über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 21. Dezember 2020

Mein Beitrag

Die Welt braucht Schönes, das war zu spüren, gerade jetzt. Ich nahm mir das zu Herzen, argumentierte mir das Thermometer zurecht, und sah ein, dass wahre Schönheit nicht mit Heizgriffen und Rukkasachen realisierbar ist. Stattdessen musste es die Lederjacke und -Hose sein, und die SR. Das ging zunächst besser als gedacht, zumal ich im Hafengebiet im schleppenden LKW Verkehr unterging und nur manchmal eine stille Ecke zum Gucken und für die Beherzigung der schwach glimmenden Sonne fand. Auf der Deichstraße nach Over schnurrte die Yamaha unbeschwert dahin. Der Tag war hell und ich fühlte mich frei. Mir war bewusst, dass ich ungenügend ausgestattet war, blieb aber am Gas, bis ich irgendwo abbiegen konnte, die Orientierung verlor zwischen Elbmarsch, Rangierbahnhof Maschen und allerlei Sperrungen. Letztlich verendete ich auf winzigen Wegen, die eher was für Fahrradfahrer waren. Irgendwie kam ich dennoch zurück in Stadt, durchgefroren meinen Beitrag leistend, zur dringend benötigten ästhetischen Aufwertung.



Sonntag, 29. November 2020

Gemutlichkeit

Ende November, 4 Grad, einsetzende Dämmerung. Voller Vorfreude zog ich warme Sachen an und ließ die Himalayan an, den jetzt kam der Lohn für die Stunden, die ich in der Garage verbracht hatte, auf der aufreibenden Suche nach dem einzig richtigen, einzig passenden Verkabelungskonzept für die aus China importierten Hot Grips. Ich fuhr schnurstracks über die Elbbrücken auf die Autobahn, die Dunkelheit verfremdete alles wie einen überdrehten Film, durch den ich mich entkoppelt bewegte, mit knapp 100 Sachen auf der rechten Spur. Ich bog auf die A1 Richtung Moorfleet ab, Industrie funkelte eisig im All, die Griffe gaben Halt und Wärme. Ich rollte durch bis Glinde. Dort wollte ich nicht sein, drehte um und kam über die fahl erstarrenden Billbrooker Gewerbegebiete zurück in die Gemütlichkeit eines beheizten Sonntagabends.


 

Sonntag, 15. November 2020

Legitim

Die Sonne schien auf einmal wie verrückt. Marcus kam vorbei, ein legitimer Kontakt mit Helm und Handschuhen. Ich schaltete das Vio ein und führte das Trio durch den Hafen, am Deich entlang bis Fliegenberg, dann südlich in die Heide. Strecken, für die man natürlich kein Navi braucht. Aber, auf die Weise baute immer wieder gekonnt aussehende Extrafahrten und Querverbindungen in die Route ein. Es ging über Salzhausen in einem großen Halbkreis durchs Hinterland von Winsen. Spätestens am Gut Schneder war ich dem Navi ausgeliefert. Erst verunsichert, dann enthemmt rollten die Enduros über herrliche Sandwege durch gelb flirrende Wälder und Lichtungen, auf denen die Sonne sogar nochmal kurz richtig wärmte. Im Lockdown ist eine Shell-Tanke mit Cappuccinoautomat unser bester Freund. Wir tauschten aus, was zu sagen war, dann rauschten wir zum Elbdeich zurück, wobei ich auf dem letzten Stück die historische G/S fahren durfte. Das machte Spaß, sie fuhr souverän und brummig (und hatte Heizgriffe). Am Nachmittag hing die Sonne tief überm Köhlbrand. Eine Kaltfront rückte an, wir zogen uns in die Isolation zurück.





Samstag, 7. November 2020

U-80

Goldenstes Herbstwetter im November. Dem Problem der mit Mühe zweistelligen Temperatur begegneten wir durch kompensierende Fahrweise im gleichermaßen zweistelligen Bereich (und zwar eher im unteren). Die Strecke nach Grünendeich eignet sich bekanntlich bestens für eine U-80 Tour, und speziell die SR liebt dieses Gebummel. Was auch hilft, sind Pausen nach albern kurzen Etappen, wie z.B. in Finkenwerder an einer Mole. So füllte sich der Nachmittag nach und nach mit sonnigen Kilometern und wir fuhren sehr elegant beim Bikertreff vor. Alle, die weder Saisonkennzeichen noch Corona hatten, waren da. Sogar eine Imbissbude hatte auf. Von erhöhter Position aus, mit einer geteilten heißen Krakauer, beobachteten und kommentierten wir das Verhalten örtlicher Outlaws. Auf dem Rückweg gabs etwas Gegenwind und kalte Füße, aber im Gegenzug Licht wie im Katalog, Schiffe, Hafenkräne, und Vorfreude auf eine warme Suppe.


Samstag, 31. Oktober 2020

Alles hat ein Ende

Alles hatte ein Ende: Der Oktober, das Licht, das lockere Leben. Jetzt kam: Dunkelheit, Lockdown, Saisonkennzeichen. Im Sattel der Himalayan fiel es allerdings schwer, das ganze Drama zu sehen. Die B4 rauschte herbstlich vorbei, die Luft war für die Rukkajacke genau richtig und auf den leeren Geraden hinter Quickborn lief die Maschine energisch und frei in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Fotomotiv geriet ich in einen schmucken Feldweg. Ich glaube, der war auch legal, aber aus den Büschen kamen immer wieder Wanderer und Hundebesitzer, zu denen suchte ich Abstand. Viel mehr war an diesem grauen Tag gar nicht nötig. Ich fuhr praktisch die selbe Strecke zurück in die Dämmerung, in die Stadt, die ihre Ampeln auf grün stellte und funkelte und glitzerte wie in den besten Zeiten.



Samstag, 24. Oktober 2020

Luxus

Das Wochenende hatte 15 Grad und wir hatten es deshalb groß im Kalender vorgemerkt. Bei genauerer Betrachtung blieb nur ein Sonnabend, der als strahlender Oktobertag begann, während wir uns mühselig über Niendorf aus der Stadt herausquälten. Die allgemeine Endzeitstimmung hielt die Dosenfahrer nicht davon ab, alles zu verstopfen. Hinter Quickborn konnten die SR und die Mash unbeschwert in ihrem Lieblingstempo laufen. Es ging westlich über Barmstedt nach Elmshorn immer dahin, wo der Wind herkommt. Leider waren die richtig knallig herbstbunten Bäume nie da, wo wir sie inszenieren wollten, sondern am Rand von Neubausiedlungen und Baumärkten, was uns zu z.T. undankbaren Fotomanövern zwang. Die Sonne kam inzwischen nur noch Sekundenweise durch die Wolkendecke, und als wir in Kollmar einen Pappbecher Cappuccino tranken (an "Tisch 7"), war es schon richtig ungemütlich. Der Schauer auf dem Rückweg stand Pinneberg gut. Er verlief mild und vervollständigte das Bild der Luxusprobleme. Eins musste man dem Tag lassen, er vermittelte das Gefühl von Normalität. Mehr kann niemand wollen.




