über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 31. Oktober 2021

Letzte Runde

Saisonkennzeichen, Endzeitstimmung. Dass der allerletzte Tag des Oktobers sonnig, golden und warm wird, damit rechnete niemand und wir hinterfragten diese Geste auch nicht. Wir holten die Cruiser aus der Garage und gönnten der Bolt eine würdige Abschiedsrunde. Die Strecke durfte sie sich selber aussuchen, und überraschenderweise zog es sie nach Süden, in die Weiten der Nordheide. Genussvoll ging es durch übertrieben goldgelbe Waldstücke und über freies Feld in mildem Herbstlicht. Wir verwendeten viel Energie auf das finden geeigneter Fotospots, der zunehmend störende Autoverkehr auch an Sonntagen erschwerte dies zusätzlich. Die meiste Zeit glitten wir aber einfach dahin, spürten ein letztes Mal den knapp 15 Grad warmen Luftstrom und erlaubten uns eine Waffel mit Vanilleeis in Soltau. Schließlich war eine Art Feiertag. Feierlich, aber mit Blick auf die Uhr, planten wir um die vielen B3-Sperrungen herum einen überraschend gut zu fahrenden, kleinteiligen westlichen Bogen, der uns an die Schnellstraße in Harburg brachte. Ab da gab es kein Zurück mehr. Die Dämmerung kam, die Bolt wurde noch kurz gewaschen und dann abgestellt.



Sonntag, 24. Oktober 2021

Gold

Inzwischen war selbst der Oktober fast rum, und einmal kam noch ein strahlend kalter Sonntag. Ich musste schnell noch einen möglicherweise letzten Einsatz der Bolt inszenieren. Scheiß auf die Temperatur, den Autostau, auf alles, Cruisen ist das einig Wahre. Ich sah unfassbar gut aus, das war sicher, und die Fahrt fühlte sich stark an, frei, männlich. Das Licht war aus purem Gold. Genau wie die gesamten 2 Stunden im späten Oktober.



Samstag, 16. Oktober 2021

Angebote

Ich drehte und wendete es, und am Ende würde alles klar werden. Das Ende der Saison war schon voll da, und die letzten Fahrten der Himalayan waren bestimmt durch klare Zweckmäßigkeit, z.B. das Ansammeln von 500 Kilometern zur neuen Erstinspektion. Die vervollständigte ich mit Heizgriffen, in beeindruckend trüber Tristesse der Marsch zwischen Elmshorn und Itzehoe. Alles was mal war, begrub die frühe Dämmerung. Eine Woche drauf, während die Maschine bereits im Internet Klicks sammelte, nutzten wir sie noch zum Weinholen, und eine eine Fahrt nach Ahrensburg. Ein Angebot exzessiver Vernunft stand da, das niemand ablehnen konnte. Daran änderte auch die rundum befriedigende, große Elbdeichrunde mit der Enfield nichts mehr, die wir noch dranhingen, bis die Kälte kroch.



Montag, 4. Oktober 2021

Himalayan

Das Telefon klingelte und die Enfield war wieder da. Wir fuhren am Samstagmorgen zu zweit auf der Honda nach Seevetal und übernahmen ohne besondere Feierlichkeiten die Himalayan, die sich jetzt irgendwie anders anhörte, aber funktionierte, mehr will man nicht. Der Tag war rundum frühherbstlich, ungemütlich und wechselnd grau. Wir zogen ohne großen Plan durch die Nordheide. Anja fuhr vorweg über Bispingen, von da nach Wintermoor. Ich schaltete die Heizgriffe ein. Es waren gute Strecken, aber alles wirkte fad und blass. In Welle gab es kurz Sonne, Benzin und einen Kaffee, im Anschluss eine Rückfahrt durch den Freihafen mit gemischten Gefühlen.

Am Sonntag war es immer noch grau, aber seltsam warm. Ohne Navi ging ich allein mit der Enduro auf Tour, ließ mich gedankenversunken durch graue Vorstädte über Glinde bis nach Geesthacht treiben. Ich merkte es unterschwellig, fast widerwillig, aber alles passte so perfekt zusammen: das ruhige Dahinbrummen des Einzylinders, das unbeschwerte Handling, die unaufgeregte Entfaltung. Das bleiben Alleinstellungsmerkmale, da kann ich KTM's und BMW's testen so viel ich will. Ich fuhr vollkommen allein durch einen indifferenten Tag im leergefegten Grenzgebiet zwischen Dalldorf und Schwanheide, auf Plattenwegen und porösem Asphalt, drehte eine sinnlose Runde und fühlte mich gut. Es ging mit 65 Sachen am Elbdeich zurück, die Leichtigkeit war allumfassend. Das muss so bleiben.