über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 28. Mai 2022

Himmelfahren

Langes Wochenende:  Väterinnendonnerstag AKA Himmelfahrt. Ich guckte aufs Radar und nahm gleich die Honda mit den Heizgriffen. Anja montierte eine coole Sissibar an die Rebel, zog warme Socken an und gab Gas. Es ging auf gerader Linie nach Süden durch die Heide. Bispingen, Bergen Celle zogen ruhig und mit Rückenwind vorbei. Dann kam der immer wieder unbekannte Schleichweg zwischen Hildesheim, Peine und Salzgitter hindurch bis Holle. Auf Geschwindigkeit kam es nicht an, wir mussten  nur rechtzeitig in Hörden sein, um dort Rembert zu empfangen. Es dauerte nicht lange bis die Slim zu hören war. Ein Alkfreies in Leder, dann fuhren wir zur dorthin zur Pizzeria, wo Osterode noch richtig tiefergelegt war.

Freitag verabschiedeten wir Rembert auf seinem Weg ins Münsterland. Den Rest des Tages verbrachten wir in örtlichem Bau- und Supermärkten. Die Leute wirkten allesamt doof und das Kabel war zu kurz. Uns konnte das nicht stören, denn wir hatten noch einen langen Abend auf den einsamen Landstraßen des Eichsfelds. In perfekter Beleuchtung schwangen wir über die Hügel, bis es kühl wurde.

Samstag war klar, das wir den Sonntag absagen würden, wegen der Regenfront. In Vormittagsfrische kurvten wir über den Harz, auf der anderen Seite hatten wir einen Termin in Halberstadt. Das sah alles gut aus, aber auf der Wetterkarte kamen die Einschläge näher. Auf der B79 ging es in Sichtweite an einer Schauerzelle vorbei, dann schnurstracks gegen den Sturm an nach Braunschweig, das wir auf der Stadtautobahn durchfuhren. Die Fahrt ging schnörkellos weiter bis Celle, von da auf der B3 nach Hause. Ich hatte die Griffe an und igelte mich hinter der Windschutzscheibe ein. Anja war auf der Rebel schutzlos dem unerbittlichem Nordweststurm ausgesetzt. Mehrfach fragte ich über Funk nach, aber sie behauptete stets, alles sein kein Problem, und ich solle mich nicht so anstellen. Nach und nach realisierte ich, dass das an der Sissibar lag. Auf der letzten Meile, Höhe Wilhelmsburg, erwischte uns ein fieser Starkschauer. Ich schaute in den Rückspiegel, Anja blieb am Gas.





Montag, 23. Mai 2022

Das reelle Ding

Feierabend, schnell ein Käsebrot, wartend bis der Verkehr der Bekloppten sich lichtet. Dann die Lederjacke anziehen und die Bolt anlassen. Um den Abend musste ich mir keine Sorgen machen, er war lang und warm. Ich fuhr über Schnelsen aus der Stadt raus, auf die B4. Bei 85 Sachen richtete ich mir ein flauschiges Fahrtwindkissen ein, sog das warme Streiflicht in mich auf, dass den Asphalt glänzen ließ, der mir allein gehörte. Die Route im Navi war kacke, der Bauch wusste es besser. Einfach links von Hoffnung einen improvisierten Kreis über die einsam in einer grünsamtigen, parkartigen Landschaft liegenden Straßen cruisen. Das war das einzig reelle Ding, das es je gab.



Sonntag, 15. Mai 2022

Pusteblumen

Der Sonntag kam wie aus einer heilen Welt. Frisch, hell, und kristallklar begann schon der Tag, und bis zum Schluss trübte kein Wölkchen oder Gedanke das Bild. In lässigem Style rollten unsere Cruiser durch Geesthacht und Lauenburg. Auf der B5 gefiel mir die Idee, einfach immer weiter zu fahren, auf der herrlichen, endlosen Allee. Kurz darauf meldete sich Anja per Funk. Sie wollte zwar nicht bis ans Ende der Welt, aber warum nicht z.B. mal nach Ludwigslust? Die B195 sparten wir und kurzerhand für den Rückweg auf. In Lulu gab es die bekannten Ziegelbauten, ein Schloss mit großen Fest und, wer hätte das gedacht, Menschen im Überfluss. Dazu echte Sommerwärme, durch die wir in viel zu warmer Funktionswäsche stapfend die Stadt erkundeten. Das Stück nach Süden bis Dömitz war eine enge Allee mit dicken Bäumen, unbekannt und doch vertraut. Dann die Rückroute über die einsame B195, ein unschlagbarer Klassiker im warmen Nachmittagsflirrlicht.  Mit kaum mal schneller als 80 Sachen schwangen wir frei von Sorgen durch den Sonntag. Später, am Elbdeich, gab es noch ein Alkoholfreies unter Pusteblumen. Einen Moment lang war alles klar.



