Also ein bisschen mutig war es schon, noch einen Mittwoch frei zu nehmen, einfach so. Dass es um den wohl letzten Sommertag ging, hingen wir nicht an die große Glocke. Nach kurzer Fahrt war sofort alles klar: die Entscheidung war richtig, ach, alternativlos. Neulich sagte ich, die Elbuferstraße von damals hätte ausgedient. Das stimmte fürs Cruisen, relativierte sich aber für das heutige Mash/Himalayan-Duo. Ab Lauenburg war null Verkehr, wir gaben uns kurvigem Gebummel durch einem prallen Tag voller Sonne hin. Die holprigen Straßen kamen gerade recht, und als Highlight gab es die Verbotene Straße zwischen Darchau und Hitzacker. Sie führt über Berg und Tal durch den Wald, und heute war sie erlaubt. Danach hatten wir Zeit zum Dösen auf einer Elbwiese, Hornissen und Seeadler bewundernd, die Wärme genießend, die sich ganz und gar sommerlich anfühlte. Dazu kam das schelmische Gefühl, diesen prächtigen Tag gemopst zu haben wie eine Knackwurst aus dem Kühlschrank. Für die Rückfahrt nahmen wir nochmal die Bergstrecke, und navigierten durch unbekanntes Hinterland von Thomasburg, das super aussah, dann ging es zickzack zurück bis an den Elbdeich. Wir hatten überhaupt keinen Bock auf Feierabendverkehr in der Stadt. Stattdessen ergoogelten wir uns einen Dönerladen in Scharmbeck und warteten auf die Dämmerung. Sie kam früh, warm, und wir segelten zurück wie an einem Sommersonntag.
über 20 Jahre !!!
Mittwoch, 23. September 2020
Sonntag, 20. September 2020
Kein Picknick.
Nach einem Abend mit Freunden war es genau richtig, nichts weiter zu planen als eine belanglose Fahrt an irgendeinen Deich, mit Buch und Picknickdecke. Dafür war die SR gut. Die Mash sowieso. Blöd war der gesperrte Elbtunnel. Als Folge stauten sich nämlich die Dosenfahrer nicht nur in der gesamtem Stadt, sondern überall, wo es über die Elbe ging, also z.B. in Geesthacht oder Lauenburg. Unsere Idee vom Buch am Deich platzte unterwegs, und zurück ging es auch nicht mehr. Blieb der Sprung nach vorn, genauer gesagt nach Zarrentin, Kaffee trinken am See geht immer. Durch das Kopfsteinpflaster der Alten Salzstraße waren wir eh wach gerüttelt, die Strecke über Büchen und Gudow geht auch immer. Aus Angst vor den schrecklichen Autostaus, zirkelten wir eine Rückfahret ganz weit außen über Mölln und Nusse auf Bargteheide zu, um von hinten über Ammersbek schadlos in die Stadt zu kommen. Das ging, waren 200 Kilometer und die Autos standen immer noch.
Mittwoch, 16. September 2020
Das erste Mal
Es war sogar noch ein freier Tag übrig, ein Mittwoch, mit viel Sonne, und jetzt auch Anja. Ich nahm jetzt die Himalayan, denn wir fuhren nach McPom. Das erste Mal. Groß angelegter Bogen über Lauenburg, Büchen, Mölln. Dann per Navi ganz elegant auf Hohlwegen quer durchs staubige Land, bis schließlich Schönberg auftauchte und dann, nicht viel später, das Meer. An- und Abbaden im September, top. Wir machten die Rückfahrt genauso schön. Das Land sah im Schräglicht aus wie im Fernsehen. Wenn die Sonne brutal von vorne ins Visier stach, war davon aber nichts mehr zu sehen. Alles war egal, denn für uns zählte nur der Mittwoch am Meer.
Dienstag, 15. September 2020
Ich will cruisen.
Plötzlich wurde eine zweite Sommerwelle angesagt. Im System und fand ich noch reichlich Urlaubstage, klick klick klick, ich bin weg. Allein, cruisen, Anja verstand das. Es gab Strecken im Osten, die waren lang und weit. Die B218 bis Dannenberg, Lüchow, dann nach Salzwedel. Da löste es sich schon langsam auf. Gardelegen, Haldesleben, die Bolt in endloser Prärie durch den Tag laufen lassen, das war genau was ich wollte. Viel zu früh stand ich in Magdeburg vorm Hotel. Ich buchte das einzige Leihfahrrad der Stadt und fand sie gut.