Sonntag, 18. Oktober 2020

Neues aus Neukoppel

Der Termin stand, und dass wir zu zweit auf der Himalayan unterwegs waren, hatte eigentlich nur praktische Gründe. Insgeheim erhofften wir uns gegenseitige Wärme. Das war im Verlauf gar nicht nötig, denn die guten alten Rukkaklamotten machten die Fahrt durch den frischen Oktobersonntag ganz angenehm, wenn auch etwas entkoppelt. Im Norden schien die Sonne fotogen auf das Land entlang der B75, die wir zügig abspulten. In Neukoppel gab es ein Meeting mit großen Ideen und umwerfenden Apfelkuchen. Wir stopften uns voll und brachen zeitig auf, um mit der Rückfahrt nicht in die Dämmerung zu geraten. Stattdessen blieb letztlich noch Zeit für einen genüsslichen Umweg auf der Nebenstrecke durchs Travetal in gut inszenierten Herbstfarben, über Meddewade, Pölitz, Lasbek. Dann kam Hamburg und die Bekloppten, die Garage, und wie freuten uns über die Gemütlichkeit, mit der dieser Sonntag zu Ende ging.




Samstag, 17. Oktober 2020

Typen

Knapp zweistellige Kühle, immerhin trocken. Ein Samstag im Oktober für mich allein. Ich machte mich fein und ließ die Bolt an. Es gab nicht das große Ziel, ich war schon zufrieden damit, gutaussehend durch die Stadt zu bollern und nebenbei die Autofahrer zu beobachten wie Tiere im Zoo. Strecken mit niedrigem Tempo waren am besten, wie z.B. die Deichstraße zum Zollenspieker, warum nicht! Ich kam dort frostfrei und gut gelaunt an. Kaum hatte ich meinen Cappuccino leer, traf ich einen Typen wieder, der hatte eine totschicke Interceptor Custom dabei, sowie seine Kumpels. Wir redeten literweise Benzin, später machten uns zu viert auf den Weg zurück in die Stadt zur Oldtimertankstelle. Dort waren noch mehr Typen mit coolen Bikes zum distanzierten Benzinreden. Im Grunde war es das schon, danach fuhren alle zu ihren Badewannen nach Hause. Für mich war es etwas ganz Ungewohntes, und das fand ich ganz angenehm.



Sonntag, 4. Oktober 2020

Gänsehaut

Der einsame Wolf kämpfte sich durch scharfen Westwind seinen Weg nach Süden frei. Er ließ die Bolt laufen, auf verlassenen Straßen, über endloses Land. Er hatte den Horizont fest im Blick und war selbst ganz froh, wie gut die Lederjacke wärmte, jetzt wo das Thermofutter drin war. Den Rest erledigte die lange Unterhose. Die Gänsehaut kam also nicht von der Kälte, sondern von den einmaligen Momenten, wenn z.B. die Straße in einem langen Schwung auf eine Kuppe führte, den Blick freigab auf das im Wechsellicht strahlende Land, und man das Gas eine Weile stehen lassen konnte. Es kamen mehrere Entscheidungspunkte, und immer hing ich noch einen Bogen dran. Ich war auf der Nebenstrecke bis nach Bispingen gekommen, fuhr die diagonale durch die Heide an die B3, bog dort nochmal ab um über Undeloh wieder auf die Ausgangsroute zu kommen. Und weil dass immer noch nicht reichte, fuhr ich bei Geesthacht auf die andere Seite und dachte, was für ein guter Tag. Dann gondelte ich bei Gegenwind auf der Deichstraße nach Hause.



Samstag, 3. Oktober 2020

Naher Osten.

Den Einheitsfeiertag wollten wir da feiern, wo er hingehört: Im nahen Osten. Dass die großspurig programmierte Schaalseeumrundung eine Nummer zu groß für diesen womöglich letzten milden Fahrtag war, wurde schon auf der Anfahrt klar. Bereits in Gudow brauchten wir die erste Kaffeepause. Aber die Große Sause war gar nicht nötig. Denn die unbekannten Verbindungswege im Grenzstreifen zwischen Langenlehsten, Lüttenmerk und Bretzin waren Weltklasse. Wo mal scharf geschossen wurde, schien heute die milchige Oktobersonne Sonne auf legale Schotterpisten und erstes Gelb. Dazwischen bahnten sich unsere Enduros ihren Weg, immer auf der Suche nach dem nächsten, noch besseren Fotospot. Durchs Tessin kamen wir nach Süden, querten die B5 und stießen in den Elbauen auf die B195. Die nahmen wir noch mit Schwung bis zur Grenze, und fanden heute die Wiedervereinigung mal richtig gut.



Mittwoch, 23. September 2020

Sonntag am Mittwoch

Also ein bisschen mutig war es schon, noch einen Mittwoch frei zu nehmen, einfach so. Dass es um den wohl letzten Sommertag ging, hingen wir nicht an die große Glocke. Nach kurzer Fahrt war sofort alles klar: die Entscheidung war richtig, ach, alternativlos. Neulich sagte ich, die Elbuferstraße von damals hätte ausgedient. Das stimmte fürs Cruisen, relativierte sich aber für das heutige Mash/Himalayan-Duo. Ab Lauenburg war null Verkehr, wir gaben uns kurvigem Gebummel durch einem prallen Tag voller Sonne hin. Die holprigen Straßen kamen gerade recht, und als Highlight gab es die Verbotene Straße zwischen Darchau und Hitzacker. Sie führt über Berg und Tal durch den Wald, und heute war sie erlaubt. Danach hatten wir Zeit zum Dösen auf einer Elbwiese, Hornissen und Seeadler bewundernd, die Wärme genießend, die sich ganz und gar sommerlich anfühlte. Dazu kam das schelmische Gefühl, diesen prächtigen Tag gemopst zu haben wie eine Knackwurst aus dem Kühlschrank. Für die Rückfahrt nahmen wir nochmal die Bergstrecke, und navigierten durch unbekanntes Hinterland von Thomasburg, das super aussah, dann ging es zickzack zurück bis an den Elbdeich. Wir hatten überhaupt keinen Bock auf Feierabendverkehr in der Stadt. Stattdessen ergoogelten wir uns einen Dönerladen in Scharmbeck und warteten auf die Dämmerung. Sie kam früh, warm, und wir segelten zurück wie an einem Sommersonntag.




Sonntag, 20. September 2020

Kein Picknick.

Nach einem Abend mit Freunden war es genau richtig, nichts weiter zu planen als eine belanglose Fahrt an irgendeinen Deich, mit Buch und Picknickdecke. Dafür war die SR gut. Die Mash sowieso. Blöd war der gesperrte Elbtunnel. Als Folge stauten sich nämlich die Dosenfahrer nicht nur in der gesamtem Stadt, sondern überall, wo es über die Elbe ging, also z.B. in Geesthacht oder Lauenburg. Unsere Idee vom Buch am Deich platzte unterwegs, und zurück ging es auch nicht mehr. Blieb der Sprung nach vorn, genauer gesagt nach Zarrentin, Kaffee trinken am See geht immer. Durch das Kopfsteinpflaster der Alten Salzstraße waren wir eh wach gerüttelt, die Strecke über Büchen und Gudow geht auch immer. Aus Angst vor den schrecklichen Autostaus, zirkelten wir eine Rückfahret ganz weit außen über Mölln und Nusse auf Bargteheide zu, um von hinten über Ammersbek schadlos in die Stadt zu kommen. Das ging, waren 200 Kilometer und die Autos standen immer noch.



