Die Welt braucht Schönes, das war zu spüren, gerade jetzt. Ich nahm mir das zu Herzen, argumentierte mir das Thermometer zurecht, und sah ein, dass wahre Schönheit nicht mit Heizgriffen und Rukkasachen realisierbar ist. Stattdessen musste es die Lederjacke und -Hose sein, und die SR. Das ging zunächst besser als gedacht, zumal ich im Hafengebiet im schleppenden LKW Verkehr unterging und nur manchmal eine stille Ecke zum Gucken und für die Beherzigung der schwach glimmenden Sonne fand. Auf der Deichstraße nach Over schnurrte die Yamaha unbeschwert dahin. Der Tag war hell und ich fühlte mich frei. Mir war bewusst, dass ich ungenügend ausgestattet war, blieb aber am Gas, bis ich irgendwo abbiegen konnte, die Orientierung verlor zwischen Elbmarsch, Rangierbahnhof Maschen und allerlei Sperrungen. Letztlich verendete ich auf winzigen Wegen, die eher was für Fahrradfahrer waren. Irgendwie kam ich dennoch zurück in Stadt, durchgefroren meinen Beitrag leistend, zur dringend benötigten ästhetischen Aufwertung.
über 20 Jahre !!!
Montag, 21. Dezember 2020
Sonntag, 29. November 2020
Gemutlichkeit
Ende November, 4 Grad, einsetzende Dämmerung. Voller Vorfreude zog ich warme Sachen an und ließ die Himalayan an, den jetzt kam der Lohn für die Stunden, die ich in der Garage verbracht hatte, auf der aufreibenden Suche nach dem einzig richtigen, einzig passenden Verkabelungskonzept für die aus China importierten Hot Grips. Ich fuhr schnurstracks über die Elbbrücken auf die Autobahn, die Dunkelheit verfremdete alles wie einen überdrehten Film, durch den ich mich entkoppelt bewegte, mit knapp 100 Sachen auf der rechten Spur. Ich bog auf die A1 Richtung Moorfleet ab, Industrie funkelte eisig im All, die Griffe gaben Halt und Wärme. Ich rollte durch bis Glinde. Dort wollte ich nicht sein, drehte um und kam über die fahl erstarrenden Billbrooker Gewerbegebiete zurück in die Gemütlichkeit eines beheizten Sonntagabends.
Sonntag, 15. November 2020
Legitim
Die Sonne schien auf einmal wie verrückt. Marcus kam vorbei, ein legitimer Kontakt mit Helm und Handschuhen. Ich schaltete das Vio ein und führte das Trio durch den Hafen, am Deich entlang bis Fliegenberg, dann südlich in die Heide. Strecken, für die man natürlich kein Navi braucht. Aber, auf die Weise baute immer wieder gekonnt aussehende Extrafahrten und Querverbindungen in die Route ein. Es ging über Salzhausen in einem großen Halbkreis durchs Hinterland von Winsen. Spätestens am Gut Schneder war ich dem Navi ausgeliefert. Erst verunsichert, dann enthemmt rollten die Enduros über herrliche Sandwege durch gelb flirrende Wälder und Lichtungen, auf denen die Sonne sogar nochmal kurz richtig wärmte. Im Lockdown ist eine Shell-Tanke mit Cappuccinoautomat unser bester Freund. Wir tauschten aus, was zu sagen war, dann rauschten wir zum Elbdeich zurück, wobei ich auf dem letzten Stück die historische G/S fahren durfte. Das machte Spaß, sie fuhr souverän und brummig (und hatte Heizgriffe). Am Nachmittag hing die Sonne tief überm Köhlbrand. Eine Kaltfront rückte an, wir zogen uns in die Isolation zurück.