Montag
Der Fläming sieht auf der Karte aus wie ein Mittelgebirge. In Wahrheit ist es ein kaum spürbarer Hügel, dafür mit leeren Straßen, die sich in weiten Bögen daran schmiegen. Ich durchfuhr Löburg, Wiesenburg und Belzig in sengender Sommerhitze, kam in eine bekanntere Region mit engen Alleen und besuchte Rembert im wohl beneidenswertesten Homeoffice aller Zeiten. In Lutherstadt Wittenberg hatte ich mir ein Zimmer gebucht. Bis dahin hatte ich viel Zeit. Es ging nochmals kreuz und Quer durch das Fläminggebirge, über unvorstellbare Holperpisten bei Wörlitz an den Rand einer anderen Landschaft im Süden, wo alles etwas tiefergelegt scheint. Die Lutherstadt war klasse, es war Sommer und man bekam sogar nach 21 Uhr noch einen Absacker.
Dienstag
Aufbruch in herrlicher Morgenfrische, kurz nach Acht. Das war unbeschwertes Schwingen über Zisar, Gentin, hoch nach Jericho. Ich wollte unbedingt nochmal diese Straße bei Wusterdamm fahren. Hätte ich doch bloß an der Tanke auch getankt, statt nur Cappuccino zu trinken. So machte ich noch eine Extratour nach Rathenow. Hinter Havelberg ging es auf den kleinen Buckelpisten in die glühenden Elbauen. In Bad Wilsnack gab es auch diesmal nichts, aber in Wittenberge war gerade Mittagspause, da machte ich mit. Dösend unter einem Baum kurz vor Dömitz merkte ich, dass ich meine Mütze irgendwo verbummelt hatte. Die einzige Chance bestand darin, bis Lüneburg und von da auf der unschlagbaren B209 nach Munster zu fahren, um im dortigen Army-Shop eine neue zu besorgen. Dass ich schon 400 Kilometer auf der Uhr hatte, merkte ich nicht mehr. Im Gegenteil, ich fuhr zur Belohnung noch auf ein Alkoholfreies nach Soltau. Erst dann rollte ich in vollster Zufriedenheit auf der B3 nach Hause.
Samstag, 5. September 2020
Zu Hause
Mit der Himalayan Deutschland zu explorieren war klasse. Dennoch: Cruisen ist eine andere Welt. Die Lederjacke passte noch und die Bolt fand von allein den Weg auf den Highway 3. Der Effekt setzte sogleich ein, willkommen zurück. Durch die Deutschlandtour wusste ich, wie es hinter Soltau aussieht, und so ließ ich die Maschine weiter gleiten bis Fallingbostel. Das hätte sehr entspannt sein können, mit vollem Tank. Ich war froh, in Dorfmark eine Classic Tankstelle zu finden und gönnte mir Super Plus und einen Cappuccino im Stehen. Allzulange durfte ich mich nicht aufhalten, daher war die Rückroute, grob nach Eigenorientierung in einem westlichen Bogen zusammenimprovisiert, eine Mischung aus auf-die-Uhr-gucken und sich-über-zu-viele-Dörfer-ärgern. Am Ende war ich auf der Autobahn und wäre beinahe im Elbtunnelstau verendet. Der Stadtverkehr war eine Qual. Als alles erledigt war, fuhr ich Fahrrad, wie alle anderen. Da fühlte ich mich wieder zu Hause.
Mittwoch, 2. September 2020
Germany 20
Deutschland sei ja eigentlich auch schön, und überhaupt. Das haben wir ja selber auch mal propagiert. Jetzt brachte Corona die Wahrheit an den Tag. Mit zwei Wochen Zeit und leichtem Gepäck wollten wir die Gegenden kleinteilig erkunden, wo man sonst nur vorbeirauscht und denkt, "das müsste man eigentlich mal kleinteilig erkunden!". Um eins vorweg zu nehmen: Es ist wirklich schön. Wir hakten ein Must-See nach dem anderen ab: Sämtliche bedeutenden Bilderbuch-Flusstäler, picobello Fachwerkstädte genauso wie Every German Innenstadt. Wir tranken lokales Bier und parkten mit Parkschein. Vor allem aber genossen wir die die Landstriche und Mittelgebirge dazwischen, die wir auf gekonnten, ganztägigen Routen durchstreiften. Ob letztlich Heidelberg, Nürnberg, Marburg, der Harz, das Weser- oder Rothaargebirge, die lange Fahrt durchs Fränkische oder die Araltanke in Rothenburg das Highlight war? Schwer zu sagen. Was bleibt, ist das Gefühl für die Gesamtheit, die Topographie, wo es herkommt und was es ist, dieses Land.
Die ausführliche Dokumentation demnächst auf diesem Kanal.



