über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 26. August 2023

Fluffig introvertiert

Eine neue Frische war über Nacht aus Norden gekommen, mit Wind und sauberer Luft. Anja ging arbeiten, und ich in die Garage. Die 500X war genau richtig für diesen Tag. Ich fuhr nur mit eine ungefähren, nördlichen Idee los. Das Navi schaltete ich erst in Kaltenkirchen an, die dort im Hinterland versteckten Kurvenstrecken hatte die Honda ganz von selbst gefunden. Im weiteren Verlauf hatte sie sich scheinbar mit dem Tomtom abgestimmt und schob immer neue, immer verstecktere Wald- und Wiesenstrecken unter die Reifen. Fluffigkeit bestimmte alles, ich hatte nichts zu tun außer immer weiter zu fahren, allein, mal introvertiert, mal voll dabei, in grüner Augustfrische, querfeldein auf die Ostsee zu. Unterwegs fuhr in in Strukdorf einmal übers Gehöft, aber es schien verlassen. Der Endpunkt war Travemünde, dort waren viele Menschen, was mich fast überforderte. Halb nostalgisch, halb staunend erlaubte ich mir ein Cornetto-Nuss unter Touristen und plante eine ausschweifende, weiterhin sehr abwechslungsreiche Rückfahrt: Ein Stück Autobahn, dann kleinteilig durch die Feldmark bei Trenthorst, auf einsamen Landstraßen bis Schönberg, am Ende auf der Mittelalterpiste zwischen Siek und Rahlstedt, im Stehen mit 60 Sachen. Abends hielt ich Anja Vorträge über Honda, und wie toll alles ist.



Montag, 21. August 2023

Kilometerrausch

Langes Wochenende - ab nach Hörden. Das könnte inzwischen Routine sein, aber dieses Abenteuer begann z.B. gleich am Rangierbahnhof Maschen, wo wir uns verfuhren wie noch nie. Auf den bekannten Heiderouten ging es dann nach Süden, wo es immer einsamer, heißer, staubiger und grauer wurde, und die Luft schließlich einen sirupartigen Aggregatszustand annahm. Immerhin, bei 95 Km/h waren 30 Grad einigermaßen auszuhalten, und mehr als die Cruiser entspannt laufen zu lassen, bis die Berge in Sicht kamen, brauchten wir nicht zu tun. Wir kamen rechtzeitig an, deckten uns mit Vorräten ein, und warteten auf eine Regenfront, die nicht kam.

Sonntag hatten wir alles: Sonne satt, Benzin auch, und Straßen zum Anbeten. Den Harz in West-Ost-Richtung durchqueren, das hatten wir lange nicht, und das ist tagfüllender als man denkt. Die umwerfende, schnelle Höhenstraße in dystopischer Kulisse im Westen, winkelige Kurven im Osten. Außer uns waren praktisch nur Bikes unterwegs, eine perfekte Welt. Es blieb Zeit für Exkursionen, z.B. einen Umweg durchs Bodetal. Oder die Stadt Sangerhausen, ganz am Ende im Südosten. Dort werden alle Vorurteile übertroffen. In goldenem Gegenlicht ging es durchs südliche Vorland zurück. Selbst das schnörkellose Stück Bundesstraße nach Sonderhausen wurde warmen Celluloidllook zum Highway. Als Showdown kam noch ein Umweg über den Sonnenstein, dann fuhren wir nach Hattdorf und bestellten Döner.

Ein freier Montag um nach Hamburg zu cruisen, daraus ließ sich was machen. Die Bergrennstrecke nach Claustal in der Morgenfrische, kurvig und flott nach Braunlage, Zwischenstopp bei Kucki, und Fotoshooting der Harzbahn in Drei Annen. Bis dahin waren es unfassbar gute Fahrten, voller Genuss und immer wieder mit Staunen, und es ging gerade erst los. Wir kurvten runter nach Wernigerode, ließen die Berge hinter uns und suchten uns eine unterhaltsame Route über den Huy, nach Möglichkeit autofrei östlich an Wolfsburg vorbei. Das klappte ganz gut und wir genossen es auch, mal freies Feld und Geraden zum Gleiten zu haben, dazu klare Luft zum Durchatmen. Es war Montag, aber davon war in der Fläche nichts zu spüren. Über Bodenteich und Uelzen ging die Route in vertrautes Gebiet über. Die besten Heidestrecken waren dabei, z.B. die von Eimke über Wriedel nach Amelinghausen. So war das bis zum Schluss kein Heimweg, sondern Tag 3 eines rauschenden Kilometerfests.




Sonntag, 13. August 2023

Wo niemand war.

