über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 31. Mai 2014

Total meerumschlungen

29.05.2014
Das Internet sagte, fahrt bloß nach Norden. Aber nicht nach Lolland, sondern macht es Euch gemütlich, bzw. ride easy, baby. Vielleicht hatte es recht, denn am Herrentag war es ungemütlich wie nie. Wir waren froh, erst mal nur die Strecke nach Zarrentin vor uns zu haben, durch die wild wuchernden Knicks über Breitefelde, Mölln und Seedorf, Ausschau haltend nach besoffenen Bollwerwagen-Chaoten. Die Currywurst am Schaalsee gefror auf dem Teller, aber im Norden war der Rand der Wolkendecke sichtbar. Als wir auf das Anwesen in Strukdorf rollten, war der Himmel lupenrein. Trotzdem behielten wir den Rest des Abends die Funktionsunterwäsche an.
30.05.2014
Der Freitag fühlte ich an wie ein Samstag, und wir brachen früh auf. Die bekannte Strecke über Ahrensbök, Eutin, Schönwalde. Das Land strahlte blitzblank unter starrer Sonne, der Ostwind hatte die Dörfer und die Straßen menschenleer gefegt wie ein Hochdruckreiniger. Ohne Pause, und ohne nachzudenken zog alles an uns vorbei, bis am Horizont das Meer auftauchte. In Laboe saßen wir zwischen dummen Touristengruppen, kauften Tickets und bestiegen schnell den Ehrenmalturm, bevor die nächsten Reisebusse anrollten. Hort hatte empfohlen, mal nach Angeln zu fahren. Dafür mussten wir noch schnell um Kiel herum, was einfach war, denn dort ist nie was los. Hinter Eckernförde gibt es ein hügeliges, verstecktes Land und kleine Dorfstraßen. Besonders reizte uns aber das westlich gelegene Mittelgebirge. Es gibt dort schwungvolle Bögen und Ausblicke wie im Sauerland. Mit etwas Fantasie. Anja fand es jedenfalls langweilig. Die restlichen Etappen über Rendsburg, Emkendorf, Nortorf genossen wir noch, danach war Strecke machen angesagt. Der Wind hatte inzwischen auf West gedreht und schob uns flott über die A20, denn den Grill um 19 Uhr in Strukdorf durften wir nicht verpassen.

31.05.2014
Viel zu spät hatten wir eine vorliegende Einladung an die Treene wahrgenommen.  Wir packten die Zahnbürste in den Rucksack und fuhren über die sagenhafte Route Berlin - Stocksee - Ascheberg nach Nordwesten. Das war genau da, wo der heftige Wind herkam, was der Tour einen neuen, rauhen Charakter verlieh. Kurz vor Breiholz saßen wir an einer Tanke und wärmten uns an einem Becher Automatencappucino. Das Stück danach, wo sich zermürbende Marschflächen mit dunklen Geestrücken abwechseln, passte gut zu den sich verdichtenden Wolkenmassen. Das Treffen war kurz, denn wir waren Fremde und die Zeit zog uns in die große Stadt zurück. Südlich von Heide war es wieder wolkenlos, und eiskalt. Das Licht stach wie ein Laser und der Wind war unnachgiebig. Glücklicherweise kam beides von achtern. Die Funktionskleidung am Limit, so segelten wir über Brunsbüttel, Glückstadt, Elmshorn, dann Autobahn, Hauptsache schnell da hin, wo es einen Herd gibt.
Ausnahmsweise mal eine Karte mit der Route: Hier

Sonntag, 25. Mai 2014

In Berlin ist immer Sommer.

Lange nicht gesehen, B5, wir hatten uns den ganzen Tag Zeit genommen. Die Erhabenheit der langen Allee, das abwesende, gleichförmige Dahingleiten, das gibt es sonst nirgends. Sie gibt Gedanken Raum, in dem man manches Problem zerlegt und umsortiert. In Lulu, beim Kaffee, wussten wir nicht, wie wir da hingekommen sind. Tausend Kilometer weiter liegt Ribbeck (Birnbaum). Wieder Pause, jetzt am Schloss, unter sonnigem Grün und Storchennest. In Berlin ist immer Sommer, und immer Wochenende. Und alles ist so fucking awesome wie man es kennt. Wir parkten die Cruiser so, dass sie nicht unter den Linden standen, und verbrachten den Abend mit unseren Lieblingsberlinern am Boxi. Tapas, Rioja, und immer wieder Benzin.

