über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 27. Juli 2014

7-Gang

Wo war nochmal Westerhever? Ach ja. Jedenfalls fanden wir diesmal einen Weg, der frappierend geradlinig war, aber schöner als das Gejuckel von einem Dorf zum anderen. Stattdessen eine dieser ehrwürdigen Ehemaligen, die mal wichtig waren, lange vor der BAB, und einen schönen Verlauf haben, und ein hohes Ziel. In diesem Fall Meldorf, das Dithmarscher Oberzentrum, nachdem bei Hochdonn per Fähre der Kanal überquert war. Wir fuhren die B5 entlang, parkten dekorativ vor der Eisdiele in Heide, fuhren wieder, im lockeren Strom mit den Touristen (wir waren keine!). Zwischen zwei klar umrissenen Gewitterzellen erreichten wir Eiderstedt. In St.Peter-Ording, die paar Tropfen, das war kein Grund zum Anhalten. Mitten auf freiem Feld wurde daraus urplötzlich ein stattlicher Starkschauer. Als er vorbei war, standen wir desorientiert an einer Weggabelung jenseits der GPS-Karte und Mobilfunkzellen. Das Windrad, bislang einziger Orientierungspunkt, war verschwunden. Ohne die Radfahrerin, die alles wusste, hätten wir den Haubarg, die LG's den ganzen Anhang und vor allem das luxuriöse 7-Gänge-Menü nie gefunden.
Am Sonntag trafen wir nach dem ganzen Hazzle endlich T+A in Fr. Es dauerte nicht lange und wir bevölkerten ein auf faszinierende Weise untermotorisiertes Elektroboot, dass ich so souverän wie möglich durch enge Grachten steuerte. Der Nachmittag war ruhig, und wir nahmen die selbe Straße zurück. Anja war dankbar über die friedliche, störungsfreie Fahrt. An einem alten Rastplatz stand eine Bank mit Blick über sanfte Geest. Die Sonne war mollig wie eine Decke, wir dösten sofort ein. Weiter voran, hatten sich die Ambosse im Osten aufgelöst und nur einen leichten Weichzeichner über der im frühen Abendlicht liegenden, vom letzten Schauer blankgekärcherten Landschaft hinterlassen. An Entscheidungspunkten nahmen wir immer den Umweg. Pizza in Glückstadt, über die Dörfer nach Elmshorn, ach nö, lass uns noch über Wedel fahren, und dann die Elbchaussee. Die Schiffe bekamen effektvolle Spotbeleuchtung von schräg rechts. In die Jacke wehte die laue Brise eines Sommers, dessen jede einzelne Sekunde uns gehört.

Sonntag, 20. Juli 2014

Tourismus

Irgendwann waren alle Geschichten erzählt, alle Brötchen verspeist und vor uns lag ein strahlendes Wochenende im Urlaubsland Schleswig Holstein. Vielleicht klappt es ja diesmal mit der Düne. Von Strukdorf aus ging es entspannt auf die jedes Mal aufs Neue traumhafte Strecke Ahrensbök-Eutin-Lensahn-Oldenburg. Wir hatten alles für uns, glitten ohne Handschuhe durch einen flirrenden Nachmittag. Als wir gerade ausholen wollten zum finalen Schlag, enstand auf der Autobahn bei Heiligenhafen ein sogen. Horror-Stau. Schwitzende Leiber, Hunde und Campingstühle auf dem Standstreifen. Wir passten trotzdem noch durch und nahmen die nächste Ausfahrt. Halb studierend neugierig, halb hoffend auf eine unentdeckte Bucht, rollten wir fassungslos durch bis zum letzten Zentimeter ausgequetschte Küstenorte südlich von Großenbrode. Wir fanden eine Bucht, aber sie war winzig und das Meer bedrohlich nah. In sonntagsgeöffneten Lidlmärkten stehen junge Sachsen schlange und kaufen Grillkohle. Wir kauften eine Flasche Rioja und segelten im Abendlicht nach Neukoppel. Dort war alles, was wir brauchten: Telse und ihr Jungvolk, Webergrill, und als Krönung das Sommerfest des örtlichen MC.
Am Sonntag war immer noch Sommer und wir in Neukoppel. Wir einigten uns auf einen dritten Versuch, die Düne auf Atlantis zu erreichen. Es ging entspannt auf die jedes Mal aufs Neue traumhafte Strecke Ahrensbök-Eutin-Lensahn-Oldenburg. Ohne Halt erreichten wir die Insel, direkt vor der Düne war eine Parklücke und hinter einem Busch war der heftige Ostwind sehr angenehm. Zu einem schnellen Schlaf brauste das Meer.Wir ließen ein paar Stunden vorbeiziehen und gingen gemütlich den Rückweg an, auf einer selten befahrenen Route über Neustadt, Süsel und Pansdorf. Sie ging genau richtig und geradlinig durch reifen Weizen und strahlte den bröseligen Glanz einer ehemals bedeutenden Bundesstraße aus, die nun unter dick gewordenen Alleebäumen einwuchert. Das Beste war, sie endete wieder am Hähnchengrill in Schwartau. Die B75 nach Hamburg glitten wir im diffusen Abendlicht einer wabernden Wolkenmasse mit unklarem Ausgang entgegen. In Hamburg lag noch die zermürbende Hitze des Tages auf dem Asphalt. Die Menschen flehten um Regen, aber der Himmel schwitzte nur einzelne Tröpfchen aus. Erleichtert diagnostizierten wir die angenehme Verblödung nach so einem Tag. Geht doch.

