VäterInnentag 2019. Wir saßen auf gepackten Koffern, bis das Regenband am Nachmittag endlich durch war. Dann ging es mit frischem Rückenwind auf die Reise ins ferne Stendal. Bis Lüneburg schossen wir auf der Autobahn mit 110 Sachen entlang. Auf der B4 dann verlangte Anja energisch eine Abwechslung und wir nahmen eine Vio-gesteuerte Route von Bad Bevensen aus durch die Altmark. Regionen, die wir nie zuvor gesehen hatten, ruhig, buschig und absolut angenehm zu fahren. Mit jedem Kilometer wurde das Wetter besser, auf dem letzten Stück ab Salzwedel schwitzten wir in unserer Funktionswäsche. Stendal hatte interessante Ziegelbauten und einen Griechen. Ansonsten ist da nichts los. Gut so.
Am nächsten Morgen zog menschenleer und waldig ausgedehnte Landschaft vorbei. Es blieb viel Raum für uns, die Maschinen brummten zufrieden, die Gedanken verliefen sich. Wenn überhaupt mal eine Ortschaft kam, dann war sie leer und die einzigen Farbtupfer die typischen NPD-Plakate. Die Stadt Brandenburg wirkte im Gegensatz überraschend lebendig, beinahe kosmopolitisch-bunt. Unser Ziel Beelitz war schon in Sichtweite, da machte der Kupplungszug der Mash zonk!. Gut, dass ich noch aus alten Zeiten mit ohne Kupplung fahren konnte (mit Anschubsen). Anja eierte mit der Vulcan hinterher. Das Gute war: Auf Remberts Landsitz in Beelitz war genug Kompetenz versammelt, um das Problem administrativ zu lösen. Rembert eskortierte mich nach Wannsee zum freundlichen Mash Händler, der das Teil umgehend und ohne Termin erneuerte! Den Restnachmittag füllten genüssliche maigrüne Kilometer auf raumgreifenden, Landstraßen, die Rembert und Thomas rausgesucht hatten und die uns ganz allein gehörten. Im Abendlicht sah die Gruppe aus Harley, Vanvan Vulcan und Mash dabei aus wie im Film. In Bad Belzig rauchte schon der Grill. Wir waren sehr entspannt und wurden im Laufe des Abends von Insekten restlos aufgefressen.
Samstag führte uns Thomas auf verträumten, wiederum leeren Landstraßen auf einer südlichen Route Richtung Coswig. Die Sonne brannte auf Wald und Wiese, die Vanvan gab ein entspanntes Tempo vor. Das hätte gern ewig so weiter gehen können. Bei Wörlitz überquerten wir die Elbe, dann kamen holprige, angeblich "legale" Schotterpisten, auf denen ich mir mit der Vulcan nichts anmerken ließ. Im dortigen Landschaftspark stieß Rembert dazu und begleitete uns noch ein Stück. Erst durchs glühende Dessau, dann an der Elbe entlang bis Aken, wo wir uns trennten. Anja und ich glitten durch einen langen warmen Abend über leeres Land in später Sonne. In Pömmelte hielten wir an einem Ringheiligtum, dann ging es über samtigen Asphalt immer weiter Richtung Westen. Am Ende des Tages lag Braunschweig. Das hatte sich in unserer Erinnerung zu einer Weltstadt verklärt. Tatsächlich waren wir froh, noch etwas zu Essen zu kriegen.
Sonntag: Viel zu viel Zeit für zu viel wenig Strecke, und gestern scheinbar irgendwie zu wenig Wasser getrunken. Hinter Uelzen fühlte sich die Landschaft wieder vertraut an. Wälder ohne jegliches Ende, lange Geraden, und plötzlich seltsam viel Verkehr bei 30 Grad. Wir vermieden die B3 und fuhren uninspirierte, aber absolut interessante Bögen durchs Hinterland, z.B. durch riesige Militärübungsgelände mit Natodraht. Immer in der Nähe von Autobahnanschlussstellen waren alle Straßen total mit Autos verstopft. Das war umso absurder, da wir seit 4 Tagen praktisch allein auf der Welt waren. Dann doch lieber noch einen großen Schlenker zurück nach Osten, über Amelinghausen und hinten um Lüneburg herum wieder an die Elbe. Auf der Deichstraße nach Hamburg fielen uns fast schon die Augen zu. In der Stadt holten wir Döner und lehnten uns zurück.
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