Erstens kam das lange Himmelfahrtsbrückentagwochenende, zweitens ein Jahrhundertwetter. Aber am besten war, dass die Berliner Freunde uns eingeladen hatten. Donnerstag auf der B5 wucherte das Grün der Allee, strahlte das Gelb der Rapsfelder in das leergefegte Blau über uns. Am späten Nachmittag erwartete uns Rembert in Ribbeck zum Kaffee am Schloss. Die Sonne stand heiß und hoch, und wir ließen uns viel Zeit. Für den Kaffee, aber vor allem für die majestätische Einfahrt in die Hauptstadt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wurden angefahren. Friedrichshain erreichten wir in der Dämmerung.
Der Freitag war eigentlich ein normaler Freitag, nur halt frei. Für wohl alle, denn die Stadt war leer in der weißen Vormittagssonne auf dem Weg zum Treffpunkt mit dem Pauli. Südlich von Berlin muss man sich auskennen. Es gibt einen modernen Flughafen, der unbenutzt in der Landschaft liegt, endlose, einsame Waldstrecken und weite Flächen, die aussehen wie ein hellgrüner Park, durch den das Licht flirrt. Die Orte sind entweder allerliebst-hübsch, oder ostig-grau, je nachdem. Nicht vorne zu fahren ist für mich ungewohnt und sehr unterhaltsam. Mal fuhr ich hinter Rembert, mal am Schluss, die äußerst fotogene Cruisergruppe im warmen Nachmittagslicht bewundernd. Am Abend waren unsere Köpfe leer, so dass an Aktivitäten außerhalb des Balkons in der Sonntagsstraße nicht zu denken war.
Durch Androhung von Etappen im oberen dreistelligen Bereich konnten wir die Mitnahme zweier 125er erfolgreich wegdiskutieren. Denn es ging erst über Köpenick aus der Stadt raus, und dann in einem raumgreifenden Bogen durchs große Nichts des Oderbruchs hinauf in das westlich liegende, weithin unbekannte Mittelgebirge hin zur Schorfheide-Chorin. Der Ostwind hielt auch heute den Himmel frei, so dass alles, durch das wir rauschten, leuchtete wie frisch angemalt. Die Landschaft war abwechslungsreich, hügelig, die Sonne hochsommerlich und die von Rembert sorgfältig gewählten Strecken frei von Dosenverkehr. In den Kurven gab er mit der Slim ein flüssiges Tempo vor, beim Beschleunigen war für uns kein Land zu sehen. Vom Schiffshebewerk in Niederfinow aus war der Rückweg eigentlich klar. Die historische Katzenkopfpiste in irgendeinem namenlosen Brandenburgischen Dorf war aber ungeplant. Sie verwandelte sich in einen sandigen, holprigen Waldweg, so dass hinterher alle heimlich froh waren, das nichts abgefallen ist. Berlin erreichten wir über Weißensee und nie gesehene Teile, in denen noch richtige Plattenbauten stehen. Wie gesagt, beim Hinterherfahren ist es egal, alles ist aufregend, jede Ecke neu, und die Nächte in Berlin sind warm, und man hält beim Gehen stets eine Bierflasche in der Hand.
Sonntag, endless Summer, es war inzwischen wie Urlaub. Eskorte diesmal von Thomas auf der Vanvan aus der Stadt heraus. Unerklärlicherweise stauten sich die Bürgerkäfige zig Kilometer auf der Heerstraße, und auch die B5 war bis Friesack unangenehm voll. Das war dann erstmal egal, weil es dort die geheime, sensationell gute, familiengeführte Eisdiele gibt, in der man einfach noch eine Stunde vergehen lassen kann, bevor man die Maschinen anlässt und satte 250 Kilometer lang den Gang nicht mehr rausnimmt. Die Sonne überholte uns langsam und drückend, und vor Hamburg bogen wir auf die Deichstraße ab. Auch, weil auf den Hauptstraßen sich wieder die Dosen stauten, hauptsächlich jedoch, weil er nicht enden sollte, dieser Traum.

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