Drei Tage, drei Männer, drei Maschinen. Dreißig Grad. Da Anja sich zum Schuhe kaufen in Mailand befand, befand ich mich mit Marcus und Christoph im Rückspiegel auf der B3 nach Süden. Seit geraumer Zeit lief in meinem Kopf Deep Purple's Highway Star in einer lästig werdenden Endlosschleife. In Soltau gab es endlich Bandsalat. Die Tour ging aber highwaymäßg weiter, auf den langen Geraden über Celle, und bloß an Braunschweig vorbei über Salzgitter, wo die ersten Hügel, dann im Sommerdunst das Harzmassiv erschien. Mit Hingabe ließen wir die Maschinen die schwungvoll ansteigende B4 hinaufstampfen, drehten noch eine kleine Runde auf den gelben Bergstraßen, und landeten mit dämlichen Grinsen in Zorge. Ein langes Harzdorf ohne Einwohner. Aber es gab Bier, Jägerschnitzel, ein Hotel, das sehr privat wirkte und unsere Landkarte, die die Welt bedeutete.
Sonntag
Den Pullover brauchte man nicht mal sicherheitshalber mitnehmen. Kaum waren wir aus dem kühlen, engen Tal heraus, war da nur noch brütende Hitze. Das Land südlich vom Harz, auf der Karte beängstigend langweilig, entpuppte sich gleich als feinste Hügellandschaft mit verträumten Dörfen und winkeligen Straßen. Angesichts der beiden Dual-Sports versuchte ich stets, die Orange möglichst geschmeidig um die Ecken zu segeln. Tausend Orte mit -rode, immer mal wieder ein kleine quer liegender Höhenzug, dann hinter Mühlhausen ein respektabler Anstieg auf die Ebene bei Nazza, schließlich das Werratal und der erlösende Eisbecher am Markt in Eisenach. Im Hintergrund war schon der Thüringer Wald zu sehen. Wir näherten uns von Westen und krochen bei flirrender Hitze die Berge hinauf. Erst ganz oben auf dem Inselberg wehte eine angenehme Brise, und die Bratwurst kam kompliziert aber zeitnah auf den Tisch. Ich drehte noch eine Runde, um mir den Thüringer Wald genauer anzusehen. Es ist ein stark bewaldeter Berg. Bei der Rückfahrt zum Harz hatte sich am Horizont ein mächtiger Amboss gebildet. Mit weichen Knien kurvten wir an seiner Ostflanke entlang. Als wir dann in Bad Sachsa beim tiefer gelegten Bifteki saßen, hatte er sich aufgelöst, offenbar in Wohlgefallen. Wir gaben noch einmal Gas, um bloß in Zorge noch rechtzeitig einen Absacker zu bekommen.
Montag
Christoph hatte seine Reise nach Süden fortgesetzt, Marcus und ich kurvten im Frühtau durch den Harz. Hasselfelde, Güntersberge, all die Orte flogen in gleißendem Vormittagslicht vorbei. Als der Kaffeedurst kam, waren die Harzberge längst aus dem Rückspiegel verschwunden. Stattdessen saßen wir ziemlich einsam inmitten historisch schwergewichtigem Gemäuter in Halberstadt und waren froh über jeden Schatten. Es folgten endlose Weiten, schnurgerade Geraden, bei sengender Hitze wir in Arizona. Die Etappe bis Salzwedel erlebten wir abwesend, schwitzend, ausdauernd. Der Fahrtwind kühlte erst wieder im Wendland ein wenig. Am Elbufer trennten wir uns, denn Marcus hatte eine Badestelle entdeckt. Auf meiner Suche nach einer Tanke hatte ich etwas anderes entdeckt, nämlich die verräterische graue Masse am Horizont im Westen. Ich warf meine großen Pläne über den Haufen und versuchte, unauffällig und schleunigst über Lauenburg, Geesthacht nach Hause zu kommen. Am Stadtrand klatschten die typischen, ersten dicken Tropfen, ich hechtete durch die Autoschlangen, Blitze zuckten. In der Fruchtallee wurde ich Nass, das war lachhaft, denn da war die Garage schon in Sicht.
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