über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 27. Februar 2014

Abgründe

Unsere Landkarte war vom ersten Tag an ein Witz. Im Süden, wo es verführerische kringelige gelbe Straßen gibt, verdeckte ein Werbebanner den einzigen Abzweig. Immerhin erkundeten wir auf die Weise eine endlose, verspielte, um jeden Felsen herum schleichende Kammstraße, die nach vielen Kilometern an dörren Abgründen entlang, an einem Schotterfeld unterhalb eines Berggipfels abrupt endete. Der richtige Weg führte lange durch ein flirrendes Tal, gesäumt von brutalen Kakteen, unter erodierten Felsmauern, die in der Mittagshitze glühten. Der eine Ast der Weggabelung brachte uns durch ein paradiesisches Dorf, mit Blumen, Palmen und Wanderwegen, ging kurz danach aber in abenteuerlichen Schotter über (das war lt. Mietvertrag aber verboten). Der andere Weg war asphaltiert, wurde dabei immer kleiner, mit Serpentinen im Puppenstubenformat, man tastete sich im Ersten entlang, bis man irgendwann an einer anderthalbspurigen Hauptstraße heraus kam. Diese kannten wir schon, genossen ein letztes Mal das Kurvenschwingen und die grandiosen Ausblicke. Zurück ging es wieder über Fataga, mit allen Bussen und Radfahrern der Insel. Unten war inzwischen Hochsommer. Wir gaben die Honda ab und tranken erstmal ein San Miguel.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Las Vegas

Da die Insel rund ist, fiel es schwer, die Seiten nacheinander abzuarbeiten. Gegen Spätvormittag, zusammen mit Horden schwerst kämpfender Rennradfahrern, waren wir auf der Straße über Fataga, die hinauf in die Berge führt. Oben waren wieder Wolken, und diesmal war es im Inneren so ungemütlich, dass wir es nich abwarten konnten, die sensationelle Abfahrt nach Telde hinter uns zu bringen. Dort fanden wir uns, hilflos nach einem Café suchend, inmitten schaurig schönem historischem Wüstbeton wieder. An einer Bucht mit Brandung gab es Caffe Con Leche und Spanisch wie aus Maschinengewehren. Wir ballerten mit dem Zweizylinder wieder hinauf, durch die dichtbesiedelte, grünwuchernde Ostflanke. Über Las Vegas erreichten wir San Mateo, dann tausende dschungelige Kurven weiter, Teror, ein seltener Ort mit altem Gestein. Gran Canaria hat auf der Rückseite viel mit Madeira gemeinsam. In den Tälern hängt tropische Feuchte, die Straße kringelt sich bröselig durch bunte Bergdörfer. Wir fanden tatsächlich den Weg nach oben, der wieder durchs zackige Zentrum der Insel führte. Im Gegenlicht breiteten sich die Massive mit ihren Felstürmen aus wie Colorado. Spektakulärerweise hatte der stramme Ostwind, der durch die Joche pfoff, den Himmel blitzblank gefegt. Gegenüber zeichnete sich der Teide von Teneriffa messerscharf ab. Die ganz kleinen Straßen ließen wir uns für morgen übrig.

Dienstag, 25. Februar 2014

Nichts anderes zu tun.

Wir frühstückten nicht mehr "inclusive"mit dem Seniorenverein, sondern kochten Instantkaffee und bruten Rührei auf dem Zimmer im neunten Stock. Draußen waren Schaumkronen. Dann packten wir allerlei Sachen in das praktische Staufach der Honda und kurvten die GC 500 die Küste entlang, vorbei an immer wieder beeindruckender Architektur und wilden Felsformationen. Die Sonne schien, die Luft war herrlich, vor uns lag ein Tag voller Kurven und Berge. Und das Beste war, die nächsten Tage würde es nichts anderes zu tun geben, als das. Nach einpaar waghalsigen Pässen erreichten wir die spektakuläre Küstenstraße im Nordwesten. Die klemmt 500 Meter über dem Meer am Felsen, und manchmal kommt ein Lastzug entgegen. Im Nordwestzipfel der Insel bei Galdar drängen sich die Einheimischen in umwerfender Tristesse. Dort ist der Himmel trüb und es weht ein rauher Wind. Nur mit Mühe fanden wir einen Kaffee con Leche, an einem vergessenen Hafen aus besseren Zeiten.  Wir schwangen die selbe Strecke zurück, und ab Mogan nahmen wir spaßeshalber mal die nagelneue Autobahn. Sie sticht in 20 Minuten durch alle Felsen hindurch und man kommt heraus in der irren Ferienwelt irgendwo zwischen Disneyland und Deutschem Bier.

