Die Front des Vortages hatte anfangs noch frische Luft hinterlassen. Die Tour begann genau wie meine von gestern: Elbtunnel, Rosengartenstraße, B3. Das Fahren war unheimlich leicht, weich und geschmeidig, die Straßen leer, das Land sauber, das ganze Leben schön. Es ging leichtfüßig durch die Heide, mal elegante Kurven, dann wieder Gleiten durch sonnige Alleen ohne Ende. In Amelinghausen fanden wir zur eigenen Überraschung das Eiscafé vom letzten Mal wieder. Wir parkten zwischen einer Horde Ducati und Bimota Rennmaschinen. Mit dem Nachmittag war die Hitze zurückgekommen. Nur wer fuhr, verglühte nicht. Wir arbeiteten uns durch angenehm dunkle Waldstraßen bis an die Elbe bei Darchau vor. Der Fluss war aber so ausgetrocknet, dass die Fähre untätig auf Grund lag. Es war Zeit genug, den Bogen über Dannenberg und Dömitz voll zu machen, auch wenn wir immer öfter Pausen brauchten und an jeder Tanke halten und neue Wasserflaschen kaufen mussten. Die B195 zurück war vollkommen leer. Im Gegenlicht glänzender Asphalt, der seidig unter den Reifen durchrollte, ohne erkennbares Ende. Rundum eine saubere Wohlfühltour, auch wenn Anja die letzte Stunde weit außerhalb der Komfortzone im Hamburger Iron-Man-Stau verbringen musste.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 29. Juli 2018
Samstag, 28. Juli 2018
Auf die Sekunde
Ich hatte den Samstag für mich allein und dazu Anjas Sixty2. Es war heiß wie immer und ich versprach mir einen kurzen Moment der Abkühlung im Elbtunnel. Danach fuhr ich die Rosengartenstraße, ein Stück B3, nach Schneeverdingen. Überall nix los. Ich hatte gelesen, nun seien im ganzen Land Ferien, so dass es gründlich von allem befreit war, was stört. Die meisten sind schon in Ferienlagern interniert, der Rest wird auf den Autobahnen in langen Staus gebunden, das gefiel mir. Es kam ein genüssliches Stück durch die Heide, auch dieses ohne störende Pferdekutschen o.ä.. Raven, Wulfsen, Salzhausen. Die meiste Zeit ging es einsam durch den Wald, oder über 33° heißes Land, dankbar über eine Dusche im Vorbeifahren aus der Feldbewässerung. Langsam guckte ich auf die Uhr, dann in den Himmel. Aus Südwesten rückten Gewitter an. An einer Tanke in Winsen plauderte ich mit 2 Duc Rasern noch locker übers Wetter. Als ich aus der Stadt raus war, wurde das gesamte Ausmaß deutlich. Eine supermassive schwarze Front walzte auf mich zu, und auf meinen garantiert nicht wasserdichten Hoodie. Ich erreichte mit Vollgas auf der Autobahn Harburg, dort entlaubten die Sturmböen bereits Bäume. Irre Flucht nach Hamburg auf der letzten Rille. Sandsturm, Sekunden: Parken, Tür zu, Weltuntergang.
Freitag, 27. Juli 2018
Mondfahrt
Die Idee, zur Mondfinsternis an den Elbdeich in den Vierlanden zu fahren, war genial. 10000 andere hatten sie zwar auch, aber wir waren motorisiert mit einer Duc 62 und einer Vanvan. Man konnte bis spät im T-Shirt fahren, kurzhosig und frei. Schräg, am Zollenspieker zu sitzen und in den schwarzen Himmel zu starren. Die ISS raste vorbei, dann kam der Mond in Rot, der Mars wie eine orange LED. Das sah klasse aus, aber die leeren, grüngeschalteten Straßen der heißen Nacht auf dem Rückweg, das war besser jede Raumfahrt.