Mittwoch, 16. September 2020

Das erste Mal

Es war sogar noch ein freier Tag übrig, ein Mittwoch, mit viel Sonne, und jetzt auch Anja. Ich nahm jetzt die Himalayan, denn wir fuhren nach McPom. Das erste Mal. Groß angelegter Bogen über Lauenburg, Büchen, Mölln. Dann per Navi ganz elegant auf Hohlwegen quer durchs staubige Land, bis schließlich Schönberg auftauchte und dann, nicht viel später, das Meer. An- und Abbaden im September, top. Wir machten die Rückfahrt genauso schön. Das Land sah im Schräglicht aus wie im Fernsehen. Wenn die Sonne brutal von vorne ins Visier stach, war davon aber nichts mehr zu sehen. Alles war egal, denn für uns zählte nur der Mittwoch am Meer.



Dienstag, 15. September 2020

Ich will cruisen.

Sonntag

Plötzlich wurde eine zweite Sommerwelle angesagt. Im System und fand ich noch reichlich Urlaubstage, klick klick klick, ich bin weg. Allein, cruisen, Anja verstand das. Es gab Strecken im Osten, die waren lang und weit. Die B218 bis Dannenberg, Lüchow, dann nach Salzwedel. Da löste es sich schon langsam auf. Gardelegen, Haldesleben, die Bolt in endloser Prärie durch den Tag laufen lassen, das war genau was ich wollte. Viel zu früh stand ich in Magdeburg vorm Hotel. Ich buchte das einzige Leihfahrrad der Stadt und fand sie gut.


Montag

Der Fläming sieht auf der Karte aus wie ein Mittelgebirge. In Wahrheit ist es ein kaum spürbarer Hügel, dafür mit leeren Straßen, die sich in weiten Bögen daran schmiegen. Ich durchfuhr Löburg, Wiesenburg und Belzig in sengender Sommerhitze, kam in eine bekanntere Region mit engen Alleen und besuchte Rembert im wohl beneidenswertesten Homeoffice aller Zeiten. In Lutherstadt Wittenberg hatte ich mir ein Zimmer gebucht. Bis dahin hatte ich viel Zeit. Es ging nochmals kreuz und Quer durch das Fläminggebirge, über unvorstellbare Holperpisten bei Wörlitz an den Rand einer anderen Landschaft im Süden, wo alles etwas tiefergelegt scheint. Die Lutherstadt war klasse, es war Sommer und man bekam sogar nach 21 Uhr noch einen Absacker.

Dienstag

Aufbruch in herrlicher Morgenfrische, kurz nach Acht. Das war unbeschwertes Schwingen über Zisar, Gentin, hoch nach Jericho. Ich wollte unbedingt nochmal diese Straße bei Wusterdamm fahren. Hätte ich doch bloß an der Tanke auch getankt, statt nur Cappuccino zu trinken. So machte ich noch eine Extratour nach Rathenow. Hinter Havelberg ging es auf den kleinen Buckelpisten in die glühenden Elbauen. In Bad Wilsnack gab es auch diesmal nichts, aber in Wittenberge war gerade Mittagspause, da machte ich mit. Dösend unter einem Baum kurz vor Dömitz merkte ich, dass ich meine Mütze irgendwo verbummelt hatte. Die einzige Chance bestand darin, bis Lüneburg und von da auf der unschlagbaren B209 nach Munster zu fahren, um im dortigen Army-Shop eine neue zu besorgen. Dass ich schon 400 Kilometer auf der Uhr hatte, merkte ich nicht mehr. Im Gegenteil, ich fuhr zur Belohnung noch auf ein Alkoholfreies nach Soltau. Erst dann rollte ich in vollster Zufriedenheit auf der B3 nach Hause.





Samstag, 5. September 2020

Zu Hause

Mit der Himalayan Deutschland zu explorieren war klasse. Dennoch: Cruisen ist eine andere Welt. Die Lederjacke passte noch und die Bolt fand von allein den Weg auf den Highway 3. Der Effekt setzte sogleich ein, willkommen zurück. Durch die Deutschlandtour wusste ich, wie es hinter Soltau aussieht, und so ließ ich die Maschine weiter gleiten bis Fallingbostel. Das hätte sehr entspannt sein können, mit vollem Tank. Ich war froh, in Dorfmark eine Classic Tankstelle zu finden und gönnte mir Super Plus und einen Cappuccino im Stehen. Allzulange durfte ich mich nicht aufhalten, daher war die Rückroute, grob nach Eigenorientierung in einem westlichen Bogen zusammenimprovisiert, eine Mischung aus auf-die-Uhr-gucken und sich-über-zu-viele-Dörfer-ärgern. Am Ende war ich auf der Autobahn und wäre beinahe im Elbtunnelstau verendet. Der Stadtverkehr war eine Qual. Als alles erledigt war, fuhr ich Fahrrad, wie alle anderen. Da fühlte ich mich wieder zu Hause. 



Mittwoch, 2. September 2020

Germany 20

Deutschland sei ja eigentlich auch schön, und überhaupt. Das haben wir ja selber auch mal propagiert. Jetzt brachte Corona die Wahrheit an den Tag. Mit zwei Wochen Zeit und leichtem Gepäck wollten wir die Gegenden kleinteilig erkunden, wo man sonst nur vorbeirauscht und denkt, "das müsste man eigentlich mal kleinteilig erkunden!". Um eins vorweg zu nehmen: Es ist wirklich schön. Wir hakten ein Must-See nach dem anderen ab: Sämtliche bedeutenden Bilderbuch-Flusstäler, picobello Fachwerkstädte genauso wie Every German Innenstadt. Wir tranken lokales Bier und parkten mit Parkschein. Vor allem aber genossen wir die die Landstriche und Mittelgebirge dazwischen, die wir auf gekonnten, ganztägigen Routen durchstreiften. Ob letztlich Heidelberg, Nürnberg, Marburg, der Harz, das Weser- oder Rothaargebirge, die lange Fahrt durchs Fränkische oder die Araltanke in Rothenburg das Highlight war? Schwer zu sagen. Was bleibt, ist das Gefühl für die Gesamtheit, die Topographie, wo es herkommt und was es ist, dieses Land. 

Die ausführliche Dokumentation demnächst auf diesem Kanal.



Sonntag, 16. August 2020

Neukoppel wie noch nie

Es dauerte bis zum Nachmittag, bis wir endlich auf der Straße waren. Schnell nach Bergedorf, dann durch den Sachsenwald auf eine nie dagewesene Route nach Neukoppel. Als Himalayan/Mash-Duo kamen dabei wieder ungeahnte "Kürzeste-Route" Perlen zum Vorschein, praktisch in Sichtweite der ausgetretenen Pfade. Wir hatten den Speckgürtel noch nicht mal verlassen, da kamen schon mittelalterliche Katzenkopfpisten, die man am besten in den Rasten stehend entlangsegelte. Dann ging es kreuz und quer durchs Lauenburgische, weitgehend orientierungslos auf buschigen Nebenstrecken. Bei Wesenberg querten wir die Trave, dann kam Zarpen und langsam wieder Zivilisation. Wir verbrachten nette Stunden in Telses heiler Welt, warteten bis die Sonne fotogen tief stand und etwas abkühlte, und fuhren durchs Travetal über Meddewade, Pölitz und Lasbek in den Abend. Die Strecke kennen wir auswendig, aber diesmal sah sie aus wie nie zuvor.


