über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 26. Juli 2025

Unterwerfung

Tomtom hatte nach eigenem Ermessen eine 'spannende Route' erarbeitet mit dem Ziel Desenberg bei Daseburg. Dieser Modus kann hier im Umkreis seine Stärke voll ausspielen, dafür muss man nicht mal früh aufstehen. Er führte uns auf Serpentinen durch den Wald zur Weserfähre in Hemeln, und von dort auf Hochebenen mit spitzen Kuppen am Horizont. Die Fahrt war unbeschwert, frei, abwechslungsreich. Wir staunten im Diemeltal und erreichten den seltsam in der Ebene stehenden Burgberg. Die ganze Welt lag hier zu Füßen. Die Rückfahrt hatte einen Wegpunkt am nächstgelegenen Eiscafé Venezia. Wir brauchten extrem dringend je einen monströsen Eiskaffee, dafür war uns Volkmarsen recht. Der Rest war wieder Tomtom's Entscheidung. Wir unterwarfen uns willig seinen Anweisungen, irgendwelchen Dorfstraßen zu folgen, die dann verschlungen über den nächsten Berg führten. Nur zum Schluss griffen wir ein: Auf der ganz und gar freien B80 glitten wir in kühlendem Schatten durchs Wesertal, und dann in gleicher Manier über die elegant-sportlichen Kurven des Solling bis vor die Haustür. Wir mussten uns vergegenwärtigen, dass wir heute nur in einem Radius von 100 Kilometern unterwegs waren und dafür einen perfekten Tag bekommen hatten. Die Sonne sank hinter den gegenüberliegenden Wohnblock. Mehr kann niemand wollen.




Mittwoch, 23. Juli 2025

Ich hab's geschafft.

Nix Dolles: Honda in Göttingen abholen und nach Northeim überführen. 20 Kilometer. Biegt man aber in Bovenden ab, fährt kurz die Serpentinen zur Burg Plesse hoch, bewundert die gelbe Abendsonne über dem breiten Tal, spannt einen kurvigen Zickzack über Billingshausen - Spanbek - Bühle, ganz allein im Feierabendverkehr, den es nicht gibt. Also wenn man das kann, und in nicht einmal einer Stunde so viel Lebensqualität bekommt, dann weiß man: Ich hab's geschafft.



Dienstag, 22. Juli 2025

Bis ans Ende des Westens

Miniurlaub, Exkursion, Studienreise. Egal, jedenfalls hatten wir 4 Tage Zeit um an den äußersten Westzipfel des Landes zu gelangen, und darüber hinaus. Auf dem Display war der Weg zwischen hier (Northeim) und da (irgendwo bei Aachen) ein einziger Kurvenrausch. Es ging auf 'kurviger Route' nördlich um Kassel herum über Korbach und dann Richtung Sauerland. Da waren schon viele gute Momente dabei, aber auch viele Autos und blasses Licht aus diffusen Wolken. Das Sauerland ist ein stattliches Mittelgebirge mit weiten Schwüngen, vielen 50er Strecken und zugewucherten Ausblicken. Der dichte Verkehr gibt unbeirrt Vollgas. Ermüdet kamen wir in den Westerwald, der sehr dicht besiedelt ist. In der Nachmittagshitze gurkten wir in Autokolonne von einer Ortschaft zur nächsten, dazwischen gab es vielleicht ein paar Kilometer mit 70er Limit. In Bad Honnef checkten wir ein und bestellten ein Bier am Rhein.

Am nächsten Morgen, auf der anderen Rheinseite, ging es durchs genauso zersiedeltes Hinterland von Bonn. Irgendwann war der letzte Vorort und das letzte Einkaufszentrum passé und die Eifel lag vor uns. Mit ermutigendem Freiheitsgefühl ließen wir die Maschinen über die Hügel rollen. Am Bikertreff hatten wir die kleinsten Bikes und die weiteste Anreise, Respekt! Einen Cappuccino lang philosophierten wir über den Rheinischen Humor. Dann ging es weiter, bis es nicht mehr weiter ging. Hinter einem sauberen Siedlungsdorf begann ein seltsamer, wilder Wald. Wir spürten, das war Belgischer Boden. Allerdings ist hier alles durcheinander: Deutsche Schilder, Französische Namen und Niederländische Bauten. In Verviers, und erst recht in Liége, war dann alles wie im Urlaub. Vorsichtig testeten wir uns durch den Verkehr und bestaunten eine verfallene Kirche aus den 70ern, die Anja aus Insta kannte. Unser Hauptziel war eine Mittelalterburg in der Nähe von Aachen, die wir auf einem Hohlweg erreichten, für den man etwas Mut brauchte. Die Burg gehört Michaela. Sie zeigte uns ihr Zuhause und gab uns alkoholfreies Leffe. Wir verbrachten einen warmen Sommerabend in Aachen, an dem wir viel über Altbauten lernten. In Aachen gibt es Himmel und Ääd,  und außerdem ist man dort sonst nie.

