Der Grill glühte aus, die Dämmerung ging im Schwarz einer warmen Sommernacht unter. Ich ließ das Weinglas unangerührt, holte die Vulcan aus der Garage, setzte Anja auf den Rücksitz und gab Gas mit dem Bewusstsein, vielleicht das letzte Mal den warmen Wind zu spüren auf dem leergefegten, heißen Asphalt der Stadt, der Elbchausee, den taghellen Vierspurigen im Natriumgelb. Gegenüber vom Containerhafen stiegen wir ab. Links funkelte die Stadt, im Westen am Horizont flackerte apokalyptisch die Wetterfront, die heute Nacht den Sommer beendet. Wie genossen jede verdammte Sekunde.
über 20 Jahre !!!
Montag, 31. August 2015
Sonntag, 30. August 2015
Marsch und Geest am Sonntag
Wir saßen in der Loggia und warteten, bis das Regenband durch war. Dann starteten wir, ohne große Erwartungen. Denn alles was wir sahen, war die Trägheit eines schweren Spätsommersonntags. Uetersen lag dämmernd da, auf den Landstraßen kroch der Nachmittag träge dahin. Wir landeten am Bikertreff in Kollmar, dort gab es immerhin einen großen Becher Cappuccino, dazu wieder die ach so beliebten Bikergespräche vom Nachbartisch. Der Tag hätte so zu Ende plätschern können, aber wir wollten noch einen kleinen, nicht weiter geplanten Bogen irgendwie hintenrum nehmen. Daraus entwickelte sich zu unser eigenen Verblüffung eine reelle Tour. Zuerst durch die Marsch, die selbst bei Sonne düster und zerzaust aussieht, dann abwechselnd über Geestkuppen, einsame Alleen und Kurven, wo sie keiner mehr vermutet. Kilometer verflogen ohne Störung, es war Cruisen wie im Bilderbuch. Kanalfähre, Hochdonn, Albersdorf. Ohne Ziel, ohne Karte, die Orientierung nach den sinkenden Sonne. Trotzdem hätte längst Bad Bramstedt ausgeschildert sein müssen. Hohenlockstedt kam mir bekannt vor. Hier ist auch die B206, ein nie gesehenes Ende, kurvig und buschig. Wie so oft, flogen wir von Norden in die Stadt rein, als die Neonreklame gerade an ging. Wohlig erschöpft, und mit leerem Kopf.
Samstag, 29. August 2015
Ein Tank Zufriedenheit.
Samstag war ich allein, rauschte gleichmütig die B4 nach Norden, frischen Wind im Gesicht und gut sortiert. In Bramstedt bog ich routiniert auf die B206 ab, rollte in loser Kolonne meist mit 70, 80 Sachen durch die Dörfer, sann über alles nach, was es so gibt auf dieser Welt. Segeberg ließ ich schnell hinter mir, fand den Abzweig bei Klein/Groß Rönnau, und wurde munter auf der geschwungenen Landstraße über Blunk Richtung Ascheberg. Kurz vor Plön ist ein Bikertreff; ich hatte einen gigantischen Kaffeedurst und fuhr dort vor. Man kann dort sitzen und auf den See starren, oder auf die Bikes. Den Kaffee kann man verschmerzen, und überhaupt kann man es dort aushalten, solange man sich aus dem Hörkreis der Bikergespräche fernhält. Ich verließ publikumswirksam das Gelände und steuerte Eutin an, Lensahn, alles Traumstraßen, fester Bestandteil unserer Sommer. Autobahn Oldenburg-Fehmarn, Rückenwind. In Burg: "Fehmarn Days", das übliche Bild aufgereihter Maschinen, gleißenden Chroms auf heißem Pflaster, dazu dreißigtausend Harleyjacken. Ich mitten dazwischen, ziellos umherirrend, dann einen Tisch findend und ließ ein Weizen alkoholfrei bestellend. Ich nahm in etwa den selben Weg zurück. Inzwischen war das Wetter prächtig, die Straßen leer, und ich brummte immer weiter, immer leichter, immer zufriedener mit mir und der Vulcan. Ich konnte kaum glauben, dass ich fast einen ganzen Tank leer gefahren hatte. War aber so, und das war gut.
