Das Wetter war viel besser als in der Vorhersage. Nach Osten kamen wir nicht aus der Stadt raus, zu viele Sperrungen, zu viele Bürgerkäfige. Aber es gibt ja noch den Norden. Auf der B4 cruisten wir zufrieden dahin, wollten einen großen Bogen machen und irgendwie über Stormarn zurück an die Elbe kommen. Wir nahmen ungewöhnliche Strecken, die z.T. gar nicht übel waren, wie z.B. von Wakendorf nach Nahe, dann weiter nach Grabau, wo es beeindruckende Hügelgräber gibt. Im Rückspiegel verfolgte uns eine unschöne, dicke graue Wolke. Irgendwann standen wir auf dem Parkplatz eines Supermarktes, und die Wetter-App brachte grausige Gewissheit: Eine kompakte Schauerzelle war hinter uns her. Wir diskutierten fieberhaft alle möglichen Strategien, mussten aber handeln. Kreuz und quer jagten wir über das Dreieck zwischen Oldesloe, Reinfeld und Segeberg, befuhren dabei Dörfer, die nie ein Fremder sah, und Wege, die mitten durchs Wohnzimmer der Bauern führte. Der Hauptfluchtweg nach Ratzeburg war, warum auch immer, durch ein Polizeigroßaufgebot gesperrt. Verzweifelt standen wir in Reinfeld, nichts ging mehr. Das Café hatte zu. Der Schauer entlud sich. Eine Minute lang. Doch außer vereinzelten Tröpfchen passierte nichts. Mit der Sonne tauchte Birte auf und lockte uns in eine andere Welt. Abseits der toten Stadt war unbemerkt ein riesiges Einkaufszentrum Amerikanischen Stils errichtet worden, mit Bäckerei-Drive-IN. Wir verbrachten dort staunend den Nachmittag. Unser Rückweg war ein spannender Balanceakt über ungewohnte Strecken um die Zellen auf dem Radarschirm herum. Trocken, und am Leben.
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