Freitag, 18. Juli 2014

Container

Am Freitag saßen wir erst im Metronom, wanderten durch Cuxhaven und kämpften uns bis zum Samskip-Terminal durch. Ein riesiger Reachstacker kam und brachte einen braunen 20' Container. Im Inneren befand sich eine extreme KTM sowie unsere Vanvans. Der Dreck der Hochlandpiste war noch dran und wirkte deplaciert, als wir durch das lieblich-grüne Land Richtung Wischhafen brummten. Dabei war es so heiß wie in der Wüste. Ohne Handschuhe und nach vielen Pausen kamen wir in Wedel an, stürmten noch kurz das Reisebüro und schwammen im Feierabendverkehr in die kochende Stadt.
Wir diskutierten, packten Sachen hin und her, suchten Dinge und rollten schließlich, nunmehr auf den riesigen Cruisern, in der Abendsonne Richtung Strukdorf, beflügelt vom Grillduft, der war Kilometerweit riechbar.


Sonntag, 13. Juli 2014

Resozialisierung

Die Rückkehr war gar nicht so einfach. Zunächst waren es 31 Grad, statt 13. Und es war sehr eng. Ich hatte die Koffer nur in die Ecke geschmissen und sofort die riesige Vulcan aus der Garage gewuchtet. Als ich endlich das Ende der schrecklichen Stadt erreichte, waren da statt offener Landschaft nur immer weitere überfüllte Dörfer, dazwischen langweiliges Agrarland. Später versuchte wir es mit Spätfahrten, hockten inmitten von Kleinbürgern in Appen und mampften Schweineschnitzel, ein anderes Mal cruisten in der Abendsonne durch die Hafenanlagen nach Harburg. Es wurde besser, aber morgens erwachten wir nach wie vor aus seltsamen Träumen mit Motels, Schotterpisten und Lavafeldern.
Dann kam ein Wochenende, und die Welt lag wieder vor uns. Zumindest Plön, mit Bikertreffen, der Stand in der Nähe, und Sommersonne. Alles war aber irgendwie noch unrund. Der Weg von Bad Bramstedt diagonal rüber in die Holsteinische Schweiz funktionierte nicht. Eine drückende Müdigkeit hing uns im Nacken, von Osten (!) kamen dicke Wolken über die See, so dass ein Stündchen in den Dünen ein Traum blieb und sich im Tagesverlauf 350 Kilometer füllten, aber ohne das angenehme Gefühl der Verblödung. Der Höhepunkt war das Hähnchen in Bad Schwartau. Gut, dass wir das wiedergefunden haben.

Montag, 7. Juli 2014

Weltreise

Beim Frühstück klarte es auf, wenig später war alles wieder in den Gepäckrollen, der letzte Reservekanister im Tank und wir auf der Hochlandpiste. Es ging stückweise mit sanften Zug über Feinschotter, meist jedoch im Slalom um die Regenlöcher herum. Dabei bloß nicht zu viel verbrauchen!  Von vorne kamen in dichter werdenden Abstand SUV's, Hochlandbusse und ahnungslose Wohnmobile. Wir genossen die letzten Blicke auf die endlosen Weiten und die Gletscher am Horizont, freuten uns aber insgeheim auf den nahenden Asphalt. Am Gulfoss hatte uns die zivile Welt wieder. Wir sahen Reisegruppen, Radfahrer und GS-Fahrer, die viel vor hatten. Wir hatten viel hinter uns. So viel, dass wir am Geysir die Tankstelle das einzig Interessante fanden (endlich!). In der Nähe von Thingvellir kam eine Regenfront von rechts, die wir austricksen wollten. Erstmal bogen wir ab und gaben Vollgas. Dann kam eine Piste, die sich vor einem stattlichen Gebirge verlor. Ein gut ausgebauter, spektakulärer Pass (2. Gang!) brachte uns in die Europa-Amerika Erdspalte, dann kam ein Stück Gerade, und nach einer Kuppe tauchte am Horizont das Häusermeer Reykjaviks unter blauem Himmel auf. Es war, wie nach einer Weltreise nach Hause zu kommen.

