über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Freitag, 31. Juli 2020

Disziplin

Freitagfeierabend. Kein Bier. Nur essen, reden, auf die Uhr gucken. Abwägen. Letztlich: Jacke an, Bolt raus, große Hafenrundfahrt. Der Sonnenuntergang auf der Köhlbrandbrücke, der war von einem anderen Planeten. Auf der Dradenau war sie dann zwar schon weg, aber das Neonlicht strahlte wie Science Fiction. Das galt übrigens auch für die Benzin-LED, die ich ganz vergessen hatte und was mir erst auf der Autobahn im Elbtunnel (!) wieder einfiel. Mulmig, mit Samthandschuh am Gas erreichte ich die rettende Tanke am anderen Ufer. Das war zwar alles Fake, wie sich herausstellte (noch über 2 Liter drin!), aber ich hatte was zu erzählen.

Samstag, 25. Juli 2020

WB20 Summit oder: die Aktuelle Situation

Wir konnten es selbst nicht glauben, dass jetzt, so spontan, per Eilmeldung, ein amtliches Wittenberge-Summit in großer Konfiguration anberaumbar und möglich sein sollte. Aber es war so. Wir mit Mash und Himalayan, dazu Marcus (in Originalkleidung) auf Historischer G/S, so rollten wie in Trance durch die Grüntunnel der B216 Richtung Dannenberg. In den Elbauen staute sich die Hitze und darüber quoll es schwer, aber in Wittenberge am Fährmann brannte die Sonne. Thomas, Anja2 (Vanvan) und Rembert mit der Slim waren eingetroffen. Wir besprachen die Aktuelle Situation, Brandenburg-Issues, meist aber ging es um Bikes und große Pläne. Alle hatten einen langen Rückweg, die Gruppe versprengte sich. Unser Trio glitt ruhig durch den Spätnachmittag die einsame, museumshafte B195 entlang in den goldenen Westen. Ein Sprühschauer kam noch, aber die Gesamtsituation war top, da waren sich alle einig.

Freitag, 24. Juli 2020

Faszination Universum

Freitag 23:30 öffnete sich ein Startfenster. Die Himilayan hob ab und schwenkte in einen erdnahen Orbit ein. Ich schaute zurück auf buntes Glitzern und Menschen wie Amöben. Die zweite Stufe brachte mich auf eine Transferbahn an den äußeren Rand des Systems. Hinter Quickborn kamen noch ein paar namenlose Kleinobjekte, dann schwebte ich frei in der unendlichen Schwärze. Ich hielt in einem Lagrange-Punkt bei Bilsen, schaltete das Licht aus genoss den Moment. Neowise war tatsächlich zu sehen, verblasste aber etwas im Leuchtfeuer des Universums. Bevor der Treibstoff ausging, und weil ich super Weindurst hatte, ließ ich mich vom Schwerefeld einfangen und über die B4 wieder anziehen. Bis zum Wiedereintritt orientierte ich mich am Saturn und Jupiter, die über der Stadt leuchteten. Auf der Erde war das Leben normal weitergegangen, schlafend, cornernd, voller Schwerkraft.

Sonntag, 19. Juli 2020

Immer gut, immer richtig.

Moped gewechselt, und nochmal los am selben Tag, jetzt mit Anja, yeah. Abendliche Anreise nach Strukdorf, gleich im Adventure-Mode: Hinter Kayhude folgten wir dem Vio querfeldein durch nie gesehene Dörfer und schöngemachte Landschaften. Es war die kürzeste Route, fühlte sich aber an wie ein Kontinent.
Am Sonntag steigerte sich das noch ins Extreme. Da McPom irritierenderweise noch gesperrt war, hatte ich eine auf dem Display interessant aussehende Route von Strukdorf aus durch Schleswig-Holstein einprogrammiert. In der Praxis wurde daraus eine umwerfend vielseitige, tagfüllende Tour mit allem, was man will, und was die Mash, aber erst recht die Himalayan gern unter den Reifen hat: Goldenbek-Ahrensbök, Eutin, dann auf abseitigen Wegen durch die Berge der Holsteinischen Schweiz, so dass wir vollkommen die Orientierung verloren und einfach der Technik vertrauten. Schwüle Hitze lag über den Wirtschaftswegen durch die Knicks, Landstraßen, mal ein Stück Bundesstraße dazwischen, und kühlende Wälder. Wir kamen so bis in die Nähe von Kiel, durchstreiften das Mittelgebirge bei Westensee und schwenkten von dort nach Westen in die Gegend um Rendsburg. Emkendorf war das letzte romantische Highlight, dann kam eine zweite Luft und der raue Charme der Geest bestimmte das Bild. Es ging immer weiter, es war immer gut, immer richtig. Mit schmerzenden Hintern und bester Laune kamen wir über Quickborn nach Hamburg. Da fuhren die Leute immer die schnellste Route, das ist nix für uns.