Sonntag, 8. Mai 2022

Bermuda

Anja musste erneut abgeholt werden, diesmal bei Heike in Lübeck St. Lorenz-Nord. Sie war als Selbstfahrerin da, was bedeutete, ich konnte am Samstagnachmittag entspannt die Bolt satteln und mich auf einen schönen Umweg dorthin machen. Ich wusste, es waren Schauerzellen auf dem Radar und nahm eine sichere,  maximal östliche Route über Schwarzenbek, Mölln usw.. Es kam aber der Punkt, an dem das Grau vor mir echt bedenklich aussah. Tatsächlich hatte sich über Lübeck ein Regengebiet gebildet, dass ich durchziehen ließ, indem ich vollkommen absurde Ausweichmanöver bis ganz nach Wakendorf II unternahm. Es funktionierte, aber es war albern, denn das Unwetter waren nur einzelne, unmotivierte Tropfen, wie ich später erfuhr. Ich sammelte Anja ein und wir cruisten noch beherzt (aber orientierungslos) auf unbekannten Wegen im Bermudadreieck Arfrade-Dissau-Reinsbek umher, fielen in Strukdorf ein und verbrachten einen fröhlichen Abend mit den Üblichen Verdächtigen.

Sonntag begleitete Horst uns ein Stück auf seiner NC. Die programmierte Route funktionierte perfekt, es ging bei bestem Wetter über das grünende Land Richtung Osten. Ratzeburg durchfuhren wir nur, viel besser waren die Landstraßen durch das dahinter vergessene Grenzgebiet zwischen Mölln und Kittlitz. Dass ich mich verfranst hatte, bemerkte keiner. Es war auch egal, denn Horst kannte ein spitzenmäßiges Gartencafé und bezahlte auch den Kuchen. Wir trennten uns dort, Anja und ich drehten eine weitere unfreiwillige Runde über Salem, kamen letztlich auf die unvergleichlich schön und einsam in der Spätnachmittagssonne liegenden Straße von Zarrentin über Gudow nach Büchen. Zum Abschluss gönnten wir uns noch die Deichstraße, müde und zufrieden, fast so wie damals im Sommer.



Montag, 2. Mai 2022

Halberstadt

Als Teil der Großen Strategie lag eine Besichtigung Halberstadts an. Beinahe wären wir mit der Bimmelbahn gefahren, aber das Wetter war letztlich gut genug für eine Fahrt auf der weißen Honda, mit langen Unterhosen und Heizgriffen. Auf der Autobahn nach Lüneburg verloren wir nicht viel Zeit, es folgte ein Stück B4, die wir seit Jahrzehnten meiden, die heute, am Sonntag, aber flüssig zu fahren war. Die Route führte diagonal über Wittingen, am Rande Wolfsburg entlang und es war schön, wie nach und nach die ersten Harzausläufer spürbar wurden. Das letzte Stück auf der B79 waren reiner Genuss, es war niemand unterwegs außer uns. Das setzte sich dann auch so in Halberstadt fort. Es hat ein spektakuläres Stadtbild, aber kaum einen Menschen, geschweige denn ein Café für einen Sundowner.

Sonntag war schon Montag, aber das war so geplant. Wir versuchten, großräumig alles zu umfahren. Das gelang perfekt auf einer raffiniert gelegten Route über den Huy, durch das Allertal, den Drömling, auf enorm abwechslungsreichen Landstraßen über Völpke, Köckte, Klötze, Clenze bis hoch ins Wendland. Die Sonne schien mit Wucht auf den sprießenden Frühling. Über Pudripp und Plumbohm kamen wir an die Elbuferstraße. Mit dem Privileg des Montagsfahrers nahm ich das verbotene Stück durch die Berge bei Hitzacker. Danach schaltete ich das Navi aus, und fuhr nach Hause wie seit Jahrzehnten.



Sonntag, 1. Mai 2022

Muss abgeholt werden.

Anja war die ganze Nacht in Neukoppel. Um sie abzuholen, hatte ich am Samstag gegen Mittag ihre Sachen ins Schreckliche Topcase gepackt und trieb die Honda auf der mittleren Spur die A1 entlang. Das ging sehr gut, flüssig, tat meinem Kopf gut und dauerte nicht lang. Ich fand Anja beim Buchsbaumschneiden in Telses Garten. Für mich gab es auch Arbeit in Form eines Hängemattentests. Einige Tassen Kaffee später waren wir unterwegs auf einer äußerst kleinteiligen, 'kürzesten Route' durch Stormarn. Dabei kamen wieder Verbindungswege durch die Feldmark zum Vorschein, die uns staunen ließen. Höhepunkte waren die Entdeckung des Duvenseer Moores und die mittelalterliche Katzenkopfpiste durch den Wald bei Linau. Wir kamen bei Bergedorf an den Rand der Zivilisation, gaben kurz Gas und waren zurück in unserer Welt.