Sonntag, 6. Juli 2014

F 35

Im skurrilen Hotel Blönduos hatten wir uns festgesetzt, guckten wahlweise die vom Nordpol anstürmende Brandung oder verrauschte WM-Spiele. In der Zwischenzeit zog das üble Regentief vorbei und wir bereiteten unsere Hochlandüberquerung vor. Aus Angst füllten wir noch eine Limoflasche mit Benzin voll und nahmen sie mit. Am Samstagmorgen bogen wir gut gelaunt auf die F35 ab. Sie begann harmlos wir jede Unpaved Road, oben wird es etwas gröber. Noch weiter oben folgt die Piste den Vorgaben der Landschaft, d.h. auf den gerölligen Ebenen besteht sie aus grobem Schotter. Die Vanvans fanden immer Grip, wenns drauf ankam und Anja wusste was zu tun ist: Am Gas bleiben. Die Sicht war gut und am Horizont erhoben sich blendend die beiden enormen Gletscher und dazwischen das alpinesque Kerlingergebirge. Mittendrin lag unser Bergresort, wir bezogen unsere Luxushütte und fingen an zu wandern. Der Weg zu den Blubberfeldern war aber viel zu weit, also wanderten wir zurück und nahmen die Maschinen. Es folgte eine Piste der C-Kategorie, Steigungen die mit Not im Zweiten erklommen wurden, auf Schotter wie Tennisbällen. Am Gas bleiben, um zu überleben. Zwischen den Bergen liegt eine abgefahrene, bunte Felslandschaft eines anderen Planeten, aus den Ritzen dampft und sprotzt es. Aus der grauen Masse, eben noch fotogener Hintergrund, entwickelte sich in Sekunden ein Hagelschauer, der alles unter sich begrub. Im Schritttempo, blind und tropfnass holperten und schlingerten wir die Trialpiste hinab und machten drei Kreuze, als wir lebend vor unserer Hütte standen. Zur Belohnung bestellten wir eine Isländische Fleischsuppe und eine Fischeintopf.

Samstag, 5. Juli 2014

Zivilisation

Wir verließen Myvatn mit einem lachenden und einem weinenden Auge, auf jeden Fall aber im Nieselregen und mit Ziel Blöndous. Es dauert gar nicht so lange, da ändert sich die schroffe, feindliche Vulkanebene ziemlich abrupt in eine liebliche Alpenlandschaft mit Wiesen, Wäldchen und Bauernhöfen. Das Vorhandensein von Zivilisation und der heitere Himmel am Ende des weiten Tales taten gut, das muss man schon zugeben. Zwischen Akureyri und Blöduos verläuft die 1 durch ein 80 Kilometer langes alpines Tal, durch das uns der Nordostwind katapultierte. Am Ende, Richtung Meer, hatten wir ihn dann gegen uns. Das gelang zum Teil nur im Dritten, mit knapp 60 Sachen. Mit jedem Meter zum Ozean hin wurde es ein Grad kälter. Die Gischt kam bis ans Hotelfenster. Unten waren große Ledermöbel, draußen pfiff der Wind. Seit Hamburg Airport hatten wir eine Weinflasche im Gepäck. Die war nun fällig.


