über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 28. September 2025

Freundlichkeiten

Hamburg - Strukdorf, ein Klassiker, und etwas zu feiern gibt es dort oft. Allzu schnell wollten wir nicht werden, denn an Temperaturen unter 20° mussten wir uns erst noch gewöhnen, Nach einer geduldigen Fahrt über Norderstedt klarte im Norden der Himmel auf und sah gut aus, so wie wir. Das Beeline gab eine kleinteilige Fun-Route quer durchs Land vor, die wir vielleicht kannten, aber erst bei Nütschau waren wir uns sicher. Wir kamen zeitig auf dem Anwesen an, machten uns fein und feierten Horst.

Für die Rücktour hatten wir den ganzen Tag, der besser war als gedacht. Einmal das Meer sehen, das wäre schön. Es ging über Pansdorf Richtung Timmendorf, von dort nach Travemünde und zurück nach Schwartau. Der Wind blies stramm und kalt, ich hatte Lederjacke, keine Heizgriffe und auch keinen Windschutz. Anja machte das alles nichts aus, mir auch nicht. Was zählte, war das lange, unaufgeregte Gleiten durch den freundlichen Nachmittag in bewährter Umgebung. Als wir zu Hause ankamen, war es noch hell und immer noch freundlich, die Maschinen parkten in der Garage, wir legten die Füße hoch und wärmten uns auf.

Sonntag, 21. September 2025

Norden

In Hamburg erwartete mich ein unerwarteter Spätsommersonnabend und meine Z. Anja auch, aber sie musste schmieden. Ohne lange nachzudenken programmierte ich eine Route ans Meer (obwohl ich die seit 28 Jahren auswendig kann). Bis Witzhave ließ ich die Kawa auf der Autobahn 24 dahinschnurren, mit Rückenwind und träge fließenden Gedanken. Dann ging es über Ratzeburg auf die lange romantische Gerade nach Schönberg. Streckenweise trödelte ich hinter Autos hinterher, manchmal schaffte ich mir durch Gasgeben etwas Freiraum. Ich erreichte Brook wie einen Ort, an dem man am Ziel ist. Zum  Baden reichte das Wasser nicht, aber in der schrägen Septembersonne eindösen, das passte perfekt. Mehr aus Langeweile schaute ich aufs Wetterradar und wurde panisch. Was da im Westen quoll Westen kam, hatte das Zeug, den Tag in Jeans und Lederjacke total zu versauen. Ich rollte die rote Stranddecke ein und verlor keine Zeit. Schönberg, Ziethen, Mölln, so weit östlich wie möglich bis Lauenburg. Die Westfront blieb letztlich ungefährlich, so weit so gut. Um aber nach Hause zu kommen, musste ich einen absurden Bogen über Rahlstedt und City Nord planen, um bitte den Horrorstau der Vierrädrigen zu umfahren. Müde ließ ich mich von der großen Stadt im Norden absorbieren, stellte die Z in die Garage und machte ein Bier auf.



Sonntag, 14. September 2025

Süden

Von Northeim kommt man locker überall hin, auch nach Iphofen. Das sind zwar satte 300 Kilometer, aber vom Feinsten. Mit langer Unterwäsche und Gore Tex waren wir auf der B 27 unterwegs, von Westen kam eine Regenfront immer näher, und es waren vielleicht 15 Grad. Nicht daran störte uns, wir genossen die große Chaussee, die mit weiten Panoramen ein Bilderbuchdeutschland inszeniert. Das Stück von Fulda nach Bad Brückenau ist besonders spektakulär, die Straße windet sich durch die südliche Röhn, und selbst die vielen Autos, die verzweifelt ihren eigenen Autobahnstau umfahren wollten, störten uns diesmal nicht. Es ging einsam und flüssig weiter nach Süden über Hammelburg nach Arnstein, wo sich die Landschaft änderte in weitläufiges Hügelland mit Weinbergen und Sommerwärme. Das war Franken und ich konnte an nichts anderes mehr denken als Schäufele. In Iphofen überraschten wir Horst und Sabine. Der Abend gelang, es gab viele Themen und örtlichen Wein. Schäufele gab es nicht.

Deshalb reisten wir am nächsten Tag wieder ab. Zuerst musste noch ein Regenband abziehen, dann begaben uns auf die selbe Strecke zurück. Unten stand drückende Sonne über dem dampfenden Asphalt, auf den Kuppen zerfetzte der Westwind die Wolken. Der Tag verlief mit großer Leichtigkeit und ohne jede Störung. Pause in Fulda, etwas deplatziert inmitten Cappuccino trinkender Städter. Bad Hersfeld, Bebra, Eschwege, das sind Orte langer, ermüdender Touren der Vergangenheit. Jetzt ist Gegenwart, Northeim erreichten wir ganz locker, und hellwach. Beim Kochlöffel holten wir 2 halbe Hühnchen. Wenn es wieder Schäufele gibt, fahren wir wieder nach Süden.

Sonntag, 7. September 2025

Leer ist schöner.

Fliegen ist bestimmt schön, aber Motorradfahren auch und man muss nicht kotzen. Wir ließen die Propellermaschinen vom Flugtag in Hattorf zurück und programmierten ohne groß nachzudenken eine 'spannende Route irgendwo durchs Eichsfeld', im Osten. Manche Stellen kamen uns entfernt bekannt vor, z.B. der Bärlauchwald bei Lohra, aber dahinter lag unbekannte Erde. Wir waren fasziniert, wie weitläufig und leer das Land unter zartem Septemberhimmel unter unseren Reifen dahinzog, kein Verkehr störte den Fluss, der einfach nur aus freiem Schwingen über sanfte Hügel bestand. Oben gab es Ausblicke auf Bergketten am Horizont, unten buschige Senken, in denen menschenleere Dörfer lagen. So leer, dass man denken konnte, irgendetwas Schlimmes sei passiert und wir haben die Nachrichten verpasst. Egal, insgeheim waren wir vielleicht dankbar, hier niemand zu sehen. Vollkommen unerwartet tauchte die Unstrut neben der Straße auf, und unweit ihre Quelle. Es ist offenbar ein Pilgerort für Ossis und verwirrte uns. Gut für eine Pause mit selbstgepflücktem Apfel. Viele Kurven später war schon Spätnachmittag und hinterm Berg lag Göttingen. Wir waren im Westen. Ich konnte durchsetzen, den Abschluss auf der Burg Plesse zu krönen. Die Burg war voller Menschen, unnötig viele, nach all der schönen Leere.