Samstag, 15. August 2020

Alleinstellungsmerkmale

Allein unterwegs mit dem Cruiser, den ganzen Samstag, das hat auch was. Wegen unklarer Abendplanung tastete ich mich zunächst an der Elbe Stromaufwärts entlang. Die Elbuferstraße, die wir früher so oft fuhren, fällt aus heutiger Sicht anstrengend aus: Ein Dorf reiht sich ans nächste, Rumstochern im Kriechtempo, mieser Asphalt, überall Autos. An der Tanke in Hitzacker wurde alles klar und ein lange unter Verschluss gehaltener Plan kam zur Umsetzung: Zwischen Dannenberg und Uelzen, und weiter diagonal Richtung Celle, da gibt es Highways durch riesige Wälder. Es ging linear und ohne jede Störung durch einen heißen Wind in flirrendem Licht. Kaum ein Ort unterbrach den Genuss, kein Wohnmobil blockierte, kein Kleintransporter drängelte. Ich gab mich voll und ganz dem gleichförmigen, freien Gleiten hin, fragte mich, a) wer das wohl nachvollziehen kann, und b) wo sonst in Schland es eigentlich solche Straßen gibt. Hinter Celle machte ich noch einen Bogen über die  Militärstraßen westlich von Meissendorf. Die sehen auf der Karte mickrig aus, sind aber prächtig ausgebaut, schwungvoll verlegt und über zig Kilometer total verlassen. Rechts nahm ich eine mächtige Pilzwolke wahr. Bei näherer Betrachtung war das kein Atombombentest, sondern, schlimmer noch, eine kompakte Gewitterzelle. Ich berechnete einen Kurs, der mich ohne unnötigen Halt auf direktem Weg nach Norden in Sicherheit brachte. Die B3 rundete würdig den Cruise-Day ab, und zu Hause stand die Hitze in den Häuserschluchten wie eh und je.


Montag, 10. August 2020

Herzlichen Glückwunsch.

Endlich mal wieder eine korrekte Langstrecke: Berlin! Die B5 schimmerte endlos in der flirrenden Hitze, die Mash und die Himalayan schnurrten mit Tankrucksäcken auf ihr durch den Samstag. Einmal tankten wir, aber noch öfter waren die Wasserflaschen leer, oder wir brauchten nur mal eine Pause im Schatten. Klar kennt man die Strecke inzwischen, aber sie ist so lang, dass man die Etappen nie ganz erinnern kann. Mit der Nähe zu Berlin stieg die Hitze ins Astronomische. Die Straßenoberfläche hatte sich in Lava verflüssigt, die ganze Stadt war zu einer Masse heißen Gases geworden. Glücklicherweise war kaum Verkehr und auf der Garagenparty am Tempelhof gab es gekühltes Corona.


Sonntag Mittag waren wir auf dem Ku'damm unterwegs. Das Vio verirrte sich und wir sahen außerdem noch alle möglichen Plätze und Straßen, während wir eigentlich ins Havelland wollten. Alles war vergessen, als wir hinter Nauen von der Hauptstraße abbogen und uns den liebgewonnenen kleinen Landsträßchen hingaben, die nur das Navi kennt. Einsames Gleiten durch die Nachmittagshitze, Waldwege, Dörfer mit Zivilisationsanschluss, oder ohne. Größere Orte wurden allesamt umfahren, so dass wir bis Wittenberge durch einen umwerfend entspannten Landschaftsfilm fuhren, und zwar in der Hauptrolle. In Wittenberge checkten wir ein: Fein gemachte Industriekultur mit Beach Club, dazu Craft Beer. Um 22 Uhr ging die Musik aus.

Um 8 Uhr hatte Anja Geburtstag, es gab Blumen, einen Stadtspaziergang, late Check-out. Den Rest des Tages verbrachten wir auf der B195. Auch an einem Montag war sie total leer. Mit einem Auge behielten wir stets den Himmel im Blick, doch von Gewitterzellen war nichts zu ahnen, stattdessen das übliche makellose Blau und 32 Grad. In Lauenburg, gefühlt schon am Ziel, kamen verdächtig dicke, einzelne Tropfen. Vielleicht könnte mit ein paar gezielten Gasstößen entkommen. Quatsch. Unser rettendes Bushäuschen brachte der Hagelschauer fast zum Einsturz. Wir nutzen eine waghalsige Lücke auf dem Regenradar, ließen alles hinter uns. In Hamburg erzählten wir davon, aber man glaubte uns kein Wort. 


Freitag, 7. August 2020

Herrscher

Nun zu etwas ganz anderem: Herrenausfahrt von Strukdorf aus. Anja und ich waren am Vorabend zwar zusammen angereist, nun aber rollte ich solo auf der Bolt einer unbestreitbar gut aussehenden Truppe aus Honda NC (Horst), Royal Enfield Interceptor (Albrecht) und Triumph Street Twin (Götz) hinterher. Von Anfang an führten Horst und Albrecht als Doppelspitze auf gekonnter Route durch die Hitze Ostholsteins. Während Anja mit Autofahrerinnen unterwegs war, ging unsere Tour über Stocksee in die Ecke nordwestlich von Plön, meist auf vergessenen Nebenstraßen, manchmal auf Wirtschaftswegen, immer flüssig und entspannt. Durch das Hinterherfahren verlor ich den Überblick, was alles aber irgendwie interessant machte und eine introvertierte Fahrweise ermöglichte. Überraschend hielten wir mehrmals an bedeutenden Gutshäusern, die sonst allenfalls hinter Büschen vorbeirauschen. Hier freundete Horst sich sogleich mit den örtlichen Grafen an und wir lernten viel über die gute alte Zeit im Feudalsystem. Weit im Norden, fast schon bei Kiel, erkannte ich einige Strecken wieder. Am Westensee gab es Kaffee auf der Liegewiese, die Doppelspitze klügelte den Heimweg aus. Der zog sich herrlich verträumt in die Länge und blies warmen Wind durch meinen Hoodie. Wir erreichten das Anwesen, es strahlte herrschaftlich in der Abendsonne. Die Herren schmierten sich ein Leberwurstbrot.


Sonntag, 2. August 2020

Der Highway-Effekt

Gleichmäßig segelte die Bolt den Highway 3 entlang. Das endlose Asphaltband kam vom Horizont, wo der Alleetunnel sich in einem Punkt trifft, wurde angesaugt und floss durch mich hindurch, was einen angenehmen Rausch verursachte. Ein perfekter, anhaltender Moment. Anja folgte lange unauffällig im Rückspiegel. Unvermittelt überholte sie mich lauthals. Ich wusste schon: Ob es nicht vielleicht mal was Kurvigeres gäbe. Ja. Nach einem Cappuccino in Soltau. Irgendwo ein Stück östlich würde es wieder nach Norden gehen, kleinteilig. Das haben wir oft genug so gemacht. Tatsächlich war es an mancher Ecke ziemliches Gerate und etwas Glück, bis wieder eine bekannte Landmarke in Sicht kam. Das war okay. Unterlüß fanden wir ohne Probleme, und die sagenhaft einsamen Waldstraßen am Rand der Militärgebiete, und dann die Genussstrecke hoch nach Amelinghausen. Die Fahrt ging von A bis Z ungestört und lässig vonstatten. Die Bolt war sehr anschmiegsam geworden (bzw: ich) und ihr satter Schwung in den Kurven konnte abhängig machen. Bei Fliegenberg erreichten wir, inzwischen in drückender Nachmittagsschwüle, den Elbdeich, breiteten unsere Decke darauf aus und fielen in einen handfesten Sofortschlaf. Als wir erwachten, stand im Westen eine schwarze Gewitterwand über der Stadt. Jetzt ging es um Minuten. Aufpacken, los. Schnell. Elbbrücken, Schanze, Garage, erste Tropfen, Klappe zu, überlebt.