Freitag, 4. Juli 2014

Odin

Der Weg nach Myvatn führte 165 Kilometer durchs Nichts. Einen guten Teil davon fuhren wir zudem durch dichten Nebel, manchmal so dicht, dass ich über jeden sichbaren Brgrenzungspfosten froh war. Es war eine sehr abstrakte Fahrt. Im sichtbaren Teil sahen wir eine Landschaft, die völlig mit sich selbst beschäftigt war. Grau, braun , zerrissen und oft wie hingerotzt liegende Lavatrümmer. Außer der fremdkörperartig auf einem Damm hineingelegten Straße konnten wir alle Stadien der natürlichen Selbstzerstörung und Wiederneuordnung beobachten, jeweils einen Augenblick in Jahrmillionen. Eine bewährte Methode sich aufzuwärmen ist, mit allem Goretexgeschlüchter einen Geröllhügel hinaufzusteigen und damit Odin noch etwas näher zu sein. Nachdem wir von einer blauhaarigen Elfe im Gasthaus (mit Sammelbad) eingecheckt wurden, fuhren wir die 50 Kilometer zum Dettifoss. Obwohl dort die Chinesen mit Reisebussen angekarrt werden, konnten wir das Naturschauspiel nur bewundern. Der Vulkankrater Krafla (dort wandern die Chinesen im Kreis) war auch gut, obwohl ich das angeschlossene Geothermalkraftwerk besser fand. Es beheizt auch die heiße Dusche, dich im abends dringend nötig hatte.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Kaffeefahrt

Das Unwetter von Gestern Nacht war heute sogar im Fernsehen. Jetzt war alles wieder normal: Wind, wechselnde Wolken und immer wieder mal die typischen fahrigen Leichtschauer. Wir hatten eine superkurze Etappe, die uns überr das einzige Gravelstück der 1 führte. Inklusiv war eine respektable Passfahrt hinüber in ein Tal, in dem es grünte wie in Kanada. Wir checkten ein in Egilsstadir (einsilbig auszusprechen) und fuhren um einen langen See mit Ungeheuer. Die Fahrt war  entspannt wie eine Kaffeefahrt. Hin eine lange, gute Piste, zurück auf der Leeseite durch Wälder durch Kurven schwingend. Wenn wir oben am Berg im Sturm durch das Islandmoos stapften, behielten wir die Helme auf und haben gelernt, die Kamera mit Handschuhen zu bedienen. Der Mann an der Rezeption wollte sich glatt für das Wetter entschuldigen, wie kommt der dazu, das ist doch nicht Disneyland.

Mittwoch, 2. Juli 2014

978 Hektopascal

Gleich hinter der Ecke bei Hövn hörte der Sprühniesel auf, und eine sensationelle Küstenstraße entlang der zerklüfteten Ostflanke Islands begann. Im Zentrum des bekannten Islandtiefs, rotierte der Wind wie wir gegen den Uhrzeiger und schob uns weiterhin satt voran. Die Szenerie an den Fjorden entsprach genau den Vorstellungen: Einsame Küstenstraße, heftiger Wind aus allen Richtungen, der Atlantik umrahmt von schneebedeckten Bergen wie alpine Dreitausender, Wolken, die über die Gipfel quellen und wie Teppiche über dem Fjord wabern. Mittendrin zwei Vanvans, die sich wacker abmühten. Es war eine Strecke, auf der das klein und langsam sein seine Stärke ausspielen konnte. Wir glotzten eine Halbzeit Belgien - USA mit Einheimischen im Grillimbis von Reidarfjördur, einer matten Hafenstadt ohne Tourismus. Dann machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel in Breiddalsvik. Die Strecke zog sich jetzt ins Endlose, der Sturm kam nun meist frontal, oder in heftigen Böen von der Seite, und hatte jetzt Regen dabei. Verloren in der drohenden Schwärze ertasteten wir unseren Weg. Das Naturerlebnis war unvergleichlich, genau wie die Erleichterung, als Endlich das Schild "Hotel Magret 1000 m" kam.

Dienstag, 1. Juli 2014

Heute kein Picknick

Heute hatten wir einen Day-Off, und endlich Regen, der in Schüben übers Meer kam. Wir waren nach Hövn unterwegs, eine Strecke, die zumindest auf der Karte ganz gut aussah. In Hovn, einem derben Fischereihafen mittem im Nordatlantik, gab es Benzin und Proviant in großer Auswahl. Wir hingen ein halbes Stündchen im Backshop rum, und als es kurz aufklarte, fuhren wir die 65 Kilometer zurück. Bei dem Wetter pendelte sich die Wohlfühlgeschwindigkeit bei 70 Sachen ein. Auf den Ebenen waren weder die Berge noch die Küste zu sehen, nur ein Horizont von vielleicht 100 Metern, unter dem sich quälend das grobe Asphaltband abrollte. Wir waren froh üner unser Luxushotel, in dem wir den Rest des Tages verbrachten und Wetter- und Landkarten studierten, die nun bedrohlich wirkten. Im Radio lief Schland-Algerien, dagegen haben wir es ja leicht, dachten wir, und genehmigten uns einen Schluck Gin-Appelsinbrause.