über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 29. September 2013

Kristall

Die Sonne am Sonntag lockte sogar Anja in die Garage. Anspruchslos waren wir wieder in südlicher Richtung unterwegs, vielleicht mal in die Heide oder so, Hauptsache rollen. Das Licht stand kristallin, stechend, halogenweiß über Stoppelfeldern, der Himmel leergefegt vom Ostwind, der kroch auch unter die Jacke. Wer heute keine Wollsocken an hatte, der war verloren. Oder besser gleich die Wintergarnitur. Aber einmal noch wollten wir es spüren, das Cruisen durch einen warmen Sonntagnachmittag, auch wenn es längst keiner mehr war. Undeloh quoll über von Menschen in atmungsaktiven Wanderjacken. Wir saßen im Garten, mit Sonne im Rücken und Cappuccino, der trotzdem kalt wurde. Es ging zurück, die gleiche Route, dann kam die Stadt, mitten am Nachmittag die Garage, die Badewanne. Es blieb ein flaues Gefühl, das kann doch nicht alles gewesen sein.

Samstag, 28. September 2013

Macht man nicht.

Meine Nase war noch dicht, aber ich war nicht mehr krankgeschrieben und somit fahrfähig. Die Straßen waren auch dicht, und es war ein sonniger Samstag Ende September. Mir fehlt inzwischen die Fantasie für alles andere, also wurschltelte ich mich mit frappierender Gelassenheit durch das klumpige Gewühl der Bürgerkäfige und kam nach mehreren Anläufen irgendwie irgendwo in Harburg heraus. Auch dort nahm der Autokoller kein Ende, aber ich bog blindlings ab und fand mich auf den Landstraßen im südlichen Speckgürtel wieder, denen man, gutem Willens, kurze, gleitende Momente abgewinnen kann, unter gegebenen Umständen. Ich sah erstmalig Jesteburg und staunte über Brackel. Gab am Ortsausgang ordentlich Gas, rollte im nächsten Dorf an der Bäckerei vorbei und war cool. Ich schaffte es bis zur Bundestraße nach Lüneburg, fuhr aber Richtung Geesthacht und dann die Deichstraße zurück zur Stadt. Am Zollenspieker war noch genau ein Platz frei. Am Tisch erklärte ein älterer Mann seinem Kumpel die Prioritäten. Dinge erledigen kann man immer, aber ein Sonnentag lässt man nicht vorbeiziehen, das macht man einfach nicht.

Sonntag, 22. September 2013

Blumen, Bratkartoffeln etc.

Ein dumpfes, bleiernes Asphaltgrau lag über allem. Darunter rollten wir die A 1 entlang, emotionslos, mit dicken Socken und gedanklich abschweifend. In Ahrensburg wechelten wir auf altbekannte Landstraßen, wo in dem Ozean der Eintönigkeit einzelne Kuppen, und eine Handvoll elegante Kurvenkombinationen kleine Glanzpunkte bildeten. Die Laune war gut, es kann nicht immer Sommer sein. Unsere Mission war, in Lübeck am Bahnhof Blumen zu kaufen und diese nach Pronsdorf zu bringen. Kurz vor der Stadt wurde aus dem Dunst zunächst subtil, dann spürbar Sprühniesel, der in Schwaden aus Westen kam und alles einsaute. Wir fuhren danach noch nach Strukdorf, um etwas abzugeben. Das Anwesen lag verlassen im Wechsellicht. Da der Schlüssel sich nicht im Geheimversteck befand, konnten wir dort weder einen Kaffee kochen noch aufs Klo gehen. Erstmalig hielten wir am Glacehaus in Oldesloe an. Die Tropenwärme im Inneren kam sehr gelegen, genauso der Oktoberfestleberkäse mit Bratkartoffeln. Der Rückweg wurde zunehmend heiter und die B 75 sah in den immer wilderen Lichteffekten äußerst fotogen aus. Mit einem Strom Familenkutschen trieben wir gelassen zurück in die Großstadt, deren Menschen herumliefen wie aufgeschreckte Hühner.

Samstag, 21. September 2013

Die Leute

Die Leute sprechen schon immer von 'der nächsten Saison' der 'wenn dann Sommer ist'. Ich will davon nichts wissen, holte den Chopper raus und fuhr los, normal. Zuerst versuchte ich nach Norden heraus zu kommen, was unmöglich war, da unsere lieben vierrädrigen Freunde alles, aber auch alles restlos verstopften. Aber im Elbtunnel war noch ein Röhrchen frei, und ich kam irgendwie durchs Alte Land, das ich nicht mehr sehen kann, hinter Buxtehude raus und dann am absoluten Anfang der B 3, bis zur Ecke mit der B 75, dann Richtung Harburg und total durchgefroren schnell wieder nach Hause, in die Badewanne. Also da musste ich schon an die Leute denken, die vom Sommer sprechen wie von einem entfernten Bekannten aus früheren Zeiten.

