über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 29. Mai 2016

Hunger


Death Metal hin oder her, Anja war in Strukdorf und hatte Hunger. Am Sonntagmorgen um 8 Uhr war ich mit der Bonnie auf der Straße, knüppelte bei Gegenwind über die Autobahn, um bei Dölgers Bauernladen in Binnenkamp noch Mohnbrötchen zu kriegen und Rührei zu machen, bevor Anja aufsteht. Hat alles geklappt. Danach fuhren wie zusammen zurück. Über Bad Segeberg und Bramstedt. Wir dachten immer, man könne der Technik trauen. Aber den halben Weg fuhren wir stumm und gleichmütig im Nieselregen.
Es sah aus, als sei der Nachmittag zum sortieren von Aktenordnern verdammt. Dann kam rettend die Sonne wieder. Als erstes wusch ich die Bonnie (die an der Tanke kennen mich schon), und drehte noch eine ausgiebige, rauschende Runde durch die Marschen. In Kolmar hatte nur noch die Fischbude offen, dort kostet ein Nucki Nuss 3 Euro. Aber was soll's, die Straßen waren leer, und der Abend hell und lang, und immer wenn ich nach Hause fuhr, fand sich einen Grund, doch nochmal abzubiegen.

Samstag, 28. Mai 2016

Sinn

Holprig wie der Samstag begann, war kontemplatives Cruisen das einzig Wahre. Ich war allein mit der Vulcan, vor mir zog sich die B3 schnurgerade durch den heißen Maidschungel. Die Zeit stand, nur die Kilometer verstrichen, jeder einzelne voller Sinn. In Soltau aß ich Eis, trank Kaffee, rauchte. Dann fuhr ich auf der B209, die ist noch monotoner, ganz durch bis Lüneburg. Statt zurück zu fahren, nahm ich noch ein Stück der 216, die man in den Abend gleitend nach Danneberg fahren könnte. Das sanfte Nachmittagslicht hätte es verdient. Die Vernunft brachte mich dann aber über Bleckede an die Elbe. Lauenburg, Deichstraße. Dinner am Zollenspiekerimbiss mit einem Alkoholfreien auf dem Deich. Die Sonne brannte weiter, ich ließ mich noch ein Stück über den heißen Stadtasphalt treiben, allein mit der Vulcan und einem Haufen sinnvoller Kilometer.

Sonntag, 22. Mai 2016

Großer Bahnhof

Großer Bahnhof in Darmstadt. Mit dem Frühzug kam ich an, ging direkt zur Tiefgarage und holte die Bonnie raus. Man brauchte keine Jacke, die Sonne brannte auf die Straßen der Stadt und die Villen in der Wormser Straße. Dort fand ein großes Fest statt, und zwischendurch öffnete sich sogar ein Zeitfenster, aus dem Anja und ich kurz losdüsten, die Serpentinen hoch zur Burg Frankenstein. Durch den flirrenden Dunst des heißen Nachmittags blickten wir hinunter in die Rheinebene.
Das Fest ging bis spät in die Nacht. Als das Gespräch z.B. auf den Verlauf bedeutender Bundesstraßen fiel, reifte in mir ein verwegener Plan. Ich verzog mich klammheimlich, war dafür am Sonntag fit, und nahm nach dem Frühstück zur allgemeinen Irritation einfach mal die Bonnie mit nach Hause. Während Anja den Tag im Fond eines Toyotas verbrachte, fuhr ich mit einem satten Südwind im Rücken bis Fulda auf der Autobahn, Wie im Reiseführer "Germany" schwang sie sich elegant und leer durch die Hügel. Dann die B27 bis Göttingen: Ganz allein entlang der Werra, gleitendes, ungestörtes Fahren über 250 Kilometer. Die Handschuhe mussten aus, es war heiß. Auf der B3 ließ ich die letzten Hügel hinter mir, rollte nördlich von Hannover durch die Ebene. Celle, Soltau, vertrautes Land. Links von mir hatte sich eine bedrohliche Gewitterzelle gebildet, die ebenfalls nach Norden unterwegs war. Laut Radar blieb für Pausen keine Zeit. Nach 7 Stunden saß ich überraschend ausgeruht bei Anja auf dem Balkon. Die Zelle hatte sich aufgelöst. Ich hatte Hunger.

