über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 27. Mai 2018

Große Pause

Aufgewacht war ich mit dem Bedürfnis nach Weite und Raum, mal dahinbrausen, und zwar mit mehr als 70 Sachen, mit keinem Trödler vor der Nase und vielleicht mit etwas Luft zwischen den Dörfern. Da kam mir die Gegend in den Sinn, wo damals die Bonnie verblieben ist, das war irgendwo bei Zeven, da ist praktisch nichts. Anja kam gutgelaunt mit. Irgendwie zog sich die Strecke aber und wurde doch etwas langweilig. Zeven erreichten wir, gottseidank gab es dort eine Eisdiele mit Sonnenschirm. Danach war alles besser. Im grellen Licht und auf knapp 30° angestiegener Temperatur rollten wir über flaches Land mit Birken und schmunzelten, wenn uns das Vio mal wieder auf einer Sandpiste durch den Wald lotste. Weiter östlich lag Welle, das Tor zur Heide. Und weil der Tag nie endete, machten wir den Bogen voll über Undeloh, Egestorf, durch heiße, staubige Landschaft bis kurz vor Lüneburg. Wo es Schatten gab, hielten wir und leerten unsere Wasserflaschen, ansonsten verloren wir nicht viel Zeit. Wir kamen über Over am Deich entlang zurück in die im Gegenlicht brennende Hafengegend. Endlich die große Pause, dabei der MS Ym Worth beim Ablegemanöver auf glühender Lava zusehend. Dann war es gut, der Sommertag sorgsam in Kilometer umgewandelt und wir gingen zufrieden zu Bett.

Samstag, 26. Mai 2018

Termine

Aufs Wetterradar gucken wir schon lange nicht mehr, Goretex längst abgeschafft. Eher beschäftigte uns die Frage, wie kommen wir schnell ans Meer. Die Autobahn machte ein paar Kilometer kurz Spaß, dann war sie verstopft. Auf Landstraßen kurz vor Lübeck  verirrten wir uns in absurd romantischer Idylle bei Büssau, aber das brachte uns nicht weiter. Über allem drohte der minütlich nähertickende Kaffeetermin in Strukdorf. Er rückte die Mecklenburgische Küste in unerreichbare Ferne. Plan B war Travemünde, aber die Autobahn dort hin existierte anscheinend nicht mehr. Plan C Niendorf, Steilufer, das erreichten wir auch, aber wollten die dort dröhnende Piefigkeit nicht. Letztlich lagen wir doch eine Dreiviertelstunde in Travemünde am Brodtener Ufer in der Sonne und kamen zu spät in Strukdorf an, . Das war dann auf einmal gar nicht schlimm und zur Belohnung bekamen wir Torte. Abends führte Anja uns einen interessanten Bogen im Streiflicht durch das Gebiet südwestlich von Segeberg. Das sah super aus und ging so lange bis sich wieder Hunger entwickelte. Genau im Richtigen Moment kam Lianes Imbiss in Stockelsdorf in Sicht. Danach die B75 nach Hause mit langsamer Autokolonne und aufkommender Frische. In der Retrospektive hatte der Tag schöne Momente. Aber Termine und Ausflug kombinieren wir erstmal nicht.