Den Sonntag planten wir kurzentschlossen um, zugunsten einer entspannten Ganztagstour durch die Eifel. Startpunkt war der Hambacher Tagebau, eine dystopisch monströse Abbruchlandschaft, an der wir uns nicht sattsehen konnten. Die anschließende Fahrt war ein langer, unbeschwerter Traum aus freien, kurvigen Straßen und grünen Hügeln der Eifel. In perfektem Flow ging es nach Südosten, und als wir den Wegweiser nach Marmagen sahen, hängten wir noch einen nostalgischen Umweg an. Das Ahrtal kannten wir aus den Nachrichten. In ihm verläuft heute eine perfekte Kurvenstrecke bis in die Nähe von Maria Laach. Alles lief bislang so easy, dass wir wir uns auf das touristisch perfektionierte Gelände wagten (Motorräder parken kostenlos) und die Christenbauten bestaunten. Am Rhein war die Eifel zu Ende. Wir stiegen in in einem altmodischem Hotel in Andernach ab, das war genau nach unserem Geschmack. Der Fluss glänzte im Sonnenuntergang wie Lava und die Stadt trauerte der Epoche III nach.

Montag war die letzte Chance, trocken nach Northeim zurückzukehren, daher richteten wir uns mental auf langweilige Bundesstraßen ein. Entgegen der Erwartungen waren diese jedoch bestens in die Landschaft gelegt, mit prächtigen Ausblicken und eleganten Kurven. An wichtigen Stellen waren sie vierspurig, so dass man störende LKWs überholen konnte und eine Weile frei atmen konnte. So rauschten zielstrebig wir durch den Westerwald, das Rothaargebirge über Biedenkopf und Frankenberg und zum Schluss auf abwegigen Nebenstrecken über die spitzkuppige nordhessische Vulkanlandschaft in vertrautes Land. Es leuchtete golden in der heißen Abendsonne. Eine Gewitterzelle machte einen Bogen um uns. alles sollte schön sein. Dieses Ziel wurde erreicht.



Sonntag, 20. Juli 2025

Kunstoutsider

Entgegen allem Unken kam Sonntag das übliche, schwerwarme Sommerwetter und machte die Bahn frei nach Büdelsdorf. Wir trugen Fußgängerjeans, ich eine coole, ungepolsterte Lederjacke, Jethelm, Sonnenbrille. Perfekter Match zum Design der Z. So wäre man 1972 gefahren, als Outsider, da war ich mir sicher. Die Z bot mir das genau richtige, physische Erlebnis mit viel Wind und Motor. Die Fahrt war insgesamt ein zielgerichtetes Dahingleiten auf den Geraden der B4, sogar ein freiwilliges Stück Autobahn war dabei. Unsere Verspätung verzieh man uns, weil wir so gut aussahen. Wir besichtigten NordArt und waren auch dieses Mal wieder froh, dass es sowas noch gibt. Die Rückfahrt stand im Zeichen der Gewitterzellenbeobachtung und stabiler Hoffnung. Erst zügig auf Schnellstraßen, dann beherzt über unsinnige Umwege bis an den Stadtrand bei Norderstedt. Lässige Einfahrt in die heiße Stadt, den Verkehr ignorieren, sich als Outsider fühlen.


Samstag, 19. Juli 2025

Reisende

Für den Samstag allein mit der Z in Hamburg hatte ich mir die Elbuferstraße ausgesucht. Viele Möglichkeiten gab es hier eh nicht. Total überrascht war ich, als Rembert spontan einem Treffen in Wittenberge zusagte. Der Termin war schon um 13 Uhr, ich musste zügig durchkommen. D.h. Autobahn bis Geesthacht, ohne Windschild mit noch erträglichen 120 Sachen, dann die B5, so wie seit Jahrzehnten. Ich blieb auf der B5, wo man normalerweise auf die kurvige B195 abbiegt. Das hatte was, ich hatte es fast vergessen. Gleichförmig schnurrte die Kawasaki den schnurgeraden, verkehrsfreien Highway entlang, die Stücke zwischen den Ortschaften sind gewaltig. Trotzdem kam ich zu spät. Rembert wartete schwitzend am Rande einen Ruderwettbewerbs. Ihm machte die Hitze nichts aus, den er hatte auf einer eine Umrundung der Iberischen Halbinsel an Wüstentemperatur angepasst. Seine Glide trug würdevoll den Staub von 7000 Kilometern. Wir ließen eine Schüssel Soljanka kommen und tauschten die wichtigsten Infos aus, dann trennten wir uns in Perleberg. Auf dem Rückweg konnte ich mir ein paar Nebenstrecken durch die Elbauen nicht verkneifen. Die Sonne schien auf heißen Asphalt, der Fahrtwind war herrlich und zu Hause wartete schon Besuch. Ich kam wieder zu spät, das mussten alle verstehen.