Am Sonntag durfte Thomas wieder ein Stück auf Anjas Honda fahren und führte uns durch bedeutende 30er-Zonen der Hauptstadt. Erst in Potsdam kamen wir wieder ans Licht. Dort sitzt man cool im Garage Du Pont, während ein Strom Berliner Ausflügler in Halbschuhen vorbei zieht, auf nagelneuen Harleys und zurechtgemachten Café-Racern. Die Zeit verging, und vor uns lag eine raumgreifende Route. Zunächst über die eng und ausgelaugt wirkende B1 bis Brandenburg, das mit authentischer DDR-Weitläufigkeit und monumentalen Industrieruinen brilliert. Weiter im Westen wurde es dann wahrhaft ostig. Das Land groß, der Geist klein und die Wahlplakate braun. Auf leeren Geraden ging es immer tiefer in das buschige Land, am Horizont kam die Elbebrücke bei Stendal ins Bild. Ein sattes Stück Highway nach Norden, verloren in der Ewigkeit der Altmark, und zunehmend schläfrig. Bei Seehausen bogen wir ab und waren vorübergehend wieder wach, denn die schnuckelige Landstraße durchs Wendland, im flirrenden Abendlicht, war unschlagbar, märchenhaft. Dann kam noch die elegante B216, und Hunger, aber erst in Lüneburg kam die rettende Pizza an altem Gemäuer. Die Autobahn nach Hause schafften wir noch irgendwie, aber als wir in die Garage fuhren, war im Gehirn nur noch ein Vakuum.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Späti

Dreißig Grad im Mai, wow. Die Abende warm, endlos lang, die lässt man nicht vorbeiziehen. Einmal fuhren wir, einfach weil es sich anbot, zusammen auf der Orangen ein Stück aus der Stadt raus, fuhren vorm Schweinske vor und aßen Schuhsohlen. Danach, an der Elbchausee entlang und unten in Övelgönne in der 22 Uhr-Dämmerung, das war verdammt nah am Werbeprospekt.
Am Mittwochfeierabend cruisten wir durch den Hafen und saßen dann im Beachclub am Harburger Hafenbecken. Ohne die furchtbare Dance-Charts Beschallung hätten wir womöglich die dann ASAP folgende, sensationelle Irrfahrt durch verträumte Deichdörfer zwischen Winsen und Maschen sowie ein Stück echte, unentdeckte B4 im Sonnenuntergang verpasst. Weil's so schön war, rollten wir weiter, bis ganz nach Geesthacht. Im letzten Licht und mit einsetzender Bettschwere rauschten wir die Deichstraße entlang, bis wieder Neonlicht ins Bild kam.

Sonntag, 18. Mai 2014

Im Westen

Die Regengrenze auf dem Bildschirm ging messerscharf durch Hamburg. Fuhr man nach Westen, blieb man trocken. Hatte sogar Sonne, auf den immer gleichen Birkenalleen hinter Buxtehude, Zeven usw. Irgendwie kannten wir diese Landschaft. Es muss eine alte Zeit gegeben haben, in der man hier entlang fuhr. Heute waren wir schon zufrieden, überhaupt unterwegs zu sein, zumal die Suppe im Osten im Rückspiegel sichtbar war. In Worpswede fuhren wir ca. 12 Mal hin und her, weil wir nicht glauben konnten, dass es nur dieses eine, einzige postmoderne Café gibt. War aber so. Es ging dann endlos weiter, einsam über quadratisch-praktisches Land. Das Teufelsmoor blieb im Verborgenen. Später, irgendwo in der Nähe von Bäderkesa, waren wieder Ansätze von Topografie spürbar. Immer wieder tauchten Orte wie diffuse Erinnerungen auf. Je näher wir dem Alten Land kamen, desto mehr zog es sich zu. Am Ende waren es gute 270 Kilometer, Mehr, als gedacht.