Samstag, 7. November 2020
U-80
Samstag, 31. Oktober 2020
Alles hat ein Ende
Alles hatte ein Ende: Der Oktober, das Licht, das lockere Leben. Jetzt kam: Dunkelheit, Lockdown, Saisonkennzeichen. Im Sattel der Himalayan fiel es allerdings schwer, das ganze Drama zu sehen. Die B4 rauschte herbstlich vorbei, die Luft war für die Rukkajacke genau richtig und auf den leeren Geraden hinter Quickborn lief die Maschine energisch und frei in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Fotomotiv geriet ich in einen schmucken Feldweg. Ich glaube, der war auch legal, aber aus den Büschen kamen immer wieder Wanderer und Hundebesitzer, zu denen suchte ich Abstand. Viel mehr war an diesem grauen Tag gar nicht nötig. Ich fuhr praktisch die selbe Strecke zurück in die Dämmerung, in die Stadt, die ihre Ampeln auf grün stellte und funkelte und glitzerte wie in den besten Zeiten.
Samstag, 24. Oktober 2020
Luxus
Das Wochenende hatte 15 Grad und wir hatten es deshalb groß im Kalender vorgemerkt. Bei genauerer Betrachtung blieb nur ein Sonnabend, der als strahlender Oktobertag begann, während wir uns mühselig über Niendorf aus der Stadt herausquälten. Die allgemeine Endzeitstimmung hielt die Dosenfahrer nicht davon ab, alles zu verstopfen. Hinter Quickborn konnten die SR und die Mash unbeschwert in ihrem Lieblingstempo laufen. Es ging westlich über Barmstedt nach Elmshorn immer dahin, wo der Wind herkommt. Leider waren die richtig knallig herbstbunten Bäume nie da, wo wir sie inszenieren wollten, sondern am Rand von Neubausiedlungen und Baumärkten, was uns zu z.T. undankbaren Fotomanövern zwang. Die Sonne kam inzwischen nur noch Sekundenweise durch die Wolkendecke, und als wir in Kollmar einen Pappbecher Cappuccino tranken (an "Tisch 7"), war es schon richtig ungemütlich. Der Schauer auf dem Rückweg stand Pinneberg gut. Er verlief mild und vervollständigte das Bild der Luxusprobleme. Eins musste man dem Tag lassen, er vermittelte das Gefühl von Normalität. Mehr kann niemand wollen.
Sonntag, 18. Oktober 2020
Neues aus Neukoppel
Der Termin stand, und dass wir zu zweit auf der Himalayan unterwegs waren, hatte eigentlich nur praktische Gründe. Insgeheim erhofften wir uns gegenseitige Wärme. Das war im Verlauf gar nicht nötig, denn die guten alten Rukkaklamotten machten die Fahrt durch den frischen Oktobersonntag ganz angenehm, wenn auch etwas entkoppelt. Im Norden schien die Sonne fotogen auf das Land entlang der B75, die wir zügig abspulten. In Neukoppel gab es ein Meeting mit großen Ideen und umwerfenden Apfelkuchen. Wir stopften uns voll und brachen zeitig auf, um mit der Rückfahrt nicht in die Dämmerung zu geraten. Stattdessen blieb letztlich noch Zeit für einen genüsslichen Umweg auf der Nebenstrecke durchs Travetal in gut inszenierten Herbstfarben, über Meddewade, Pölitz, Lasbek. Dann kam Hamburg und die Bekloppten, die Garage, und wie freuten uns über die Gemütlichkeit, mit der dieser Sonntag zu Ende ging.
Samstag, 17. Oktober 2020
Typen
Knapp zweistellige Kühle, immerhin trocken. Ein Samstag im Oktober für mich allein. Ich machte mich fein und ließ die Bolt an. Es gab nicht das große Ziel, ich war schon zufrieden damit, gutaussehend durch die Stadt zu bollern und nebenbei die Autofahrer zu beobachten wie Tiere im Zoo. Strecken mit niedrigem Tempo waren am besten, wie z.B. die Deichstraße zum Zollenspieker, warum nicht! Ich kam dort frostfrei und gut gelaunt an. Kaum hatte ich meinen Cappuccino leer, traf ich einen Typen wieder, der hatte eine totschicke Interceptor Custom dabei, sowie seine Kumpels. Wir redeten literweise Benzin, später machten uns zu viert auf den Weg zurück in die Stadt zur Oldtimertankstelle. Dort waren noch mehr Typen mit coolen Bikes zum distanzierten Benzinreden. Im Grunde war es das schon, danach fuhren alle zu ihren Badewannen nach Hause. Für mich war es etwas ganz Ungewohntes, und das fand ich ganz angenehm.