Dienstag, 15. Juli 2025

Bürokram

Anja war abgereist, der Regen auch. Übrig blieb ein sonniger Nachmittag für mich und die Honda. Warum nicht mal was Praktisches: Die Honda gründlich waschen, dann Fahrt nach Kassel, Homeoffice Kram bei Ikea holen, und mit Überbreite durchs Hügelland zurück. Das sah als Konzept charmant aus, und das hätte auf der Autobahn auch vielleicht geklappt. Ich wollte aber die B3 über Hann Münden, die hat nämlich echte Highlights. Aber dann stauten sich die Autos, und auf dem Tomtom erschien ein Sperrsymbol. Ich drehte um und wich irgendwelche auf Nebenstraßen aus. Kurze Zeit später befand ich mich auf semi-asphaltierten Waldwegen, wo die Vögel zwitscherten. Ikea war kein Thema mehr. Ich gab mich den Serpentinen hin, die hinunter ins Wesertal führten, In Bursfelde war ein Kloster und in Fürstenberg Porzellan. Wo sich das Tal weitete, kam eine bedrohliche diffuse Masse aus Westen. Ich verlor keine Zeit und hechtete über Neuhaus Richtung Uslar. Ganz allein auf den schnittigen Straßen im Solling, etwas zu schnell, hinter mir Grau, vorne die Sonne. Da gäbe es Schlimmeres. Bürokram bei Ikea kaufen, zum Beispiel.



Montag, 7. Juli 2025

Wochenende

Um 22 Uhr Anja abholen, Göttingen Hbf.  Das stand im Kalender, und das ließ sich einrichten. Gerne nicht auf der B3, lieber linksleinisch am Hang entlang, im Sunset, der dass das gelbe Gras leuchten ließ. In Göttingen war viel los. Anja stieg vom ICE direkt auf den Rücksitz der 500X. Auf der Schnellstraße rauschten wir mit der Dämmerung ins Wochenende.

Wie so oft begann der Samstag bei Louis in Göttingen. Anja hatte sich so hartnäckig über das Schreckliche Topcase der Honda beschwert - immerhin hatte sie es beim Hinterherfahren immer vor der Nase. Jetzt bekam die 500X eine Alukiste im GS Style. Um diese unter Echtweltbedingungen zu testen, lieferte ich nicht Pizzas aus, sondern packte unseren Kram hinein und programmierte eine große Runde durchs Eichsfeld ins Navi. Dort sind praktisch alle Strecken erstklassig und zeigen die Landschaft von ihrer besten Seite. Die Honda und die Royal Enfield schwangen leichtfüßig über Berg und Tal bis an den Rand von Heiligenstadt, dann Wörbis, und zwar meist auf verwegenen Nebenstrecken und brennender Sonne. Ein entdeckter Weg herum um den Ayers Rock in Holungen wurde erst offroad und endete im Nichts. Am Horizont waren das Harzmassiv zu sehen. Dort lockten frische Temperatur, schneidige Kurven und immer wieder die unschlagbare Panoramastrecke. Vor allem aber: Zwei halbe Hahn beim Wienerwald am Torfhaus. Gibt's dort wirklich. Als Bonus gab es noch die Rennstrecke hinunter nach Bad Ground. Die Bäuche waren voll, die Tanks fast leer, der Tag war wieder perfekt und manchmal fragt man sich, wo der Haken ist.

Der Sonntag war wechselnd diesig und uneindeutig. Das ist manchmal gut, um z.B. einen Falkenhof in Bad Sachsa zu besichtigen. Dorthin könnte man auf der Schnellstraße rauschen, oder besser kurvig über Bilshausen, Gieboldeshausen, Ruhmspringe, das macht aus jedem Tag Urlaub. Im Falkenhof waren beeindruckende Eulen, Adler und natürlich Falken. Die Adler guckten grimmig, waren aber angebunden. Für die Rückfahrt berechneten wir einen krassen Nebenstreckenkurs, um vor der Regenzelle in Northeim zu sein. Das klappte, war aber unnötig. Der Regen war zum Lachen, was wir auch taten.




Donnerstag, 3. Juli 2025

Gut so.

Northeim, allein am Donnerstag. Im Hinterland von Nörten-Hardenberg gibt es eine Strecke, die ist live noch besser als auf dem Bildschirm. Ideale, weite Slalomkurven und interessanter Belag. Weiter über Bodensee, Wulften, introvertiertes Angasen auf einsamen Landstraßen. Einen Dönerteller (Huhn) mit Tsaziki in Hattdorf bestellen, dann die gleiche Tour nochmal zurück im sanften Abendlicht. So ist es gut, hier will ich sein.