Sonntag, 15. September 2013

Vollgas

Es war ein herber Septembertag, ungemütlich und windig. Endlich mal wieder genau richtig für eine zünftige Vanvan Fahrt. Mit sattem Rückenwind fuhren wir zunächst beim Zollenspieker vor, saßen dort eine ganze Weile mit einem Cappuccino und waren peinlich berührt wenn manch ergrauter Biker seine Maschine krachend ablegte. Mit dem Nachmittag kam etwas kalte Sonne, sie trieb uns über Geesthacht auf das andere Ufer, wo wir planlos und kleinteilig mal hier und mal da abbogen und vergnügt mit Vollgas übers platte Land brausten, schließlich im Beachclub in Harburg strandeten, wo es noch mehr Cappuccino gab, und Waffeln, und das Ambiente aus dem Tatort. Dann die Fahrt über die Köhlbrandbrücke zurück in die Hafencity. Immer klein, leicht und locker von der Hand. Mehr braucht man manchmal gar nicht.

Sonntag, 8. September 2013

Einmal Harz mit alles.

Freitag 15 Uhr
Wenn Marcus anfragt und gleich konkret ein Harzwochenende vorschlägt, überlegt man nicht lange, sondern setzt alles in Bewegung. Zum Beispiel einen verfrühten Feierabend am Freitag, um mit einer üblen Schwemme von Heimfahrern und Lastern auf der B4 Richtung Süden zu kriechen. Es war heiß wie im Hochsommer, und die westliche Umrundung Braunschweigs war eine Scheißidee. Aber als die Berge in Sicht kamen, war alles egal. Das letzte Ende führte uns nach Hörden und war schieres Gleiten auf einer leergefegten Schnellstraße. Wir zogen ein in ein fünfhundert Jahre altes Haus, das uns freundlicherweise Heike zur Verfügung gestellt hatte und in dem auch der zukünftige Bürgermeister wohnt. Der nächstgelegene Ort war Herzberg. Dort boxt zwar nicht der Papst, aber der örtliche Grieche hatte exakt das, was wir brauchten.
Samstag
Einmal Harz mit alles, sagte das Dreamteam. Das ganze Hinundher mit der Karte konnte man sich schenken, denn man fährt einfach drauf los und kommt sowieso an den Highlights vorbei. Wir tranken einen verspäteten Cappuccino in Braunlage, sahen die Bahn in Drei Annen, kurvten am Nordhang auf einer spitzfindigen Route auf und ab und waren froh, tief unten an der Bode unter flirrendem Baum ein kühles Plätzchen an diesem heißem Septembersonnabend zu finden, wo wir unmittelbar einnickten. Den Rest des Tages schwangen wir über unbeschwerte Hügel, kratzten Kurven und genossen es, auch mal herrlich langgezogene Steigungen hochzuballern. Die Straße von Stolberg über Bad Sachsa zurück nach Hörden war unbekannt und führte in den milden Sonnenuntergang zwischen den Bergen am Horzont. Während wir unter der alten Esche am fünfhundert Jahre alten Haus saßen, einen Absacker tranken und über den Ölfleck unter Marcus' G/S philosophierten, war im Westen schon die Front zu sehen, von der sie im Wetterbericht immer redeten.
Sonntag
Aus Angst vor der Front waren wir schon um 9 Uhr auf den Rädern. Die B 27 schlängelte sich durch den müden Harz, sie war prächtig. Über der weiten Ebene war Licht, aber im Rückspiegel sah es düster aus. Wir hielten uns östlich in den unendlichen Weiten zwischen Halberstadt und Gardelegen. Vom Licht blieb nicht viel übrig, als die Kilometer vergangen, und der Pullover war überlebenswichtig. Der sogen. Herbstschock war nicht weit hergeholt, besonders, wenn einige übereifrige Bäume schon Laub am Straßenrand verteilten. Ein Schauer kam, als wir in Salzwedel unter einem Schirm saßen und Hamburger Schnitzel bestellten. Um uns herum sahen wir Fachwerk und mehr Leben als man denkt, an einem trüben Sonntagnachmittag in der entlegensten Stadt Schlands. Dann kam schlagartig das Wendland und wir überquerten die Elbe bei Dömitz. Die B 195 war leer wie nie zuvor, der Wind kam nun von vorn, wo die grauen Wolkentürme drohten. Zuletzt hetzten wir über die Geesthachter Autobahn, dann standen wir mit kalten Füßen vor der Garage in Eimsbüttel. Der Regen kam irgendwann später, da waren wir längst in Sicherheit.