Sonntag, 23. August 2015
Nirwana
Auf der B5 rollen, ihre kontinentale Weite inhalieren; die raumgreifende Leere kilometerweise dekonstruieren; Gedanken starten, die sich im Nirwana verlieren. Das war ein lang entbehrtes Gefühl. Im Rückspiegel sah ich Anja und, das war etwas Besonderes, Marcus auf seiner G/S (die war sogar frisch dampfgestrahlt). Im Vorfeld hatte es wegen der Streckenführung noch Diskussionen gegeben. Aber erstens hatte ich schon vor mindestens 15 Jahren eine Hommage an diese Straße verfasst, die immer noch gilt, und zweitens war ich der Road Captain. Der Nachmittag zog strahlend warm über uns hinweg und wir näherten uns der Hauptstadt. In Ribbeck, unterm Birnbaum, erwartete uns Rembert. Gekonnt lotste er uns auf der Slim über buckelige, echte DDR-Landstraßen über Etzin, Ketzin und Fahrland durch den Speckgürtel in die glühende Stadt hinein. Der Asphalt brannte, alle Sehenswürdigkeiten lagen an der Strecke und leuchteten im Sonnenuntergang wie in Hollywood. Die Nacht hätte lang werden können, aber in uns arbeiteten 350 Kilometer. Wir überließen Friedrichshain den Fußgängern und fielen tot ins Bett.
Sonntagsfrühstück im Übereck. Lautlos rollte Thomas mit der Vanvan vor. Unser Loste für die Ausfahrt. Ich hatte jetzt Heike auf dem Rücksitz und gab mir Mühe, ein Vorbild zu sein. Es ging durch nie gesehene, gewaltige Gewerbegebiete, leer und starr, dann durch endlosen Stadtrand, der in Berlin immer gleich aussieht. Langgezogene Siedlungen, Waldstücke, oder langgezogene Siedlungen in Waldstücken. Am Ende standen wir kurz vor Nauen. Bei den großen Antennen trennten wir uns von den Berlinern. Zugunsten von Marcus, und einfach der Abwechslung halber, nahmen wir nun einen satten Bogen über Havelberg, dort die Elbfähre, rollten über verträumte Basaltpflaster durch flirrende Alleen unter schwerer Augustsonne. Wittenberge kam uns schon vertraut vor, danach kam die B 195 im Abendlicht, ganz für uns. Marcus hatte sich unterwegs abgemeldet, zu lockend war der Elbstrand. Anja und ich kamen mit Rückenwind in Hamburg an. Es war schade, dass man nicht einfach auf Repeat drücken konnte.
Sonntag, 16. August 2015
Es wird spät.
Wenn wir uns zum Spätcruisen verabreden, müssen wir inzwischen früher Feierabend machen. Manch abendliche fahrt endet schon im kühlen Neonlicht, zum Beispiel nach einem Burger im Montgomery an der B4 und anschließendem Bogen über Bramstedt nach Norderstedt.
Am Wochenende konnte Anja endlich ihren neuen Helm einfahren. Er sitzt saugend, heißt Freeride und macht aus ihr eine respektable Rebellin. Eigentlich nur testend mal aus dem Elbtunnel ein Stück aus der Stadt raus fahrend, entdeckten wir im Abendlicht die Rosengartenstraße von Sieversen nach Eversen wieder, die in früheren Zeiten Standard war, dann aber vergessen wurde, wie so vieles. Sie zieht sich sagenhaft romantisch durch einen Hauch von Mittelgebirge, direkt im Hamburger Speckgürtel.
Am Sonntag fuhr Anja bei mir auf der Orangen hinten drauf mit, und sah alles mit anderen Augen (worum ich sie klammheimlich manchmal beneidete). Wieder ganz unkompliziert, einfach irgendwie Richtung Süden Gas gebend, drehten wir kurz vor Soltau um, aus Angst vor einer Schauerzelle. Wenn man von da aus nach Nordwesten fährt, kann man praktisch jede beliebige Landstraße nehmen, man hat immer eine lange, freie Bahn durch Wälder und Heide, auf der man mit Genuss dem Abend entgegen brummt. Der war in der Stadt wieder schwül und zähflüssig, der Regen kam irgendwann tosend und heiß, mitten in der Nacht. Da war längst alles in trockenen Tüchern.
