Auf den Gepäckträger der Yamaha hatte ich Badeschuhe geschnallt, die Mash trug ein Strandtuch. Jetzt ging es nur noch darum, irgendwie aus dieser vollgesperrten und sechsunddreißig Grad heißen Stadt raus zu kommen. Es gelang uns überraschend geschmeidig über Norderstedt. Überhaupt ging alles äußerst geschmeidig, vor allem mit der SR, die nur ganz wenig Leistung hat, diese aber betörend soft und irgendwie saftig abgibt. Außerdem kommt an jeder Eisbude einer, der auch mal eine hatte. Im unbekümmerten Tempo fuhren wir durch Stormarn. Es folgten einsame, beliebig entspannte Kilometer durch Mecklenburg, eine verlorene Schraube in Schönberg, schließlich die ersehnte Abkühlung auf den letzten Kilometern zum Meer, dem einzigen Ausweg. Es war aufbrausend und Badewannenwarm. Auf dem Rückweg trocknete die Badehose auf dem Gepäckträger. Da im Westen ein schmales, aber völlig unpassendes Regenband zu sehen war, improvisierten wir eine südliche Route durchs Lauenburgische. Die war top. Wir sahen nie gesehene Strecken, meist kleine Verbindungsstraßen durch Wald und Wiese. Ich glaube, das lag auch an den beiden Einzylindern, die uns dort hinzogen, wo man 70 fährt. Als wir Hamburg erreichten, war auch eine kühlere Luft angekommen. Wir rauchten noch eine an irgendeiner Tanke in Rahlstedt und waren extrem entspannt.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 30. Juni 2019
Samstag, 29. Juni 2019
Kick
Sie sprang beim ersten Kick an, meine neue SR 400 in Bremerhaven. In glühender Hitze suchte ich mir einen Weg durch das flache Land. Alle Dörfer sehen dort gleich aus, die Straßen auch. Ich fuhr nach Orientierung, weil ich gar keine Lust hatte anzuhalten. Lieber nochmal Gas geben. Total durstig und vollkommen auf dem Holzweg landete ich in Ihlenworth oder so. Dort gab es zumindest ein Madeira-Eck, und Eis und Cappuccino. Die SR stand chromglänzend daneben. Leider war in meinem Portemonnaie gar kein Geld mehr. Das hatte ich für die Jacke ausgegeben, weil ich meinen schönen Protektoren-Hoodie in der Regionalbahn gelassen hatte. Leider gab es auch kein EC-Gerät im Madeira, und leider auch keine Bank im Ort. Aber alle waren cool, und ich machte noch einen Ausflug nach Otterndorf-Stadt. Eine Stadt, mit Geldautomat. Zu Hause baute ich erstmal die Maschine zum Custombike um, so dass Anja und ich abends stilsicher bei den Prolls der Harleydays vorfahren konnten. Die Mash und die Custom-SR, durch einen heißen Juniabend gefahren im T-Shirt, das sah unschlagbar lässig aus. Als Bestätigung hatten wir noch Christian und Imke dazugeholt, die uns auf ihrer Honda Innova eskortierten. Sie bestätigten alles was wir wollten.
Sonntag, 23. Juni 2019
Unendlich viel Zeit
Die Nacht war kurz, genauer gesagt war es gar nicht vollständig dunkel geworden über einem bis dato unbekannten See bei Bad Segeberg. Die dortige Familienfeier kam erschwerend dazu. Gegen Sonntagmittag machten wir uns dann noch ziemlich müde von Strukdorf aus auf den Weg. Wir durchfuhren Lübeck, Schlutup, im Gedanken schon am Meer. In Brook blies ein frischer Nordostwind, das war genau was wir brauchten. Der Tag hatte unendlich viel Zeit für uns, wir konnten in aller Gemächlichkeit über die Dörfer nach Grevesmühlen fahren um dort Hähnchen zu essen, um dann mit kaum 70 Sachen die historische, unschlagbare Strecke über Rehna, Carlow und Röggelin zu nehmen. Die war buckelig, lang und warm, die Felder schimmerten fotogen im hellen Abendlicht. Manchmal waren wir müde und machten eine Pause, die meiste Zeit rollten wir einfach zufrieden und allein durch die Landschaft. Von Mölln aus wählten wir die Route mit Bedacht, um bloß nicht zu nah an eine Autobahn zu geraten. Die war nämlich bei Hamburg gesperrt und ausufernde Autoverpestung war zu erwarten. Es verlief aber alles genau so relaxed wie der ganze Tag. In Lauenburg erreichten wir die Elbe, tuckerten schläfrig die Deichstraße entlang in die Dämmerung, bis in der Stadt die Lichter angingen.
