20 Jahre !!!

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Sonntag, 28. Juni 2020

Vakuum

Erst war die Vorhersage so geil, dass wir uns direkt den Freitag freigenommen und ein Zimmer gebucht hatten. Dann ging die Regenwahrscheinlichkeit noch ein paarmal hin und her, so dass wir zweifelten. Letztlich blieb davon nur 30 Grad heiße Luft, die uns auf dem Weg durchs nachmittägliche Wendland entgegenströmte. Bis Dannenberg begleitete uns noch träger Berufsverkehr, ab da waren wir allein  in den Elbauen. Wir querten die Elbe bei Wittenberge, dann waren es nur noch 20 Kilometer bis Bad Wilsnack. Ein Ort, der überall genannt wird. Mit einer überdimensionalen Kirche, einem Hotel im Bahnhof, ansonsten menschenleer und verschlossen wie im übelsten Lockdown.
Die Ausfahrt am Samstag war ein Highlight. Mit ganz viel Zeit ließen wir uns vom Vio leiten, im kürzestmöglichen Modus, querfeldein auf einem großen Oval durchs Vakuum der Prignitz. Diese Region ist riesig, unbewohnt und unendlich weit weg von allem. Wir tasteten uns durch tiefe, kühlende Wälder, durchfuhren das gar nicht so üble Kyritz. Es ging über Winkelwege Richtung Müritz, durchs Gebüsch entlang romantischer Seen, dann diagonal nach Nordwesten über museale Dörfer bis kurz vor Lübz. Am Ende kamen wir irgendwie hinunter nach Perleberg und dann an die Elbe. Unmöglich, die Tour im Detail zu rekonstruieren. Anfangs waren wir noch zögerlich, wenn uns der Weg seltsam kleinteilig und irgendwie illegal vorkam. Nachher fuhren wir selbstbewusst in jeden Betonplatten- oder Feldweg ein, den das Navi uns vorsetzte. Zwischendurch kam immer mal wieder ein Stück Landstraße zum durchatmen, dicke, alte Alleen, Felder, Wiesen, Seen in flirrender Hitze - und nie ein Mensch. Die Himalayan war perfekt für die historischen Straßenbeläge, die Mash weitgehend auch. Beide hatten  das perfekte Tempoprofil für diese Strecken. Wittenberge sah nach diesen 300 Kilometern für uns aus wie eine Metropole. es gab ein Gartenlokal und richtig was zu Essen. Das war gut, denn in Wilsnack hatte an diesem heißen Sommerabend alles zu. Nur mit Mühe war noch ein Absacker zu bekommen. 
Sonntag kam wieder der Regen nicht. Wir waren früh unterwegs, rollten die B195 von Dorf zu Dorf nach Westen, unter bedecktem Himmel, der kilometerweise kühler wurde. Das hatte etwas herrlich unkompliziertes an sich, und es machte und gar nichts aus, schon am Nachmittag wieder zu Hause zu sein, zum Dampfstrahler zu fahren und die Insektenkruste von den Bikes zu sprühen. Die Stadt war voller Menschen, und jetzt gefiel uns das.

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