über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 27. April 2014

Das große Fressen

Es war schon zum Frühstück Sommer, ein Supertag, eine Sensation, jetzt war alles drin. Wegen des Gegenwindes krochen wir die Deichstraße entlang und brauchten in der toten Stadt Lauenburg ASAP einen Cappuccino im Pappbecher. Das war an der Tanke, die sich vor unseren Augen zu einem deftigen Bikertreff verwandelte. Alle wollten auf der B195 durch die Elbauen, wir auch. In umgekehrter Richtung kennt man nicht jede Perspektive schon auswendig, und so genossen wir die 80 Sachen, mit denen der flirrend grüne Tunnel über uns hinweg zog. Die Straße war dann doch ganz und gar leer, seit zig Kilometern rollten wir, ohne einmal runter zu schalten. Dömitz war schneller da, als gewohnt. Wir saßen (schon wieder) an der Tanke auf der Holzbank und aßen mitgebrachte Brötchen. Ohne nachzudenken fuhren wir weiter, durch die immer enger werdende Allee bis Wittenberge. Die Brücke, dann endlich ein freies Stück Bundesstraße zum durchatmen. Das zog sich dann aber ganz schön, auch die Verbindung nach Arendsee, darüber  konnten auch die Rapsfelder und Altmarkkirchen nicht hinwegtäuschen. Die Kaffeepause in Lüchow war bereits letzte Not, und irgendwann später bemerkte Anja, dass wir auf dem besten Weg seien, die 400 Km zu knacken. Lünebureg, Lauenburg, zweiundzwanzig Grad. Willenlos, mit müden Knochen fraßen die Kilometer auf, längst satt, bis der Teller leer war wie unsere Köpfe.


Samstag, 26. April 2014

Staunen!

Mit großen Gleichmut quälten wir uns aus der Stadt heraus. Die Hände schwitzten in den Handschuhen, die Sonne blendete, es war Samstag, früher Nachmittag, später April. Wir hatten gesagt, irgendwas mit Mecklenburg, keine großen Pläne. Ein Stück Autobahn, dann bei Witzhave in die Gegend um Mölln. Das Land war wie aus dem Ei gepellt, bunt und sauber. Staunend glitten wir über die hügeligen Straßen im Lauenburgischen Grenzstreifen, und erkannten fast nichts wieder. Dass zwischen den Döfern viele Kilometer unbeschwerten Segelns liegen, dass es Kurven gibt, aus denen man mit Genuss rauszieht, und dann fährt, immer weiter, ohne dass die Finger doch irgendwann klamm werden, und ohne irgendein anderes Fahrzeug (seltsam!). Darüber kamen wir aus dem Staunen nicht raus. Bis Zarrentin, dort brauchten wir Kaffee am See. Alles war wie immer, aber neu entdeckt. Telse war am Telefon und lud uns spontan nach Neukoppel. Die buschige Holperstrecke nach Ratzeburg, die Querverbindung Richtung Oldesloe, gelbe Felder bis zum Horizont, oder weiße, ins Kitschige gehende Blüten am Straßenrand. Der Löwenzahn als Herrscher über alles. In Neukoppel gab es eine Hängematte, in der man vom Ostwind gewiegt wurde, und nochmals Kaffee. Auch die B75, zurück, war gespenstisch leer. Wir rollten einfach dahin, und der Amboss im Osten konnte uns nichts anhaben, und der im Süden zog vondann.

Montag, 21. April 2014

Nord

Erst waren wir in Wedel zum ausführlichen Beratungsgespräch über Nordfernziele, aber an diesem Ostersamstag ging es erst mal um den näheren Bereich im Nordwesten. Die Sonnenblende blieb heruntergeklappt, denn das Licht schien gleißend auf die farblosen Dörfer zwischen Elmshorn, Kellinghusen und Hohenweststedt. Aus Ost jagte ein heftiger Wind, so dass man nur ausnahmsweise mal ins Gleiten kam. Manchmal erhob sich ein Geestrücken aus der Ödnis der Marsch und brachte Momente der Fahrfreude. Dann lagen wieder baumlose Geraden und der Wind vor uns. Friedrichstadt war voller Touristen (zu recht!) aber auch Arschlöcher waren dabei. Gut, dass wir bei unseren Freunden in einem nicht all zu weit entfernten Ort erwartet und bestens untergebracht wurden.

