über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 28. Juli 2019

Man muss wissen was man tut.

Die neue Hitzewelle kam gut vorbereitet: Am freien Freitag waren extra früh auf, um schnell noch in der Morgenfrische aus der Stadt raus zu kommen, Fernziel Ostsee. Man brauchte kaum Klamotten, der Hoodie reichte, dazu perforierte Sommerhandschuhe. Mit allem Gedödel war es dann doch schon spät, als wir endlich auf der B75 waren. Außerdem waren, wo wir waren, auch unsere vierrädrigen Freunde in großer Zahl. Sie stauten sich in der Hitze Oldesloes, tuckerten in Kolonne über die Landstraßen und verstopften den Umkreis von Lübeck. Das Ziel Fehmarn verschoben wir pragmatisch auf morgen. Stattdessen führten wir in einem orientierungslosen Bogen zum Teil auf der A20 nach Brook. Die leeren Landstraßen waren ein befreiender Genuss, der Strand lockte und unsere 400er ließen sowieso niemals Stress aufkommen. Ein paar Stunden und einen Badegang in schwerer See später fuhren wir durch den Klützer Winkel nach Grevesmühlen zum Eisessen. Das tun wir schon seit Jahrzehnten glaube ich. In heißer Abendsonne ging es über Schlutup und Lübeck nach Stukdorf, wo der Grill schon rauchte.
Samstag kam dann endlich mal wieder die bewährte Route nach Fehmarn dran: Ahrensbök, Eutin, Schönwalde, usw.. Weit genug entfernt von den debilen Touristenmassen in ihren Familienkutschen schwangen wir weiträumig durch glühende Kornfelder und dunkle Wälder. Problematisch waren immer wieder die uneinsichtigen Landwirte, die ausgerechnet am Wochenende und auf unseren Lieblingsstrecken mit monströsen Landmaschinen spazieren fuhren und unseren Flow störten. Auf den letzten Kilometern kam heftiger Ostwind. Am Strand wären wir ohne einen windschattigen Busch erfroren. Der Rückweg verlief identisch, nur mit Rückenwind und vielleicht deshalb ganz besonders fluffig.
Noch ein Tag: Sonntag, etwas frischer. Es ging quer von Reinfeld über Kastorf nach Ratzeburg, und dann, improvisierend, durch verlassene Gegenden Mecklenburgs nach Süden. Hier war kein Tourist, kein Stau, nur die Sonne, Landschaft und ein schmaler Streifen Asphalt. Ein Eis am Schaalsee war drin, dann ging es weiter durch den Nachmittag auf unbekannten, herrlichen Landstraßen, die sich einsam in die Länge zogen. Etwa auf dem Breitengrad von Melkof tauchten wir wieder in die stickig-heiße Luftmasse ein. Es zog uns in Richtung Elbauen, da gibt es irgendwo eine geheime Badestelle, die wir aber nicht wieder fanden. Solange man fuhr, war auch alles okay. Die Fähre bei Darchau hatte sich festgefahren, bei Boizenburg war die B5 gesperrt. Es gab so wenig Verkehr, dass die Umleitung eine interessante Bereicherung wurde. In Geesthacht gab es einen Dönerteller unter Einheimischen, auf der Deichstraße glitten wir müde und entspannt in die Dämmerung, aus der sich glitzernd die große Stadt erhob.

Montag, 22. Juli 2019

Indien hat alles verändert (2)

Eigentlich wollte ich eine Versys Reisemaschine probesitzen. Das ging schnell. Das Ding war kolossal und die Füße baumelten in der Luft. Rein spaßeshalber probierte ich nochmal die Enfield Himalayan aus, weil die auch da stand. Hm. Spontan miete ich sie fürs Wochenende. Bei knapp 30° testete ich alle möglichen Situationen. Autobahn mit Rückenwind - easy. Landtraßen - fluffig. Dann die langen Geraden in der Nordheide, auf einem Adventurebike mit neuem Blickwinkel. Ich erkundete endlose unbewohnte Landstriche, Wälder, Steppen und wüste Heide. Später kam ich an einen großen Fluss, der sich teilte und zahllose Werder umspülte, auf denen Menschen Handel trieben. In der Stadt nahm die Maschine Verbotsschildern, Verkehrsinseln und Busspuren die Autorität, vieles war egal, alles war locker und lässig.
Am nächsten Tag war die Himalayan mit der Mash gemeinsam unterwegs. Ich hatte noch gut 200 Kilometer im Kontingent, daher wählten wir die Route sorgsam aus. Was nicht klappte, denn zwischen Oldesloe und Bad Segeberg gab es keine Chance, die Trave zu queren, und Flussdurchfahrten waren im Mietvertrag explizit ausgeschlossen. Aber die Nebenstraßen waren ein perfektes Testlabor. Mit einem 21" Rad durch die Kurven zu flexen ist unschlagbar, der fleischige Motor passte herrlich dazu. Wir erreichten Strukdorf dadurch gut gelaunt. Alle bestaunten die Enfield und gaben wertvolles Feedback. Anja ließ die Mash eine Weile stehen und fuhr auf der Himalayan hinten drauf mit auf einer kleinen Rundtour durch Ostholstein in kachelndem Westwind. Das ging unheimlich gut, die Maschine zog mühelos und lag sehr stabil. Alles top. Am Montag brachte ich die Enfield zurück. Meine Vulcan blieb der Einfachheit gleich in der Halle stehen. Stattdessen ließ ich mir einen Kaffee bringen und unterschrieb ohne zu zögern.

Sonntag, 14. Juli 2019

Gefällt mir trotzdem

Zwischendurch war eine quälende Phase gekommen, in der man z.B. wunderbar in der Garage Schönheitsoperationen durchführen konnte, oder aufräumen, oder Fernsehen. Nur zum Fahren fehlte meist die Motivation, und das lag an dem unnachgiebig trüben Himmel über der auf 16 Grad schockgefrorenen Stadt. Manchmal holte ich abends trotzdem die SR raus und fuhr eine Runde um den Block. Am Wochenende war Anja nach Darmstadt verschwunden, da ließ ich ein Regengebiet durchziehen. Es hatte den letzten Rest Wärme abgesaugt und ich fror mich halb tot zwischen Bad Bramstedt und Pinneberg. Unter der Woche verbesserte sich die Lage. Die Sonne war noch spät am Start, die Yamaha wurde von unabhängiger Stelle als Sahneschnitte tituliert, und ich gebe zu, wenn ich mit ihr im Streiflicht durch die Hafencity brumme, um dann ein Stück raus zu fahren und mal so richtig auf satte 80 Sachen zu beschleunigen, dann gefällt mir das schon ganz gut.