Dienstag, 24. Juli 2018
Die Brücke
Es fühlte sich seltsam an, Ziele tagfüllender Touren flogen als BAB-Abfahrten vorbei. Gegen Mittag standen wir am Fähranleger in Puttgarden. Vor uns lag wie ein Abenteuer Dänemark. Auf der anderen Seite des Großen Belts gab es lange Landstraßen, wenig Verkehr und die gleiche sengende Sonne wir überall. Wir fuhren auf einem Highway namens 151, der liegt wie en welliges Band in der gelben Landschaft und führt bis nach Kopenhagen. Die Hoffnung auf einen Filterkaffee und knallrote Pølser starb allmählich, als wir in die quälende Vorortkette bei Køge kamen. Ein Quarterpounder von McDonalds musste reichen. Den Rest erledigten wir auf der Autobahn. Die Hauptstadt empfing uns wie eine Mischung aus Berlin und Kiel, alles war metropolig und bunt. Wir parkten die Mopeds hinterm Hotel und verbrachten den nächsten Tag auf Mietfahrrädern, sahen dabei tausend dinge, die schön waren oder interessant.
Am Sonntag um 10 Uhr überfuhren wir die Øresundsbroen in diesiger Luft. Es war wirklich grandios, es gab keinen Verkehr, und am anderen Ende war Schweden. Einen ganzen Tag hatten wir, um den südlichsten Zipfel des riesigen Landes zu erkunden. Meist ging es dabei durch Landschaften im Stil von McPom (dazu später mehr), nur noch eine Nummer größer, oder auf breitspurigen Highways durch lange, zerzauste Wälder. In den Ortschaften hatten wir anfangs große Erwartungen, doch es gab keinen Kaffee geschweige denn Köttbullar. Dazu wirkten selbst Sehnsuchtsorte wie Hässleholm oder Ystad wie Abziehbilder von Elmshorn. Trotzdem fuhren wir um 21 Uhr zufrieden in den Bauch der MS Niels Holgerson. Die Luxuskabine war größer als das Hotel in Kopenhagen.
Montag, 7 Uhr morgens, Steuerborddeck: Travemünde zog schläfrig vorbei. Eine halbe Stunde später saßen wir am Strandbahnhof im Backshop, Croissants mampfend und Pläne schmiedend, bevor die Touristen kamen. Mit der Priwallfähre nach Rosenhagen, noch einmal schnell Urlaub am Meer. Bis Mittag, dann hatten wir Heißhunger auf Hähnchen und fuhren nach Grevesmühlen (und die Touristen kamen). Was blieb, war eine lange, rauschhafte Fahrt bis in den Süden McPoms, und wir hatten es für uns ganz allein. Vor allem das Ende von Gadebusch über Krembz nach Wittenburg war Weltklasse, da kommt Südschweden nicht mit. Es ging weiter ganz entspannt über die B5 und die Deichstrecke nach Hamburg. Dort quälten sich die Zurückgebliebenen in ihren Blechlawinen durch die Gluthitze der Baustellen. Wir rollten in die Garage, machten ein Alkoholfreies auf und legten die Füße hoch.
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Sonntag, 15. Juli 2018
Gewonnen!
Bedeckter Himmel, Pullover, sowas hat man selten. Es war schon später Samstagnachmittag, als wir im Experimentalmodus nach Stukdorf unterwegs waren. Zwischen Itzstedt und Bad Oldesloe ging es vom Vio gesteuert querfeldein über Kreisstraßen aller Ordnungen. Oft genug standen wir in privater Atmosphäre in unbekannten Dörfern und programmierten neu, wenn z.B. eine der vorgeschlagenen Routen sich als Dead-End Katzenkopfstraße von 1650 herausstellte. Das letzte Stück fuhren wir aus dem Kopf, und als wir ankamen waren schon alle da und der Grill bereits vorgeheizt.
