über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 24. Mai 2015

Schöne lange Leere

Pfingstsonntag, auf dem Weg nach Norden. Im Kreis Stormarn, hinter Itzehoe, auf meiner heimlichen Lieblingsstrecke über Hochdonn nach Meldorf, schienen wir die einzigen bewegten Objekte in einem in digitaler Klarheit liegenden Standbild zu sein. Ruhig und gut sortiert rollten die Kilometer unter uns ab, zogen leblose Dörfer und die maroden Vorstädte Heides und Lunden vorbei. Unerwartet früh standen wir im überdrehten Trubel Friedrichstadts. Wir trafen gute Freunde, nahmen Unmengen Backfisch und Schokoladeneis  in uns auf, zogen erst die Jacken und dann die Fleecepullies aus. Die Rückfahrt hatte den selben angenehmen Flow. Die Straße lag lang und wissend vor uns, Wälder wucherten, Land breitete sich ins Weite, das Licht zog den Tag ins Endlose. Mit einem Schlenker über Glückstadt, Elmshorn und Wedel kamen wir in die Metropolenregion. Die irren Menschenmassen an der Elbe, und vor allem was mit ihnen im Inneren von Autos passiert, wirkten befremdlich nach der schönen langen Leere.

Samstag, 23. Mai 2015

Gruppendynamik

Samstagnachmittag. Wir warteten, bis sich die Wolkensuppe verzogen hatte, trafen Markus, mit seiner antiken G/S und machten uns auf den Weg nach Neukoppel. Ich führte den Tross über Ahrenburg, Lasbek, Pölitz usw.. Eine Route, über die ich schon lange nicht mehr nachdenken muss, und deren Dörfer ich kaum beim Namen kenne, die aber bei Mitreisenden immer gut ankommt. Das Blühen und duften am Wegensrand rettete über manch eisigen Windhauch hinweg. In Neukoppel, bei Telse,  war Windschatten, es gab spektakulären Mandelsplitterkuchen, und alles fühlte sich an wie Urlaub, der sich bis in den frühen Abend hinein zog. In fotogenem Abendlicht waren wir auf dem Rückweg, flüssig, entspannt auf leeren Straßen. Mit drei Leuten muss man Entscheidungen gruppendynamisch und basisdemokratisch fällen. Als Folge machten wir zwar keine Fotos,  fuhren aber ab Ahrensburg auf der Autobahn in die einkriechende Kälte, weil das schneller geht. Schnell nach Hause, Töpfe auf den Herd und die Heizung an, das ging ohne Diskussion.

Freitag, 22. Mai 2015

In der Stadt.

Am Freitagfeierabend traf ich mich mit Anja in Hammerbrook. Wir fuhren ca. 500 Meter weiter beim Italiener vor und bekamen (etwas widerwillig) eine Pizza, draußen unter der S-Bahnbrücke. Die Abende sind lang, und an warmen wie diesem dann kann man geleerte Straßen am Rand in der Abendsonne genießen. Elbbrücken, dann über die Peute, abprubt vom Industriegebiet in die Elbdeichidylle katapultiert, den Moorwerder umrundet. Im Westen, am Rand einer diffusen Dunstglocke, glühte filmreif die Skyline aus Kränen und Hochhäusern. An den brutalen Blocks Stillhorns vorbei, wieder in die goldbraune Hafenbeckenlandschaft hinein. Wir fuhren über die Kattwyk, dann wie im Museum Moorburg, dann wieder monströse Containeranlagen bis zum Horizont. Am Ende standen wir auf der Dradenau und die Sonne senkte sich über den Fluss in abartigsten Kitsch. Es war noch reichlich Zeit und Raum vorhanden, um über die Köhlbrandbrücke und die Hafencity zurück zu cruisen und die 50 Kilometer voll zu machen. Man hätte sogar noch beim Penny vorfahren können und Milch kaufen. So ist das, in der Stadt.

Samstag, 16. Mai 2015

Der Süden

Freitag war zwar Brückentag, aber die Sonne kam entgegen aller Beteuerungen erst nachmittags durch. Wir waren auf den Weg in den Süden, aber zunächst nur bis Schneverdingen gekommen, und wärmten uns im Motorraderlebniszentrum auf. Anja saß eine SR 400 probe, das sah gut aus. Als wir raus kamen, war die Welt wolkenlos. Die Abstände zwischen den Lastern waren groß, dazwischen rollten wir mit dem Highwaygefühl die B3 entlang, dass es nur hier gibt. Es ging bis Bergen, dann links ab, über ein paar Dörfer, und letztendlich landeten wir auf der B209, einer weiteren, durch endlose Wälder und über weite Hügel gelegten Schnur, an der entlang man sich durch den grünen Nachmittag hangelt. An einem im Wald versteckten See im Nahbereich von Amelinghausen trafen Kulturen aufeinander. Der Kaffee kostete mehr als in Hamburg City, aber das Ambiente war ostig. Das Beste war Sonne, die im Windschatten von hinten auf die Lederjacke brannte. Eigentlich hätte längst irgendwann Winsen ausgeschildert sein müssen. Das dachte ich immer wieder, wenn wir an immer kleineren Abzweigungen auf irgendwelchen mit Ach und Krach asphaltierten Feldwegen umher irrten. Durch ein Wunder fanden wir schließlich den Elbdeich. Hier war der Wind eisig, aber die Stadt war cool und nahm uns auf mit der Vertrautheit guter Freunde.
 