Samstag, 1. August 2020

Das reicht.

Eigentlich war alles anders gedacht. Der matt-bleiernde Himmel blieb bis zum Abend und machte die großen Pläne zunichte. Aber danach, vielleicht gegen 18 Uhr, warum nicht mal kurz nach Kollmar fahren? Das war früher auch oft ausreichend. Hinter der abgezogenen Front war ein warmer Südwestwind gekommen, gegen den wir die 400er anprügelten. Das ist schön an der SR, man gibt volles Rohr und freut sich, wenn die Nadel dabei über 110 geht. Die Mash lief lockerer, wen man Anja glauben darf. Am Bikertreff wollten wir groß rauskommen, aber es war kaum Publikum da. Wir tranken  ein Alkoholfreies, das musste reichen. Noch einen schönen großen Bogen über Barmstedt nach Quickborn, dann die B4 zurück. Überraschenderweise reichte das tatsächlich.

Freitag, 31. Juli 2020

Disziplin

Freitagfeierabend. Kein Bier. Nur essen, reden, auf die Uhr gucken. Abwägen. Letztlich: Jacke an, Bolt raus, große Hafenrundfahrt. Der Sonnenuntergang auf der Köhlbrandbrücke, der war von einem anderen Planeten. Auf der Dradenau war sie dann zwar schon weg, aber das Neonlicht strahlte wie Science Fiction. Das galt übrigens auch für die Benzin-LED, die ich ganz vergessen hatte und was mir erst auf der Autobahn im Elbtunnel (!) wieder einfiel. Mulmig, mit Samthandschuh am Gas erreichte ich die rettende Tanke am anderen Ufer. Das war zwar alles Fake, wie sich herausstellte (noch über 2 Liter drin!), aber ich hatte was zu erzählen.

Samstag, 25. Juli 2020

WB20 Summit oder: die Aktuelle Situation

Wir konnten es selbst nicht glauben, dass jetzt, so spontan, per Eilmeldung, ein amtliches Wittenberge-Summit in großer Konfiguration anberaumbar und möglich sein sollte. Aber es war so. Wir mit Mash und Himalayan, dazu Marcus (in Originalkleidung) auf Historischer G/S, so rollten wie in Trance durch die Grüntunnel der B216 Richtung Dannenberg. In den Elbauen staute sich die Hitze und darüber quoll es schwer, aber in Wittenberge am Fährmann brannte die Sonne. Thomas, Anja2 (Vanvan) und Rembert mit der Slim waren eingetroffen. Wir besprachen die Aktuelle Situation, Brandenburg-Issues, meist aber ging es um Bikes und große Pläne. Alle hatten einen langen Rückweg, die Gruppe versprengte sich. Unser Trio glitt ruhig durch den Spätnachmittag die einsame, museumshafte B195 entlang in den goldenen Westen. Ein Sprühschauer kam noch, aber die Gesamtsituation war top, da waren sich alle einig.

Freitag, 24. Juli 2020

Faszination Universum

Freitag 23:30 öffnete sich ein Startfenster. Die Himilayan hob ab und schwenkte in einen erdnahen Orbit ein. Ich schaute zurück auf buntes Glitzern und Menschen wie Amöben. Die zweite Stufe brachte mich auf eine Transferbahn an den äußeren Rand des Systems. Hinter Quickborn kamen noch ein paar namenlose Kleinobjekte, dann schwebte ich frei in der unendlichen Schwärze. Ich hielt in einem Lagrange-Punkt bei Bilsen, schaltete das Licht aus genoss den Moment. Neowise war tatsächlich zu sehen, verblasste aber etwas im Leuchtfeuer des Universums. Bevor der Treibstoff ausging, und weil ich super Weindurst hatte, ließ ich mich vom Schwerefeld einfangen und über die B4 wieder anziehen. Bis zum Wiedereintritt orientierte ich mich am Saturn und Jupiter, die über der Stadt leuchteten. Auf der Erde war das Leben normal weitergegangen, schlafend, cornernd, voller Schwerkraft.

Sonntag, 19. Juli 2020

Immer gut, immer richtig.

Moped gewechselt, und nochmal los am selben Tag, jetzt mit Anja, yeah. Abendliche Anreise nach Strukdorf, gleich im Adventure-Mode: Hinter Kayhude folgten wir dem Vio querfeldein durch nie gesehene Dörfer und schöngemachte Landschaften. Es war die kürzeste Route, fühlte sich aber an wie ein Kontinent.
Am Sonntag steigerte sich das noch ins Extreme. Da McPom irritierenderweise noch gesperrt war, hatte ich eine auf dem Display interessant aussehende Route von Strukdorf aus durch Schleswig-Holstein einprogrammiert. In der Praxis wurde daraus eine umwerfend vielseitige, tagfüllende Tour mit allem, was man will, und was die Mash, aber erst recht die Himalayan gern unter den Reifen hat: Goldenbek-Ahrensbök, Eutin, dann auf abseitigen Wegen durch die Berge der Holsteinischen Schweiz, so dass wir vollkommen die Orientierung verloren und einfach der Technik vertrauten. Schwüle Hitze lag über den Wirtschaftswegen durch die Knicks, Landstraßen, mal ein Stück Bundesstraße dazwischen, und kühlende Wälder. Wir kamen so bis in die Nähe von Kiel, durchstreiften das Mittelgebirge bei Westensee und schwenkten von dort nach Westen in die Gegend um Rendsburg. Emkendorf war das letzte romantische Highlight, dann kam eine zweite Luft und der raue Charme der Geest bestimmte das Bild. Es ging immer weiter, es war immer gut, immer richtig. Mit schmerzenden Hintern und bester Laune kamen wir über Quickborn nach Hamburg. Da fuhren die Leute immer die schnellste Route, das ist nix für uns.


Samstag, 18. Juli 2020

Nichts anbrennen lassen.

Ein Samstag im Juli 2020. Anja ging zur Arbeit, ich in die Garage. Um 10 Uhr rollte die Bolt durch die Schanze. Keine Viertelstunde später donnerte ich auf der Autobahn 1 nach Süden. Als Test. Damit lässt sich momentan noch alles verargumentieren. Bis Hollenstedt ließ ich mich im Sog der Familienkutschen mitziehen, dann bog ich ab, auf die leer im Flachland liegenden Landstraßen. Die Fahrt mit dem Cruiser brachte dieser ungeliebten Gegend neuen Glanz. Geraden zwischen Ortschaften bekamen Bedeutung. Birkenalleen in den Mooren zogen vorbei wie im Roadmovie. Über Schneeverdingen ging es Richtung Heide. Ich genoss mit allen Sinnen, ungestört und meist im Sweetspottempo über weiten Hügel zu rauschen. Manche Straße wirkte geradezu lasziv, wie sie sich hinter einer Kuppe im Grün räkelte. Ich ließ nicht anbrennen, fuhr aber trotzdem nach Hause, denn ich musste noch einkaufen.

