Plötzlich war Ostern, bzw. erstmal Karfreitag. Dauerregen draußen, drinnen lag ich krank auf dem Sofa und hörte Mahler im Dämmerschlaf. Aber das Gute war, wir waren bereits in Darmstadt, und zwar äußerst luxuriös untergebracht. Im Carport wartete die Bonnie. Alle warteten auf den Samstag, an dem die Sonne schien wie noch nie, die Nase langsam frei wurde wie die Landstraßen im Odenwald, über die wie entlangsegelten. Wir hatten zwar eine Karte mit vorgezeichneten Motorradstrecken, aber wer braucht die, wenn es vollkommen egal ist, man die Maschine einfach rollen lässt, hinter jeder Kurve ein neues, romantisches Tal, ein niedliches Fachwerkdörfchen oder ein Märchenschlösschen liegt, wie zum Beispiel in Mespelbrunn. Wir gondelten den irre unübersichtlich in der Landschaft liegenden Main entlang, suchten vergeblich eine Eisdiele in Wertheim, fuhren weiter, fanden sie in Miltenberg. Pures Glück, der ganze Tag.
Sonntag war es zunächst ungemütlich, aber das passte gut zu der traurig-funktionalen Rheinebene, dieser effizienten Landschaftsmaschine, nur da, um all die gleichförmigen weißen Siedlungen zwischen den raumgreifenden Gewerbegebieten unterzubringen und zu vernetzen. Auf der anderen Seite war Worms, dort steht inmitten der Tristesse ein Dom wie aus dem Geschichtsbuch. Und noch ein paar Kilometer weiter, erst Hügel, dann Sonne, dann der Pfälzer Wald. Wir kurvten durch dunkle Täler, in denen sich Papierfabriken aus der Anfangszeit drängen. Mit Vollgas bretterten wir auf der Autobahn zurück, um nicht das großbürgerliche Osteressen zu verpassen.
Noch ein Montag, immer noch Ostern. Bis um 15 Uhr hatten wir Zeit. Zeit für einen Ausflug nach, sagen wir mal, zum Frankfurter Flughafen. Nicht um weg zu fliegen, sondern zur Aussichtsterrasse Startbahn West, in der Hoffnung auf einen A-380 (kam keiner). Eine letzte Fahrt durch ungemütliche Rhein-Main Effizienz, ein Stück Autobahn, das wars. Schön wars.