Am Sonntag hatten wir uns eine gut aussehende Route durch den obersten Teil des Landes herausgesucht. Zuvor gerieten wir jedoch in Husum unfreiwillig in die Ausläufer des dortigen Mogo. Wir taten so, als ging all das uns nichts an (tut es ja auch nicht) und kämpften über Viöl und Jübeck gegen den atemlos über die traurige Landschaft peitschenden Ostwind an. Die Gegend war sehr sparsam, daran änderte auch die Sonne nichts. Sie schien machtlos auf menschenleere Orte, monoton und konturlos. Das Land ist hier so schmal, dass wir bald in die Nähe der Ostsee kamen. Bei Missunde überquerten wir die Schlei mit einer Seilfähre. In der Nähe von Eckernförde gibt es ein prächtiges Mittelgebirge, das in der Nachmittagssonne maigrün leuchtete (im April). Aber der Wind kam übers Meer direkt aus Sibirien und wir waren froh, als wir ihn endlich im Rücken hatten. Auf dem Weg nach Erfte sah es dann wieder aus wir in Holland. Zum Glück hatte der Lidl noch auf, so dass wir nicht mit leeren Händen bei unseren Gastgebern aufschlugen.
Ostermontag: Der Regen sollte angeblich gegen Mittag verschwinden, tatsächlich kam er gar nicht. Nur milchige Wolken und nach wie vor der scharfe Ost begleiteten und auf dem Rückweg die grenzenlos monotone B5. Heide, Meldorf, Brunsbüttel - trübe Orte, die erst unter fahlem Grau ihre vollendete Tristesse entfalten. Wir nahmen den Weg über Brokdorf, Glückstadt, Elmshorn, nunmehr sonnig. Der Schluss war ein wilder Slalom zwischen weit sichtbaren Schauerzellen hindurch (mit Erfolg!), der uns bis in ungeahnte Ecken Pinnebergs verschlug.

Sonntag, 13. April 2014

Befriedigung

Der Sonntag war sehr sonnig und sehr frisch, die Stadt schläfrig, und das passte gut. Wir saßen zu zweit auf der blauen Vanvan und schlichen durch die Gassen St. Paulis. An einer Ecke fanden wir ein szeniges Café, wo man vorfahren konnte. Im Windschatten hielten wir es für einen schönen Tag.
Später ergab sich für mich noch eine Gelegenheit, mit dem Chopper eine beseelte Runde zu drehen. Die Kälte kroch eigentlich nicht, sondern wehte irgendwie durch den Kopf, was sehr befriedigend war.

Samstag, 12. April 2014

Introvertiert

Der Samstag war glänzend, und wir hatten ihn ganz für uns. Ohne groß nachzudenken cruisten wir durden Hafen, umgingen auf der neuen Umgehungsstraße unangestrengt Finkenwerder, bummelten brav in Kolonne durchs Alte Land, das blühte wie noch nie. In Grünendeich bogen wir zum Lüheanleger ab, parkten die Reiskocher zwischen funkelnagelneuen Wideglides und Superlows und bestellten Cappuccino. In der Sonne musste man fast die Jacke ausziehen. Hin und her gerissen bogen wir nach Westen ab, da waren zwar Wolken und reichlich Gegenwind, aber auch etwas freies Land, das brauchten wir sehr. Wir setzten mit der Wischhafenfähre über, danach hatten wir den Wind im Rücken. Die Strecke kennt man ja, sie ist eher was für introvertierte Momente. Gegen Ende ging und sie Geduld aus, wir nahmen die Autobahn ab Elmshorn und waren im Nu zu Hause.