Samstag, 18. Juli 2020

Nichts anbrennen lassen.

Ein Samstag im Juli 2020. Anja ging zur Arbeit, ich in die Garage. Um 10 Uhr rollte die Bolt durch die Schanze. Keine Viertelstunde später donnerte ich auf der Autobahn 1 nach Süden. Als Test. Damit lässt sich momentan noch alles verargumentieren. Bis Hollenstedt ließ ich mich im Sog der Familienkutschen mitziehen, dann bog ich ab, auf die leer im Flachland liegenden Landstraßen. Die Fahrt mit dem Cruiser brachte dieser ungeliebten Gegend neuen Glanz. Geraden zwischen Ortschaften bekamen Bedeutung. Birkenalleen in den Mooren zogen vorbei wie im Roadmovie. Über Schneeverdingen ging es Richtung Heide. Ich genoss mit allen Sinnen, ungestört und meist im Sweetspottempo über weiten Hügel zu rauschen. Manche Straße wirkte geradezu lasziv, wie sie sich hinter einer Kuppe im Grün räkelte. Ich ließ nicht anbrennen, fuhr aber trotzdem nach Hause, denn ich musste noch einkaufen.

Freitag, 17. Juli 2020

Qualität

Zwischen Excel und Jira war noch ein Landkartenfenster geöffnet, auf dem erschien prokrastinierend eine diagonal nordwestlich von der B4 abzweigende Landstraße, die ich vorher noch nie wahrgenommen hatte. Sie verlief schnurgerade und weitgehend unterbrechungsfrei. Ich diskutierte die verbleibenden Aufgaben weg und machte Feierabend. Eine halbe Stunde später hatte ich die Lederjacke an und steuerte erhaben die Bolt aus der Stadt heraus. Die Straße war leicht zu finden, sie war genau wie versprochen, vielleicht nicht ganz so lang wie auf dem Bildschirm. Dennoch, der Sundowner, die Dämmerung über der parkartigen Landschaft, durch die ich den Cruiser cruisen ließ, der anschließende Ritt über den Highway 4 zurück ins Neonlicht, das was Quality Time. Ich erzählte Anja davon, dann bruten wir Burger. 

Donnerstag, 16. Juli 2020

Erfüllung

Es ist alles noch da: Die langweilige Strecke durchs Alte Land, die Apfelplantagen, die grelle Sonne von vorn und die Imbissbuden am Lüheanleger. Alles da, wie vorher, wie schon immer. Nur: Heute muss man die ganze Zeit 50 fahren. Vielleicht mal 60. Bei solchen Strecken glänzt die SR 400 mit ihrem unschlagbaren Alleinstellungsmerkmal, einer erfüllenden Langsamkeit. Nebenbei ist man mit ihr der garantiert lässigste Hipster am Treff der Dorfprolls mit Currywurst. Ich bestellte Pulled-Pork, guckte Schiffe, dann kickte ich gekonnt genau ein Mal, und bullerte mit 55 Km/h zurück.