Freitag, 17. Juli 2020

Qualität

Zwischen Excel und Jira war noch ein Landkartenfenster geöffnet, auf dem erschien prokrastinierend eine diagonal nordwestlich von der B4 abzweigende Landstraße, die ich vorher noch nie wahrgenommen hatte. Sie verlief schnurgerade und weitgehend unterbrechungsfrei. Ich diskutierte die verbleibenden Aufgaben weg und machte Feierabend. Eine halbe Stunde später hatte ich die Lederjacke an und steuerte erhaben die Bolt aus der Stadt heraus. Die Straße war leicht zu finden, sie war genau wie versprochen, vielleicht nicht ganz so lang wie auf dem Bildschirm. Dennoch, der Sundowner, die Dämmerung über der parkartigen Landschaft, durch die ich den Cruiser cruisen ließ, der anschließende Ritt über den Highway 4 zurück ins Neonlicht, das was Quality Time. Ich erzählte Anja davon, dann bruten wir Burger. 

Donnerstag, 16. Juli 2020

Erfüllung

Es ist alles noch da: Die langweilige Strecke durchs Alte Land, die Apfelplantagen, die grelle Sonne von vorn und die Imbissbuden am Lüheanleger. Alles da, wie vorher, wie schon immer. Nur: Heute muss man die ganze Zeit 50 fahren. Vielleicht mal 60. Bei solchen Strecken glänzt die SR 400 mit ihrem unschlagbaren Alleinstellungsmerkmal, einer erfüllenden Langsamkeit. Nebenbei ist man mit ihr der garantiert lässigste Hipster am Treff der Dorfprolls mit Currywurst. Ich bestellte Pulled-Pork, guckte Schiffe, dann kickte ich gekonnt genau ein Mal, und bullerte mit 55 Km/h zurück.


Sonntag, 12. Juli 2020

Lange Kurzstrecken

Wir hatten Zeit, und das Wetter war trocken. Nicht hochsommerlich, aber okay. Ich nahm sie SR, eigentlich nur um mein neues Outfit bestmöglich zu präsentieren. Alles passte, nur der Verkehr im südlichen Speckgürtel nervte, als uns wir ohne Karte einen eher blöden Weg durch Harburg nach Hanstedt improvisierten. Danach kam das bekannte Heidefeeling: Allein auf endlosen Wandschneisen dahinbrummen, in den Dörfern immer gleiches Fachwerk und Heidschnuckenkitsch. Unten bei Munster liegen die Militärübungsgebiete, an deren Rändern es fast vergessene, legal befahrbare Zugangsstraßen ohne jeden Verkehr gibt. Wir machten Pausen im Nichts, genossen die Mischung aus Waldvogelidylle und Kalter Krieg. Bei so viel Zeit und so wenig los konnten wir die Strecke beliebig ausdehnen. Das kleine Stück durchs Minigebirge zwischen Wriedel über Wulfsrode nach Amelinghausen war weltklasse. Der Wind kam inzwischen von Norden, und kroch unter die Jeans. Außerdem ist und bleibt die SR einfach eine gutaussehende Kurzstreckenmaschine, die aber auf den langen Geraden nicht unbedingt ins Gleiten kommt. Anja und die Mash blieben bis zum Schluss ganz entspannt, aber ich spürte einen zunehmenden Zug nach Hause, und zwar durch die eisig-harte Julisonne direkt in die Wanne.

Freitag, 10. Juli 2020

Schaufenster

Ganz wichtig: Abends noch eine Runde drehen, solange es noch geht. Wenn man eine Bolt hat, die Rosengartenstraße, die B3 bis Welle, dort ein Bifi und ein Vitamalz ordert, dann in der Abendsonne durch die Heide über Undeloh einen schmissigen Bogen zurück nach Hanstedt dreht, und über Stelle an den Elbdeich kommt, dann sah alles verdammt gut aus. Das neue Outfit auch. Schade dass absolut niemand da war, nicht mal Schaufenster wo ich mich spiegeln konnte.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Optik

Feierabend. Und mal ohne Regenschauer. Kalte Sonne stach durch die Baumkronen. Ich donnerte mit der Bolt die Rosengartenstrecke entlang, im Rückspiegel folgte meine Augenoptikerin auf einer roten Suzuki mit Sportauspuff. Es war unsere erste gemeinsame Fahrt, es ging unkompliziert und zivilisiert übers leere Land nach Buxtehude. Dort saßen wir in einem seltsamen Imbiss und lästerten über Harleyfahrer. Nebenbei testete ich meine neue Lederjacke. Gut, dass ich das Thermofutter drin gelassen hatte. Auf dem Rückweg wurde es spät und die Kälte kroch wie im Spätherbst. Die Optikerin ließ sich nichts anmerken. In übertrieben rosafarbener Dämmerung fuhren wir die bekannten Fotopunkte im Hafengebiet an. Das Neonlicht strahlte dazu. Die Fotos wurden nichts, doch die Bilder blieben im Kopf.


Sonntag, 5. Juli 2020

Sinn bei Südwest

Schwüle, die umschlug in Herbstwetter. Die rettende Idee kam erst recht spät. Zuerst hatten wir tastsächlich versucht spazieren zu gehen oder sinnvolle Dinge zu erledigen. Hat beides nicht geklappt. Jetzt rauschten wir zu zweit auf der Himalayan gen Westen. Die Elbmarschen zwischen Uetersen und Glückstadt geben an sich nicht viel her, doch bei diesem Wetter macht diese Landschaft Sinn. Zerrissener Himmel stürmte uns entgegen, Böen schüttelten uns durch. Sonnenstrahlen schossen brutal aus spontanen Wolkenlöschern, im nächsten Moment walzten bedrohliche Schauerfronten im Gegenlicht übers Flachland. Vor denen hielten wir wir respektvoll Abstand. In Wewelsfleth bewunderten wir einen echten P-Liner, fanden alles dufte, dachten noch kurz über einen hippen Filterkaffee im Glückstädter Beachclub nach, aber die nächste Regenzelle am Horizont kam ungebremst auf uns zu. Wir retteten uns mit Vollgas (diesmal mit Rückenwind) in ein Eiscafé in der Nähe von Holm. Die Front zog wenige Zentimeter am Cappuccino vorbei. Über Wedel kamen wir zurück in die Stadt. Wir waren noch so beschwingt, dass wir eine total überflüssige Runde durch den Freihafen im Hartlicht drehten. Einfach, weil wir es konnten.