Sonntag, 9. August 2015
Real Life
Sonntagmittag, Strukdorf. Während Anja Luxusgeschäfte regelte, dealte ich mit Horst eine aus gegebenen Anlass sinnvolle Testfahrt mit seiner Integra unter Real Life Bedingungen aus. Anja saß auf dem Rücksitz, im Topcase waren Strandutesilien verstaut. Wir wollten bis Fehmarn durchfahren und dabei alle möglichen Szenarien testen. Kräftig und vollautomatisch glitt das Gefährt durch den sonnigen Nachmittag. Die entzückende Strecke über Ahrensbök erschien heute belanglos. Während ich Technik und den Komfort bewunderte, ertappte ich mich dabei, wie ich Dinge dachte wie "wann sind wir endlich da?" oder, noch schlimmer, "so ein schöner Tag, schade dass wir nicht Motorrad fahren können.". In Eutin war längst klar, das das Ganze keinen Zweck hatte. Es ging umgehend zurück, auf der Autobahn, wo ich erstmals im Leben 150 km/h fuhr und mir dabei eine Zigarette anstecken hätte können. Es half alles nichts. Danach fuhren wir die selbe Strecke noch mal mit den Cruisern. Die Vulcan war jetzt drahtig und gelenkig, ich war mittendrin, genoss grinsend den strammen Ostwind, der kalt in die Ärmel pfoff. In Oldenburg lag der Hund begraben, wir bollerten cool auf dem alten Markt vor und holten Eisbecher. Die Küstenstraße B501 zurück ging eine ganze Weile gut, aber in den Touristenorten staute und verkeilte sich die dumpfe Blechlawine. Wir suchten Auswege und fanden uns auf spukigen, nie gesehenen Waldwegen in dunklen Tälern zwischen Gothendorf und Braak wieder. Den Rest des Abends glitten wir über Ahrensbök, Reinfeld und dann auf der B75 Richtung Hamburg. Dort wurden wir seltsam umgeleitet und kamen wiederum durch nie gesehene, reichlich tiefergelegte Gebiete. Für den Tatort war es längst zu spät, aber das war auch so spannend genug.
Montag, 3. August 2015
After Work
Die neue Hitzewelle ist angenehmer. Trocken, und beim leisesten Fahrtwind nur noch schön. Wortlos und routiniert traf ich Anja um 19 Uhr an der Tanke. Wir bogen nach Eppendorf ab und steuerten zielstrebig das Arizona in Norderstedt an. Hier im Norden ist die Stadt leer und wir segelten im Abendlicht über die Vierspurigen. Nach dem Burger noch schnell eine Runde, denn es wird verdächtig früh dunkel. Quickborn, eine kleine, kurvige Neuentdeckung Richtung Westen, wo die Sonne mit Getöse verglühte. Pinneberg, schon mit Neonlicht, und in der Dämmerung auf der Schnellstraße bei Schenefeld noch mal genüsslich Gas stehen lassen. Herrlich, bei 28°, die einem durch die Jacke wehen.
Ausnahmsweise eine Karte
Sonntag, 2. August 2015
Annual VanVan Run 2015
Wittenberge hatte sich letzte Woche mit Bravour als Austragungsort für den VanVan Run 2015 qualifiziert. Bei bombigen Sonnenschein nahmen wir die westliche Elbuferroute. Die Vanvans waren zum ersten Mal hier, folgten der Strecke am Fluss entlang, von Dorf zu Dorf, wo man eh nur mit 80 Sachen fährt. Die Kurven durch die waldigen Hänge im Drawehn, schließlich die entrückte Buschigkeit des Wendlands, all das erlebten wir in nie geahnter Intensität. Bei Schnackenburg überquerten wir die Elbe mit der winzigen Fähre, schlichen auf Waldwegen bis zur B195, vor die Tore Wittenberges. Thomas traf aus Berlin ein parkte seine grüne VanVan dekorativ neben unseren vorm Goldenen Anker. Wenig später kamen auch die Berliner Gastfahrer auf ihrer R 100 dazu (und parkten mit einem höflichen Abstand). Wir verbrachten den Sommerabend zwischen Café's und feingemachten Industrieresten, und mussten uns mit dem Trinken enorm beeilen, denn um 22 Uhr wird der Ort ausgeschaltet. Gut, dass es am Beachclub noch ein Bier gab. Ausführlich, doch ohne abschließendes Verständnis erörterten wir die sich stets bewahrheitende Brandenburger Pampigkeit.
Sonntag, die Sonne platzte fast schon, besichtigten wir historische Industrie, fanden alles gut und trennten uns von den Berlinern. Wieder auf dem Westufer tasteten wir uns durch unbekannte Wege in der entlegensten Ecke Deutschlands. Im Nirvana zwischen Wahrenberg, Pollitz und Wanzer fließt die Zeit irgendwo in der Ferne vorbei. Die Sonne schien auf unsere doch recht schweren Köpfe, das Tempo der Vanvans war perfekt, um nie in Stress zu kommen, stattdessen leichten Fußes immer weiter durch das wuchtige Sommergrün und die duftenden Felder zu brummen. In Hitzacker fuhren wir beim kultigen Café Knigge vor, das machen wir ab jetzt immer. Es war jetzt nicht mehr viel zu tun, außer wach zu bleiben auf dem weiteren Weg. Lauenburg, danach doch noch eine Wurst am Zollenspieker. Müde saßen wir am Deich, schauten dem Treiben zu und ließen den Abend kommen. Er kam, blieb aber kurz und endete, nicht viel später, auf dem Balkon,
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