Sonntag, 16. Juni 2019
Wellenreiten
Ja, eine Seefahrt ist auch lustig, klar. Bei näherer Betrachtung erschien ein Frachter dann aber doch sehr behäbig und fährt außerdem ausschließlich auf Wasser. Die BMW F 700 GS, die wir stattdessen in Barcelona übernahmen, war für unsere Verhältnisse auch ein ganz schön dickes Schiff. Die fuhr aber wohin ich es wollte. Und zwar zunächst südlich an den Pyrenäen entlang in Richtung Horizont. Auf heißem Asphalt, mit 120 Sachen ohne Fahrtwind, dabei allerdings auch ohne viel Charakter. Jeden Abend legten wir in einer anderen Stadt an, auf der Suche nach Essbarem und Vino Tinto, Wir fanden dies meist zwischen Einheimischen in irgendwelchen Seitengassen. Das Hauptziel Biarritz lag auf der anderen Seite, im Regen. Die Griffheizung der BMW lief bei der Überfahrt auf Volldampf. 12° in Südfrankreich wirkten trotzdem absurd. All das war vergessen am nächsten Tag auf dem Wheels & Waves Festival. Immerhin ging es da prinzipiell unter anderem ja auch um Wassersport. Mehr jedoch, und erst recht in den Gassen der Stadt am Abend, um einen lässigen Style, Benzin, Craft Beer, sowie wahnsinnig viel Braaab von Scramblern, Racern und zunehmend Trackern. Genau unser Ding. Den Rest der Woche kurvten wir bei Traumwetter mit großer Geschmeidigkeit durch die Berge, schmuggelten Zigaretten aus Andorra und hatten meist die ganze Welt für uns. Am Ende saßen wir als Fußgänger bei einer Pizza am Mittelmeer und konnten kaum glauben, dass das nur eine Woche gewesen sein soll.
Sonntag, 2. Juni 2019
Unser Osten
VäterInnentag 2019. Wir saßen auf gepackten Koffern, bis das Regenband am Nachmittag endlich durch war. Dann ging es mit frischem Rückenwind auf die Reise ins ferne Stendal. Bis Lüneburg schossen wir auf der Autobahn mit 110 Sachen entlang. Auf der B4 dann verlangte Anja energisch eine Abwechslung und wir nahmen eine Vio-gesteuerte Route von Bad Bevensen aus durch die Altmark. Regionen, die wir nie zuvor gesehen hatten, ruhig, buschig und absolut angenehm zu fahren. Mit jedem Kilometer wurde das Wetter besser, auf dem letzten Stück ab Salzwedel schwitzten wir in unserer Funktionswäsche. Stendal hatte interessante Ziegelbauten und einen Griechen. Ansonsten ist da nichts los. Gut so.
Am nächsten Morgen zog menschenleer und waldig ausgedehnte Landschaft vorbei. Es blieb viel Raum für uns, die Maschinen brummten zufrieden, die Gedanken verliefen sich. Wenn überhaupt mal eine Ortschaft kam, dann war sie leer und die einzigen Farbtupfer die typischen NPD-Plakate. Die Stadt Brandenburg wirkte im Gegensatz überraschend lebendig, beinahe kosmopolitisch-bunt. Unser Ziel Beelitz war schon in Sichtweite, da machte der Kupplungszug der Mash zonk!. Gut, dass ich noch aus alten Zeiten mit ohne Kupplung fahren konnte (mit Anschubsen). Anja eierte mit der Vulcan hinterher. Das Gute war: Auf Remberts Landsitz in Beelitz war genug Kompetenz versammelt, um das Problem administrativ zu lösen. Rembert eskortierte mich nach Wannsee zum freundlichen Mash Händler, der das Teil umgehend und ohne Termin erneuerte! Den Restnachmittag füllten genüssliche maigrüne Kilometer auf raumgreifenden, Landstraßen, die Rembert und Thomas rausgesucht hatten und die uns ganz allein gehörten. Im Abendlicht sah die Gruppe aus Harley, Vanvan Vulcan und Mash dabei aus wie im Film. In Bad Belzig rauchte schon der Grill. Wir waren sehr entspannt und wurden im Laufe des Abends von Insekten restlos aufgefressen.
Samstag führte uns Thomas auf verträumten, wiederum leeren Landstraßen auf einer südlichen Route Richtung Coswig. Die Sonne brannte auf Wald und Wiese, die Vanvan gab ein entspanntes Tempo vor. Das hätte gern ewig so weiter gehen können. Bei Wörlitz überquerten wir die Elbe, dann kamen holprige, angeblich "legale" Schotterpisten, auf denen ich mir mit der Vulcan nichts anmerken ließ. Im dortigen Landschaftspark stieß Rembert dazu und begleitete uns noch ein Stück. Erst durchs glühende Dessau, dann an der Elbe entlang bis Aken, wo wir uns trennten. Anja und ich glitten durch einen langen warmen Abend über leeres Land in später Sonne. In Pömmelte hielten wir an einem Ringheiligtum, dann ging es über samtigen Asphalt immer weiter Richtung Westen. Am Ende des Tages lag Braunschweig. Das hatte sich in unserer Erinnerung zu einer Weltstadt verklärt. Tatsächlich waren wir froh, noch etwas zu Essen zu kriegen.
Sonntag: Viel zu viel Zeit für zu viel wenig Strecke, und gestern scheinbar irgendwie zu wenig Wasser getrunken. Hinter Uelzen fühlte sich die Landschaft wieder vertraut an. Wälder ohne jegliches Ende, lange Geraden, und plötzlich seltsam viel Verkehr bei 30 Grad. Wir vermieden die B3 und fuhren uninspirierte, aber absolut interessante Bögen durchs Hinterland, z.B. durch riesige Militärübungsgelände mit Natodraht. Immer in der Nähe von Autobahnanschlussstellen waren alle Straßen total mit Autos verstopft. Das war umso absurder, da wir seit 4 Tagen praktisch allein auf der Welt waren. Dann doch lieber noch einen großen Schlenker zurück nach Osten, über Amelinghausen und hinten um Lüneburg herum wieder an die Elbe. Auf der Deichstraße nach Hamburg fielen uns fast schon die Augen zu. In der Stadt holten wir Döner und lehnten uns zurück.
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