Sonntag, 28. Juni 2020

Vakuum

Erst war die Vorhersage so geil, dass wir uns direkt den Freitag freigenommen und ein Zimmer gebucht hatten. Dann ging die Regenwahrscheinlichkeit noch ein paarmal hin und her, so dass wir zweifelten. Letztlich blieb davon nur 30 Grad heiße Luft, die uns auf dem Weg durchs nachmittägliche Wendland entgegenströmte. Bis Dannenberg begleitete uns noch träger Berufsverkehr, ab da waren wir allein  in den Elbauen. Wir querten die Elbe bei Wittenberge, dann waren es nur noch 20 Kilometer bis Bad Wilsnack. Ein Ort, der überall genannt wird. Mit einer überdimensionalen Kirche, einem Hotel im Bahnhof, ansonsten menschenleer und verschlossen wie im übelsten Lockdown.
Die Ausfahrt am Samstag war ein Highlight. Mit ganz viel Zeit ließen wir uns vom Vio leiten, im kürzestmöglichen Modus, querfeldein auf einem großen Oval durchs Vakuum der Prignitz. Diese Region ist riesig, unbewohnt und unendlich weit weg von allem. Wir tasteten uns durch tiefe, kühlende Wälder, durchfuhren das gar nicht so üble Kyritz. Es ging über Winkelwege Richtung Müritz, durchs Gebüsch entlang romantischer Seen, dann diagonal nach Nordwesten über museale Dörfer bis kurz vor Lübz. Am Ende kamen wir irgendwie hinunter nach Perleberg und dann an die Elbe. Unmöglich, die Tour im Detail zu rekonstruieren. Anfangs waren wir noch zögerlich, wenn uns der Weg seltsam kleinteilig und irgendwie illegal vorkam. Nachher fuhren wir selbstbewusst in jeden Betonplatten- oder Feldweg ein, den das Navi uns vorsetzte. Zwischendurch kam immer mal wieder ein Stück Landstraße zum durchatmen, dicke, alte Alleen, Felder, Wiesen, Seen in flirrender Hitze - und nie ein Mensch. Die Himalayan war perfekt für die historischen Straßenbeläge, die Mash weitgehend auch. Beide hatten  das perfekte Tempoprofil für diese Strecken. Wittenberge sah nach diesen 300 Kilometern für uns aus wie eine Metropole. es gab ein Gartenlokal und richtig was zu Essen. Das war gut, denn in Wilsnack hatte an diesem heißen Sommerabend alles zu. Nur mit Mühe war noch ein Absacker zu bekommen. 
Sonntag kam wieder der Regen nicht. Wir waren früh unterwegs, rollten die B195 von Dorf zu Dorf nach Westen, unter bedecktem Himmel, der kilometerweise kühler wurde. Das hatte etwas herrlich unkompliziertes an sich, und es machte und gar nichts aus, schon am Nachmittag wieder zu Hause zu sein, zum Dampfstrahler zu fahren und die Insektenkruste von den Bikes zu sprühen. Die Stadt war voller Menschen, und jetzt gefiel uns das.

Sonntag, 21. Juni 2020

Sundowner

Die Mash und die Bolt zusammen unterwegs - das neue Normal? Mal sehen. Die ersten 1000 Kilometer müssen jedenfalls gefüllt werden, und überhaupt war mir jeder Grund recht, den Cruiser in allen möglichen Szenarien zu testen. Eins war schnell war klar, vom Tempo her passte das genau wie sonst auch. Die Autobahn mit Rückenwind nach Geesthacht, die B5 bis Boizenburg. Gut. Wir kamen auf die B195. Mehrere Polizeiposten richteten ihre Laserpistolen auf uns, ohne Erfolg. Wir waren zu langsam. Auf manchen Passagen probierte ich verschiedene Sitzhaltungen aus, dazwischen war ich abgelenkt von Kurven, die die Bolt leichtfüßig, aber mit spürbar satten Schwung nahm. Die Straße war gesperrt, wir verbrachten eine in der Junihitze flimmernde Stunde am Deich, fuhren mit der Fähre über den Fluss und setzen die Tour fort. Durch bilderbuchartige Hinterwelt zwischen Darchau, Himbergen und Bienenbüttel. Wir konnten uns Zeit lassen, den der Tag war unendlich lang. Lüneburg lag nahe, aber bestimmt mit Menschenmassen im Hitzestau. Der City-Döner in Salzhausen war dagegen optimal. Wie aßen im Schatten und bewunderten örtliche Autoposer. Ein langer windiger Bogen über Undeloh, hinein ins harte Gegenlicht bis Welle. Da waren wir schon müde wie nach einem ganzen Tag. Es folgte noch die lange B3 in kühlem Blättertunnel nach Hamburg, zweisam und cruisend. Zum Sunset passte noch eine Runde durch den Hafen. Es blieb hell bis in die Nacht.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Midsommarfrikadellen

Gut, dass man die Wahl hat. Es ist Sommer, die Sonne knallt rund um die Uhr. Nach dem Homeoffice kann ich ausfahren wie es mir gefällt. Per Definition ist die SR ein After-Work-Bike. Ich lasse sie locker durch die Häuserschluchten dampfen und gucke ob jemand guckt. Dann fahre ich zum Sunset auf den Steinwerder, oder ans Kattwyk, mit einem Alkoholfreien im Rucksack. Nice.
Alternative: Mit der Bolt ging es durch den abendlichen Elbtunnel, dann beherzt über die Rosengartenstraße zur B3, einmal durchatmen bis Welle, hoffen auf ein Getränk an der Tanke, die leider zu hatte. Trotzdem.
Oder nochmal anders, wieder Bolt: Im Hoodie lässig bei 25° die Elbe entlang, am Deich halten und mit einer noch warmen Frikadelle von der Total-Tanke den Abend gestalten. Auf der Rückfahrt auf der anderen Seite den Gegenwind entdecken, und die plötzliche Nordwestkälte. Wow.


Sonntag, 14. Juni 2020

Alles da.

Alles war neu, die Tage endlos. So konnte ich, auch wenn es schon fast Abendbrotzeit war, die Bolt anlassen und über leere Landstraßen nach Nordosten gleiten, weil da keine Wolken waren und der Asphalt in der Sonne schimmerte wie im Film. Ich genoss den Charakter der Maschine sehr, sie war rough und bullig, und ich musste mich unterordnen, so soll es sein. Die B75 spulte unter meinen Rädern ab, 90 Sachen zum Genießen. Lübeck kam schon in Sicht. Ich bog spontan ab und fuhr in Strukdorf vor. Sabine empfing mich im Bikini und brachte ein Bier, ein paar Minuten später rollte Horst mit seiner NC auf den Hof. Wir tranken alkoholfrei und diskutierten alles durch. Cruiserfahrer argumentieren nicht. Ich hätte gern noch eine Wurst mitgegrillt, aber Anja wartete auf mich. In filmreifer Abendstimmung bullerte ich über Land nach Hamburg, parkte extrem cool in der Schanze und holte 2 Döner zum Mitnehmen. Mit alles.

Sonntag, 7. Juni 2020

Easy Sonntag.

Auch ganz schön, ein Sonntag ohne was vor. Warum nicht mal tauschen, zur Abwechslung? Anja steuerte die Himalayan die Deichstraße entlang, ich die Mash. Wenig verkehr, kühle Junibewölkung, entspanntes dahinbrummen mit Richtungsentscheidungen, die entlang des Weges kamen und gingen. Bei Geesthacht überquerten wir die Elbe, blieben ein Stück auf Hauptstraßen und fanden uns vorm Dom von Bardowick auf einer sonnigen Bank sitzend wireder, die Fahrerfahrungen austauschend. Kurzfazit: Die Mash hat Charakter, die Enfield läuft wie Butter. Danach irrten wir etwas desorientiert im Stadtrand von Lüneburg umher, fanden endlich den Weg nach Salzhausen, stockten aber, als wir die dunkelgraue Masse am Horizont erblickten. Strategiemeeting, Umkehr. Ausharren am Deich bei Barförde, dabei Pferde gucken und sich wundern. Die Stelle hatten wir am Anfang von Corona entdeckt uns gemerkt. Sie ist gut und die Strategie ging auf. Die Front zog vorbei bevor wir Hamburg erreichten. Das war easy.

Dienstag, 2. Juni 2020

Nur das Cruisen.