Samstag, 17. Mai 2014

Zehntausende

Am Samstag fuhren wir ausnahmsweise mal zu einem groß angelegten Bikertreff, in Soltau. Es ging geradlinig dort hin, auf der B3 im Sonnenschein. Kaum auf der langen Geraden, war sofort auch dieser Sog wieder da, der uns fast am Heidepark vorbei bis ans Mittelmeer gezogen hätte. Auf dem Veranstaltungsgelände dann, zehntausende Tonnen Stahl auf Rädern, wobei man sich fragte, wo eigentlich die dazugehörigen Menschen waren. Wir stapften schwitzend umher zwischen den neuesten Neuheiten und den üblichen Wurstbuden. Am Ende wussten wir, dass es hier keinen Cappuccino geben wird, auch nicht den ganz billigen aus Pulver. Auf der kurzen Fahrt nach Soltau-Centrum kühlte der Fahrtwind, und in dem kleinen Café gab es alles was wir wollten. Ich hatte die Tour von vor 2 Wochen noch ganz gut im Kopf, die fuhren wir einfach nach. Bergen, Hermannsburg, Munster, dann rauschhaft durch den Wald bis Amelinghausen. Durch das Mittelgebirge bei Undeloh und quer rüber bis Welle. Als wir Im Abendlicht durch den Hafen in die Stadt zurückkamen, waren wir dumm und wohlig erschöpft. Das war okay, denn danach kamen nur noch Burger auf den Grill, und Tom und Almuth zu Besuch. Stundenlang hörten sie sich Benzingespräche an.

Sonntag, 11. Mai 2014

Ernstfall

Ungemütlich, scharfe Böen, wahllose Starkschauer. Ein perfekter Tag, in Rukkaklamotten den Ernstfall zu proben. Im Hafen war Geburtstag, das Wasser voller Schiffe. Aber da wo wir waren, auf Brachflächen hinter Lagerhallen, waren keine Touristen. Dafür Geröll und spektakuläre Pfützen. Irgendwie so muss Island sein.

Samstag, 3. Mai 2014

Raum und Zeit

Halb sog mich die B3 in sich hinein, halb trieb mich der kalte Nordwind vor sich her. Die Straße strahlte Endlosigkeit aus, man würde für immer durch sie gleiten und nicht mehr an die Rückfahrt denken. Der lange Asphalt, die Waldschneise, die monoton brummende Maschine, ich. Sonst nichts. In Schneverdingen machte ich halt bei dem riesigen Motorradgeschäft. Ich trank dort Kaffee, schlich um die Bikes, als bräuchte ich eins. In Wirklichkeit wollte ich mich nur aufwärmen. Südlich gibt eine herrliche Nebenstrecke über Neuenkirchen nach Soltau. Immer noch easy vor dem Wind fuhr ich immer weiter, nach Süden, bis Bergen. Über Herrmannsburg und Faßberg nahm ich Landstraßen, die über sanfte Kuppen, durch Wäldchen und aufgedonnerte Heidedörfer verliefen. Den Wind nun von vorn, verloren in diesem riesigen Land, rollte ich mich mit 80 Sachen. Es folgten Munster, Bispingen, Pferdekutschen und große Weiten, in denen ich den Bezug zu Raum und Zeit verlor. In Sonnenlöchern konnte man auf einer Holzbank sitzen, sich aufwärmen, die Handschuhe auf dem Motor. Das letzte Stück über Egestorf, Undeloh, Welle war filmreif, und ließ viel Raum für Gedanken, z.B. an eine heiße Badewane. Ich fuhr auf der Autobahn in die Stadt zurück, durch die bekannte Kulisse mit den großen Schiffen, eingekuschelt in den Windschatten eines LKW.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Enduro

Anja war verschnupft, aber Marcus rief an, und kurz darauf waren wir unterwegs. Mit Mühe schaffte ich es, ihm die Autobahn aus- und die B4 Nord einzureden. Die Gerade auf der Karte hatte ihn zunächst abgeschreckt. Zur Belohnung bogen wir bei Weddelbrook ab und kurvten durch kleinste Waldstraßen, die aussahen, als würden sie jeden Moment in Schotter übergehen. In Kellinghusen saßen wir in der Sonne, staunten über das vorhandene Stadtzentrum und malten uns auf der Karte irrwitzige Fahrten durch das Aukruggebirge aus. Erst eine Bergstrecke, dann ein Flusstal. Dir Bergstrecke ging tatsächlich ein paar Meter einen Hügel hinauf, dass "Flusstal" war ein Betonplattenfeldweg, der mittendrin verboten wurde. Marcus fuhr dann vor, und ich genoss den anderen Blickwinkel sehr, verlore aber komplett die Orientierung. Er führte uns in einem raffinierten nördlichen Bogen um Neumünster herum, dann wieder über verwinkelte Landstraßen querfeldein, die sich nur ein Endurofahrer ausdenken kann, bis zum Flugplatz Hartenholm. Die Zeit drängte, und im Südwesten zog es sich zu. Wir nahmen die B4 zurück, trennten uns an einer Kreuzung in Eimsbüttel und fanden alles gut.