Sonntag, 4. Oktober 2020
Gänsehaut
Der einsame Wolf kämpfte sich durch scharfen Westwind seinen Weg nach Süden frei. Er ließ die Bolt laufen, auf verlassenen Straßen, über endloses Land. Er hatte den Horizont fest im Blick und war selbst ganz froh, wie gut die Lederjacke wärmte, jetzt wo das Thermofutter drin war. Den Rest erledigte die lange Unterhose. Die Gänsehaut kam also nicht von der Kälte, sondern von den einmaligen Momenten, wenn z.B. die Straße in einem langen Schwung auf eine Kuppe führte, den Blick freigab auf das im Wechsellicht strahlende Land, und man das Gas eine Weile stehen lassen konnte. Es kamen mehrere Entscheidungspunkte, und immer hing ich noch einen Bogen dran. Ich war auf der Nebenstrecke bis nach Bispingen gekommen, fuhr die diagonale durch die Heide an die B3, bog dort nochmal ab um über Undeloh wieder auf die Ausgangsroute zu kommen. Und weil dass immer noch nicht reichte, fuhr ich bei Geesthacht auf die andere Seite und dachte, was für ein guter Tag. Dann gondelte ich bei Gegenwind auf der Deichstraße nach Hause.
Samstag, 3. Oktober 2020
Naher Osten.
Den Einheitsfeiertag wollten wir da feiern, wo er hingehört: Im nahen Osten. Dass die großspurig programmierte Schaalseeumrundung eine Nummer zu groß für diesen womöglich letzten milden Fahrtag war, wurde schon auf der Anfahrt klar. Bereits in Gudow brauchten wir die erste Kaffeepause. Aber die Große Sause war gar nicht nötig. Denn die unbekannten Verbindungswege im Grenzstreifen zwischen Langenlehsten, Lüttenmerk und Bretzin waren Weltklasse. Wo mal scharf geschossen wurde, schien heute die milchige Oktobersonne Sonne auf legale Schotterpisten und erstes Gelb. Dazwischen bahnten sich unsere Enduros ihren Weg, immer auf der Suche nach dem nächsten, noch besseren Fotospot. Durchs Tessin kamen wir nach Süden, querten die B5 und stießen in den Elbauen auf die B195. Die nahmen wir noch mit Schwung bis zur Grenze, und fanden heute die Wiedervereinigung mal richtig gut.
Mittwoch, 23. September 2020
Sonntag am Mittwoch
Also ein bisschen mutig war es schon, noch einen Mittwoch frei zu nehmen, einfach so. Dass es um den wohl letzten Sommertag ging, hingen wir nicht an die große Glocke. Nach kurzer Fahrt war sofort alles klar: die Entscheidung war richtig, ach, alternativlos. Neulich sagte ich, die Elbuferstraße von damals hätte ausgedient. Das stimmte fürs Cruisen, relativierte sich aber für das heutige Mash/Himalayan-Duo. Ab Lauenburg war null Verkehr, wir gaben uns kurvigem Gebummel durch einem prallen Tag voller Sonne hin. Die holprigen Straßen kamen gerade recht, und als Highlight gab es die Verbotene Straße zwischen Darchau und Hitzacker. Sie führt über Berg und Tal durch den Wald, und heute war sie erlaubt. Danach hatten wir Zeit zum Dösen auf einer Elbwiese, Hornissen und Seeadler bewundernd, die Wärme genießend, die sich ganz und gar sommerlich anfühlte. Dazu kam das schelmische Gefühl, diesen prächtigen Tag gemopst zu haben wie eine Knackwurst aus dem Kühlschrank. Für die Rückfahrt nahmen wir nochmal die Bergstrecke, und navigierten durch unbekanntes Hinterland von Thomasburg, das super aussah, dann ging es zickzack zurück bis an den Elbdeich. Wir hatten überhaupt keinen Bock auf Feierabendverkehr in der Stadt. Stattdessen ergoogelten wir uns einen Dönerladen in Scharmbeck und warteten auf die Dämmerung. Sie kam früh, warm, und wir segelten zurück wie an einem Sommersonntag.
