogen sich Landstraßen durch die Wildnis. Schnurgerade, lang und losgelöst lagen sie da. Sie würden bestimmt ein genau richtiger Trost sein. Zuerst flog ich mit eingezogenem Kopf und 160 Sachen über die BAB nach Geesthacht. Dann in Kolonne die zermürbende Bundesstraße nach Lüneburg. Aber dann: Immer wieder ein stiller Genuss, die B 216 Richtung Danneberg. Vor allem, wenn im hinteren Teil der Familienverkehr dünner wird, und die Straße sich nach und nach in entfernten Schwüngen im Märchenland verliert. In Danneberg brauchte ich dringend einen Cappuccino. Er war gewaltig und wirkte lang genug für den weiteren Verlauf. Ich kurvte durch unbekannte Wälder nach Uelzen, fuhr ein Stück auf der gestressten B4, tauchte wieder ab in das endlose, gleichförmige Rauschen durch pfeilgerade Schneisen, unter dekorativen Schwerwolken hinaus in glühendes Licht, den Schauer am Horizont auf Abstand haltend. Ich kreuzte über Celle, Soltau und Bispingen und kam auf die majestätische B3, die mich mit einer langen Dünung nach Norden trieb. Am Ende leuchtete die Reservelampe. Das passiert nach 350 Kilometern und gab mir das Gefühl, nicht umsonst diesen Samstag gelebt zu haben.

Sonntag, 4. August 2013

B4-Weekender


Freitag, Gluthitze wie immer. Die ganz große Tour hatten wir schnell nochmal abgesagt. Nun fuhren wir am Freitagabend bei nur noch 30° C über die B4 bis Segeberg, dann, auf der B206 genossen wir kühle Lüftchen in Waldschneisen. Das letzte Stück rauschten wir über die A20, denn wir hatten Hunger und aus Strukdorf war der Grillduft schon meilenweit riechbar. Wir wurden aufs angenehmste empfangen, und vom Nachbarhof hallte bis in die Nacht Schglagertechno.
Den Samstagvormittäglichen Schauer nutzten wir, um mit Rainer B.'s Modelleisenbahn zu spielen bzw. einfach noch ein wenig auszunüchtern. Dann brachen wir auf und versuchten Rendsburg zu erreichen, und zwar ohne Landkarte. Ahrenbök, Eutin, alles klar so weit. Aber dann? Die böse aussehende Wolke links oben hatten wir bald abgehängt und eine neue, klare und frische Luft lag über der altbekannten Landschaft, durch die nüchtern die längst vergessene B76 führt. Leider hatten wir auf die Weise unbemerkt den Rand Kiels erreicht. Beim Tanken beschrieb man uns, wie man die alte Landstraße nach Rendsburg findet. Sie war in der Tat sehr interessant, mit Ausblicken in eine verborgene Mittelgebirgslandschaft, die wir uns unbedingt merken mussten, für später. Rendsburg war zum Greifen nah, als eine harmlose Gewitterzelle am rechten Bildrand auftauchte und sich zu einer mörderischen Westfront formierte. Vollbremsung, U-Turn, Flucht durchs Winkelwerk bis - Kiel. Wir retteten uns unter eine Markise in der Betonwüste am Hauptbahnhof, bestellten Pasta und ließen das Unwetter wie Kino vorbeiziehen. Um noch etwas Zeit zu verbrauchen, kauften wir bei H&M eine Tüte Pullover. Für die Rückfahrt nahmen wir die B4 und sahen die Rückseite der Front im Osten, von Westen goldene Abendsonne, vor uns schnurgerade den Highway wie im Prospekt. Bei 15 Grad weniger. Gut, dass wir die Pullover hatten.
Am Sonntag wollten wir es wissen. Noch in gleißender Vormittagssonne verließen wir die B4 in Neumünster, kamen nach einem quälend langweiligen Stück wieder an dem Mittelgebirge raus, fanden den Weg zu der Schwebefähre und setzten schließlich erfolgreich nach Rendsburg über. Einen langen Nachmittag guckten wir uns moderne Kunst in Industrieruinen an, bis zur körperlichen Erschöpfung. Später, im Mittelgebirge, fuhren wir hin und her, auf der Suche nach einem Picknickplatz am See o.ä.. Das war natürlich unmöglich, und mittlerweile waren wir auch wieder wach. Der Versuch, eine Parallelstrecke nach Hause zu nehmen, für etwas Abwechselung, war eine Illusion. Die Straße von Nortorf über Gnutz war einfach unerträglich öde. Wir fanden die B4 wieder und glitten in den Abend. Am Ende des Highways tauchte ein Burgerrestaurant auf, wir fuhren vor und fühlten uns unschlagbar on the Road.