Der Sonntag war von Anfang an wieder sonnig. Ich führte ich einen interessanten Tross an, gebildet aus Anja, Hort mit seiner Integra sowie einem Audio-Cabrio in dem Sabine und Iris saßen. Es ging auf der Autobahn an Lübeck vorbei Richtung McPom. Wir kamen auf die Landstraße Ratzeburg-Schönberg, von dort war es nicht weit bis zum Strand bei Brook. Horst wusste was gut ist und machte sich wieder auf den Weg. Alle anderen brutzelten in der Sonne. Der Nachmittag verstrich, das Cabrio hatte sich verabschiedet, ich war im Wasser. Alles Weitere drehte sich um Logistik, nämlich wie man das Endspiel in das Konzept integrierte. Wir beschlossen das einzig Richtige: Drauf geschissen. So freie Straßen gibt es kein zweites Mal. Schwungvoll-leichtfüßig rauschten wir erst zu Janny's Eis nach Grevesmühlen, dann die verträumte Buckelpiste über Rehna nach Carlow. In der Art und bei perfekter Temperatur ging es weiter: Mustin, Kitlitz, Seedorf, Zarrentin. Glühende Felder, schwarze Alleentunnel, Schnitzel am See. Da war Frankreich längst Weltmeister. Aber in Wahrheit hatten wir den Hauptgewinn. Das noch folgende herrliche, lange Waldstück über Gudow nach Büchen, und auch der Abschluss über die Deichstraße in die warme Stadt im Sonnenuntergang bestätigten das nur.
Donnerstag, 12. Juli 2018
Indien hat alles verändert.
Das diesmalige Werkstattersatzfahrzeug war eine lang ersehnte, mattschwarze Royal Enfield Himalayan. Anja begleitete mich auf der Sixty-Two. Die Enfield lief sahnig weich und nahm den bekannten Strecken durchs Hafengebiet die ganze Aufregung. Alles war schnurrig und schön, der Wind wie weggeblasen und die Straßen wie neu geteert. Am nächsten Tag holte ich die Vulcan ab. Sie war hart, flach und drahtig. Und die Straßen wieder voller Abenteuer.
Sonntag, 8. Juli 2018
Down
B4 nach Bad Brahmstedt, B206 nach Segeberg. Wetter wie immer: greller Sonnenschein. Kilometer spulten ab, der Thrill ließ auf sich warten. Kleines Highlight: Die Kurven zwischen Blunk, Stocksee, Ascheberg. Der absolute Downer war dann das Bikertreffen in der Plöner Altstadt. Diesmal waren wirklich mehr Rollatoren als Bikes da. Wir zogen unmotiviert ab, ließen Lübeck links liegen, bis Reinfeld, kämpften uns ein Stück parallel zur B75 nach Süden. Aber die Luft war raus, auch die große Runde durch den Sachsenwald sagten wir ab. Sie Sonne schien ungerührt weiter, weiß und hart, aus einem leeren Himmel ohne Struktur.
Dienstag, 3. Juli 2018
Kurz vor Zehn in Deutschland
Nach dem Döner nochmal raus ins harte Abendlicht, wenn die Straßen sich leeren. Auf der Autobahn bis zum Rosengarten gleiten, dann durch Wald und Wiese, die Sonne um kurz vor Zehn über Weizen untergehen sehen. Die B75 zurück Richtung Harburg, durch Grüntunnel finster und kühl. Dämmerung über dem Funkeln der Containerterminals, nochmal kurz dreistellig beschleunigen und dann geheilt nach Haus.
Sonntag, 1. Juli 2018
Standbild
Wir hatten unsere Gepäckrollen abgeschnallt, uns frisch gemacht, die Mopeds gewaschen und sind wieder los gefahren. Diesmal nicht auf wildem Ritt durch Mittelitalien, sondern über die B4 nach Norden. Das war sehr grün und es war angenehm, auch mal gedankenlos dahin zu rollen. Aber auch unheimlich. Das ganze Land war leer und lag starr und leblos im grellen Licht des Sonntagnachmittages. Wir fuhren durch ein hochaufgelöstes Standbild. Der Hunger hatte uns nach Kollmar getrieben. Dort gab es Bratwurst und die Sorgen kleiner Leute. Wir waren immer noch abwesend und hätten genausogut auch gleich wieder auf die Reise gehen können.
Molto bene!
In Italien ist vieles genau so wie man denkt. Aber viel besser. Die Leute fahren wie bescheuert, sind aber okay. Die Straßen führen einsam durchs Hinterland zu Städten, die alles übertreffen. Die Pizza schmeckt wie beim Italiener, nur besser. Wir füllten 2 Wochen mit 3000 Kilometern zwischen Abruzzen und Gardasee und am Ende kannten wir alle Tricks.
Mehr dazu hier demnächst hier den Reiseberichten.
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