20 Jahre !!!

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Sonntag, 8. Oktober 2023

Thesen

Der Plan war verrückt und basierte auf schöngerechneten Wetterthesen. kritischen Pfaden, standhaltender Imprägnierung sowie kurzfristig einlösbaren Überstunden. Freitag, gegen Ende der Mittagspause, steuerte ich die 500X durch ein Nieselgebiet, welches theoretisch südlich von Harburg vor mir abziehen würde. Tatsächlich. Ab Soltau war es trocken. Ich wechselte auf die Autobahn, die hier angenehm frei war. Klein hinter der Scheibe schnitt ich mit satter Richtgeschwindigkeit durch die Luftmasse, die aus Süden kam, und von der alles abhing. Pünktlich wie das Tomtom erreichte ich den Edeka Markt in Herzberg. Ich holte mir eine Tiefkühlpizza und igelte mich im Edelhof ein.

Samstag musste die Luftmassengrenze nördlich von Hörden liegen, sonst war alles sinnlos. Ich wartete bis Mittag, der Plan schien wieder aufzugehen. Tomtom hatte eine Route durchs Eichsfeld, durch Eschwege und weiter zum Meißner vorgeschlagen, die war sensationell gut und führte in milchige Oktobersonne im Mittelgebirge. Ein zeitloser Strom leichtfüßiger Kurven, absolut leerer Landstraßen über Kuppen, durch unbekannte Täler, und schön gemachter Orte begann und hörte den ganzen Tag nicht wieder auf. Ich genoss staunend die wechselnden Bilder: Epoche-III Heimeligkeit um Duderstadt, den Nachwendeosten, Ausblicke auf die Mittelgebirge im Westen, vor allem aber die totale, geradezu unheimliche Abwesenheit von Menschen. Zurück ging es auf winzigen Waldstrecken an Witzenhausen vorbei über die Werra nach Osten. Bis zum Schluss zauberte das Tomtom immer wieder neue Schleichwege aus dem Hut. Ich war der einzige Mensch auf der Welt, und meine Aufgabe bestand darin, diese auf einer Honda zu erkunden.

Den ganzen Sonntag hatte ich für den Heimweg in Thermowäsche, Es ging früh los, und gleich die B 243 war ein einsamer Genuss bei 12 Grad. Ich gurkte in der Gegend zwischen Bockenem und Holle glücklich aber sinnlos umher, eine geradlinigere Route gab es erst nach Grundsatzdiskussion mit Tomtom. Über Wienhausen kam ich von Süden in die Heide und ließ mich durch den mal mehr mal weniger sonnigen Tag nach treiben. Nach Norden, in eine mit jedem Kilometer zunehmenden Kälte. Es war erst Nachmittag, als ich ins Dickicht der Stadt kam. Sperrungen, Staus, Bekloppte, alle waren da. Ich hatte sie gar nicht vermisst.



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