Ich saß in der Bude, draußen war ein grauer Pfingstmontag ohne jede Besserung. Anstatt mich mich wie Anja Nützlichem zu widmen, zog ich einen warmen Pullover über und fuhr wieder los. Es hätte nur eine kleine Stadtrundfahrt werden können, aber im Westen sah ich ein Wolkenloch. Es befand sich zwar über Grünendeich, aber egal, ich trank dort Cappuccino und studierte ergraute Fulldresser mit Familiencolor. Wäre die Klappbrücke nicht oben gewesen, hätte ich den Rückweg angetreten. Stattdessen fuhr ich nach rechts, durch die elenden grauen Dörfer hinter Stade unter diesiger, milchiger Kälte. Das war alles egal, denn sobald ich das Ortsschild passiert hatte, vor mir sich ein Stück Landstraße öffnete, und seien es auch nur eine paar Kilometer, ich genüsslich den Fünften einlegte und einfach dahinbrummte, dann konnte ich ein debiles Grinsen oft nur mit Mühe unterdrücken. Ich nahm die Fähre und kam über Glückstadt und Elmshorn zurück, wie hunderte Male zuvor. Das Grinsen blieb. Am Ende bretterte ich, inzwischen frierend, auf der Autobahn nach Hause und fand selbst das noch cool. So leicht, glücklich zu sein, das kann einem richtig Angst machen.
über 20 Jahre !!!
Montag, 20. Mai 2013
Sonntag, 19. Mai 2013
Berlin
Der Freitag begann traumhaft, und frei, bis über Pfingsten. Schadenfroh rollten wir durch das Gewerbegebiet, in der Hoffnung, einem arbeitenden Kollegen auf der Straße zu sehen und zu ärgern. Kurze Zeit später lag vor uns die B5. Das Maigrün zog über uns hinweg, und wir waren gelassen genug, uns vom werktäglichen Langsamfahrern nicht erregen zu lassen. Das Stück von Boizenburg bis Ludwigslust ist immer wieder länger als gedacht. Der Windbeutel im örtlichen Café war grandios, kam aber in letzter Sekunde. Dann kam wieder introvertiertes, zeitloses Gleiten durch gelbe Weiten, oft abrupt endend, wenn eine der zahlreichen neuen Baustellen urplötzlich aus der Trance aufschreckte. Wie immer wurde es heiß, je näher wir der Hauptstadt kamen. Unsere gewohnte Route durch Kreuzberg war vollgesperrt, so dass wir nicht nur nach Orientierung irgendwie oben rum nach Friedrichshain einen Weg finden mussten, sondern in quälenden Autostaus von der Sonne und den Motoren gegart wurden. Wir parkten in der Liebaustraße und gaben uns erschöpft dem warmen und peinlich kurzen Abend mit den üblichen Verdächtigen hin.
Den ganzen Samstag lang blieben die Maschinen stehen und wurden vom Dauerregen und den Lindenstaub nachhaltig eingesaut, während wir abwechselnd in coolen Szene-Klamottenläden Geld ausgaben bzw. Latte tranken, ganz wie es Berlin verlangt. Mehr ist zu dem Tag nicht zu vermelden.
Am Sonntag war all das vergessen. Bei Rührei im Straßencafé stieß Rembert mit nagelneuer Slim dazu und eskortierte uns auf sorgsam ausgetüftelter Route durch die Touristenareale, die inzwischen übrigens Disneylandartige Züge annehmen. Bei blendendem Spätvormittag glitten wir auf der Heerstraße stadtauswärts, nahmen mit bequemen 90 Km/h auf der Bundesstraße platz und hielten erst in Kyritz wieder an. Dort gab es einen bis dato unentdeckten Marktplatz nebst Eiskugel und dringend nötigem Cappucino. Nachdem R. wieder Wege eingeschlagen hatte, begann für uns wieder das endlose, losgelöste Highwaycruisen, in unerreichter Intensität. Aus der dichter werdenden Bewölkung war mit den Kilometern eine weiße Kühle geworden, die zunehmend kroch. Zwischen den häufiger nötigen Kaffee-, Solianka- und Zigarettenpausen rollte sich immer wieder atemberaubend das Asphaltband wie in Zeitlupe vor uns aus in die sattgrüne Buschigkeit. Nichtsdestotrotz waren wir durchgefroren und froh, dass das Finale zwischen Lulu und einer warmen Wanne nicht eine Minute länger gedauert hat.