Montag, 21. Mai 2018

Berlin Pfingst Bike Dayz

Wie immer, also auch zu Pfingsten, zog alles auch nur entfernt Nasse an uns vorbei. Übrig blieben 3 wolkenlose Tage mit uns auf der Straße nach Berlin. Um Zeit zu sparen, und überhaupt um es mal auszuprobieren, nahmen wir bis Ludwigslust die Autobahn im Tiefflug. Ab da war die B5 zwar so, wie man sie kennt, aber der große Epos stellte sich nicht ein. Dafür waren wir und alles zu frisch, zu leichtfüßig, dafür hätte es schon das ganze Brett sein müssen. Berlin kam in Sicht, brennend heiß und voller Bayernfans. Wir parkten in der Libauer Straße und zogen gleich die Schutzhüllen über die Bikes, aus Angst vor angereisten Crack-Zombies, die womöglich auf die Sitzbank kacken. Noch mit Highwayfeeling im Blut begaben wir uns zu Haydn, Zimmermann und Schubert in kulturelle Höhen, danach zum Punkrockitaliener mit besten Freunden.
Es hatte sich rumgesprochen, dass wir in der Stadt sind. Am Sonntagmorgen versammelte sich die bewährte Bikertruppe im Übereck, als hätte es nie was anderes gegeben. Rembert führte die Kolonne aus Vanvan, Vulcan, Sixty-Two, Slim und natürlich Michaels Thruxton über Köpenick aus der Stadt raus, auf einem großen südlichen Bogen durch wucherndes Grün, summende Wälder und fragwürdige Dörfer. Die Vanvan gab das Tempo vor, und auf den furchtbar engen Alleen war ich darüber ehrlich gesagt ganz dankbar. Immer mal wieder hielten wir, es gab Zigaretten, Eis oder Schnitzel. Die Gruppe trennte sich schätzungsweise in der Nähe von Lückenwalde, genau weiß ich es nicht, da ich meist hinten fuhr und mir alles egal war. Die Landschaft öffnete sich und wurde endlos weit und samtig. Thomas, Anja und ich fuhren zur anderen Anja im ZEGG in Belzig. Die meisten dort meditierten, aber wir hatten Würste dabei und grillten.

Montag. Von Belzig aus nach Hamburg, das ist eine weitschweifige Route durch den Fläming, die Altmark und das Wendland. Thomas eskortierte uns noch bis Jericho. Die Kirche dort ist immer noch top, und alles ist jetzt touristisch gestreamlined. Wir sahen Tangenmünde und Stendal, knorrige Alleen der Altmark, schimmernde Felder bis zum Horizont, darin immer leere, lange Straßen mit sattem Rückenwind. Am Ende standen wir vor Lüneburg. Das konnte doch nicht alles sein, dachten wir und konstruierten schnell noch einen Bogen durch die großartige Heidelandschaft. Gegenlicht mit fluoreszierendem Grüntunneln, dazu warmer Luftstrom. Alles war so, dass es niemals aufhören sollte. In Hamburg suchten wir noch eine Stelle im Hafengebiet, und zischten das schnell noch an der Tanke geholte Alkoholfreie, wartend auf den Sonnenuntergang.


Sonntag, 13. Mai 2018

Mal ohne Wiederkehr

Das lange Himmelfahrtswochenede begann relativ unambitioniert. Es war Anja, die, nachdem Schuhe gekauft und Altglas weggebracht war, fragte, warum wir noch hier sind und nicht auf der Straße, wo wir hingehören. Ich startete die Booking App und buchte irgendwas auf der Strecke in den Harz. Eine halbe Stunde später spulte die B3 ihr endloses Asphaltband durch. Ruhepause im Wald, Vogelgezwitscher, weiter. Echtes Cruisen ohne Wiederkehr. Die Übernachtung lag in einer Stadt namens Brauschweig, die war uns sonst noch nie aufgefallen. Bei näherer Betrachtung war es eine beeindruckende und lebendige Stadt, wie man sie selten hat. Innen ist alles aus Fachwerk, aber es gibt auch schöne Kontraste. 

Am Samstag erreichten wir den Harz. Erstmalig fuhren die Sixty-Two und die Vulcan-S durch die fantastische Berglandschaft. Die Durchgangsstrecke Braunlage - Hasselfelde - Harzgerode, ja, die sind wir schon öfter gefahren. Hier und heute war es war ein nicht endender Traum aus Kurven und Licht. Die fahrt durch das verwunschene Bodetal setzte noch einen drauf, danach kam noch ein Cappuccino am Torfhaus und die Rennstrecke hinunter. Yum. Vor allem die Duc war zu Hochform aufgeblüht. Anja redete den ganzen Abend davon als wir in einem prolligen Gartenlokal das letztmögliche Toast mit Fleisch und Pilzen aßen, in einem Ort namens Bad Harzburg. So bad war es gar nicht.
Weil es so schön war, fuhren wir am Sonntag die Route nochmal, bogen aber im Osten ins Flachland ab. Per Vio fuhren wir an allen Städten vorbei mitten durch Sachsen Anhalt nach Norden. Oschersleben, Erkxleben, Mieste waren Wegpunkte, aber es sah überall gleich aus und wir fuhren tausend Kilometer durch renovierte Dörfer, ohne einen Menschen zu sehen. Als endlich das Wendland in Sicht kam, waren wir schon recht ausgelaugt. Aber es kam noch ein langes Stück durch einen brütend heißen Maitag, Sonne im Gesicht und summenden Knochen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Tag am Meer

