Großer Bahnhof in Darmstadt. Mit dem Frühzug kam ich an, ging direkt zur Tiefgarage und holte die Bonnie raus. Man brauchte keine Jacke, die Sonne brannte auf die Straßen der Stadt und die Villen in der Wormser Straße. Dort fand ein großes Fest statt, und zwischendurch öffnete sich sogar ein Zeitfenster, aus dem Anja und ich kurz losdüsten, die Serpentinen hoch zur Burg Frankenstein. Durch den flirrenden Dunst des heißen Nachmittags blickten wir hinunter in die Rheinebene.
Das Fest ging bis spät in die Nacht. Als das Gespräch z.B. auf den Verlauf bedeutender Bundesstraßen fiel, reifte in mir ein verwegener Plan. Ich verzog mich klammheimlich, war dafür am Sonntag fit, und nahm nach dem Frühstück zur allgemeinen Irritation einfach mal die Bonnie mit nach Hause. Während Anja den Tag im Fond eines Toyotas verbrachte, fuhr ich mit einem satten Südwind im Rücken bis Fulda auf der Autobahn, Wie im Reiseführer "Germany" schwang sie sich elegant und leer durch die Hügel. Dann die B27 bis Göttingen: Ganz allein entlang der Werra, gleitendes, ungestörtes Fahren über 250 Kilometer. Die Handschuhe mussten aus, es war heiß. Auf der B3 ließ ich die letzten Hügel hinter mir, rollte nördlich von Hannover durch die Ebene. Celle, Soltau, vertrautes Land. Links von mir hatte sich eine bedrohliche Gewitterzelle gebildet, die ebenfalls nach Norden unterwegs war. Laut Radar blieb für Pausen keine Zeit. Nach 7 Stunden saß ich überraschend ausgeruht bei Anja auf dem Balkon. Die Zelle hatte sich aufgelöst. Ich hatte Hunger.

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