Sonntag, 5. Mai 2013
Cross Country
Passenderweise rief zum Frühstück Marcus an und wollte fahren. Anja war nämlich schon auf dem Weg woanders hin. Wir fuhren erst sehr geschmeidig durch denn leerstehenden Hafen, verfransten und ziemlich peinlich in Harburg, und schnurrten dann viele genussvoll-eintönige Meilen die freie Route 3 southbound. Das vertrug sich erst mal gut mit dem nicht wegzudiskutierenden Matschigkeit, mit der wir beide anfangs noch zu kämpfen hatten. Irgendwo bogen wir östlich in die Heide ab, die Straße war noch leerer und noch romantischer. Bei einer Tasse Kaffee gestand Marcus trotz allem eine gewisse Faszination des Highway-Cruisen ein, bestand aber darauf, von nun an vorzufahren und kleine, kurvige Straßen zu finden. Ich konnte seiner historischen GS, inzwischen eine respektable Ölspur nachziehend, mit dem Chopper immer gut folgen. Wir kamen über Bienenbüttel auf traumhaften Landstraßen bis an die Elbe, wo wir uns trennten, denn ich musste und wollte nicht ins Büro, sondern unterwegs Anja auf dem Rückweg abfangen. Ich querte den Fluss bei Lauenburg und cruiste nunmehr vollautomatisch durch den warmen Nachmittag die Nebenstrecke über Büchen, Breitenfelde, dann von Dorf zu Dorf bis Berkenthin, wo es alles gab was ich so dringend brauchte: Benzin, Kaffee, Softeis. Anja traf ich an der Araltanke in Oldesloe. Wir fuhren auf der B 75 in den Abend hinein. Am Ende hatte ich 350 Km im Kopf. Es hätten beliebig mehr sein können.
Samstag, 4. Mai 2013
Klassik
Nun wollten wir sozusagen offiziell die Saison eröffnen. Schon Samstagmittag waren wir mit Rückenwind Richtung Geesthacht unterwegs, durchquerten die Geisterstadt Lauenburg und befanden uns kurz danach auf der Elbuferstraße Richtung Bleckede. Eine klassische Route. Es war viel wärmer als im Internet, das Licht blendete und wir aßen ein Eis im Schlosshof, wie immer. Warum nicht mal anders weiterfahren als immer, dachten wir. Erstmalig bogen wir mal Richtung Dahlenburg ab, fuhren über Tosterglope auf sensationellen, endlosen einsamen Highways und durch nie endende lichte Wälder wie im Märchen. Das ganze Land war absolut leer, die herrliche milde Luft, das überall sprießende Grün, alles unser. Bei Dömitz querten wir, wie immer, die Elbe. An der Tankstelle trafen wir den deutschstämmigen Hölländer Konstantin auf einer Sommer Diesel. Nicht ohne Neid wünschten wir ihm eine gute Reise. Wir nahmen die B195 im Nachmittagslicht für die Rückfahrt erreichten mit summenden Köpfen die wie immer dösende Stadt.
Mittwoch, 1. Mai 2013
Stade sehen und staunen
Heute waren es 2° mehr, außerdem der erste Mai und Anja dabei. Wir mussten durch den Elbtunnel, denn die Stadt war dicht. Es folgten zäh frierende Kilometer wieder auf der B 75, dann plattes Land über das der Nordwind eisig fegte. Voller Hoffnung erreichten wir Zeven. Es lag beklemmend in Sonntagsstarre. Vor dem Eiscafé in tristem Ziegel hielten wir nicht mal an, alles war zu depressiv. Stattdessen wagten wir einen weiteren Schlag durch klirrende Kälte und waren baff, als wir Stade betraten. Hier gab es nicht nur Cappuccino und Mandelkuchen, sondern warmen Backstein, Menschen, Sonne und alles wie im Bilderbuch. Ganz aufgepeppelt war die Strecke nach Wischhafen, die dümpelnde Fährüberfahrt, die Kolonne durch Glückstadt, Elmshorn und der ganze letzte Rest über Wedel und die Elbchaussee, obwohl die Wärme nicht mehr wieder kam, ein Klacks.
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