Was macht man an einem Mittwoch Anfang Mai, wenn es sich anfühlt wie Hochsommer? Im Büro anrufen, freinehmen und an den Strand fahren natürlich. Wir hatten so Bock drauf, dass wir bis nach Schönberg auf der Autobahn fuhren. Grinsend, ziemlich fluffig und so schnell, dass es gerade noch angenehm war gegen den Ostwind. Direkt am Ufer von Brook war dieser zwar frisch, der Rest aber sah aus wie vor eh und je. Auf der Rückfahrt blühten die Apfelbäume über schick gemachtem Asphalt der alten Landstraßen, die Strecke von Schönberg Richtung Ziethen, lang, wohlig warm und leuchtend, ein Traum. Wir nahmen nochmal den Schlenker über Ratzeburg zur B208, dann die Straße von Kastorf zu dem anderen Schönberg. Alles wie in den heißen Sommern von früher, mit Sand in der Unterhose und Sonnenbrand.

Sonntag, 6. Mai 2018

Links neben Bornhöved

Jetzt war der Tag gekommen, an dem wir uns nach Schleswig Holstein trauten. Mit den lieben Autofahrern in Kolonne auf der B4 nach Norden, irgendwann kam mal ein Stück zum Durchatmen. Es war nur so, dass einen das Wetter leicht debil machte, und man alles geil fand. Wir waren bei Bad Bramstedt Richtung Segeberg abgebogen und hielten an der bemerkenswerten Raststätte in Bockhorn. Dort ist ein richtiger Bikertreff entstanden und es kommen Abenteurer aus aller Welt. Das Vio leitete uns von dort nördlich durch eine ganz und gar unbekannte Gegend. Es ist erstaunlich, wie man auf die Weise interessante Ecken durchfährt, die sonst links liegen bleiben. Über Neben-Nebenstraßen ging es von Kleinkummerfeld nach Großkummerfeld und kreuz und quer, bis wir in der Nähe von Bornhöved an einen Luxussee kamen. Eine Liegewiese gab es weit und breit nicht, dafür mussten wir uns bis Bosau durchschlagen. Von allen, die dort krakeelend den heißen Sommernachmittag genossen, war ich hundertprozentig der einzige in langer Unterhose unter der Kevlar-Jeans. Von Bosau bis Neukoppel war es nicht weit, und wir werden dort immer mit Grillwürstchen willkommen geheißen. Was für ein Leben. Noch mehr, B75 in warmen Wind, dem Abend entgegen? War auch noch dabei, klar.

Samstag, 5. Mai 2018

Solarenergie

Die Strahlung der Sonne: ungefiltert, weiß, allmächtig. Die Deichstraße: quälend zäh dahinfließend. In Lauenburg dann endlich: ein Kaffee an der Shelltanke. Und ein Wurstbrötchen. In den Pausen beschwerte ich mich darüber, wie einem ein einzelner Tequila (kein Scheiß!) am Vorabend den gesamten Tag versauen kann. Rollten wir, ging es mir gut. Hinter Boizenburg, auf der B195 mit ihren eckigen Kurven, übernahm Anja die Führung und verteidigte diese auf der letzten Rille. Wir wollten ins innere McPom und schalteten das Vio ein. Wir fielen aus der Zeit in zuwuchernde Dörfer, wie Filmkulissen: es konnte vor hundert Jahren sein, aber vorbeiknatternde Trabbis und Simsons ließen keinen Zweifel, das war die DDR. Auf diese Weise kamen wir schließlich in Gadebusch raus, an dem stylischen Bahnhofscafé. Die Sonne brannte gnadenlos auf das Fleece, der Eisbecher schmolz wie Lava. Danach der endlos grünflirrende Alleentunnel nach Ratzeburg, und ohne Halt, schmissig im Fünften auf die B208 bis Ratzeburg. Ich war berauscht genug, um den Bogen noch über Dänemark fortzusetzen. Es war Anja, die uns nach Hause brachte, ab Ahrensburg auf der Autobahn, im Abendlicht, selbst das war geil.