über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 30. Oktober 2023

Kompetenz

Anja war gelandet, und den Koffer konnte konnte sie auch morgen noch auspacken. Denn vor uns lag ein Brückentag, auf den die Sonne schien, und den ließen nicht vorbeiziehen. Im Spätoktoberlicht mussten die SR und die Rebel ein stimmiges Bild abgeben, das stand im Vordergrund und bestimmte auch die Bekleidung. Die Tour wurde überschaubar und genussorientiert geplant, mit Hoffnung auf echte 15 Grad und herbstlich fotogene Stellen zwischen Hollenstedt und Neuenfelde. Das Fahren durch den gelben Nachmittag war klasse, es ging in gleichmäßigem Schwung über die Rosengartenstraße und einige neu entdeckte Landstraßen über Appel und Moisburg, durch überraschend hügeliges Gebiet im Speckgürtel. Eine knappe 100 Km Tour, auf der besonders die SR ihre Kernkompetenz ausspielen konnte, den Nahbereich zu vergolden und umwerfend auszusehen. Meine Lederjacke passte ins Bild, hielt aber dem Südwind nicht lange Stand, 15° hin oder her. Frierend und den letzten Wegpunkt überspringend kamen wir in die Stadt, in dessen Zentrum eine warme Wanne mich anzog wie ein sonst nichts.




Sonntag, 29. Oktober 2023

Spannung

Ein letzter alleiniger Sonntag, und vielleicht der letzte überhaupt. Während Anja in 11 Km Höhe über Arabien schwebte, fuhr ich ohne Plan aus einer von Fußgängern überschwemmten Stadt nach Süden raus. Dort gab ich dem Tomtom eine zweite Chance. Ich tippte irgendwo auf den Bildschirm und ließ eine 'Spannende Route' ausarbeiten. Diese fuhr ich dann ungeprüft ab. Erfreulicherweise kamen diesmal tatsächlich unterhaltsame Strecken heraus, wobei die am besten waren, die auf versteckten Wegen an Waldrändern entlang führten, und in irgendwelchen Dörfern am Kuhstall wieder rauskommen. Die Sonne leuchtete filmreif auf gelbes Laub, ich ließ die 500X bedächtig durch die Hohlwege rollen, hinter jeder Biegung Wanderer, Wölfe oder Lehmschmiere erwartend. Der Endpunkt, den ich bei Lüneburg angetippt hatte, war irgendwo im Nichts. Das letzte Stück war daher ein vielleicht noch legaler, aber ganz klar peinlicher Waldweg, den ich lieber wegkürzte. Auch den letzten Wegpunkt über Undeloh löschte ich, kurvte lieber noch entspannt am Deich entlang und kam rechtzeitig in den sicheren Hafen. In der Stadt war schon Dämmerung und die Fußgänger waren immer noch da. Ich fuhr direkt zum Kärcher, sprühte die Waldwege weg, dann nach Hause und beobachtete Anja beim Landeanflug.



Mittwoch, 25. Oktober 2023

Jetzt, hier.

Als der Herbst nicht mehr wegzudiskutieren war, verschwand Anja in den Oman und ich war hier. Am Sonntag redete ich mir die Wetterkarte schön, zog beheizbare Socken an und war unterwegs, bevor mir irgendwas Sinnvolleres einfiel. Ich fuhr auf der nassen B5 mach Osten aus der Stadt raus, mit viel Unsicherheiten und einem seltsamen losgelösten Gefühl, auf einer Route hin zu einsamen, verwinkelten Nebenstrecken. Hinter Schwarzenbek wurde es interessant. Siebeneichen, Güster, Göttin, schmale Wege durchs Gehölz, dann diagonal durch die Bretziner Heide ins Tessin, und von da durch den Wald nach Neuhaus. Im Rückspiegel sah es finster aus, und ich musste mehrfach die Route um anrückende Schauer herumprogrammieren. Doch ich schaute nicht zurück. Vor mir war das Licht, das Hier und Jetzt war alles was ich brauchte, abgesehen von den Heizgriffen auf Stufe 2. Auf der B195 begegnete ich mehr Bikes als an manchem Hochsommertag. Ich kam bis nach Dömitz, wo ich unter Leichtniesel die Elbe überquerte. Auf der andere Seite ging es zurück in eine andere Welt. Ich fuhr unbekannte Nebenstrecken, dann bekannte, am Ende freiwillig ein Stück Autobahn bis Winsen, weil der Gegenwind angenehm frisch und ruppig war. Durch den Harbuger Hafen kam ich ins Alte Land, packte 2 Kilo Äpfel ins Schreckliche Topcase und dachte: Wenn so ein Tag möglich ist, dann ist alles möglich.



Sonntag, 8. Oktober 2023

Thesen

Der Plan war verrückt und basierte auf schöngerechneten Wetterthesen. kritischen Pfaden, standhaltender Imprägnierung sowie kurzfristig einlösbaren Überstunden. Freitag, gegen Ende der Mittagspause, steuerte ich die 500X durch ein Nieselgebiet, welches theoretisch südlich von Harburg vor mir abziehen würde. Tatsächlich. Ab Soltau war es trocken. Ich wechselte auf die Autobahn, die hier angenehm frei war. Klein hinter der Scheibe schnitt ich mit satter Richtgeschwindigkeit durch die Luftmasse, die aus Süden kam, und von der alles abhing. Pünktlich wie das Tomtom erreichte ich den Edeka Markt in Herzberg. Ich holte mir eine Tiefkühlpizza und igelte mich im Edelhof ein.

Samstag musste die Luftmassengrenze nördlich von Hörden liegen, sonst war alles sinnlos. Ich wartete bis Mittag, der Plan schien wieder aufzugehen. Tomtom hatte eine Route durchs Eichsfeld, durch Eschwege und weiter zum Meißner vorgeschlagen, die war sensationell gut und führte in milchige Oktobersonne im Mittelgebirge. Ein zeitloser Strom leichtfüßiger Kurven, absolut leerer Landstraßen über Kuppen, durch unbekannte Täler, und schön gemachter Orte begann und hörte den ganzen Tag nicht wieder auf. Ich genoss staunend die wechselnden Bilder: Epoche-III Heimeligkeit um Duderstadt, den Nachwendeosten, Ausblicke auf die Mittelgebirge im Westen, vor allem aber die totale, geradezu unheimliche Abwesenheit von Menschen. Zurück ging es auf winzigen Waldstrecken an Witzenhausen vorbei über die Werra nach Osten. Bis zum Schluss zauberte das Tomtom immer wieder neue Schleichwege aus dem Hut. Ich war der einzige Mensch auf der Welt, und meine Aufgabe bestand darin, diese auf einer Honda zu erkunden.

Den ganzen Sonntag hatte ich für den Heimweg in Thermowäsche, Es ging früh los, und gleich die B 243 war ein einsamer Genuss bei 12 Grad. Ich gurkte in der Gegend zwischen Bockenem und Holle glücklich aber sinnlos umher, eine geradlinigere Route gab es erst nach Grundsatzdiskussion mit Tomtom. Über Wienhausen kam ich von Süden in die Heide und ließ mich durch den mal mehr mal weniger sonnigen Tag nach treiben. Nach Norden, in eine mit jedem Kilometer zunehmenden Kälte. Es war erst Nachmittag, als ich ins Dickicht der Stadt kam. Sperrungen, Staus, Bekloppte, alle waren da. Ich hatte sie gar nicht vermisst.