Es ergab sich, dass wir wieder in Darmstadt waren. Inzwischen war der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Anja stieg direkt vom Intercity auf den Rücksitz der Bonnie. Dann trieben wir die B3 entlang, bogen nach Gefühl in den Odenwald ab und suchten uns eine Strecke für den Nachmittag. Nach Süden konnte nicht falsch sein. Mal waren es flüssige Bundesstraßen, meist aber kleine kurvige Nebenstraßen auf Kämmen entlang, oder durch Wälder und Wiesen. In Fürth waren wir die einzigen Gäste in einem seltsamen Café, und auf der Karte rückte Heidelberg in greifbare Nähe. Kurz darauf erreichten wir das Neckartal und besichtigten schnell noch eine Burgruine, in die wir am liebsten sofort eingezogen wären. In Heidelberg standen wir ungläubig in einer hysterischen Touristenmasse, die sich über die Brücke und durch die zurechtgemachten Gassen goss. Germany made in China, Romantik, Selfie-Sticks. Mittendrin saßen wir und aßen Burger, Die Bergstraße sieht zwar auf der Karte gut aus, ist in Wahrheit aber eine quälende Kette von Ampeln und nie endenden Neubauwohngebieten. Ab Weinheim nahmen wir die Autobahn zurück, es ging nicht anders.
Am Sonntag blieb wieder noch eine Tour mit Zeitlimit, was immer etwas unentspannt ist. Wir bretterten auf der Autobahn nach Nordwesten, Richtung Rheintal. Ans Autobahnfahren hat man sich in der Gegend inzwischen gewöhnt. Es ist normal und funktioniert mit der Bonnie erschreckend problemlos. Die Burgen am Rhein leuchteten in der Aprilsonne. Bei Kaub setzen wir mit der Fähre über, und die Uhr zog uns auf der anderen Seite schon spürbar Richtung Wiesbaden. Ein Strom von Bikern mit blankgeputzten Maschinen kam uns entgegen. In der Nähe der Touristenhotspots waren es vermehrt versnobte Showbikes. Autobahn bis Darmstadt. Dort stieg Anja wieder in den IC, ich parkte die Bonnie in der Tiefgarege und ließ sie zurück zusammen mit der ungeahnten Wärme dieses verschnarchten Sonntagnachmittags.

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