Das Internet sagte, fahrt bloß nach Norden. Aber nicht nach Lolland, sondern macht es Euch gemütlich, bzw. ride easy, baby. Vielleicht hatte es recht, denn am Herrentag war es ungemütlich wie nie. Wir waren froh, erst mal nur die Strecke nach Zarrentin vor uns zu haben, durch die wild wuchernden Knicks über Breitefelde, Mölln und Seedorf, Ausschau haltend nach besoffenen Bollwerwagen-Chaoten. Die Currywurst am Schaalsee gefror auf dem Teller, aber im Norden war der Rand der Wolkendecke sichtbar. Als wir auf das Anwesen in Strukdorf rollten, war der Himmel lupenrein. Trotzdem behielten wir den Rest des Abends die Funktionsunterwäsche an.
30.05.2014
Der Freitag fühlte ich an wie ein Samstag, und wir brachen früh auf. Die bekannte Strecke über Ahrensbök, Eutin, Schönwalde. Das Land strahlte blitzblank unter starrer Sonne, der Ostwind hatte die Dörfer und die Straßen menschenleer gefegt wie ein Hochdruckreiniger. Ohne Pause, und ohne nachzudenken zog alles an uns vorbei, bis am Horizont das Meer auftauchte. In Laboe saßen wir zwischen dummen Touristengruppen, kauften Tickets und bestiegen schnell den Ehrenmalturm, bevor die nächsten Reisebusse anrollten. Hort hatte empfohlen, mal nach Angeln zu fahren. Dafür mussten wir noch schnell um Kiel herum, was einfach war, denn dort ist nie was los. Hinter Eckernförde gibt es ein hügeliges, verstecktes Land und kleine Dorfstraßen. Besonders reizte uns aber das westlich gelegene Mittelgebirge. Es gibt dort schwungvolle Bögen und Ausblicke wie im Sauerland. Mit etwas Fantasie. Anja fand es jedenfalls langweilig. Die restlichen Etappen über Rendsburg, Emkendorf, Nortorf genossen wir noch, danach war Strecke machen angesagt. Der Wind hatte inzwischen auf West gedreht und schob uns flott über die A20, denn den Grill um 19 Uhr in Strukdorf durften wir nicht verpassen.
31.05.2014
Viel zu spät hatten wir eine vorliegende Einladung an die Treene wahrgenommen. Wir packten die Zahnbürste in den Rucksack und fuhren über die sagenhafte Route Berlin - Stocksee - Ascheberg nach Nordwesten. Das war genau da, wo der heftige Wind herkam, was der Tour einen neuen, rauhen Charakter verlieh. Kurz vor Breiholz saßen wir an einer Tanke und wärmten uns an einem Becher Automatencappucino. Das Stück danach, wo sich zermürbende Marschflächen mit dunklen Geestrücken abwechseln, passte gut zu den sich verdichtenden Wolkenmassen. Das Treffen war kurz, denn wir waren Fremde und die Zeit zog uns in die große Stadt zurück. Südlich von Heide war es wieder wolkenlos, und eiskalt. Das Licht stach wie ein Laser und der Wind war unnachgiebig. Glücklicherweise kam beides von achtern. Die Funktionskleidung am Limit, so segelten wir über Brunsbüttel, Glückstadt, Elmshorn, dann Autobahn, Hauptsache schnell da hin, wo es einen Herd gibt.
Ausnahmsweise mal eine Karte mit der Route: Hier
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