Um 14 Uhr wurde ich unruhig, keine Stunde später verließ ich das Homeoffice und fuhr per Moya zum Glaspalast an der B4. Kurz darauf setzte ich meine nagelneue Bolt wummernd in Bewegung. Ließ mich blöd von der dumpfen Autokolonne der Landbewohner bis nach Bad Bramstedt ziehen, bog ab, nach Segeberg, die Maschine erwachte langsam und ich schmiegte mich an, fand das beste Tempo (90!), nahm leere, kurvige Straßen, konnte nicht mehr aufhören. Ein flirrender Sommerabend, heißer Stahl und schimmernder Asphalt, wie das passte. Oldesloe, Lasbek, Ahrensburg. Reichte nicht. Ein Stück Autobahn, dann noch mit Schmackes eine Hafenroute. Schanze, Garage. Bolt. Alles meins. Geil.

Montag, 1. Juni 2020

Reisefreiheit

Pfingsten 2020: 4 freie Tage, 2 volle Tanks, Reisefreiheit und Bombenwetter. Wir freuten uns auf die erste Langstrecke seit Monaten. Wie in alten Tagen steuerten unter Autobahnvermeidung auf Darmstadt zu. Es ging Freitag früh los, mit langer Unterhose auf langer gerader B3 bis Hannover. Die dortige Stadtautobahn sollte zum schnellsten Abschnitt der Tour werden, denn noch war Werktag und auf den meisten Strecken bummelten wir im LKW Verkehr mit 70 Sachen durch den Tag. Das war lästig, aber unanstrengend und machte auf der B27, hunderte Kilometern entlang am östlichen Rand des Westens letztlich keinen Unterschied. In Bad Hersfeld bogen wir ab und ließen uns diagonal durch das Vogelsberggebiet auf erfrischend kurvigen Landstraßen bis Hanau navigieren. Mit satter Verspätung und bester Laune kamen wir in der Wormser Straße an. Für die 11-Stunden-Tour wurden wir gefeiert wie Helden.
In der Familie sind inzwischen alle Männer Biker. Samstag holte Albrecht mit berechtigtem Besitzerstolz eine chromblitzende Royal Enfield Interceptor aus dem Carport und führte uns damit ganztägig zu touristischen Hotspots des Rheingaus. Es gab Picknick mit Fernsicht über das Rheintal, Paradestrecken unter Burgen, diverse Fährüberfahrten sowie einen Autobahnstau bei Sommerhitze (auch lange nicht gehabt!). Gegen Ende lösten wir uns ab und ich programmierte einen herrlichen Weg durchs Hinterland von Bingen. Das Gegenlicht fiel über weites Hügelland, im Vordergrund leuchteten Weinreben. Die Straßen dazwischen hatten wir für uns allein. Zurück in Darmstadt, stieß abends noch Wulf dazu. Er stellte seine Scrambler 1200 zu den anderen und wir bestellten was beim Griechen.
Sonntag waren wir zur viert unterwegs. Die Gruppe muss klasse ausgesehen haben, wie wir, angeführt von Wulfs Spezialsoftware, auf unbekannten, interessant zu fahrenden Berg-und Talstraßen durch den Spessart kurvten. Ich genoss das Hinterherfahren, ab und zu tauchten mehr oder weniger bekannte Ortsnamen auf, manchmal ging es über zweifelhafte Waldwege, aber meistens ging es schwungvoll von Wald zu Wald, Tal zu Tal, mit prächtigen Ausblicken und genüsslichen Anstiegen mit Vollgas. Wir kamen bis hinunter ins Neckartal wo die Sonne brannte, und wir auf einer Burg standen und zurück blickten, auf die Tour, sie war gut. Wulf verschwand in Richtung Murr, wir gönnten uns noch eine entspannte Route durch den kühlenden Odenwald heim nach Darmstadt, wo der Grill schon rauchte und diesmal Albrecht der Held war.
Noch während alle schliefen war ich mit Albrechts E-Kumpan Brötchen holen gefahren. Denn vor Anja und mir lag Pfingstmontag mit 550 Kilometer Heimweg. Kein einziges Wölkchen begleitete uns auf dem Weg über Fulda, Bad Hersfeld, Eschwege, Göttingen. Die Kilometer flossen gleichmäßig durch die Mittegebirgslandschaft, wir machten lieber eine Pause mehr als weniger, so dass wir uns sogar die Zeit nahmen, in Alfeld endlich mal das Fagus-Werk zu bestaunen (hinterm Zaun). Im Norden wehte ein frischerer Wind, die Sonne flirrte duch die schier endlosen Waldscheisen. Die letzte Kaffeepause machten wir an der Freien Welle in Welle. Zum Schluss waren es wieder 11 Stunden, eine besser als die andere.

Samstag, 23. Mai 2020

Männer wie uns

Nachdem ich meinen Beitrag zum Wiederaufbau geleistet hatte, fuhr ich direkt in die Oelkersallee, wo Marcus schon wartete. Ich wurde Zeuge, wie die historische G/S auf den ersten Klick ansprang. Ohne viele Worte machten wir uns auf altbekannte Wege, die in dieser Kombi trotzdem immer wieder was Besonderes sind. Hafenroute, Elbdeich bis Fliegenberg, dann über Stelle in die Nordheide. Die Enduros einfach mal laufen lassen. Für die ganz große Runde war es eigentlich zu ungemütlich, aber ich verhedderte mich in irgendeinem Dorf und führte uns wider Willen über herrliche Nebenstrecken bis zur Freien Welle in Welle. Der Cappuccinoautomat kennt mich bereits. Wir kamen über die B3 zurück, und blieben zum Schluss einfach auf der neuen Schnellstraße. Der Regenschauer vom Display, dem wir in Welle davongekommen waren, erwischte uns in der Schanze, 500 Meter vorm Ziel. Er dauerte zwei Minuten, und konnte Männern wie uns absolut nichts anhaben.

Freitag, 22. Mai 2020

Triftig

Himmelfahrt: Inzwischen brauchte man keinen triftigen Grund mehr. Wir hatten trotzdem einen, erneut in den Großraum Strukdorf zu reisen. Ohne schlechtes Gewissen nahmen wir uns für die Anreise einen ganzen Nachmittag Zeit, programmierten wieder eine Querfeldeinroute an der McPom_grenze entlang durch die abgelegenen Gebiete hinter Mölln und Ratzeburg. Hier war alles wie seit Jahrhunderten. Der Mai hatte alles mit einem ans Langweilige grenzenden, eintönigen Grünflausch überzogen, durch den die beiden 400er genügsam dahinbrummten, während sich ein erstes zaghaftes Sommerfeeling entwickelte. Wir kamen von Südosten auf Lübeck zu und durchquerten die Stadt mit den Augen von Touristen. Menschen saßen auf Picknickdecken am Fluss und genossen die Krise. In Neukoppel war Disco, nebenbei hatte ich Gelegenheit Birtes Riese & Müller Roadster zu testen. Es war erschreckend gut. Aber es kam noch besser: Abends, in Strukdorf holte ich Zigaretten aus Geschendorf - mit Götz' nagelneuer Street Twin, die ebenfalls alle Erwartungen übertraf.
Freitag ging es zurück ohne allzuviel Zeit zu verlieren. Wir kamen rechtzeitig vor der Wetterfront im Dorfmodus in Hamburg Schnelsen an und stoppten beim örtlichen Yamaha-Glaspalast. Ich bestaunte die dortige Bolt und nahm mir vor, aus triftigem Grund nochmal wieder zu kommen.