Donnerstag, 14. Mai 2015

Fokus

Am Himmelfahrt fand Anja einen Business-Grund, nach Reinfeld zu fahren. Wir nahen die langatmige B434 über Bramfeld, Sasel, Bergstedt, wo die Vorstadt niemals aufhört. Über dem freien Land wehte wieder der Westwind, und im Umkreis der Dörfer lagen jugendliche Schnapsleichen neben leergesoffenen Bollerwagen in den Bushäuschen. In Reinfeld fuhren wir beim ehemaligen Forstamt vor, regelten Dinge bei einer Tasse Kaffee, und fuhren zurück, noch bevor die Motoren ausgekühlt waren. Die Tage sind kalt, aber endlos lang, und es bestand kein Grund für den direkten Weg. Meddewade, Oldesloe, Pölitz, dann Lasbek, Hoisdorf, Ahrensburg. Unter fahlem Himmel, monotonem Grün und frischen Böen, aber ungeahnt flüssig und fokussiert, waren wir am Ende durchgefroren und zufrieden.

Dienstag, 12. Mai 2015

Arizona

Um 18:30 Uhr holte ich Anja in Eppendorf ab. Es war ein Montag mit einer kurzen Sommerhitze. Mühelos flossen wir in dünnem Verkehr nach Norden, am Flughafen entlang, bis zum Arizona in Garstedt. Der Blick wanderte immer wieder von den Ribs auf dem Teller zur Straße, wo vorbeifuhr, was eine lange Gabel und/oder einen lauten Auspuff hatte. Rechnung, danke, los. Die Umgehungsstraßen im Umkreis, zu dieser Zeit konnte man sie genussvoll durchgleiten. Waldstücke, Kuhwiesen. Die Luft war flauschig wie eine Fleecedecke, das Land maigrün und buschig. Die Maschinen fühlten sich geschmeidig an durch die dünnen Lederhandschuhe. Quickborn, über Dörfer im Dämmer nach Pinneberg. Selbst das war cool. Weiter Richtung Wedel, rauschende Allee. Zurück durch den Canyon, dann die Stadt, raumgreifend ausgestreckt, durchzogen von endlosen Vierspurigen im Abendrot, auf denen man gleichmütig dahinrollt, wie L.A. Thanks a lot, Montag.
 
 

Sonntag, 10. Mai 2015

Bissig, grell und wuchtig

Eine feucht-windige Ungemütlichkeit lag wieder über dem Wochenende. Erst am Sonntag kam ein bissiger Westwind und schob den Himmel frei. Neben dem Spießerpäärchen im Seat am Luftpumpdingsda fühlten wir uns einen Moment lang wie Einprozenter. Das war ganz angenehmen, denn wir waren auf dem Weg zum Bike-Weekend in Plön. Die B432 ist immer wieder faszinierend öde. Und voller lahmer Gurken, die ein prima Alibi abgeben, wenn man mit 75 Sachen den eisigen Wind absitzt. Hinter Segeberg dann die im Prinzip bekannte, aber immer wieder neu begeisternde, schwingende Straße über Blunk. Damsdorf, Stocksee, wuchtig grün und grell gelb. Das Treffen war überschaubar. Ratlos tranken wir Kaffee zwischen Outlawkutten, Heavyrock und Plönbewohnern mit Rollator. Zurück über Eutin, Ahrensbök, Langniendorf, voller Erinnerungen an flirrende Sommerabende. In der Tat schien in mancher Senke eine kurze, wohlige Wärme die Finger aufzutauen. Auf der B75 war dann alles beim alten. Familienkutschen im Halbschlaf, scharfer Wind aus Nordwest. Am Abend schien die Sonne durchs Fenster, aber die Wollsocken behielten wir erstmal an.
 

Sonntag, 3. Mai 2015

Heraus zum ersten Mai

Das lange Erstermaiwochenende war unplanbar, die Vorhersage war durchweg unbrauchbar. Am Freitag wehte ein kalter Wind durch die tote Stadt. Wir kurvten mit den Vanvans durch erstarrte Hafenanlagen, guckten Schiffe, bekamen Kaffeedurst und fuhren vor einem nervigen Touristencafé in der Hafencity vor.
Samstag war es erst trüb, aber am Nachmittag war uns nach dicken Maschinen. Wir zogen Fleecepullis an und rollten ein Stück die B4 hoch, nicht weit, nahmen eine namenlose Querverbindung Richtung Henstedt. Und da war es, ganz kurz! Das Gefühl - ein Stück durch die Wiesen, mit dem Wind im Gesicht, eine Kurvenkombination. Das Leben war sehr schön.
Sonntag hatten wir uns auf Innenaktivitäten eingestellt, als ich gelangweilt mit dem Smartphone rumspielte und ungläubig das Wetterapp neu startete. Sonne, 18 Grad oder was. Kurz drauf schnurrten wir erstmalig die B75 entlang nach Norden. Keine Umwege, einfach fahren, scheiß auf die Autos. Reinfeld, dann durch Wald und Wiese, grün, hell, blütenweiß und gelbestes Gelb. In Strukdorf bekamen wir Kaffee und Neues aus Istanbul. Dann eskortierte Horst uns 'irgendwie rüber Richtung Bramstedt'. De facto fuhren wir orientierungs seiner schnittigen Integra hinterher. Es ging über Orte mit bescheuerten Namen, die ich auch nachher nicht auf der Karte wiederfinden konnte, durch nie dagewesene Alleen, Wälder, verschlagene Wege am Rande der Legalität (teils darüber hinaus) in Farben, die allein Horsts Warnweste toppen konnte. Wir trennten uns kurz vor Hartenholm. Inzwischen war es diesig geworden, In Hamburg war die Luft grau und staubig, hektische warme Böen kamen aus Westen, wie man es aus vergangenen Sommern kennt. Für Anfang Mai war das okay.