Die neue Hitzewelle kam gut vorbereitet: Am freien Freitag waren extra früh auf, um schnell noch in der Morgenfrische aus der Stadt raus zu kommen, Fernziel Ostsee. Man brauchte kaum Klamotten, der Hoodie reichte, dazu perforierte Sommerhandschuhe. Mit allem Gedödel war es dann doch schon spät, als wir endlich auf der B75 waren. Außerdem waren, wo wir waren, auch unsere vierrädrigen Freunde in großer Zahl. Sie stauten sich in der Hitze Oldesloes, tuckerten in Kolonne über die Landstraßen und verstopften den Umkreis von Lübeck. Das Ziel Fehmarn verschoben wir pragmatisch auf morgen. Stattdessen führten wir in einem orientierungslosen Bogen zum Teil auf der A20 nach Brook. Die leeren Landstraßen waren ein befreiender Genuss, der Strand lockte und unsere 400er ließen sowieso niemals Stress aufkommen. Ein paar Stunden und einen Badegang in schwerer See später fuhren wir durch den Klützer Winkel nach Grevesmühlen zum Eisessen. Das tun wir schon seit Jahrzehnten glaube ich. In heißer Abendsonne ging es über Schlutup und Lübeck nach Stukdorf, wo der Grill schon rauchte.
Samstag kam dann endlich mal wieder die bewährte Route nach Fehmarn dran: Ahrensbök, Eutin, Schönwalde, usw.. Weit genug entfernt von den debilen Touristenmassen in ihren Familienkutschen schwangen wir weiträumig durch glühende Kornfelder und dunkle Wälder. Problematisch waren immer wieder die uneinsichtigen Landwirte, die ausgerechnet am Wochenende und auf unseren Lieblingsstrecken mit monströsen Landmaschinen spazieren fuhren und unseren Flow störten. Auf den letzten Kilometern kam heftiger Ostwind. Am Strand wären wir ohne einen windschattigen Busch erfroren. Der Rückweg verlief identisch, nur mit Rückenwind und vielleicht deshalb ganz besonders fluffig.
Noch ein Tag: Sonntag, etwas frischer. Es ging quer von Reinfeld über Kastorf nach Ratzeburg, und dann, improvisierend, durch verlassene Gegenden Mecklenburgs nach Süden. Hier war kein Tourist, kein Stau, nur die Sonne, Landschaft und ein schmaler Streifen Asphalt. Ein Eis am Schaalsee war drin, dann ging es weiter durch den Nachmittag auf unbekannten, herrlichen Landstraßen, die sich einsam in die Länge zogen. Etwa auf dem Breitengrad von Melkof tauchten wir wieder in die stickig-heiße Luftmasse ein. Es zog uns in Richtung Elbauen, da gibt es irgendwo eine geheime Badestelle, die wir aber nicht wieder fanden. Solange man fuhr, war auch alles okay. Die Fähre bei Darchau hatte sich festgefahren, bei Boizenburg war die B5 gesperrt. Es gab so wenig Verkehr, dass die Umleitung eine interessante Bereicherung wurde. In Geesthacht gab es einen Dönerteller unter Einheimischen, auf der Deichstraße glitten wir müde und entspannt in die Dämmerung, aus der sich glitzernd die große Stadt erhob.

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