Das Telefon klingelte und die Enfield war wieder da. Wir fuhren am Samstagmorgen zu zweit auf der Honda nach Seevetal und übernahmen ohne besondere Feierlichkeiten die Himalayan, die sich jetzt irgendwie anders anhörte, aber funktionierte, mehr will man nicht. Der Tag war rundum frühherbstlich, ungemütlich und wechselnd grau. Wir zogen ohne großen Plan durch die Nordheide. Anja fuhr vorweg über Bispingen, von da nach Wintermoor. Ich schaltete die Heizgriffe ein. Es waren gute Strecken, aber alles wirkte fad und blass. In Welle gab es kurz Sonne, Benzin und einen Kaffee, im Anschluss eine Rückfahrt durch den Freihafen mit gemischten Gefühlen.
Am Sonntag war es immer noch grau, aber seltsam warm. Ohne Navi ging ich allein mit der Enduro auf Tour, ließ mich gedankenversunken durch graue Vorstädte über Glinde bis nach Geesthacht treiben. Ich merkte es unterschwellig, fast widerwillig, aber alles passte so perfekt zusammen: das ruhige Dahinbrummen des Einzylinders, das unbeschwerte Handling, die unaufgeregte Entfaltung. Das bleiben Alleinstellungsmerkmale, da kann ich KTM's und BMW's testen so viel ich will. Ich fuhr vollkommen allein durch einen indifferenten Tag im leergefegten Grenzgebiet zwischen Dalldorf und Schwanheide, auf Plattenwegen und porösem Asphalt, drehte eine sinnlose Runde und fühlte mich gut. Es ging mit 65 Sachen am Elbdeich zurück, die Leichtigkeit war allumfassend. Das muss so bleiben.

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