Kein einziges Wölkchen, leuchtendes Laub, Sonne wärmer als im Internet. Wir kurvten schwerelos die Hänge des Odenwalds hinauf. Die Richtung stimmte, irgendwann am Nachmittag würden wir im Spessart landen. In Steigerts, das ist auf keiner Karte verzeichnet, wollten wir eine Baustelle umfahren, ein Waldweg kann uns normalerweise nicht abschrecken. Die Bonnie donnerte durch ein Schlagloch, danach war der Vorderreifen platt. Stunden später saßen wir im Abschleppwagen, der sich durch die engen Dorfgassen quälte. Die Sonne schien noch einen ganzen Tag weiter. Dass wir erst nächstes Jahr wieder hier fahren würden, das schien sie gar nicht zu interessieren.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 11. Oktober 2015
Samstag, 10. Oktober 2015
Das Rheingold
Darmstadt im Oktober. Die Bonnie sprang ohne Choke an. Wir verbrachten einige Zeit an der Agip Tanke, wo wir sie wuschen, volltankten und alles für die Fahrt zum Rheintal vorbereiteten. Milder, bewölkter Himmel, Autobahn, easy going. Die Strecken durch Wiesbaden waren auf der Karte ein unentwirrbares Knäuel, und in Wirklichkeit ein naiver Versuch von uns, so lange wir möglich am Fluss entlang zu fahren. Aber dahinter, ab Rüdesheim, das ist der wahre Kern Deutschester Romantik, der Rhein, die Burgen, die Weinberge, dazu eine kaum befahrene Uferstraße und Fachwerkorte voller Chinesen und Cafés, die Loreley heißen. Wir fuhren auf der anderen Seite zurück, zum Schluss wieder auf der Autobahn, mit 130 Sachen, über uns klarte es auf. Wir parkten die Bonnie in Pfungstadt im Garten, aus Angst vor Besoffenen vom Oktoberfest.
Sonntag, 4. Oktober 2015
Plan B
Oktober, Deutschland, eine Einladung nach Berlin, da zögerten wir nicht lange. Am Freitag sieht die B5 anders aus, zum Teil hat sie Verkehr, man fährt aufmerksam und hat mal einen Schnarcher vor sich oder einen wilden Kleinlaster im Rückspiegel. Erst hinter Perleberg kehrte Ruhe in alles. Hier ist der Punkt, wo die ganze Welt unendlich weit entfernt ist. Dörfer liegen wie Inseln auf hoher See. Wir rauschten vorbei, die Allee färbte sich effektvoll in flacher Nachmittagssonne. Irgendwo da ganz hinten, kurz vorm Rand, liegt Berlin. Dort hat es Ruhe, Raum, sich auszubreiten, zu gären, ohne dass es auffällt. Ohne Stau liefen wir in Friedrichshain ein. Pizza wurde serviert, Absacker getrunken, Schlafsäcke ausgerollt. Draußen versuchte irgendein verstrahlter Abschaum, die Motorräder stillzulegen.
Geburtstagsbrunch in Neukölln, über der Stadt brüllende Sonne. An der HEM-Tanke in 12529 Schönefeld trafen wir uns mit Michael. Er kennt genau die richtigen Strecken für einen Samstagnachmittag. Wir folgten willenlos seiner Dyna Street Bob durch schier grenzenlose Wälder, durch die das Licht schimmerte, kurvten durch vergessene Regionen im Süden und standen plötzlich vor einer obszön großen Zeppelinhalle ("Tropical Island") zwischen Krausnick-Groß Wasserburg und Rietzneuendorf-Staakow. Über die B96 kamen wir nach und nach wieder in die Stadt. Der Asphalt war warm, wie jeder Abend in Berlin.
Sonntag waren wir um 12 Uhr schon am Stadtrand. Die Straße hatten wir für uns allein. Kyritz, viele Kilometer des Gleitens, Perleberg, extremer Kaffeedurst. Eine rauchen. Wieder gleiten. Tanken. Schockierend dichter Verkehr am Rande Hamburgs, aber wir fuhren längst automatisch. Tiefgarage, Badewanne, da war es noch hell draußen. Als ich rauskam, wäre ich am liebsten gleich wieder los gefahren.
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