Sonntag, 20. September 2020
Kein Picknick.
Nach einem Abend mit Freunden war es genau richtig, nichts weiter zu planen als eine belanglose Fahrt an irgendeinen Deich, mit Buch und Picknickdecke. Dafür war die SR gut. Die Mash sowieso. Blöd war der gesperrte Elbtunnel. Als Folge stauten sich nämlich die Dosenfahrer nicht nur in der gesamtem Stadt, sondern überall, wo es über die Elbe ging, also z.B. in Geesthacht oder Lauenburg. Unsere Idee vom Buch am Deich platzte unterwegs, und zurück ging es auch nicht mehr. Blieb der Sprung nach vorn, genauer gesagt nach Zarrentin, Kaffee trinken am See geht immer. Durch das Kopfsteinpflaster der Alten Salzstraße waren wir eh wach gerüttelt, die Strecke über Büchen und Gudow geht auch immer. Aus Angst vor den schrecklichen Autostaus, zirkelten wir eine Rückfahret ganz weit außen über Mölln und Nusse auf Bargteheide zu, um von hinten über Ammersbek schadlos in die Stadt zu kommen. Das ging, waren 200 Kilometer und die Autos standen immer noch.
Mittwoch, 16. September 2020
Das erste Mal
Es war sogar noch ein freier Tag übrig, ein Mittwoch, mit viel Sonne, und jetzt auch Anja. Ich nahm jetzt die Himalayan, denn wir fuhren nach McPom. Das erste Mal. Groß angelegter Bogen über Lauenburg, Büchen, Mölln. Dann per Navi ganz elegant auf Hohlwegen quer durchs staubige Land, bis schließlich Schönberg auftauchte und dann, nicht viel später, das Meer. An- und Abbaden im September, top. Wir machten die Rückfahrt genauso schön. Das Land sah im Schräglicht aus wie im Fernsehen. Wenn die Sonne brutal von vorne ins Visier stach, war davon aber nichts mehr zu sehen. Alles war egal, denn für uns zählte nur der Mittwoch am Meer.
Dienstag, 15. September 2020
Ich will cruisen.
Plötzlich wurde eine zweite Sommerwelle angesagt. Im System und fand ich noch reichlich Urlaubstage, klick klick klick, ich bin weg. Allein, cruisen, Anja verstand das. Es gab Strecken im Osten, die waren lang und weit. Die B218 bis Dannenberg, Lüchow, dann nach Salzwedel. Da löste es sich schon langsam auf. Gardelegen, Haldesleben, die Bolt in endloser Prärie durch den Tag laufen lassen, das war genau was ich wollte. Viel zu früh stand ich in Magdeburg vorm Hotel. Ich buchte das einzige Leihfahrrad der Stadt und fand sie gut.
Montag
Der Fläming sieht auf der Karte aus wie ein Mittelgebirge. In Wahrheit ist es ein kaum spürbarer Hügel, dafür mit leeren Straßen, die sich in weiten Bögen daran schmiegen. Ich durchfuhr Löburg, Wiesenburg und Belzig in sengender Sommerhitze, kam in eine bekanntere Region mit engen Alleen und besuchte Rembert im wohl beneidenswertesten Homeoffice aller Zeiten. In Lutherstadt Wittenberg hatte ich mir ein Zimmer gebucht. Bis dahin hatte ich viel Zeit. Es ging nochmals kreuz und Quer durch das Fläminggebirge, über unvorstellbare Holperpisten bei Wörlitz an den Rand einer anderen Landschaft im Süden, wo alles etwas tiefergelegt scheint. Die Lutherstadt war klasse, es war Sommer und man bekam sogar nach 21 Uhr noch einen Absacker.
