20 Jahre !!!

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Montag, 1. Juni 2020

Reisefreiheit

Pfingsten 2020: 4 freie Tage, 2 volle Tanks, Reisefreiheit und Bombenwetter. Wir freuten uns auf die erste Langstrecke seit Monaten. Wie in alten Tagen steuerten unter Autobahnvermeidung auf Darmstadt zu. Es ging Freitag früh los, mit langer Unterhose auf langer gerader B3 bis Hannover. Die dortige Stadtautobahn sollte zum schnellsten Abschnitt der Tour werden, denn noch war Werktag und auf den meisten Strecken bummelten wir im LKW Verkehr mit 70 Sachen durch den Tag. Das war lästig, aber unanstrengend und machte auf der B27, hunderte Kilometern entlang am östlichen Rand des Westens letztlich keinen Unterschied. In Bad Hersfeld bogen wir ab und ließen uns diagonal durch das Vogelsberggebiet auf erfrischend kurvigen Landstraßen bis Hanau navigieren. Mit satter Verspätung und bester Laune kamen wir in der Wormser Straße an. Für die 11-Stunden-Tour wurden wir gefeiert wie Helden.
In der Familie sind inzwischen alle Männer Biker. Samstag holte Albrecht mit berechtigtem Besitzerstolz eine chromblitzende Royal Enfield Interceptor aus dem Carport und führte uns damit ganztägig zu touristischen Hotspots des Rheingaus. Es gab Picknick mit Fernsicht über das Rheintal, Paradestrecken unter Burgen, diverse Fährüberfahrten sowie einen Autobahnstau bei Sommerhitze (auch lange nicht gehabt!). Gegen Ende lösten wir uns ab und ich programmierte einen herrlichen Weg durchs Hinterland von Bingen. Das Gegenlicht fiel über weites Hügelland, im Vordergrund leuchteten Weinreben. Die Straßen dazwischen hatten wir für uns allein. Zurück in Darmstadt, stieß abends noch Wulf dazu. Er stellte seine Scrambler 1200 zu den anderen und wir bestellten was beim Griechen.
Sonntag waren wir zur viert unterwegs. Die Gruppe muss klasse ausgesehen haben, wie wir, angeführt von Wulfs Spezialsoftware, auf unbekannten, interessant zu fahrenden Berg-und Talstraßen durch den Spessart kurvten. Ich genoss das Hinterherfahren, ab und zu tauchten mehr oder weniger bekannte Ortsnamen auf, manchmal ging es über zweifelhafte Waldwege, aber meistens ging es schwungvoll von Wald zu Wald, Tal zu Tal, mit prächtigen Ausblicken und genüsslichen Anstiegen mit Vollgas. Wir kamen bis hinunter ins Neckartal wo die Sonne brannte, und wir auf einer Burg standen und zurück blickten, auf die Tour, sie war gut. Wulf verschwand in Richtung Murr, wir gönnten uns noch eine entspannte Route durch den kühlenden Odenwald heim nach Darmstadt, wo der Grill schon rauchte und diesmal Albrecht der Held war.
Noch während alle schliefen war ich mit Albrechts E-Kumpan Brötchen holen gefahren. Denn vor Anja und mir lag Pfingstmontag mit 550 Kilometer Heimweg. Kein einziges Wölkchen begleitete uns auf dem Weg über Fulda, Bad Hersfeld, Eschwege, Göttingen. Die Kilometer flossen gleichmäßig durch die Mittegebirgslandschaft, wir machten lieber eine Pause mehr als weniger, so dass wir uns sogar die Zeit nahmen, in Alfeld endlich mal das Fagus-Werk zu bestaunen (hinterm Zaun). Im Norden wehte ein frischerer Wind, die Sonne flirrte duch die schier endlosen Waldscheisen. Die letzte Kaffeepause machten wir an der Freien Welle in Welle. Zum Schluss waren es wieder 11 Stunden, eine besser als die andere.

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