Montag, 24. Februar 2014

Liegen bitte nicht mit Handtüchern reservieren,

Der Mann von der Motorradvermietung schaffte es, uns die 250er Yamaha auszureden. Die Berge auf Gran Canaria seien ganz anders, eher so wie Madeira. Kurz nachdem wir aus oder künstlichen Touristenwelt Playa Del Ingles raus waren, die trashige Halbwüste hinter uns gelassen und die ersten Serpentinen kamen, waren wir mit der Wahl einverstanden. Die hochbeinige Honda Nc 700 X lag satt in den Kurven und schnurrte die Steigungen hinauf, dass man es kaum merkte. Das ganze Inselinnere besteht aus einem unübersichtlich zerknülltem Gebirge, das von einem dichten, spaghettiartigem Netz aus feinsten Bergstraßen überzogen ist. Unweigerlich fuhren wir zunächst die Höhepunkte an, zentrale Gipfel mit Aussicht über die Wolken, zu anderen Gipfeln und in weitere Täler mit noch mehr Serpentinen. Manchmal fuhren wir durch Wolkenfelder, und spätestens dann hätten wir am liebsten die Motorradklamotten angehabt. Die grüne Straße, die verheißungsvoll in die Wärme des Mogantals führte, war eine geradezu lächerlich kurvige Achterbahn. Am Abend parkten wir die Honda vor unserem 10-stöckigem Hotelbunker und fielen besinnungslos in die nächstbeste Touristenfütterung ein.

Samstag, 15. Februar 2014

Dreizehn

Es waren wirklich dreizehn Grad, als ich durchs Schulterblatt rollte. Erst nahm ich die üblichen Wege durch den Hafen, dann traute ich einer inneren Stimme und bog ab. Das erste Mal war ich draußen, außerhalb der Stadtmauer, in freier Wildbahn, Mitte Februar. Dort, hinter Over, gab es Landstraßen die man entlang schnurrte, Kurven, die man mit Schräglage fuhr, und lange Zeit ungewohntes Nichts. Es war herrlich, die Orange mal wieder artgerecht rollen zu lassen, den Blick schweifend auf verwüstetes Land, über das heftige Böen fegten. Höhe Geesthacht kam Kaffeedurst, aber kein Café. Wo wir schon 792 Mal durch Geethacht gefahren sind. fragte ich mich, wohl eigentlich das Stadtzentrum ist. Nach mühsamen Suchen fand ich mich damit ab, das es keins gibt. Außer Tankstellen hatte auch alles zu, und für die beschränkte Kleinteiligkeit der Gasthöfe am Rand war ich einfach noch nicht bereit. Aber es gibt ja noch Bergedorf, eine moderne Metropole, mit Backshop-Cafés, die bis nach 16 Uhr durchgehend geöffnet haben. Am Spätnachmittag war ich wieder in Hamburg. Die dortigen Fußgänger (ich nehme an: Saisonkennzeichen) waren verständlicherweise frustriert. Sie rotteten sich zu tausenden zusammen und wollten am liebsten den Staat abschaffen (auch Vermutung).

Sonntag, 2. Februar 2014

Gefällt mir.

Erst waren es minus 12 Grad, aber dann kam ein Wochenende, das alles auftaute. Beinahe wären wir zu Fuß gegangen, doch dann fiel uns die rettende blaue Vanvan ein. Wir rollten staunend durch die Häuserschluchten, die strahlten wir Farbfernsehen. Vor den Cafés bildeten sich Menschentrauben und an den Touristischen Punkten war es unser Privileg, Gas geben und abhauen zu können. Am Hafen schien die Sonne entschlossen auf unverwüstliches Treibeis. Wir brummten umher, den Kirchturm sicher im Blick, bis die Finger kalt wurden. Dann fuhren wir irgendwo vor und bestellten Kuchen. I like.