Dienstag
Aufbruch in herrlicher Morgenfrische, kurz nach Acht. Das war unbeschwertes Schwingen über Zisar, Gentin, hoch nach Jericho. Ich wollte unbedingt nochmal diese Straße bei Wusterdamm fahren. Hätte ich doch bloß an der Tanke auch getankt, statt nur Cappuccino zu trinken. So machte ich noch eine Extratour nach Rathenow. Hinter Havelberg ging es auf den kleinen Buckelpisten in die glühenden Elbauen. In Bad Wilsnack gab es auch diesmal nichts, aber in Wittenberge war gerade Mittagspause, da machte ich mit. Dösend unter einem Baum kurz vor Dömitz merkte ich, dass ich meine Mütze irgendwo verbummelt hatte. Die einzige Chance bestand darin, bis Lüneburg und von da auf der unschlagbaren B209 nach Munster zu fahren, um im dortigen Army-Shop eine neue zu besorgen. Dass ich schon 400 Kilometer auf der Uhr hatte, merkte ich nicht mehr. Im Gegenteil, ich fuhr zur Belohnung noch auf ein Alkoholfreies nach Soltau. Erst dann rollte ich in vollster Zufriedenheit auf der B3 nach Hause.
Samstag, 5. September 2020
Zu Hause
Mit der Himalayan Deutschland zu explorieren war klasse. Dennoch: Cruisen ist eine andere Welt. Die Lederjacke passte noch und die Bolt fand von allein den Weg auf den Highway 3. Der Effekt setzte sogleich ein, willkommen zurück. Durch die Deutschlandtour wusste ich, wie es hinter Soltau aussieht, und so ließ ich die Maschine weiter gleiten bis Fallingbostel. Das hätte sehr entspannt sein können, mit vollem Tank. Ich war froh, in Dorfmark eine Classic Tankstelle zu finden und gönnte mir Super Plus und einen Cappuccino im Stehen. Allzulange durfte ich mich nicht aufhalten, daher war die Rückroute, grob nach Eigenorientierung in einem westlichen Bogen zusammenimprovisiert, eine Mischung aus auf-die-Uhr-gucken und sich-über-zu-viele-Dörfer-ärgern. Am Ende war ich auf der Autobahn und wäre beinahe im Elbtunnelstau verendet. Der Stadtverkehr war eine Qual. Als alles erledigt war, fuhr ich Fahrrad, wie alle anderen. Da fühlte ich mich wieder zu Hause.
Mittwoch, 2. September 2020
Germany 20
Deutschland sei ja eigentlich auch schön, und überhaupt. Das haben wir ja selber auch mal propagiert. Jetzt brachte Corona die Wahrheit an den Tag. Mit zwei Wochen Zeit und leichtem Gepäck wollten wir die Gegenden kleinteilig erkunden, wo man sonst nur vorbeirauscht und denkt, "das müsste man eigentlich mal kleinteilig erkunden!". Um eins vorweg zu nehmen: Es ist wirklich schön. Wir hakten ein Must-See nach dem anderen ab: Sämtliche bedeutenden Bilderbuch-Flusstäler, picobello Fachwerkstädte genauso wie Every German Innenstadt. Wir tranken lokales Bier und parkten mit Parkschein. Vor allem aber genossen wir die die Landstriche und Mittelgebirge dazwischen, die wir auf gekonnten, ganztägigen Routen durchstreiften. Ob letztlich Heidelberg, Nürnberg, Marburg, der Harz, das Weser- oder Rothaargebirge, die lange Fahrt durchs Fränkische oder die Araltanke in Rothenburg das Highlight war? Schwer zu sagen. Was bleibt, ist das Gefühl für die Gesamtheit, die Topographie, wo es herkommt und was es ist, dieses Land.
Die ausführliche Dokumentation demnächst auf diesem Kanal.