Montag, 16. Mai 2016

Am Ende der Straße

Der Sommer hielt noch eine Woche lang an. Jeden Tag fuhr ich unsinnigerweise mit der Vulcan durch die Stadt zur Arbeit, und abends trafen wir uns zum Spätcruisen, durch den Hafen oder an die offiziellen Bikertreffs im Umland.
Dann kam das Pfingstwochenende. Es war lang und hatte den Herbst an Bord. Samstag war noch erträglich genug, um z.B. trendige Ducatis zu testen. Sonntag regnete es den ganzen Tag. Und den Montag hätten wir fast verpennt. Aber mit Fleece und langer Unterhose wurde der peitschende Westwind und der grelle, zerrissene Himmel über Schleswig Holstein mit jedem Kilometer inspirierender. Wir stoppten in Reinfeld, dann in Travemünde, machten einen Haken an die Liste, fuhren ein Stück die Bäderstraße hinauf. Das Touristengewimmel in Scharbeuz störte uns heute gar nicht. Denn das Meer war wild und grün, die Vulcan hing gut am Gas, und alles war hell und klar. Im Inland wurde es immer kälter. Ahrensbök, Langniendorf, Reinfeld. Dann ein Stück B 75, bis zu dem Abzweig bei Bargteheide. Schnell in die Stadt, über jede wärmende rote Anpel freuend, nach vorne schauend, dort, am Ende der Straße gibt es eine warme Badewanne.
 

Sonntag, 8. Mai 2016

Berlin Cruise Days

Erstens kam das lange Himmelfahrtsbrückentagwochenende, zweitens ein Jahrhundertwetter. Aber am besten war, dass die Berliner Freunde uns eingeladen hatten. Donnerstag auf der B5 wucherte das Grün der Allee, strahlte das Gelb der Rapsfelder in das leergefegte Blau über uns. Am späten Nachmittag erwartete uns Rembert in Ribbeck zum Kaffee am Schloss. Die Sonne stand heiß und hoch, und wir ließen uns viel Zeit. Für den Kaffee, aber vor allem für die majestätische Einfahrt in die Hauptstadt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wurden angefahren. Friedrichshain erreichten wir in der Dämmerung.

Der Freitag war eigentlich ein normaler Freitag, nur halt frei. Für wohl alle, denn die Stadt war leer in der weißen Vormittagssonne auf dem Weg zum Treffpunkt mit dem Pauli. Südlich von Berlin muss man sich auskennen. Es gibt einen modernen Flughafen, der unbenutzt in der Landschaft liegt, endlose, einsame Waldstrecken und weite Flächen, die aussehen wie ein hellgrüner Park, durch den das Licht flirrt. Die Orte sind entweder allerliebst-hübsch, oder ostig-grau, je nachdem. Nicht vorne zu fahren ist für mich ungewohnt und sehr unterhaltsam. Mal fuhr ich hinter Rembert, mal am Schluss, die äußerst fotogene Cruisergruppe im warmen Nachmittagslicht bewundernd. Am Abend waren unsere Köpfe leer, so dass an Aktivitäten außerhalb des Balkons in der Sonntagsstraße nicht zu denken war.

Durch Androhung von Etappen im oberen dreistelligen Bereich konnten wir die Mitnahme zweier 125er erfolgreich wegdiskutieren. Denn es ging erst über Köpenick aus der Stadt raus, und dann in einem raumgreifenden Bogen durchs große Nichts des Oderbruchs hinauf in das westlich liegende, weithin unbekannte Mittelgebirge hin zur Schorfheide-Chorin. Der Ostwind hielt auch heute den Himmel frei, so dass alles, durch das wir rauschten, leuchtete wie frisch angemalt. Die Landschaft war abwechslungsreich, hügelig, die Sonne hochsommerlich und die von Rembert sorgfältig gewählten Strecken frei von Dosenverkehr. In den Kurven gab er mit der Slim ein flüssiges Tempo vor, beim Beschleunigen war für uns kein Land zu sehen. Vom Schiffshebewerk in Niederfinow aus war der Rückweg eigentlich klar. Die historische Katzenkopfpiste in irgendeinem namenlosen Brandenburgischen Dorf war aber ungeplant. Sie verwandelte sich in einen sandigen, holprigen Waldweg, so dass hinterher alle heimlich froh waren, das nichts abgefallen ist. Berlin erreichten wir über Weißensee und nie gesehene Teile, in denen noch richtige Plattenbauten stehen. Wie gesagt, beim Hinterherfahren ist es egal, alles ist aufregend, jede Ecke neu, und die Nächte in Berlin sind warm, und man hält beim Gehen stets eine Bierflasche in der Hand.

Sonntag, endless Summer, es war inzwischen wie Urlaub. Eskorte diesmal von Thomas auf der Vanvan aus der Stadt heraus. Unerklärlicherweise stauten sich die Bürgerkäfige zig Kilometer auf der Heerstraße, und auch die B5 war bis Friesack unangenehm voll. Das war dann erstmal egal, weil es dort die geheime, sensationell gute, familiengeführte Eisdiele gibt, in der man einfach noch eine Stunde vergehen lassen kann, bevor man die Maschinen anlässt und satte 250 Kilometer lang den Gang nicht mehr rausnimmt. Die Sonne überholte uns langsam und drückend, und vor Hamburg bogen wir auf die Deichstraße ab. Auch, weil auf den Hauptstraßen sich wieder die Dosen stauten, hauptsächlich jedoch, weil er nicht enden sollte, dieser Traum.