Alles hatte ein Ende: Der Oktober, das Licht, das lockere Leben. Jetzt kam: Dunkelheit, Lockdown, Saisonkennzeichen. Im Sattel der Himalayan fiel es allerdings schwer, das ganze Drama zu sehen. Die B4 rauschte herbstlich vorbei, die Luft war für die Rukkajacke genau richtig und auf den leeren Geraden hinter Quickborn lief die Maschine energisch und frei in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Fotomotiv geriet ich in einen schmucken Feldweg. Ich glaube, der war auch legal, aber aus den Büschen kamen immer wieder Wanderer und Hundebesitzer, zu denen suchte ich Abstand. Viel mehr war an diesem grauen Tag gar nicht nötig. Ich fuhr praktisch die selbe Strecke zurück in die Dämmerung, in die Stadt, die ihre Ampeln auf grün stellte und funkelte und glitzerte wie in den besten Zeiten.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 31. Oktober 2020
Samstag, 24. Oktober 2020
Luxus
Das Wochenende hatte 15 Grad und wir hatten es deshalb groß im Kalender vorgemerkt. Bei genauerer Betrachtung blieb nur ein Sonnabend, der als strahlender Oktobertag begann, während wir uns mühselig über Niendorf aus der Stadt herausquälten. Die allgemeine Endzeitstimmung hielt die Dosenfahrer nicht davon ab, alles zu verstopfen. Hinter Quickborn konnten die SR und die Mash unbeschwert in ihrem Lieblingstempo laufen. Es ging westlich über Barmstedt nach Elmshorn immer dahin, wo der Wind herkommt. Leider waren die richtig knallig herbstbunten Bäume nie da, wo wir sie inszenieren wollten, sondern am Rand von Neubausiedlungen und Baumärkten, was uns zu z.T. undankbaren Fotomanövern zwang. Die Sonne kam inzwischen nur noch Sekundenweise durch die Wolkendecke, und als wir in Kollmar einen Pappbecher Cappuccino tranken (an "Tisch 7"), war es schon richtig ungemütlich. Der Schauer auf dem Rückweg stand Pinneberg gut. Er verlief mild und vervollständigte das Bild der Luxusprobleme. Eins musste man dem Tag lassen, er vermittelte das Gefühl von Normalität. Mehr kann niemand wollen.
Sonntag, 18. Oktober 2020
Neues aus Neukoppel
Der Termin stand, und dass wir zu zweit auf der Himalayan unterwegs waren, hatte eigentlich nur praktische Gründe. Insgeheim erhofften wir uns gegenseitige Wärme. Das war im Verlauf gar nicht nötig, denn die guten alten Rukkaklamotten machten die Fahrt durch den frischen Oktobersonntag ganz angenehm, wenn auch etwas entkoppelt. Im Norden schien die Sonne fotogen auf das Land entlang der B75, die wir zügig abspulten. In Neukoppel gab es ein Meeting mit großen Ideen und umwerfenden Apfelkuchen. Wir stopften uns voll und brachen zeitig auf, um mit der Rückfahrt nicht in die Dämmerung zu geraten. Stattdessen blieb letztlich noch Zeit für einen genüsslichen Umweg auf der Nebenstrecke durchs Travetal in gut inszenierten Herbstfarben, über Meddewade, Pölitz, Lasbek. Dann kam Hamburg und die Bekloppten, die Garage, und wie freuten uns über die Gemütlichkeit, mit der dieser Sonntag zu Ende ging.
Samstag, 17. Oktober 2020
Typen
Knapp zweistellige Kühle, immerhin trocken. Ein Samstag im Oktober für mich allein. Ich machte mich fein und ließ die Bolt an. Es gab nicht das große Ziel, ich war schon zufrieden damit, gutaussehend durch die Stadt zu bollern und nebenbei die Autofahrer zu beobachten wie Tiere im Zoo. Strecken mit niedrigem Tempo waren am besten, wie z.B. die Deichstraße zum Zollenspieker, warum nicht! Ich kam dort frostfrei und gut gelaunt an. Kaum hatte ich meinen Cappuccino leer, traf ich einen Typen wieder, der hatte eine totschicke Interceptor Custom dabei, sowie seine Kumpels. Wir redeten literweise Benzin, später machten uns zu viert auf den Weg zurück in die Stadt zur Oldtimertankstelle. Dort waren noch mehr Typen mit coolen Bikes zum distanzierten Benzinreden. Im Grunde war es das schon, danach fuhren alle zu ihren Badewannen nach Hause. Für mich war es etwas ganz Ungewohntes, und das fand ich ganz angenehm.
Sonntag, 4. Oktober 2020
Gänsehaut
Der einsame Wolf kämpfte sich durch scharfen Westwind seinen Weg nach Süden frei. Er ließ die Bolt laufen, auf verlassenen Straßen, über endloses Land. Er hatte den Horizont fest im Blick und war selbst ganz froh, wie gut die Lederjacke wärmte, jetzt wo das Thermofutter drin war. Den Rest erledigte die lange Unterhose. Die Gänsehaut kam also nicht von der Kälte, sondern von den einmaligen Momenten, wenn z.B. die Straße in einem langen Schwung auf eine Kuppe führte, den Blick freigab auf das im Wechsellicht strahlende Land, und man das Gas eine Weile stehen lassen konnte. Es kamen mehrere Entscheidungspunkte, und immer hing ich noch einen Bogen dran. Ich war auf der Nebenstrecke bis nach Bispingen gekommen, fuhr die diagonale durch die Heide an die B3, bog dort nochmal ab um über Undeloh wieder auf die Ausgangsroute zu kommen. Und weil dass immer noch nicht reichte, fuhr ich bei Geesthacht auf die andere Seite und dachte, was für ein guter Tag. Dann gondelte ich bei Gegenwind auf der Deichstraße nach Hause.
Samstag, 3. Oktober 2020
Naher Osten.
Den Einheitsfeiertag wollten wir da feiern, wo er hingehört: Im nahen Osten. Dass die großspurig programmierte Schaalseeumrundung eine Nummer zu groß für diesen womöglich letzten milden Fahrtag war, wurde schon auf der Anfahrt klar. Bereits in Gudow brauchten wir die erste Kaffeepause. Aber die Große Sause war gar nicht nötig. Denn die unbekannten Verbindungswege im Grenzstreifen zwischen Langenlehsten, Lüttenmerk und Bretzin waren Weltklasse. Wo mal scharf geschossen wurde, schien heute die milchige Oktobersonne Sonne auf legale Schotterpisten und erstes Gelb. Dazwischen bahnten sich unsere Enduros ihren Weg, immer auf der Suche nach dem nächsten, noch besseren Fotospot. Durchs Tessin kamen wir nach Süden, querten die B5 und stießen in den Elbauen auf die B195. Die nahmen wir noch mit Schwung bis zur Grenze, und fanden heute die Wiedervereinigung mal richtig gut.