Sonntag, 16. August 2020
Neukoppel wie noch nie
Es dauerte bis zum Nachmittag, bis wir endlich auf der Straße waren. Schnell nach Bergedorf, dann durch den Sachsenwald auf eine nie dagewesene Route nach Neukoppel. Als Himalayan/Mash-Duo kamen dabei wieder ungeahnte "Kürzeste-Route" Perlen zum Vorschein, praktisch in Sichtweite der ausgetretenen Pfade. Wir hatten den Speckgürtel noch nicht mal verlassen, da kamen schon mittelalterliche Katzenkopfpisten, die man am besten in den Rasten stehend entlangsegelte. Dann ging es kreuz und quer durchs Lauenburgische, weitgehend orientierungslos auf buschigen Nebenstrecken. Bei Wesenberg querten wir die Trave, dann kam Zarpen und langsam wieder Zivilisation. Wir verbrachten nette Stunden in Telses heiler Welt, warteten bis die Sonne fotogen tief stand und etwas abkühlte, und fuhren durchs Travetal über Meddewade, Pölitz und Lasbek in den Abend. Die Strecke kennen wir auswendig, aber diesmal sah sie aus wie nie zuvor.
Samstag, 15. August 2020
Alleinstellungsmerkmale
Allein unterwegs mit dem Cruiser, den ganzen Samstag, das hat auch was. Wegen unklarer Abendplanung tastete ich mich zunächst an der Elbe Stromaufwärts entlang. Die Elbuferstraße, die wir früher so oft fuhren, fällt aus heutiger Sicht anstrengend aus: Ein Dorf reiht sich ans nächste, Rumstochern im Kriechtempo, mieser Asphalt, überall Autos. An der Tanke in Hitzacker wurde alles klar und ein lange unter Verschluss gehaltener Plan kam zur Umsetzung: Zwischen Dannenberg und Uelzen, und weiter diagonal Richtung Celle, da gibt es Highways durch riesige Wälder. Es ging linear und ohne jede Störung durch einen heißen Wind in flirrendem Licht. Kaum ein Ort unterbrach den Genuss, kein Wohnmobil blockierte, kein Kleintransporter drängelte. Ich gab mich voll und ganz dem gleichförmigen, freien Gleiten hin, fragte mich, a) wer das wohl nachvollziehen kann, und b) wo sonst in Schland es eigentlich solche Straßen gibt. Hinter Celle machte ich noch einen Bogen über die Militärstraßen westlich von Meissendorf. Die sehen auf der Karte mickrig aus, sind aber prächtig ausgebaut, schwungvoll verlegt und über zig Kilometer total verlassen. Rechts nahm ich eine mächtige Pilzwolke wahr. Bei näherer Betrachtung war das kein Atombombentest, sondern, schlimmer noch, eine kompakte Gewitterzelle. Ich berechnete einen Kurs, der mich ohne unnötigen Halt auf direktem Weg nach Norden in Sicherheit brachte. Die B3 rundete würdig den Cruise-Day ab, und zu Hause stand die Hitze in den Häuserschluchten wie eh und je.
Montag, 10. August 2020
Herzlichen Glückwunsch.
Endlich mal wieder eine korrekte Langstrecke: Berlin! Die B5 schimmerte endlos in der flirrenden Hitze, die Mash und die Himalayan schnurrten mit Tankrucksäcken auf ihr durch den Samstag. Einmal tankten wir, aber noch öfter waren die Wasserflaschen leer, oder wir brauchten nur mal eine Pause im Schatten. Klar kennt man die Strecke inzwischen, aber sie ist so lang, dass man die Etappen nie ganz erinnern kann. Mit der Nähe zu Berlin stieg die Hitze ins Astronomische. Die Straßenoberfläche hatte sich in Lava verflüssigt, die ganze Stadt war zu einer Masse heißen Gases geworden. Glücklicherweise war kaum Verkehr und auf der Garagenparty am Tempelhof gab es gekühltes Corona.