Anja hatte konkrete Vorstellungen: McPom sollte es sein, auf kleinen Wegen. Das passte mir gut. Ich programmierte im kürzeste-Route Modus, wir füllten die Wasserflaschen auf und starteten die Hondas. Zunächst bretterten wir auf der Autobahn bis zur Grenze bei Gudow, die restliche Strecke war der totale Gegensatz. Hinter Kittlitz begann das Dorf-zu-Dorf Abenteuer. Verwunschene Plattenwege durchs Gebüsch, oder am Rande riesiger Felder, die meisten schon abgeerntet, oder gerade dabei. Das Grün der dicken Alleen wucherte als wäre Frühling, darunter knorpeliger Asphalt und summende Sommerwärme. Wenn mal wieder ein Stück Gravel kam, kommentierten wir es schon nicht mehr. Aber eine freie Landstraße zum Durchatmen zwischendurch nahmen wir dankbar an. Auf diese Weise kamen wir bis die Naherholungszone von Schwerin, umrundeten den See und erkundeten die weitläufige Leere einer Schweriner Plattenbausiedlung. Gleich nebenan ging es wieder durchs Dickicht, auf Landstraßen und mehr oder weniger gesperrten Waldwegen, wo niemand war, außer vielleicht einer lässigen Gruppe Simson-Freaks. Irgendwann war Spätnachmittag und unmerklich tauchten wieder vertraute Orte auf auf den Wegweisern auf. Wir nahmen noch die Deichstraße für das letzte Stück, alles andere wäre würdelos. Wir waren müde und total erfüllt von diesem Tag.





Sonntag, 6. August 2023

Milch und Honig

Der Sonntag war am Nachmittag gar nicht so übel. Wir hatten beide das Bedürfnis, mal wieder durch die Nordheide zu cruisen, ohne großes Konzept, einfach nur so, cruisen halt. Das ging gut los, die bekannte Strecke von Holtorfsloh nach Bispingen ist immer wieder unschlagbar, wenn man sie für sich allein hat. Beim Kaffee tauchten 2 Gewitterzellen auf dem Radarschirm auf. Mit einer harmlosen Planänderung würden wir aber ganz elegant zwischen ihnen durchflutschen und ins nördliche Land aus Milch und Honig gelangen. Das klappte nur so halb. Die Zellen hatten sich verbunden, aber zumindest gab es bei Winsen eine Stelle, wenn man da zu einem genau berechneten Zeitpunkt entschlossen durchstach, dann wäre es nichts als ein kurzer leichter Schauer. Irrerweise funktionierte diese Strategie. Fröstelnd, aber weitgehend trocken und total von uns selbst überzeugt erreichten wir sicheres Terrain.



Samstag, 5. August 2023

Wellness

Am Freitagnachmittag allein nach Hörden aufbrechen, das geht, mit der richtigen Einstellung und wenn man weiß wie. Die Autobahn überließ ich auf dem ersten Stück den Vierrädrigen, die sich dort im Stau genügsam aufreihten. Meine 500X rauschte auf der B3 nach Süden, Die Schauerzelle über Soltau würde rechnerisch rechtzeitig abziehen, und tat dies auch. Auf Nass juckelte ich das letzte Ende bis Fallingbostel, ab dort war die BAB frei, und ich auch. Mit jedem Kilometer lichtete sich der Himmel und der Verkehr, und die Mühsal transformierte zu einer Art Wellness bei 130 Km/h und Rückenwind. Gut gelaunt bog ich irgendwo bei Bockenem ab und schmiss mich in die ersten Kurven. Durchs Innerstetal kam ich in die Herzberge. Es war früher Abend, die Sonne schien und beim Edeka gab es Frikadellen. Dazu einfach Kartoffelsalat und eine Dose Bier, ich war allein.

Morgens zwitscherten die Vögel und ich studierte den Wetterverlauf. Es war besser, heute schon zurück zu fahren, aber bitte mit maximalem Umweg. Ich war allein, alles war möglich. In der Vormittagsfrische ging es durchs Eichsfeld bis in Sichtweite des Thüringer Waldes. Niemand außer mir war auf den Straßen, und das ging praktisch den ganzen Tag so weiter. In der Nähe von Witzenhausen kam ich über die Grenze, kurvte weiter durchs Werratal bis ins Wesergebirge. Im Tomtom hatte ich eine Strecke abseits der Hauptrouten programmiert. Orientierungslos und glücklich gab ich mich den saften Schwüngen, Wäldern und Wiesen hin, durchfuhr Orte, die freundlich und unbedeutend kamen und gingen. Im Rückspiegel sah ich manchmal Regenschauer, doch ich schaute nach vorn. Dort, in der Nähe vom Steinhuder Meer, war etwas Verkehr und die Ödnis der Tiefebene schon spürbar. Schneverdingen, das war schon fast Heimat. Sehr entspannt kam in in Hamburg an, wo ich von 3 Künstlerinnen empfangen wurde, die mich als Held feierten.