Sonntag, 12. Juli 2020

Lange Kurzstrecken

Wir hatten Zeit, und das Wetter war trocken. Nicht hochsommerlich, aber okay. Ich nahm sie SR, eigentlich nur um mein neues Outfit bestmöglich zu präsentieren. Alles passte, nur der Verkehr im südlichen Speckgürtel nervte, als uns wir ohne Karte einen eher blöden Weg durch Harburg nach Hanstedt improvisierten. Danach kam das bekannte Heidefeeling: Allein auf endlosen Wandschneisen dahinbrummen, in den Dörfern immer gleiches Fachwerk und Heidschnuckenkitsch. Unten bei Munster liegen die Militärübungsgebiete, an deren Rändern es fast vergessene, legal befahrbare Zugangsstraßen ohne jeden Verkehr gibt. Wir machten Pausen im Nichts, genossen die Mischung aus Waldvogelidylle und Kalter Krieg. Bei so viel Zeit und so wenig los konnten wir die Strecke beliebig ausdehnen. Das kleine Stück durchs Minigebirge zwischen Wriedel über Wulfsrode nach Amelinghausen war weltklasse. Der Wind kam inzwischen von Norden, und kroch unter die Jeans. Außerdem ist und bleibt die SR einfach eine gutaussehende Kurzstreckenmaschine, die aber auf den langen Geraden nicht unbedingt ins Gleiten kommt. Anja und die Mash blieben bis zum Schluss ganz entspannt, aber ich spürte einen zunehmenden Zug nach Hause, und zwar durch die eisig-harte Julisonne direkt in die Wanne.

Freitag, 10. Juli 2020

Schaufenster

Ganz wichtig: Abends noch eine Runde drehen, solange es noch geht. Wenn man eine Bolt hat, die Rosengartenstraße, die B3 bis Welle, dort ein Bifi und ein Vitamalz ordert, dann in der Abendsonne durch die Heide über Undeloh einen schmissigen Bogen zurück nach Hanstedt dreht, und über Stelle an den Elbdeich kommt, dann sah alles verdammt gut aus. Das neue Outfit auch. Schade dass absolut niemand da war, nicht mal Schaufenster wo ich mich spiegeln konnte.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Optik

Feierabend. Und mal ohne Regenschauer. Kalte Sonne stach durch die Baumkronen. Ich donnerte mit der Bolt die Rosengartenstrecke entlang, im Rückspiegel folgte meine Augenoptikerin auf einer roten Suzuki mit Sportauspuff. Es war unsere erste gemeinsame Fahrt, es ging unkompliziert und zivilisiert übers leere Land nach Buxtehude. Dort saßen wir in einem seltsamen Imbiss und lästerten über Harleyfahrer. Nebenbei testete ich meine neue Lederjacke. Gut, dass ich das Thermofutter drin gelassen hatte. Auf dem Rückweg wurde es spät und die Kälte kroch wie im Spätherbst. Die Optikerin ließ sich nichts anmerken. In übertrieben rosafarbener Dämmerung fuhren wir die bekannten Fotopunkte im Hafengebiet an. Das Neonlicht strahlte dazu. Die Fotos wurden nichts, doch die Bilder blieben im Kopf.


Sonntag, 5. Juli 2020

Sinn bei Südwest

Schwüle, die umschlug in Herbstwetter. Die rettende Idee kam erst recht spät. Zuerst hatten wir tastsächlich versucht spazieren zu gehen oder sinnvolle Dinge zu erledigen. Hat beides nicht geklappt. Jetzt rauschten wir zu zweit auf der Himalayan gen Westen. Die Elbmarschen zwischen Uetersen und Glückstadt geben an sich nicht viel her, doch bei diesem Wetter macht diese Landschaft Sinn. Zerrissener Himmel stürmte uns entgegen, Böen schüttelten uns durch. Sonnenstrahlen schossen brutal aus spontanen Wolkenlöschern, im nächsten Moment walzten bedrohliche Schauerfronten im Gegenlicht übers Flachland. Vor denen hielten wir wir respektvoll Abstand. In Wewelsfleth bewunderten wir einen echten P-Liner, fanden alles dufte, dachten noch kurz über einen hippen Filterkaffee im Glückstädter Beachclub nach, aber die nächste Regenzelle am Horizont kam ungebremst auf uns zu. Wir retteten uns mit Vollgas (diesmal mit Rückenwind) in ein Eiscafé in der Nähe von Holm. Die Front zog wenige Zentimeter am Cappuccino vorbei. Über Wedel kamen wir zurück in die Stadt. Wir waren noch so beschwingt, dass wir eine total überflüssige Runde durch den Freihafen im Hartlicht drehten. Einfach, weil wir es konnten.