Um 8 Uhr hatte Anja Geburtstag, es gab Blumen, einen Stadtspaziergang, late Check-out. Den Rest des Tages verbrachten wir auf der B195. Auch an einem Montag war sie total leer. Mit einem Auge behielten wir stets den Himmel im Blick, doch von Gewitterzellen war nichts zu ahnen, stattdessen das übliche makellose Blau und 32 Grad. In Lauenburg, gefühlt schon am Ziel, kamen verdächtig dicke, einzelne Tropfen. Vielleicht könnte mit ein paar gezielten Gasstößen entkommen. Quatsch. Unser rettendes Bushäuschen brachte der Hagelschauer fast zum Einsturz. Wir nutzen eine waghalsige Lücke auf dem Regenradar, ließen alles hinter uns. In Hamburg erzählten wir davon, aber man glaubte uns kein Wort.
Freitag, 7. August 2020
Herrscher
Nun zu etwas ganz anderem: Herrenausfahrt von Strukdorf aus. Anja und ich waren am Vorabend zwar zusammen angereist, nun aber rollte ich solo auf der Bolt einer unbestreitbar gut aussehenden Truppe aus Honda NC (Horst), Royal Enfield Interceptor (Albrecht) und Triumph Street Twin (Götz) hinterher. Von Anfang an führten Horst und Albrecht als Doppelspitze auf gekonnter Route durch die Hitze Ostholsteins. Während Anja mit Autofahrerinnen unterwegs war, ging unsere Tour über Stocksee in die Ecke nordwestlich von Plön, meist auf vergessenen Nebenstraßen, manchmal auf Wirtschaftswegen, immer flüssig und entspannt. Durch das Hinterherfahren verlor ich den Überblick, was alles aber irgendwie interessant machte und eine introvertierte Fahrweise ermöglichte. Überraschend hielten wir mehrmals an bedeutenden Gutshäusern, die sonst allenfalls hinter Büschen vorbeirauschen. Hier freundete Horst sich sogleich mit den örtlichen Grafen an und wir lernten viel über die gute alte Zeit im Feudalsystem. Weit im Norden, fast schon bei Kiel, erkannte ich einige Strecken wieder. Am Westensee gab es Kaffee auf der Liegewiese, die Doppelspitze klügelte den Heimweg aus. Der zog sich herrlich verträumt in die Länge und blies warmen Wind durch meinen Hoodie. Wir erreichten das Anwesen, es strahlte herrschaftlich in der Abendsonne. Die Herren schmierten sich ein Leberwurstbrot.
Sonntag, 2. August 2020
Der Highway-Effekt
Samstag, 1. August 2020
Das reicht.
Freitag, 31. Juli 2020
Disziplin
Samstag, 25. Juli 2020
WB20 Summit oder: die Aktuelle Situation
Freitag, 24. Juli 2020
Faszination Universum
Sonntag, 19. Juli 2020
Immer gut, immer richtig.
Samstag, 18. Juli 2020
Nichts anbrennen lassen.
Freitag, 17. Juli 2020
Qualität
Donnerstag, 16. Juli 2020
Erfüllung
Sonntag, 12. Juli 2020
Lange Kurzstrecken
Freitag, 10. Juli 2020
Schaufenster
Mittwoch, 8. Juli 2020
Optik
Sonntag, 5. Juli 2020
Sinn bei Südwest
Sonntag, 28. Juni 2020
Vakuum
Sonntag, 21. Juni 2020
Sundowner
Mittwoch, 17. Juni 2020
Midsommarfrikadellen
Sonntag, 14. Juni 2020
Alles da.
Sonntag, 7. Juni 2020
Easy Sonntag.
Dienstag, 2. Juni 2020
Nur das Cruisen.
Montag, 1. Juni 2020
Reisefreiheit
Samstag, 23. Mai 2020
Männer wie uns
Freitag, 22. Mai 2020
Triftig
Freitag ging es zurück ohne allzuviel Zeit zu verlieren. Wir kamen rechtzeitig vor der Wetterfront im Dorfmodus in Hamburg Schnelsen an und stoppten beim örtlichen Yamaha-Glaspalast. Ich bestaunte die dortige Bolt und nahm mir vor, aus triftigem Grund nochmal wieder zu kommen.





















